logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

·Fachbeitrag ·Privatliquidation

Der GOÄ-Spiegel

von Dr. med. Bernhard Kleinken, Pulheim

| In diesem GOÄ-Spiegel befassen wir uns wieder mit Fragen der Abrechnung. Diesmal betrifft es die Fachbereiche Geburtshilfe/Gynäkologie, Urologie, Chirurgie und Orthopädie. Es geht um den Abzug von Eröffnungsleistungen bei der Abrechnung operativer Eingriffe. |

Abzug von Eröffnungsleistungen bei Operationen

Aufgrund zahlreicher Leseranfragen sind die Bestimmungen zum Abzug von Nr. 2990 bzw. Nr. 3135 GOÄ bei Eingriffen in der Brust- oder Bauchhöhle zu erörtern. Entsprechende Regeln enthält die GOÄ vor den Abschnitten H (Geburtshilfe und Gynäkologie), K (Urologie) und L (Chirurgie und Orthopädie). Vor den Abschnitten K und L heißt es: „Werden mehrere Eingriffe in der Brust- oder Bauchhöhle in zeitlichem Zusammenhang durchgeführt, die jeweils in der Leistung die Eröffnung dieser Körperhöhlen enthalten, so darf diese nur einmal berechnet werden; die Vergütungssätze der weiteren Eingriffe sind deshalb um den Vergütungssatz nach Nr. 2990 oder Nr. 3135 zu kürzen.“ Vor Abschnitt H ist allein die „Bauchhöhle“ angeführt.

 

Bei mehreren Eingriffen im Bereich der Brust- oder Bauchhöhle entsteht für den zweiten Eingriff und gegebenenfalls für weitere, in derselben Sitzung durchgeführte Eingriffe („Simultaneingriffe“) eine erhebliche Leistungsüberschneidung mit dem ersten Eingriff - vor allem beim Zugang und Wundverschluss. Die zitierte Bestimmung soll diese Leistungsüberschneidung durch eine Minderung des Honorars - Abzug einer Eröffnungsleistung nach Nr. 2990 oder 3135 GOÄ - berücksichtigen.

 

Abzug betrifft nur die Abschnitte H, K und L

Zwar können Leistungsüberschneidungen auch bei Eingriffen aus anderen Abschnitten der GOÄ vorliegen (in der Regel in geringerem Umfang) - dort ist jedoch keine Eröffnungsleistung abzuziehen, da die Bestimmung allein die Abschnitte H, K und L der GOÄ betrifft. In den Abschnitten I (Augenheilkunde) und J (HNO-Heilkunde) der GOÄ sind Leistungsüberschneidungen bei Simultaneingriffen bei der Bestimmung des Steigerungsfaktors zu berücksichtigen.

 

Wie ist die Passage „Brust- oder Bauchhöhle“ zu verstehen?

Die zitierte Regelung vor den Abschnitten K und L bezieht sich auf „Brust- oder Bauchhöhle“. Das ist nicht im streng anatomischen Sinn zu verstehen, sondern vor dem Hintergrund der GOÄ-Terminologie. Deshalb ist die Bestimmung auch bei Eingriffen im kleinen Becken und im Retroperitoneum anzuwenden. Durch die Beschränkung auf den Bereich „Brust- und Bauchhöhle“ - gerechtfertigt dadurch, dass bei Eingriffen außerhalb der Brust- oder Bauchhöhle die Leistungsüberschneidung bei Simultaneingriffen geringer ist -, ist bei Eingriffen außerhalb dieses Bereichs die Regelung nicht anzuwenden, selbst wenn diese in einem der betroffenen GOÄ-Abschnitte angeführt sind.

 

PRAXISHINWEIS | Beispiele sind Eingriffe an den Extremitäten oder am Hals. Auch hier sind Leistungsüberschneidungen gegebenenfalls nur bei der Bemessung des Steigerungsfaktors zu berücksichtigen.

 

Gegebenenfalls „freiwillige“ Anwendung prüfen

Das schließt nicht aus, dass man in Fällen von Auseinandersetzungen um die Abrechenbarkeit von Leistungen „freiwillig“ einen Abzug vornehmen kann. So hat es zum Beispiel viele Auseinandersetzungen - und unterschiedlich ausfallende Gerichtsurteile - um die Zweifachabrechenbarkeit der Nr. 2755 GOÄ bei doppelseitiger Strumektomie gegeben. Der Ausschuss „Gebührenordnung“ der BÄK gab deshalb schon 1998 die „salomonischeu“ Empfehlung: „Nr. 2755 GOÄ ist zutreffend für die Teilresektion von Adenomen der Schilddrüse bzw. die einseitige subtotale Strumaresektion. Bei doppelseitiger Strumaresektion ist Nr. 2755 zweimal berechenbar. Im Sinne der Präambel zum Abschnitt L ist dann aber als Eröffnungsleistung Nr. 2803 GOÄ (Freilegung und/oder Unterbindung eines Blutgefäßes am Hals ... 1.480 Punkte) abzuziehen.“ Wenn Arzt und Kostenträger sich dem anschließen, ist eine Auseinandersetzung vermieden.

 

Simultaneingriffe müssen vom gleichen Zugang aus erfolgen

Da die Leistungsüberschneidung vor allem durch den Zugang zum Operationsgebiet und den Wundverschluss geprägt ist, kann sie nur dann greifen, wenn die Simultaneingriffe vom gleichen Zugang aus erfolgen. Wenn die Simultaneingriffe von unterschiedlichen Schnittführungen aus erfolgen (zum Beispiel Rippenbogenrandschnitt und mediane Laparotomie oder Pfannenstielschnitt und vaginaler Zugang), braucht kein Abzug vorgenommen zu werden. In solchen Fällen sollten die unterschiedlichen Zugänge in der Rechnung deutlich gemacht werden (zum Beispiel bei Angaben zur Therapie oder bei der jeweiligen Leistung). Unnötige Nachfragen können damit meist vermieden werden.

