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·Fachbeitrag ·Vermögensberatung

Die private Lebensversicherung wird fällig - Rente oder Kapitalabfindung, was ist vorteilhafter?

von Prof. Dr. Peter Hoberg, Worms

| Die Deutschen haben in den letzten Jahrzehnten viele Milliarden EUR in Lebens- und Rentenversicherungen investiert. Allein 2013 flossen 90,8 Mrd. EUR in die Kassen der Versicherungen (vgl. Statista.de). Bei ca. 87,7 Millionen laufenden Verträgen hat jeder Deutsche im Durchschnitt mehr als eine Lebensversicherung. Viele Verträge werden nun fällig und es stellt sich die Frage, ob eine lebenslange Rente oder eine einmalige Kapitalabfindung gewählt werden soll. Neben Fragen der Laufzeit und der Verzinsung spielen auch die steuerlichen Folgen eine wesentliche Rolle. |

1. Vorabentscheidung für Rente oder Kapitalabfindung?

Bei Ablauf einer privaten Lebens- oder Rentenversicherung hat der Kunde üblicherweise die Auswahl, ob er die Ablaufleistung in einem Betrag am Fälligkeitstag erhalten möchte (Kapitalabfindung) oder ob er sie verrenten möchte. In einigen wenigen Fällen scheint die Entscheidung mehr oder weniger vorgegeben zu sein:

 

1.1 Angebliche Vorentscheidung für Verrentung

Insbesondere viele Freiberufler haben anstelle der gesetzlichen Altersversorgung ein Sparkapital über Renten- und/oder Lebensversicherungen aufgebaut, um davon im Alter leben zu können. Sie benötigen somit eine lebenslängliche Rente, sodass die Ausgangslösung in der Verrentung besteht. Allerdings kann diese Personengruppe auch überlegen, ob sie das angesparte Kapital nach einer Abfindung anders anlegen möchte, sei es bei einer anderen Rentenversicherung oder sei es in anderen Anlageformen. Auch Mischformen sind denkbar.

 

1.2 Angebliche Vorentscheidung für Kapitalabfindung

Teilweise haben Kunden Lebens- und/oder Rentenversicherungen abgeschlossen, um mit der Ablaufleistung z. B. Hypothekendarlehen abzulösen. Im Nachhinein war diese Entscheidung falsch, weil die hochgerechneten Ablaufleistungen bei Weitem unterschritten wurden. Nichtsdestotrotz wird zum Ablauftermin ein großer Betrag benötigt, um das Immobiliendarlehen abzulösen.

 

Selbst in dieser Situation lohnt sich ein Abwägen der Alternativen. Angesichts minimaler Zinssätze für Immobilien (teilweise unter 1 % effektiv bei 10-jähriger Zinsfestschreibung) kann darüber nachgedacht werden, den Immobilienkredit zu verlängern und dafür eine lebenslängliche Rente zu erhalten. Auch ist es möglich, die Kapitalabfindung teilweise für eine Kreditreduzierung zu nutzen und den anderen Teil für eine Rente oder eine andere Kapitalanlage.

 

Es lässt sich somit festhalten, dass auch in vermeintlich eindeutigen Fällen überlegt werden sollte, ob nicht auch die jeweils andere Variante interessant ist.

 

2. Steuerliche Regelungen

Im Mittelpunkt der Analyse stehen Verträge, für die das Steuerprivileg gilt. Denn nur diese werden jetzt fällig. Das Steuerprivileg bedeutet, dass die einmalige Ablaufleistung nicht besteuert wird. Neben einem Vertragsabschluss bis zum 31.12.04 müssen für die Steuerfreiheit noch die folgenden Bedingungen eingehalten worden sein:

 

  • Vertragslaufzeit: mindestens 12 Jahre
  • Dauer der Beitragszahlung: mindestens 5 Jahre
  • Der Risikoschutz gegen ein frühes Ableben: mindestens 60 % der Beitragssumme

 

Beachten Sie | Bei Verträgen mit Abschluss ab dem 1.1.05 gilt im ersten Schritt eine vollständige Steuerpflicht bei Wahl der Einmalleistung. Unter bestimmten Voraussetzungen (insb. wieder 12 Jahre Mindestlaufzeit) kann eine halbe Besteuerung zum individuellen Grenzsteuersatz erfolgen.

