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01.11.2003 | Steuern

Auch für den PKW im Privatvermögen können Chefärzte Betriebsausgaben absetzen

In beinahe jeder Betriebsprüfung bei Chefärzten geht es auch um die als Betriebsausgaben geltend gemachten Kfz-Kosten. Häufig stellt sich beim Streit um die Höhe des Privatanteils die Frage, ob der Chefarzt seinen PKW überwiegend beruflich nutzt. Chefärzte dürfen die für sie günstige Ein-Prozent-Regelung - die in etwa einem Privatanteil von 40 Prozent an den gesamten Autokosten entspricht - anwenden, wenn der PKW zum Betriebsvermögen aus der Tätigkeit durch Einnahmen aus Privatliquidation gehört. Nur wenn der PKW bei einer steuerlichen Gewinnermittlung durch Einnahme-Überschuss-Rechnung zu mehr als 50 Prozent für die freiberufliche Praxis eingesetzt wird, ist er also Betriebsvermögen. Aber auch wenn Sie die 50-Prozent-Grenze nicht erreichen, können Sie die auf Ihre berufliche Tätigkeit anteilig entfallenden Kfz-Kosten für den privaten PKW als Betriebsausgaben geltend machen. Dabei können Sie wählen:

Erste Möglichkeit: Sie ermitteln die tatsächlichen Kosten

Hier müssen Sie die mit dem privaten PKW beruflich gefahrenen Kilometer und die angefallenen Kosten nachweisen. Nutzen Sie beispielsweise das Fahrzeug zu einem Drittel beruflich, können Sie ein Drittel aller Kosten als Betriebsausgaben geltend machen. Dazu gehören auch die Abschreibungen für den PKW oder der Leasingaufwand.

Der Nachweis der PKW-Kosten ist mühsam. Am einfachsten wird es, wenn Sie sämtliche Aufwendungen für den privaten PKW über das Girokonto für die freiberufliche Praxis (Privatliquidation sowie Einnahmen aus schriftstellerischer Tätigkeit oder aus Vortragstätigkeit) zahlen. Die Barbelege (beispielsweise Tankquittungen - auch für Privat- oder Urlaubsreisen) müssen aufbewahrt werden. Ihr Steuerberater kann später die gesamten Autokosten zusammenstellen und in der steuerlichen Gewinnermittlung für die Privatpraxis den entsprechenden Anteil steuermindernd berücksichtigen.

Zweite Möglichkeit: Berufliche Autokosten pauschal abrechnen

Wenn Sie sich diese Arbeit ersparen wollen, können Sie die anteiligen beruflichen Autokosten für den privaten PKW auch pauschal und ohne Nachweis der tatsächlichen Ausgaben abrechnen. Für jeden beruflich gefahrenen Kilometer gibt es 0,30 Euro.  Da mit diesem Pauschalbetrag sämtliche Ausgaben für Ihren privaten PKW abgegolten sind, sollten Sie bei teuren Autos die für Sie günstigere Berechnung nach der ersten Möglichkeit in Erwägung ziehen - zumindest solange noch Abschreibungsbeträge abgesetzt werden können. Steuerlich werden die bis zum 31. Dezember 2000 angefallenen Anschaffungskosten bei einem PKW auf fünf Jahre verteilt; fand die Anschaffung erst nach diesem Stichtag statt, wird eine Nutzungsdauer von sechs Jahren zu Grunde gelegt.

Unabhängig, ob Sie nach tatsächlichen Aufwendungen oder pauschal abrechnen: Sie benötigen stets einen Nachweis der beruflich gefahrenen Kilometer. Für berufsbedingte Fahrten zu Seminaren, zum Steuerberater etc. können Sie ein Fahrtenbuch führen - Sie müssen aber nicht. Es genügt, wenn Sie diese Fahrten in Ihrem Terminkalender mit Angabe der zurückgelegten Kilometer festhalten und am Jahresende eine Zusammenstellung fertigen. Zusammen mit dem Terminkalender sollten Sie dann - falls möglich - für größere Fahrten Unterlagen aufbewahren, die den beruflichen Anlass belegen, zum Beispiel Einladungen, Terminbestätigungen, Fortbildungsunterlagen.

Die Aufteilung der beruflichen Autokosten bei einem Chefarzt

Als Chefarzt erhalten Sie als Klinik-Angestellter ein Gehalt für die Behandlung der Kassenpatienten; daneben erzielen Sie mit Ihren Privateinnahmen Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit. Ihre gesamten Aufwendungen müssten Sie daher streng genommen einer der beiden Tätigkeiten zuordnen. Ihre Autokosten wie viele andere Aufwendungen auch können Sie aber nicht ausschließlich der einen oder anderen Einkunftsart zuordnen, weil viele Fahrten nun einmal für beide Tätigkeiten anfallen. Auch eine Aufteilung durch Schätzung wird Ihnen da häufig nicht weiterhelfen.

