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01.02.2007 | Privatliquidation

Der GOÄ-Spiegel

von Dr. med. Bernhard Kleinken, PVS Consult, Köln

01.02.2007 | Frauenheilkunde

Die klinische Untersuchung der Brust

In sogenannten „Abrechnungs-Seminaren“ wird teils die Auffassung vertreten, die klinische Untersuchung beider Brüste und der Axillen sei statt mit der Nr. 5 GOÄ („Symptombezogene Untersuchung“) nach der Nr. 7 GOÄ („Vollständige körperliche Untersuchung“) berechenbar. Begründet wird dies mit dem Untersuchungsaufwand und dem Vergleich mit sonografischen Untersuchungen, wo dieNr. 410 GOÄ („Ultraschalluntersuchung eines Organs“) plus zweimal die Nr. 420 GOÄ („Ultraschalluntersuchung Organe“) abgerechnet werden können.  

 

Dem müssen wir leider widersprechen. Die sachlich-richtige und die verbindlich-gebührenrechtliche Sichtweise sind hier wieder einmal verschieden. Nr. 7 GOÄ ist nur abrechenbar, wenn die entsprechende Leistung erbracht wird. Das ist hier nicht der Fall. 

 

Auch für eine Analogabrechnung fehlt die Voraussetzung. Dafür verlangt § 6 Abs. 2 GOÄ, dass die durchgeführte Leistung in der GOÄ nicht enthalten ist. Dadurch, dass die symptombezogene Untersuchung der Nr. 5 GOÄ nicht nach dem Aufwand, dem Befund oder dem untersuchten Organ differenziert, ist sie vom Text her zutreffend. 

 

Ebenso kann man sich nicht auf den Mehraufwand und eine „Regelungslücke“ der GOÄ im Sinne des Bundesgerichtshof-Urteils vom 13. Mai 2004 (Az: III ZR 344/03 – Abruf-Nr. 041482) zur Schilddrüsen-Operation berufen. Da die klinischen Untersuchungen (Abschnitt B der GOÄ) erst 1996 eingeführt wurden und seitdem keine mit erheblichem Mehraufwand verbundene Änderung der Untersuchung erfolgte, wäre dies nicht plausibel. 

 

Last but not least wäre die Inkongruenz der GOÄ (sonografische Untersuchung) nur dann ein Grund für ein Gericht, sich eventuell über die GOÄ-Bestimmungen hinwegzusetzen, wenn der dadurch entstehende Nachteil die Freiheit der Berufsausübung gefährdete. Wer mag das belegen? 

 

Praxistipp

Da die Abrechnungsbestimmungen eindeutig eine Mehrfachberechnung der Nr. 5 GOÄ in einer Sitzung verbieten, bleibt somit nur der Weg, den höheren Aufwand mit dem Faktor zu berücksichtigen (3,5-fach). Begründung: „Untersuchung mehrerer Organe“. 

Zu wünschen wäre allerdings, dass in die GOÄ für diese und ähnliche klinische Untersuchungen zwischen „symptombezogener“ und „vollständiger“ Untersuchung – ähnlich der Nr. 800 GOÄ – eine „eingehende“ Untersuchung eingeführt würde. 

Quelle: Ausgabe 02 / 2007 | Seite 20 | ID 86247