 

Der zu entwickelnde Ansatz kann auch für Renten aufgrund von Einmalzahlungen verwendet werden, obwohl diese inzwischen wesentlich weniger attraktiv geworden sind.

 

Während die Versteuerung der Ablaufleistung entscheidend von der Vertragsart abhängt, gilt dies nicht für die Rente. Vielmehr muss der sogenannte Ertragsanteil versteuert werden. Er wird bei Rentenbeginn einmalig festgelegt und ändert sich dann nicht mehr. Er hängt vom Alter des Rentenempfängers bei Rentenbeginn ab. Damit soll in einfacher Weise berücksichtigt werden, dass Renten üblicherweise neben der Kapitalrückzahlung auch einen Zinsanteil enthalten.

 

Die Mehrheit wird mit 65 Jahren die Rente erstmals beziehen wollen. In diesem Fall beträgt der Ertragsanteil 18 % (§ 22 EStG). Dieser Satz fällt mit steigendem Eintrittsalter und erreicht 15 %, wenn der Rentenbeginn mit dem 70. Lebensjahr erfolgt.

 

Wenn der Rentenempfänger bereits ohne Rente ein zu versteuerndes Einkommen von 52.222 EUR hat, so beträgt sein Grenzsteuersatz 44,31 % (inkl. Soli, ohne Kirchensteuer). Seine Steuerlast für eine Rente von 1.000 EUR beträgt dann: 1.000 EUR x 18 % x 44,31 % = 79,76 EUR.

 

Auf den ersten Blick könnte man diese knapp 8%ige Steuerbelastung für maßvoll halten. Dies ist aber nicht mehr der Fall, weil inzwischen die meisten Rentner froh sein können, wenn sie das eingesetzte Kapital über die Rente wieder herausbekommen.

 

Eine Verzinsung, die früher noch relevant war, ist kaum noch in nennenswerter Größenordnung zu erwarten. Damit besteuert der Staat nicht Zinsen, sondern die Substanz. Wenn dann noch berücksichtigt wird, dass auch bei der zurzeit geringen Inflation die Rente in realer Kaufkraft immer wenig wert sein wird, ist eine Besteuerung kaum noch zu begründen.

 

Beachten Sie | Sozialabgaben für Pflichtversicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung und für privat Krankenversicherte fallen nicht an. Problematisch kann es für Rentner werden, die freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, was hier aber nur erwähnt werden kann.

3. Einflussfaktoren für die Vorteilhaftigkeit der Rente

Die Entscheidung zwischen Rente und einmaliger Kapitalabfindung muss verschiedene Einflussfaktoren berücksichtigen:

 

3.1 Wie hoch ist die Rentenrendite?

Die Versicherungsgesellschaft bietet alternativ entweder eine garantierte lebenslange Rente an oder eine Kapitalabfindung. In einem aktuellen Fall mit Fälligkeit in 2016 nach über 12 Jahren Laufzeit steht einer garantierten Rente von 344 EUR eine steuerfreie Kapitalabfindung von 57.400 EUR gegenüber. Damit ermittelt sich eine monatliche Rentenrendite von 344/57.400 = 0,5993 %.

 

3.2 Wie hoch ist die steuerliche Belastung im Rentenfall?

Wie bereits oben dargestellt, hängt die steuerliche Belastung einer Rente von dem Eintrittsalter und dem individuellen Grenzsteuersatz ab, die multiplikativ zum Steuereffekt verknüpft werden. Im obigen Beispiel betrug der Steuereffekt ca. 8 %. Von diesem Satz wird auch im Folgenden ausgegangen.

 

3.3 Wie hoch ist die Nachsteuerrendite?

Wenn eine Kapitalabfindung gewählt wird, so stellt sich die Frage nach dem alternativen Zinssatz, den der Kunde durch die Anlage der Kapitalabfindung erzielen könnte.

