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01.12.2003 | Qualitätsmanagement

Was sich ab dem Jahr 2004 durch die DRGs bei der externen Qualitätssicherung ändert

Mit der Umstellung des Krankenhaus-Entgeltsystems auf das Fallpauschalensystem (DRGs) ist die bisher praktizierte Zuordnung einzelner Behandlungsfälle zu einem Qualitätssicherungs-(QS-)Modul nicht mehr möglich. Wie bereits im "Chefärzte-Brief" Nr. 9/2003Liegt Ihnen dieser Beitrag nicht mehr vor? Mit dem Kennwort auf der ersten Seite können Sie den Beitrag im Online-Archiv für Chefärzte unter www.iww.de, dort "Chefärzte-Brief/Management", lesen. ausführlich berichtet, hat die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung daher einen so genannten "QS-Filter" entwickelt, der diese Aufgabe übernehmen soll.

Die Auslösung einer Dokumentationspflicht soll sich zukünftig an der Indikation bzw. medizinischen Leistung orientieren. Diese Abkehr von der Kopplung der QS an das Behandlungsentgelt ist sicherlich positiv zu beurteilen. Ob für einen Patienten ein Datensatz auszufüllen ist, hängt nun vorwiegend von den angegebenen Diagnose- (ICD) und Therapie-Schlüsseln (OPS)ab. Die für die Zuweisung nötigen Daten sind bereits in den Kliniken vorhanden. Eine zusätzliche Dokumentation wird also vermieden und der administrative Aufwand zumindest an dieser Stelle nicht erhöht.

Welche Vorbereitungen müssen jetzt in den Kliniken getroffen werden?

Es ist unbedingt erforderlich, die nötigen Zusatzmodule für das Krankenhaus-Informationssystem zu beschaffen und zu installieren. Den Herstellern wurden die für die Entwicklung dieser Programme nötigen Daten bereits Mitte des Jahres geliefert. Chefärzte, in deren Kliniken im nächsten Jahr die externe Qualitätssicherung durchgeführt werden muss, sollten darauf dringen, dass die nötigen Routinen frühzeitig angeschafft und in Betrieb genommen werden. Nur so sind eine ausreichende Mitarbeiterschulung und ein Testlauf der Software möglich. Folgende Fachrichtungen müssen ab 2004 mit großer Wahrscheinlichkeit an der externen Qualitätssicherung teilnehmen:

o Allgemeinchirurgieo Frauenheilkundeo Geburtshilfeo Gefäßchirurgie
o Herzchirurgieo Innere Medizin/Kardiologieo Orthopädieo Unfallchirurgie

Das Bundeskuratorium hat für einige der bisher durchgeführten Qualitätssicherungsmaßnahmen die Verpflichtung zur Teilnahme aufgehoben. Letztlich müssen aber die Lenkungsgremien auf der Landesebene entscheiden, ob im nächsten Jahr diese Erfassungen im jeweiligen Bundesland noch verpflichtend durchgeführt werden. So werden zum Beispiel in Bayern alle Module weitergeführt, während in Nordrhein-Westfalen nur die Vorgaben der Bundesebene übernommen werden. Hier wird den Kliniken aber die Möglichkeit geboten, freiwillig in den übrigen Modulen die Dokumentation weiterzuführen. Im Zweifelsfall sollten Sie sich frühzeitig erkundigen, wie in Ihrem Bundesland vorgegangen wird. Diese Frage stellt sich vor allem für die Fachgebiete Augenheilkunde, HNO, Neurochirurgie und Urologie.

Welche Schadenssummen drohen in Zukunft?

Bei den Sanktionen, die Kliniken zu erwarten haben, die ihrer Dokumentationspflicht nicht im geforderten Maße nachkommen, wurden die folgenden Änderungen beschlossen: Für die Ermittlung der Sollzahl an Datensätzen werden die Kliniken ab dem nächsten Jahr einen Ausdruck des oben beschriebenen QS-Filter-Programms vorlegen müssen, der zusätzlich vom Buchprüfer der Klinik zu beglaubigen ist. Die Beurteilung, ob ausreichend dokumentiert wurde, wird dann in Zukunft auf der Ebene des gesamten Krankenhauses durchgeführt. Dies stellt eine wichtige Neuerung zum bisherigen Vorgehen dar, in dem diese Beurteilung auf der Ebene der einzelnen Abteilung erfolgte.

