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01.01.2007 | Privatliquidation

Der GOÄ-Spiegel

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS Consult, Köln

01.01.2007 | Anästhesie

Eigenständige Berechnung von Leistungen im Aufwachraum

Sehr häufig müssen postoperativ Patienten im Aufwachraum behandelt und untersucht werden. Einige private Krankenversicherungen lehnen die eigenständige Berechnung dieser Leistungen mit dem Argument ab, dass diese noch von den Leistungsziffern der Narkose als solche erfasst seien. Typisches Beispiel dafür ist die Untersuchung auf Rückverlegungsfähigkeit. Man argumentiert hier also nicht mit einer noch nicht abgeschlossenen Narkose. Dies wäre auch angesichts der dem Abschnitt D voranstehenden Bestimmung „bis 10 Minuten nach Operationsende“ wenig aussichtsreich. Vielmehr wird versucht, die Anästhesisten zu verunsichern, indem man medizinische Erfordernisse und gebührenrechtliche Bestimmungen unzulässig miteinander vermengt. 

 

Empfehlung: Mit dem Verweis auf das „Zielleistungsprinzip“ argumentieren

Um sich wirksam wehren zu können, müssen sich die betroffenen Anästhesisten intensiv mit dem „Zielleistungsprinzip“ befassen. Bisher betraf dies vor allem Operateure. 

 

Was zum Leistungsumfang einer GOÄ-Ziffer gehört, ist in der GOÄ selber geregelt. Dies ist aus den Bestimmungen zu erkennen, die regeln, was nicht eigenständig berechnet werden kann. 

 

Nach § 4 Abs. 2a GOÄ kann nicht eigenständig berechnet werden, was Bestandteil oder besondere Ausführung einer anderen Leistung nach dem Gebührenverzeichnis ist. Bitte beachten Sie: Es heißt „... anderen Leistung nach dem Gebührenverzeichnis“. Das bedeutet: Gebührenrechtlich ist eine „andere Leistung“ nur das, was in der GOÄ beschrieben ist (im so genannten „Legendentext“). 

 

Dieses wird besonders deutlich aus der – übertragbaren – Allgemeinen Bestimmung zu Abschnitt L der GOÄ. Dort heißt es (im Satz 2): „... methodisch notwendige Bestandteile der in der jeweiligen Leistungsbeschreibung genannten Zielleistung“. Nicht eigenständig berechnet werden können demnach solche Leistungen, die „...methodisch notwendige Bestandteile“ oder „besondere Ausführungen“ exakt der in der Leistungslegende beschriebenen Zielleistung sind. Die Zielleistungen der Narkose lauten (Nrn. 462/463 GOÄ): „Kombinationsnarkose mit endotrachealer Intubation ... [Zeitbezug]“. 

 

Die postoperative Untersuchung ist eine von der Narkose eigenständig berechenbare Leistung

Ist eine postoperative Untersuchung davon etwa ein „methodisch notwendiger Bestandteil“ oder eine „besondere Ausführung“? Nein. Lassen Sie sich also nicht irreführen, indem Sie den Versuchen der privaten Krankenversicherung (PKV) erliegen, medizinische Notwendigkeiten mit gebührenrechtlichen Sachverhalten zu vermengen. Die postoperative Untersuchung ist eine von der Narkose eigenständig berechenbare Leistung! 

 

Was allerdings wichtig ist: Um die Leistung eigenständig berechnen zu können, muss sie eine eigene Indikation aufweisen. Dies ergibt sich aus § 1 GOÄ. Das muss nicht in die Rechnung, sollte aber klar sein und zumindest in der eigenen Dokumentation auch vermerkt werden. Man kann auch vorbeugen: Schon bei der Rechnungsprüfung durch PKVen gilt: „Wer viel auf die Rechnung schreibt, erspart sich Nachfragen“. Kommt es gar zu gerichtlichen Auseinandersetzungen, erfolgen diese oft erst nach langer Zeit. Einem Gutachter oder Richter hilft ein kurzer Text – wie zum Beispiel „postnarkotische Untersuchung auf Behinderung der Vitalfunktionen“ – mehr, die Art und den Grund der Leistung zu erkennen, als wenn dort nur der GOÄ-Text genannt ist. 

 

Wenn auch nicht ausschlaggebend, so ist es doch ein weiterer Hinweis auf die Eigenständigkeit einer Leistung, wenn diese nicht bei jedem Patienten erfolgt. Zum Beispiel ist denkbar, dass bei ansonsten gesunden Patienten nach einem Eingriff an den Extremitäten die Schwester im Aufwachraum ohne erneute ärztliche Untersuchung die Entscheidung zur Verlegung trifft, nach Schilddrüsenoperationen aber der Grundsatz gilt, dass die Patienten nicht ohne „Freigabe“ durch den Arzt verlegt werden. 

 

Quelle: Ausgabe 01 / 2007 | Seite 17 | ID 86209