 

Auch hier ist die Nachsteuervariante gefragt, da es eine extreme Bandbreite gibt. Die Maximalbelastung von 47,48 % (ohne Kirchensteuer) kann auftreten, wenn eine Privatperson mit hohen anderen Einkommensarten betrachtet wird. Ein Steuersatz von 26,375 % würde für Kapitaleinkünfte gelten, wobei hier gerade wegen der langfristigen Fragestellung auf die Änderungsbestrebungen in der Politik hingewiesen werden muss. Teilweise wird sogar eine normale Versteuerung zu dann maximal 47,48 % gefordert.

 

Im Extremfall kann die Rendite im Nachsteuerfall aber auch steigen, wenn wie in der geplanten Förderung von Mietwohnungen in Ballungsgebieten großzügige Abschreibungen gewährt werden (siehe BBP 16, 49).

 

3.4 Wie ist die sonstige finanzielle Situation des Entscheidungsträgers?

Üblicherweise wird der Entscheidungsträger noch andere Renteneinkünfte sowie Kapitalanlagen besitzen. Häufig wird er eine gesetzliche Rente erhalten, deren Anteil am letzten Nettoeinkommen aber mit jedem Jahr sinkt, das er später in Rente geht.

 

Um das individuelle Langleberisiko abzudecken, sollten Personen, die ansonsten nur geringe Renten und nur wenig Vermögen besitzen, eher die Rente wählen. Für Personen mit ansonsten ausreichenden Renten bzw. Vermögen kann die Entscheidung unter rein finanziellen Aspekten fallen, da das Langleberisiko durch andere Einkünfte abgedeckt ist.

 

3.5 Die wahrscheinliche Rentenzahldauer (Überlebensdauer)

Offensichtlich wird eine Entscheidung für die Rente für den Empfänger mit jedem Jahr vorteilhafter, die sie länger gezahlt wird. Dieser Zeitraum der Rentenzahlung kann nicht sicher geschätzt werden. Im unglücklichsten Fall (nicht nur aus finanzieller Sicht) verstirbt der Rentenempfänger schon kurz nach Beginn der Rentenzahlungen.

4. Kalkulation der Vorteilhaftigkeit

Da die Entscheidung zwischen Rente oder Abfindung vom Versicherungsnehmer getroffen werden kann, ist es an ihm, den Vergleich durchzuführen. Leider unterstützen die Lebensversicherungsunternehmen kaum. Sie teilen nur die Höhe der Kapitalabfindung bzw. der Rente mit. Im nachfolgenden Beispiel sind dies 57.400 EUR Kapitalabfindung oder monatlich 344 EUR Rente.

 

Auch wenn die obigen Punkte 3.1 - 3.5 wichtig sind, so besteht die größte offene Frage in der Abschätzung, wie lange der Versicherungsnehmer noch leben wird. Daher wird im Folgenden ermittelt, bei welcher Laufzeit die Rentenzahlung und die Kapitalabfindung gleich gut sind. Dabei werden die Steuerwirkungen berücksichtigt.

 

Das Vergleichskonzept ist das Folgende: Wie viele Monate kann der Entscheidungsträger genau die gleiche Rentenzahlung nach Steuern aus der Kapitalabfindung entnehmen, wenn diese sich mit einer bestimmten Rendite nach Steuern verzinst. Für diese Nachsteuerrendite wird im ersten Beispiel in Tab. 1 eine Effektivverzinsung von 2,5 % effektiv nach Steuern angenommen. Dadurch erhält man einen effektiven Monatszinssatz von 0,20598 % (gerundet). Er wird im ersten Monat auf den kompletten Betrag der Kapitalabfindung von 57.400 EUR angewendet, was am Monatsende einen Zinsbetrag von 118,23 EUR ergibt. Entnommen wird der immer gleiche Betrag von 344 EUR, der auch bei einer Rente zugeflossen wäre. Damit sinkt das Kapital auf 57.400 EUR + 118,23 EUR ./. 344 EUR = 57.174,23 am Monatsende. Die Ergebnisse für die ersten 10 Monate sowie für die Schlussphase sind in der folgenden Tab. 1 dargestellt.