Unser Vorschlag: Ordnen Sie alle beruflichen Aufwendungen - auch die Autokosten - den Einkünften aus selbstständiger Arbeit zu und berücksichtigen Sie die Ausgaben in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung für die Tätigkeit aus der Privatliquidation. Die Summe der Betriebsausgaben kürzen Sie um den als Werbungskosten bei den Gehaltseinkünften zu berücksichtigenden Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.044 Euro.

Für die Fahrten zur Klinik gibt es nur die Entfernungspauschale

Auch die Kosten für die arbeitstäglichen Fahrten mit dem privaten PKW von der Wohnung zur Klinik können Sie als Betriebsausgaben geltend machen. Egal ob der PKW zum Betriebsvermögen Ihrer Tätigkeit aus der Privatliquidation oder zum Privatvermögen gehört, es werden unabhängig von der Höhe der tatsächlichen Aufwendungen nur folgende Pauschalen anerkannt:

  • 0,36 Euro für die ersten vollen zehn Entfernungskilometer und
  • 0,40 Euro für jeden weiteren vollen Entfernungskilometer.Im Zuge der geplanten Steuerreform könnte es ab dem nächsten Jahr hier zu Änderungen kommen.

     Beispiel 

    Chefarzt Dr. Meier ist im Jahr 2002 an 300 Arbeitstagen mit seinem privaten Pkw von seinem Einfamilienhaus in die 15 km entfernte Klinik gefahren. Die Kosten für diese Fahrten kann er steuerlich wie folgt absetzen:

    300 Tage x 10 km x 0,36 Euro1.080 Euro
    300 Tage x 5 km x 0,40 Euro600 Euro
    Entfernungspauschale für 20021.680 Euro

    Es spielt übrigens keine Rolle, dass Dr. Meier gelegentlich für diese Fahrten den PKW seiner Ehefrau genutzt hat.

    Die Entfernungspauschale wird für die Fahrten in die Klinik nur einmal pro Arbeitstag berücksichtigt. Zusätzliche Fahrten bei unvorhergesehenem Arbeitseinsatz - etwa bei Notfällen oder wenn in der Klinik eine Fortbildungsveranstaltung durchgeführt wird (so ein BFH-Urteil vom 26. Februar 2003, Az: VI R 30/02 - Abruf-Nr. 030886) - werden wie private Fahrten behandelt und wirken sich steuerlich nicht aus.

    Bei einem privaten PKW werden Veräußerungsgewinne nicht versteuert

    Der PKW im Privatvermögen hat noch einen Vorteil: Während Ihr Kollege mit einem PKW im Betriebsvermögen aus der Tätigkeit bei der Privatliquidation den Veräußerungsgewinn aus dem späteren Verkauf des Autos versteuern muss, will das Finanzamt bei Ihnen aus dem Überschuss beim Verkauf des privaten PKW keinen Euro an Steuern. Gleiches gilt, wenn Sie den privaten PKW an die Kinder verschenken.

     Beispiel 

    Die Anschaffungskosten für den PKW betrugen in 1997 umgerechnet 35.000 Euro (Listenpreis 37.800 Euro). Die laufenden Kosten für den etwa zur Hälfte beruflich genutzten PKW belaufen sich auf jährlich 3.100 Euro. Nach sechs Jahren wird er für 5.000 Euro verkauft.

    PKWim Privat-
    vermögen
    im Betriebs-vermögen
    Laufende Kosten (pro Jahr)3.100 Euro3.100 Euro
    Abschreibungen (20 Prozent von 35.000 Euro)7.000 Euro7.000 Euro
    Gesamtaufwendungen pro Jahr10.100 Euro10.100 Euro
    Ermittlung des privaten PKW-Anteils  
    1 Prozent von 37.800 Euro x 12 Monate 4.536 Euro
    50 Prozent von 10.100 Euro (private Nutzung)5.050 Euro 
    - dann sind das für die Jahre 1997 - 20015 x 5.050 =
    25.250 Euro
    5 x 4.536 =
    22.680 Euro
    - für das Jahr 2002 (50 Prozent von 3.100 Euro)1.550 Euro3.100 Euro*
    Privatanteil für sechs Jahre25.250 Euro
    + 1.550 Euro
    26.800 Euro
    22.680 Euro
    + 3.100 Euro
    25.780 Euro
    Steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn-5.000 Euro

    Ergebnis: Wird der PKW als Privatvermögen behandelt und deshalb auch zwangsläufig auf die Ein-Prozent-Regelung verzichtet, wirken sich in den sechs Jahren steuerlich insgesamt 26.800 Euro der Gesamtkosten nicht aus. Ist der PKW im Betriebsvermögen, ist zwar der Privatanteil etwas niedriger, aber zusätzlich ist ein Veräußerungsgewinn von rund 5.000 Euro zu versteuern.

    *Im nächsten Jahr reduziert sich die 1%-Regelung auf die laufenden Kosten, weil die Abschreibung ausgelaufen ist (Kostendeckelung).

    Fazit: Das Beispiel zeigt, dass die berufliche Nutzung eines privaten PKW auch gegenüber einer vermeintlichen günstigeren Ein-Prozent-Regelung noch vorteilhaft sein kann.

    Quelle: Ausgabe 11 / 2003 | Seite 14 | ID 96833