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04.03.2008 | Die Probezeit des Chefarztes, Teil 2

Probezeit: Die ersten 100 Tage als Chefarzt

Mit der Aufnahme der Tätigkeit fängt eine neue Phase im Berufsleben des Chefarztes an. Als Einsteiger stehen Sie vor der Aufgabe, herauszufinden, wie was an Ihrem neuen Arbeitsplatz funktioniert. Der nachfolgende Beitrag gibt dem „frischgebackenen“ Chefarzt Tipps für die ersten 100 Tage im neuen Job und berichtet über den Fall einer Chefärztin, der bereits in der Probezeit gekündigt wurde. 

 

Allem voran geht die Probezeit – in der Regel drei Monate bis zu einem halben Jahr. Die rechtlichen Grundlagen und die ersten Praxisfälle haben wir bereits in der letzten Ausgabe aufgezeigt („Chefärzte Brief“ Nr. 2/2008, Seiten 13 ff.). Typische Eintrittstermine sind der 1. Oktober oder der 1. April des Jahres. 

Tipps für das Verhalten in der Abteilung

In diesen ersten 100 Tagen sollten Sie zunächst akribisch Arbeitsabläufe und interpersonelle Strukturen beobachten sowie die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehen. Fordern Sie die Krankenhausleitung auf, dafür zu sorgen, dass Sie umfassend über alle für Ihre Einwilligung wichtigen Details informiert werden. Suchen Sie sich einen Ansprechpartner (zum Beispiel den Ärztlichen Direktor im Haus) der für Sie als wichtige Informationsquelle dient. 

Als Neuer im Krankenhaus werden Sie in der Anfangsphase genau „beäugt“, um zu sehen, ob die Wahl des Kandidaten die richtige gewesen ist. Wie sollte man sich in dieser Situation verhalten? Um sich zu orientieren, steht Ihnen nachfolgender Fragenkatalog zur Seite, den Sie Schritt für Schritt ergänzen können: 

 

  • Wo liegen die Probleme in der Abteilung und wie sollte man sie Ihrer Meinung nach lösen?
  • Welche Fehler hat Ihr Vorgänger gemacht (sofern es welche gab)?
  • Welche Erwartungen haben das ärztliche Personal und das Pflegepersonal in Ihrer Abteilung an Sie?
  • Gibt es konkrete Vorschläge der ärztlichen und nichtärztlichen Mitarbeiter, die Sie unterstützen können?
  • Was können Sie zukünftig besser machen? Welche Vorstellungen schweben Ihnen bei der Weiterentwicklung der Abteilung vor?
  • Über welche Kontakte verfügen Sie, die Sie nutzen sollten?

Wie mit Konflikten am Arbeitsplatz umgehen?

Was sollte getan werden, wenn ein Kollege oder Mitarbeiter Gerüchte über Sie verbreitet? Wenn Sie sicher sind, dass es sich um ein echtes Problem handelt, klären Sie zunächst folgende Fragen: 

  • Wer könnte ein Interesse haben, Sie anzugreifen?
  • Worin liegen die Motive für das Handeln des Kollegen (eigenes Interesse an Ihrer Position, Angst um die eigene wirtschaftliche Existenz, reines Konkurrenzdenken)?
  • Wie ist die Position des Kollegen?
  • Wen könnten Sie zu Ihrem Verbündeten machen?

 

Wenn Sie die Fragen beantwortet haben, können Sie entscheiden, ob Sie zunächst die Situation weiterhin beobachten wollen oder direkt eingreifen möchten. Sollten Sie sich bei der eigenen Einschätzung unsicher sein, bietet es sich an, eine ausgewählte Person aus Ihrer Arbeitsumgebung hinzuzuziehen. Erst danach sollten Sie mit dem Kollegen, mit dem Sie den Konflikt haben, sprechen und eine Vereinbarung bezüglich der weiteren Zusammenarbeit treffen. Im Gespräch sollten Sie ihn direkt und unmissverständlich dazu auffordern, mit den Gerüchten aufzuhören.  

 

Tipp: Ziehen Sie sich in dieser Situation nicht zurück und resignieren Sie nicht. Anderenfalls kann es nämlich zu einer echten Eskalation der Situation kommen und Sie spielen dem anderen Kollegen direkt in die Hände. Denn: Konflikte werden auch zukünftig zu Ihrem Alltag gehören. 

Quelle: Ausgabe 03 / 2008 | Seite 8 | ID 117958