 

  • Tab. 1: Kapitalabfindung (ohne Steuern) bei 2,5 % p. a. Effektivverzinsung

Monat

Kapital am

Monatsanfang

Zinsen
Monats-

rente

Kapital am

Monatsende

1

57.400,00

118,23

-344,00

57.174,23

2

57.174,23

117,77

-344,00

56.948,00

3

56.948,00

117,30

-344,00

56.721,31

4

56.721,31

116,84

-344,00

56.494,14

5

56.494,14

116,37

-344,00

56.266,51

6

56.266,51

115,90

-344,00

56.038,41

7

56.038,41

115,43

-344,00

55.809,84

8

55.809,84

114,96

-344,00

55.580,80

9

55.580,80

114,49

-344,00

55.351,29

10

55.351,29

114,01

-344,00

55.121,30

200

1935,86

3,987553561

-344,00

1595,85

201

1595,85

3,287183591

-344,00

1255,13

202

1255,13

2,585370974

-344,00

913,72

203

913,72

1,882112739

-344,00

571,60

204

571,60

1,177405906

-344,00

228,78

205

228,78

0,471247492

-344,00

-114,75

 

Auf die in Tab. 1 beschriebene Weise setzt sich die Entnahme von jeweils 344 EUR pro Monat fort, bis das Kapital im 205. Monat erschöpft ist. Der Zeitpunkt lässt sich mathematisch genau bestimmen (vgl. zur Ableitung der Formel z. B. Varnholt/Leideform/Hoberg, S. 534): Es sind 204,7 Monate. Mit diesen Informationen, die auf einem aktuellen Beispiel beruhen, kann der Entscheidungsträger nun überlegen, ob er sich noch ca. 17 Jahre zutraut.

 

4.1 Entscheidungstabellen für den Fall ohne Steuern

Die obige Kalkulation wurde für die spezielle Datenkonstellation des Beispiels durchgeführt. Je nach Angebot der Versicherung und der eventuellen Verzinsung der Kapitalabfindung ergibt sich jeweils eine andere kritische Monatsanzahl. Daher wurde eine Tabelle entwickelt, aus der sich für fast alle Fälle die kritische Anzahl der Monate ablesen lässt.

 

Im ersten Schritt wird angenommen, dass die Versteuerung der Rente nicht relevant ist, weil ansonsten nur geringe weitere Renten und andere Einkünfte anfallen.

 

Als Vorarbeit für die Verwendung der Tabellen ist es nur notwendig, die monatliche Rentenrendite zu bestimmen. Sie betrug im gewählten Beispiel 0,5993 % (siehe Punkt 3.1). Die garantierte Rentenrendite der Versicherung findet sich in der ersten Zeile der Tab. 2. Sie ist von 0,4 % bis 0,9 % tabelliert:

 

  • Tab. 2: Kritische Anzahl von Monaten (Fall ohne Steuern auf Rente und Kapitalanlage)
Ertragsanteil (z. B. 18 % bei Eintritt mit 65): 18 %
Erwarteter Grenzsteuersatz: 0,00 %
Monatliche Rentenrendite = Monatsrente vor Steuern/Kapitalabfindung

0,40 %

0,45 %

0,50 %

0,55 %

0,60 %

0,65 %

0,70 %

0,75 %

0,80 %

0,85 %

0,90 %

Alternative Rendite p. a.

0,00 %

250,0

222,2

200,0

181,8

166,7

153,9

142,9

133,3

125,0

117,7

111,1

0,25 %

256,8

227,6

204,3

185,4

169,7

156,4

145,0

135,2

126,7

119,1

112,4

0,50 %

264,1

233,2

208,9

189,1

172,8

159,0

147,3

137,2

128,4

120,7

113,8

0,75 %

271,9

239,3

213,7

193,0

176,0

161,8

149,7

139,2

130,2

122,2

115,2

1,00 %

280,3

245,8

218,8

197,2

179,5

164,7

152,1

141,4

132,0

123,8

116,6

1,25 %

289,5

252,7

224,2

201,6

183,1

167,7

154,7

143,6

133,9

125,5

118,1

1,50 %

299,5

260,2

230,1

206,2

186,9

170,8

157,4

145,9

135,9

127,3

119,6

1,75 %

310,6

268,3

236,3

211,1

190,9

174,2

160,2

148,2

138,0

129,1

121,2

2,00 %

322,8

277,2

243,0

216,4

195,1

177,7

163,1

150,7

140,1

130,9

122,9

2,25 %

336,4

286,8

250,2

222,0

199,6

181,3

166,2

153,3

142,4

132,9

124,6

Alternative Rendite p. a.

