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  • · Fachbeitrag · Wirtschaftsforschung

    Europas Krise verfestigt sich: 20-Jahres-Hoch bei Insolvenzen

    von Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung

    Die europäische Wirtschaft befindet sich in der Krise – und das nicht nur konjunkturell, sondern auch strukturell: Laut der aktuellen Analyse der Creditreform Wirtschaftsforschung verzeichnete Westeuropa im Jahr 2025 die höchste Zahl an Unternehmensinsolvenzen seit mehr als 20 Jahren.

    1. Entwicklung der wirtschaftlichen Lage in Europa im Jahr 2025

    Die wirtschaftliche Lage in Europa entwickelte sich im Jahr 2025 etwas positiver als im Vorjahr und war von einem leichten Wachstum geprägt. Laut Eurostat, dem Statistikamt der Europäischen Union, lag das Wirtschaftswachstum bei etwa 1,5 % – gegenüber + 1,1 % im Jahr 2024. Die Inflation ging weiter zurück und der Arbeitsmarkt zeigte sich robust, wie eine aktuelle Analyse der Creditreform Wirtschaftsforschung vom Mai zeigt (vgl. hierzu und im Folgenden: Creditreform Wirtschaftsforschung, Unternehmensinsolvenzen in Europa, Jahr 2025: iww.de/s15739). Doch diese Tendenz war nur von vorübergehender Dauer. Bereits zum Jahresende schwächte sich die konjunkturelle Dynamik wieder ab. Belastend wirkten dabei der weiterhin schwache Welthandel sowie geopolitische Spannungen. Auch strukturelle Probleme wie hohe Energiepreise und bürokratische Hürden bremsten die Investitionstätigkeit in vielen Ländern und verringerten das Wachstumspotenzial. All dies untergräbt die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen – insbesondere im Vergleich mit den USA und China.

    2. Fast 200.000 Unternehmensinsolvenzen

    Parallel dazu ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa (hier definiert als die EU-14-Staaten sowie Norwegen, Schweiz und Großbritannien) im Jahr 2025 auf ein 20-Jahres-Hoch gestiegen. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Krise tiefer sitzt. Mit insgesamt 197.610 Insolvenzen lag die Fallzahl laut Creditreform Wirtschaftsforschung 2025 um 4,8 % über dem Vorjahresniveau (188.623 Fälle). Zugleich handelt es sich um den vierten Anstieg in Folge. Das Niveau ist inzwischen höher als nach der Finanzkrise 2008/2009. Allenfalls die Dynamik hat sich abgeschwächt: 2024 lag der Zuwachs noch bei nahezu 12 %, 2023 sogar bei gut 20 %. Die Lage verschlechtert sich offenbar nicht mehr sprunghaft, aber sie verfestigt sich auf einem dauerhaft hohen Krisenniveau.