 

Vorgehensweise beim Abzug

Wie man vorgeht, ist letztlich gleich. Eine Möglichkeit ist, die Differenz der Einfachsätze zu bilden und darauf dann den Steigerungsfaktor anzuwenden. Aber auch, wenn man den Simultaneingriff mit demselben Steigerungssatz abzieht wie die vorangegangene Leistung oder die Differenz der Punktzahlen (Abzug von 1.110 Punkten der Nr. 2990 bzw. 3135 GOÄ) bildet und dann mit Punktwert und Steigerungssatz multipliziert, bleibt das Ergebnis gleich.

 

Vorgehen bei geringerer oder gleicher Bewertung von 1.110 Punkten

Nr. 2990 GOÄ und Nr. 3135 GOÄ sind Eingriffe, die im Wesentlichen vom Zugang, Verlassen der Brust- bzw. Bauchhöhle und dem Wundverschluss geprägt sind. Ist ein Simultaneingriff mit weniger als 1.110 Punkten bewertet, so ist offensichtlich (es würde ein „negatives“ Honorar resultieren), dass bei diesem Eingriff kein Abzug vorzunehmen ist. Bei gleicher Bewertung des Simultaneingriffs (1.110 Punkte) ist ebenfalls offensichtlich, dass ein voller Abzug der Eröffnungsleistung keinen Sinn macht. Es resultiert kein Honorar für den zusätzlich durchgeführten Eingriff. In solchen Fällen ist sachgerecht, von dem mit „normalem“ Faktor (zum Beispiel 2,3-fach) berechneten Simultaneingriff die Eröffnungsleistung mit dem Einfachsatz (1,0-fach) abzuziehen. In früheren Ausgaben war das auch im GOÄ-Kommentar des Deutschen Ärzteverlags so enthalten. Simultanleistungen, die geringer oder gleich oder nur geringfügig höher bewertet sind als mit 1.110 Punkten, sollten kritisch darauf geprüft werden, ob sie überhaupt eigenständig berechenbar sind oder ihre eigenständige Berechenbarkeit dem „Zielleistungsprinzip“ zum Opfer fällt.

 

Leistungen, die obligat oder in der Regel Zusatzleistungen sind

Bei Leistungen, die in ihrer Leistungsbeschreibung bereits darauf abstellen, dass sie zusätzlich zu anderen Eingriffen erbracht werden, braucht kein Abzug vorgenommen zu werden. Beispiele: Nr. 3205 GOÄ (zusätzliche Endodrainage) oder Nr. 1837 GOÄ (zusätzliche Nierenpolresektion). Bei anderen Leistungen, die in der Regel zusätzliche Eingriffe darstellen, muss man den Einzelfall prüfen, insbesondere die Relation der Bewertungen. Es ist davon auszugehen, dass eine regelhafte Erbringung als Simultaneingriff bereits in der Bewertung berücksichtigt ist. Dabei muss man vom Stand der Medizin in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausgehen (Zeitpunkt der Fassung der GOÄ), nicht vom heutigen Stand der Medizin. So ist Nr. 3173 (Entfernung Meckelsches Divertikel, 1.480 Punkte) zu einem Zeitpunkt gefasst worden, als die Entfernung eines im Rahmen einer Appendektomie entdeckten Meckelschen Divertikels obligat war - kein Abzug der Eröffnungsleistung.

 

Leistenbruch-Operationen

Leisten- und andere Bruch-Operationen finden sowohl außerhalb als auch innerhalb der Brust- oder Bauchhöhle statt. Regelhaft finden Eingriffe nach den Nrn. 3282, 3283, 3285, 3287 und 3288 GOÄ außerhalb des Bauchraums - in der Bauchwand - statt, sodass zu diesen Leistungen kein Abzug der Eröffnungsleistung erforderlich ist.

 

Endoskopische Eingriffe

Wenn mehrere endoskopische Eingriffe innerhalb der Brust- oder Bauchhöhle simultan erbracht werden, ist die Bestimmung auf den zweiten oder folgenden Eingriff anzuwenden (die Eröffnungsleistung abzuziehen). Nicht betroffen als erster Eingriff ist jedoch die diagnostische Endoskopie vor dem mit der entsprechenden GOÄ-Ziffer abzurechnenden Eingriff. Bei der diagnostischen Laparoskopie (Nr. 700 GOÄ) steht nicht nur die Bewertung dem Abzug einer Eröffnungsleistung entgegen; zudem ist sie in dem von der Bestimmung nicht betroffenen Abschnitt F der GOÄ angeführt. Gleiches trifft für die diagnostische Thorakoskopie nach Nr. 677 GOÄ zu.

 

Grundsätzlich gilt das auch für die Nr. 701 GOÄ. Deren Berechnung für die dem Eingriff vorangegangene Laparoskopie sollte aber wegen einer möglichen Auseinandersetzung um den in Nr. 701 enthaltenen „intraabdominellen Eingriff“ unterbleiben. Das heißt: Auf den der diagnostischen Endoskopie folgenden Eingriff braucht kein Abzug der Eröffnungsleistung vorgenommen zu werden. Erst wenn weitere Simultaneingriffe dazukommen, kann die Bestimmung zum Abzug greifen.

 

Leserservice | Trotz der eingehenden Darstellung der „Spielregeln“ zum Abzug der Eröffnungsleistung können in konkreten Einzelfällen noch Fragen aufgeworfen werden. Bitte schreiben Sie uns unter cb@iww.de.

Quelle: Ausgabe 06 / 2015 | Seite 17 | ID 43391820