2,50 %

351,7

297,5

258,1

228,1

204,4

185,2

169,4

156,1

144,7

134,9

126,3

2,75 %

369,1

309,3

266,6

234,5

209,5

189,3

172,8

158,9

147,1

137,0

128,1

3,00 %

389,2

322,5

276,0

241,6

214,9

193,7

176,4

161,9

149,6

139,1

130,0

3,25 %

412,9

337,4

286,3

249,2

220,8

198,4

180,1

165,0

152,3

141,4

132,0

3,50 %

441,3

354,5

297,9

257,5

227,1

203,3

184,1

168,3

155,1

143,8

134,0

3,75 %

476,6

374,4

310,8

266,6

233,9

208,6

188,4

171,8

158,0

146,2

136,1

4,00 %

522,2

397,9

325,4

276,8

241,4

214,3

192,9

175,5

161,0

148,8

138,4

4,25 %

585,5

426,5

342,3

288,1

249,5

220,5

197,8

179,4

164,3

151,5

140,7

4,50 %

684,7

462,6

362,1

300,8

258,5

227,2

203,0

183,6

167,7

154,4

143,1

4,75 %

897,0

510,6

385,8

315,3

268,4

234,5

208,5

188,0

171,3

157,4

145,6

5,00 %

n.a.

580,2

414,9

332,1

279,5

242,4

214,6

192,7

175,1

160,5

148,3

 

In der ersten Spalte ist die effektive Jahresrendite abgetragen, die der Entscheidungsträger für die Verzinsung der Kapitalabfindung erhalten würde.

 

Die Anwendung der Tabelle sei für das obige Beispiel gezeigt. Die effektive Alternativverzinsung betrug 2,5 %, die monatliche Rentenrendite knapp 0,6 %. An der Schnittstelle finden wir die kritische Monatsanzahl von 204,4 (Fettdruck). Sie ist geringfügig kleiner als der ermittelte Wert im Beispiel, weil die Rentenrendite mit 0,5993 % minimal kleiner war. Zwischenwerte lassen sich in guter Genauigkeit durch Interpolation finden (Beispiel: siehe nächste Tabelle).

 

Die Wahl der Rente ist besonders dann vorteilhaft, wenn keine gute alternative Verzinsung der möglichen Kapitalabfindung erreicht werden kann. Umgekehrt schnellt die kritische Anzahl der Rentenmonate nach oben, wenn höhere Renditen aus der Kapitalanlage erzielt werden können.

 

4.2 Entscheidungstabellen für den Fall mit Steuern

Unter 4.1 wurden die Tabellen für den Fall abgeleitet, dass sowohl für die Rente als auch für die Kapitaleinkünfte keine Steuern anfallen. Das gilt sicher nur für einen kleinen Kreis von Personen und für eher geringe Renten bzw. Kapitalabfindungen. Wie oben beschrieben, wird häufig sowohl die Rente als auch die Anlage der Kapitalabfindung zu Steuern führen. Die Rentenbesteuerung wird in dem folgenden Ansatz über den Ertragsanteil und den Grenzsteuersatz abgebildet, so wie es oben im Punkt 2 beschrieben wurde. Der Gesamteffekt betrug im Maximum knapp 8 % beim Start der Rente mit 65.

 

Eine generelle Aussage zur Versteuerung der Rendite aus der Alternativanlage ist nicht möglich, weil von einer 50 % Reduktion der Nachsteuerrendite bis zu einer Erhöhung alles möglich ist (siehe Punkt 3.3). Daher muss eine kleine Rechnung vorgeschaltet werden, in welcher die Nachsteuerrendite ermittelt wird. Wenn die Vorsteuerrendite 4 % beträgt und der Steuersatz für Kapitaleinkünfte von 26,375 % zutrifft, erhält man die Nachsteuerrendite zu 4 % x (1 - 0,26375) = 2,9545 %.

