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  • · Fachbeitrag · Wirtschaftsforschung

    Aufschwung als Fata Morgana: Warum der Mittelstand der Erholung nicht trauen kann

    von Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung

    Der deutsche Mittelstand leidet unter den aktuellen Krisen und hat sich zudem in den vergangenen 15 Jahren deutlich gewandelt. Lichtblick: Die Geschäftserwartungen hellen sich derzeit spürbar auf. Gleichzeitig steht diese Hoffnung auf tönernen Füßen. Das zeigt die neue Mittelstandsstudie der Creditreform Wirtschaftsforschung.

    1. Aufschwung auf Pump: Hoffnung hat Verfallsdatum

    Anfang des Jahres gab es Hoffnung. Nach zwei Jahren der Rezession und einem Jahr Stagnation schien für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,0 % bis 1,5 % möglich, nachdem die Wachstumsrate bereits im Schlussquartal 2025 leicht angezogen hatte. Vor allem die staatlichen Milliarden aus dem Sondervermögen sollten die Konjunktur in den kommenden Monaten weiter vorantreiben. Dann verpasste die militärische Eskalation im Nahen Osten diesen Hoffnungen jedoch einen herben Dämpfer. Infolge der Kriegshandlungen blockierte der Iran die Straße von Hormus, eine wichtige Handelsroute für Öl- und Gastransporte. Der Iran-Krieg trifft den Mittelstand ins Mark. Er verteuert Energie, verlängert die Unsicherheit und bremst Investitionen. Entsprechend wurden in Deutschland die Konjunkturaussichten deutlich nach unten korrigiert (vgl. z. B. ifo Konjunkturprognose Frühjahr 2026: iww.de/s15565). Die Folgen werden weit über die aktuelle Krise hinausreichen. Falls der Konflikt anhält, ist die Erholung der deutschen Wirtschaft ernsthaft in Gefahr. Der vom Staat befeuerte Aufschwung wird flacher und anfälliger sein als angenommen.

    2. Bessere Erwartungen, schwache Realität

    Immerhin ist im Mittelstand eine leichte, fragile Belebung erkennbar. Dies zeigt die Untersuchung „Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2026“ (iww.de/s15566), die die Creditreform Wirtschaftsforschung in der zweiten Aprilhälfte vorlegte. Über 1.800 kleine und mittlere Unternehmen beteiligten sich an der Befragung. Im vierten Jahr in Folge bewerteten die befragten Betriebe ihre Geschäftslage überwiegend negativ. Allerdings fielen die Geschäftserwartungen positiver aus als noch in den Vorjahren. Deshalb liegt der Creditreform-Geschäftsklimaindex (CGK), der den aktuellen Zustand des Mittelstands misst, mit plus 5,3 Punkten erstmals nach zwei Jahren wieder im positiven Bereich, nachdem er im Vorjahr nicht über minus 2,9 Punkte hinauskam.