Große Kliniken werden es sich beim neuen System zukünftig unter Umständen "erlauben können", auf die Dokumentation in Abteilungen mit sehr kleinen Fallzahlen zu verzichten, wenn in den restlichen Bereichen eine hohe Dokumentationsquote erreicht wird. Bevor eine solche strategische Entscheidung gefällt wird, muss aber bekannt sein, dass in den ab 2005 zu veröffentlichenden Qualitätsberichten die Dokumentationsquoten aller Abteilungen der Klinik aufzunehmen sind. Wenn ein Krankenhaus dann mindestens 80 Prozent der geforderten Datensätze dokumentiert hat, werden keine Sanktionen verhängt.

Unterschreitet die Klinik diesen Prozentsatz aber, wird die Zahlung für jeden fehlenden Datensatz berechnet. Die exakte Höhe der Strafzahlung wurde noch nicht bekannt gegeben, sie soll sich aber im Bereich von etwa 150 Euro bewegen. Es kann sehr teuer für ein Krankenhaus werden, wenn es den "80 Prozent-Korridor" ansteuern will und sich dabei verrechnet. Eine Klinik mit einem Soll von 5.000 Fällen zahlt bei 4.000 Dokumentationen zum Beispiel keine Strafe, während bei 3.999 Dokumentationen mehr als 150.000 Euro fällig werden.

Wie wird die Dokumentation in Zukunft vergütet?

Die Finanzierung des gesamten Verfahrens wird sich ebenfalls ändern. Während bisher sowohl die Kliniken (3,06 Euro) als auch die Geschäftsstelle auf Bundes- (1,60 Euro) und Landesebene (unterschiedlich) in Abhängigkeit von der Anzahl der in der Qualitätssicherung zu dokumentierenden Datensätze von den Kostenträgern entlohnt wurden, wird in Zukunft das Entgelt von der Anzahl aller erbrachten DRG-Leistungen abhängen. Folgende Summen wurden beschlossen: 0,58 Euro pro Fall für die Kliniken und 0,28 Euro pro Fall für die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung. Die Vergütung für die Landesgeschäftsstellen wird wieder individuell auf der Landesebene festgelegt.

Der beschriebene "Systemzuschlag" wird auch für Behandlungsfälle gezahlt, bei denen keine QS-Dokumentation verlangt wird. Sogar Abteilungen und Kliniken, in denen keine externe Qualitätssicherung durchgeführt wird, erhalten den Zuschlag. Diesen ungewöhnlichen Beschluss begründeten die Selbstverwaltungspartner mit einer administrativen Vereinfachung für Kostenträger und Kliniken. Ferner strebte das Bundeskuratorium mit der neuen Finanzierungslösung die Unabhängigkeit der Geschäftsstelleneinnahmen von Art, Umfang und Menge der in die externe Qualitätssicherung einbezogenen Leistungen an.

 Im Überblick: Das gilt ab 2004 bei der vergleichenden QS 

  • Die Zuordnung von Behandlungsfällen zu QS-Modulen erfolgt in Zukunft durch eine Software, die frühzeitig beschafft und installiert werden sollte.
  • Welche Maßnahmen in den einzelnen Bundesländern verpflichtend dokumentiert werden müssen, ist bei den jeweiligen Landesgeschäftsstellen zu erfragen.
  • Die Sanktionen bei nicht ausreichender Dokumentation werden in Zukunft auf der Ebene der Klinik und nicht mehr der Abteilung berechnet.
  • Die Dokumentationsvergütung wird zukünftig unabhängig von der tatsächlichen Dokumentation für jeden DRG-Fall gezahlt werden.
    Quelle: Ausgabe 12 / 2003 | Seite 9 | ID 96837