 

  • Tab. 3: Kritische Anzahl von Monaten im Fall mit Steuern (Rentenbeginn mit 65)
Ertragsanteil (z. B. 18 % bei Eintritt mit 65): 18 %
Erwarteter Grenzsteuersatz: 44,31 %
Monatliche Rentenrendite = Monatsrente vor Steuern / Kapitalabfindung

0,40 %

0,45 %

0,50 %

0,55 %

0,60 %

0,65 %

0,70 %

0,75 %

0,80 %

0,85 %

0,90 %

Alternative Rendite p. a. nach Steuern

0,00 %

271,7

241,5

217,4

197,6

181,1

167,2

155,2

144,9

135,8

127,9

120,7

0,25 %

279,7

247,8

222,4

201,8

184,6

170,2

157,8

147,1

137,8

129,6

122,3

0,50 %

288,3

254,5

227,8

206,2

188,3

173,3

160,5

149,5

139,8

131,4

123,9

0,75 %

297,7

261,8

233,6

210,9

192,2

176,6

163,3

151,9

142,0

133,3

125,6

1,00 %

308,0

269,6

239,8

215,9

196,3

180,0

166,3

154,4

144,2

135,2

127,3

1,25 %

319,2

278,0

246,4

221,2

200,7

183,7

169,3

157,1

146,5

137,2

129,1

1,50 %

331,6

287,2

253,5

226,8

205,3

187,5

172,6

159,8

148,9

139,3

130,9

1,75 %

345,4

297,3

261,1

232,9

210,2

191,5

175,9

162,7

151,3

141,5

132,8

2,00 %

360,8

308,4

269,4

239,4

215,4

195,8

179,5

165,7

153,9

143,7

134,8

2,25 %

378,4

320,6

278,5

246,4

220,9

200,3

183,3

168,9

156,7

146,1

136,8

2,50 %

398,5

334,3

288,5

253,9

226,9

205,2

187,3

172,3

159,5

148,5

139,0

2,75 %

422,1

349,8

299,5

262,2

233,3

210,3

191,5

175,8

162,5

151,1

141,2

3,00 %

450,1

367,5

311,7

271,2

240,3

215,8

195,9

179,5

165,6

153,8

143,5

3,25 %

484,4

388,0

325,5

281,1

247,8

221,7

200,7

183,4

168,9

156,6

145,9

3,50 %

528,1

412,2

341,2

292,1

256,0

228,1

205,8

187,6

172,4

159,5

148,5

3,75 %

586,8

441,6

359,2

304,5

265,0

235,0

211,3

192,0

176,1

162,6

151,1

4,00 %

673,6

478,3

380,3

318,4

275,0

242,5

217,1

196,8

180,0

165,9

153,9

4,25 %

830,6

526,6

405,7

334,4

286,1

250,7

223,5

201,8

184,1

169,3

156,8

4,50 %

1742,9

595,4

437,0

353,0

298,6

259,8

230,4

207,3

188,5

173,0

159,9

4,75 %

n.a.

709,5

477,3

375,1

312,8

269,8

237,9

213,1

193,2

176,8

163,1

5,00 %

n.a.

1014,4

532,9

402,0

329,3

281,1

246,2

219,5

198,3

181,0

166,5

5,25 %

n.a.

n.a.

619,3

436,1

348,7

293,9

255,3

226,4

203,7

185,3

170,2

5,50 %

n.a.

n.a.

800,2

481,9

372,1

308,5

265,5

234,0

209,6

190,0

174,0

5,75 %

n.a.

n.a.

n.a.

549,4

401,2

325,7

277,0

242,3

215,9

195,1

178,1

6,00 %

n.a.

n.a.

n.a.

671,9

439,4

346,1

290,2

251,6

222,9

200,5

182,5

 

Wenn zunächst wieder von der alternativen Rendite von 2,5 % (diesmal nach Steuern) ausgegangen wird, so sieht man, dass durch die Besteuerung der Rente die Rentenhöhe reduziert wird und somit die notwendige Anzahl von Monaten kräftig ansteigt. Die Tab. 3 zeigt nun fast 227 Monate an.

 

Allerdings ist zu erwarten, dass im Fall mit Steuern auch die alternative Rendite der Besteuerung unterliegt und damit einen Gegeneffekt auslöst. Es sei angenommen, dass die alternative Vorsteuerrendite von 2,5 % einem Steuersatz von 26,375 % unterliegt. Damit ergibt sich eine Verzinsung nach Steuern von 2,5 % x (1-0,2675) = 1,8406 %. In der Tabelle ist die nächste Verzinsung 1,75 %, sodass unser Wert um 1,8406 % - 1,75 % = 0,09406 % höher liegt. Bezogen auf die Gesamtdifferenz von 2,0 bis 1,75 = 0,25 % entspricht dies 0,0946/0,25 = 36,25 %. Das Interpolieren ergibt somit einen Zuschlag von 36,25 % x (215,4 -210,2) = 1,9 Monaten, sodass sich insgesamt ein Wert von 212,1 Monate ergibt.

 

Teilweise wird auch für jüngere Personen empfohlen, statt der Einmalzahlung für eine Rente zu optieren oder sich eine Rente gegen eine Einmalzahlung zu erwerben. Dann würde ein höherer Ertragsanteil gelten. Es sei hier unterstellt, dass der Entscheidungsträger die Entscheidung für das Alter von 50 Jahren treffen möchte. Dann beläuft sich der Ertragsanteil auf 30 % (§ 22 EStG). Dieser Fall ist in der folgenden Tabelle dargestellt:

 

  • Tab. 4: Kritische Anzahl von Monaten im Fall mit höheren Steuern (Rentenbeginn mit 50)
Ertragsanteil (z. B. 30 % bei Eintritt mit 50): 30 %
Erwarteter Grenzsteuersatz: 44,31 %
Monatliche Rentenrendite = Monatsrente vor Steuern / Kapitalabfindung

0,40 %

0,45 %

0,50 %

0,55 %

0,60 %

0,65 %

0,70 %

0,75 %

0,80 %

0,85 %

0,90 %

Alternative Rendite p. a. nach Steuern

0,00 %

288,4

256,3

230,7

209,7

192,2

177,4

164,8

153,8

144,2

135,7

128,2

0,25 %

297,4

263,4

236,4

214,4

196,2

180,8

167,7

156,3

146,4

137,7

129,9

0,50 %

307,2

271,1

242,5

219,4

200,4

184,4

170,7

158,9

148,7

139,7

131,7

0,75 %

317,9

279,3

249,1

224,8

204,8

188,1

173,9

161,7

151,1

141,8

133,6

1,00 %

329,7

288,3

256,1

230,5

209,5

192,0

177,2

164,6

153,6

144,0

135,5

1,25 %

342,7

298,0

263,7

236,5

214,5

196,2

180,7

167,6

156,2

146,3

137,6

1,50 %

357,1

308,7

271,9

243,0

219,7

200,5

184,4

170,7

158,9

148,7

139,7

1,75 %

373,4

320,5

280,9

250,1

225,4

205,2

188,3

174,1

161,8

151,2

141,8

2,00 %

391,8

333,5

290,6

257,6

231,4

210,1

192,5

177,5

164,8

153,8

144,1

2,25 %

413,1

348,2

301,4

265,9

238,0

215,4

196,8

181,2

167,9

156,5

146,5

2,50 %

437,9

364,8

313,3

274,8

245,0

221,1

201,5

185,1

171,2

159,3

148,9

2,75 %

467,6

383,8

326,6

284,7

252,6

227,1

206,4

189,2

174,7

162,3

151,5

3,00 %

504,1

405,9

341,6

295,6

260,9

233,6

211,7

193,6

178,4

165,4

154,2

3,25 %

550,6

432,2

358,7

307,7

269,9

240,7

217,4

198,2

182,2

168,7

157,0

3,50 %

613,5

464,3

378,6

321,4

280,0

248,4

223,4

203,2

186,4

172,2

160,0

3,75 %

707,6

504,8

402,1

336,9

291,1

256,8

230,0

208,5

190,7

175,8

163,1

4,00 %

881,4

558,8

430,5

354,9

303,6

266,1

237,2

214,2

195,4

179,7

166,4

4,25 %

n.a.

637,6

466,1

376,0

317,8

276,3

245,0

220,3

200,4

183,8

169,9

4,50 %

n.a.

775,4

512,9

401,4

334,1

287,8

253,5

227,0

205,7

188,2

173,6

4,75 %

n.a.

1284,8

579,7

432,9

353,1

300,8

263,0

234,3

211,5

192,9

177,4

5,00 %

n.a.

n.a.

690,9

473,8

375,9

315,6

273,6

242,2

217,7

197,9

181,6

5,25 %

n.a.

n.a.

995,3

530,9

404,0

332,9

285,5

251,0

224,5

203,3

186,0

5,50 %

n.a.

n.a.

n.a.

622,1

439,9

353,5

299,1

260,8

231,9

209,2

190,7

5,75 %

n.a.

n.a.

n.a.

831,6

489,2

378,5

314,9

271,8

240,1

215,5

195,8

6,00 %

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

564,9

410,4

333,5

284,3

249,1

222,4

201,3

 

 

Die höhere Besteuerung führt bei gleicher Nachsteuerrendite der alternativen Kapitalanlage dazu, dass sich die Anzahl der notwendigen Monate bis zum Break-even weiter erhöht. Anders sieht es aus, wenn sich der hohe Grenzsteuersatz von 44,31 % auch auf die alternative Kapitalanlage bezieht. Die Nachsteuerrendite beträgt dann 2,5 % x (1-0,4431) = 1,39 %. Durch die verschlechterte Alternativrendite steigt die Monatsanzahl nur auf 217,0 Rentenmonate.

 

Wenn jetzt eine Nachsteuerrendite von 5,5 % für die alternative Anlage der Kapitalabfindung erreicht wird, kann die Rentenzahlung bei einer Rentenrendite von 0,5 % auch dann nicht mehr vorteilhaft sein, wenn sie ewig andauern würde.

 

Die obigen Kalkulationen wurden für den Fall garantierter Renten durchgeführt. Die Versicherungsgesellschaften werden sicher argumentieren, dass sie ja noch höhere Kapitalverzinsungen und Überschüsse aus dem Risikotopf für die Langlebigkeit erzielen werden. Auch wenn solche Aussagen mit höchster Vorsicht zu genießen sind - siehe das teilweise Einkassieren der anteiligen Bewertungsreserven - so sollte trotzdem noch eine weitere Kalkulation mit vorsichtig hochgerechneten Renten inkl. wahrscheinlicher Überschüsse angestellt werden. Die obigen Tabellen sind so ausgelegt, dass sie auch bei höherer Rentenrendite eine Antwort bieten. Die kritische Rentenzahlungsdauer reduziert sich in diesen Fällen.

 

Der Entscheidungsträger hat dann zwei kritische Rentenzahlungsdauern, innerhalb derer sich die tatsächliche Dauer befinden wird.

5. Empfehlungen

Aus den Analysen lassen sich die folgenden Ratschläge ableiten. Eine Kapitalabfindung ist zu empfehlen, wenn

  • der Betrag vererbt werden soll. Dann aber dürfen nur die Zinsen nach Steuern verbraucht werden.
  • eine gute Rendite nach Steuern für eine Kapitalanlage erwartet wird.
  • die Lebenserwartung eher kurz ist.
  • hinreichend hohe andere Renten und Einkünfte vorhanden sind.
  • Kredite zurückzuzahlen sind.
  • Misstrauen gegenüber der Lebensversicherungsindustrie herrscht.

 

Eine Rentenzahlung sollte hingegen in Betracht gezogen werden, wenn

  • das Langleberisiko abgedeckt werden muss.
  • keine Bereitschaft besteht, sich mit Kapitalanlagen zu beschäftigen.
  • eine sehr geringe Rendite nach Steuern aus Kapitalanlagen erwartet wird.
  • keine Erben vorhanden sind.
  • die Zuversicht überwiegt, dass die Lebens- und Rentenversicherungen gut durch die Niedrigzinsphase kommen.
  • Vertrauen herrscht, dass der Staat nicht noch weiter in die Leistungen der Lebens- und Rentenversicherungen eingreift.

 

Weiterführende Hinweise

  • Varnholt, N., Lebefromm, U., Hoberg, P.: Controlling - Betriebswirtschaftliche Grundlagen und Anwendung mit SAP® ERP®, München 2012
Quelle: Ausgabe 04 / 2016 | Seite 102 | ID 43894479