· Fachbeitrag · Wirtschaftsforschung
Das Glas ist halb leer: Gastronomie kämpft ums Überleben
von Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung
Belegte Tische täuschen: Hinter der Fassade kämpft die Gastronomie ums Überleben. Insolvenzen und Schließungen steigen deutlich schneller als im Durchschnitt. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Creditreform.
1. Volle Tische, leere Kassen
Wer in diesen Tagen in Städten unterwegs ist, sieht durchaus gut besuchte Restaurants, belebte Gaststätten und Cafés. Belegte Tische, gute Geschäfte? Der Eindruck täuscht. Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands e. V. (DEHOGA) verbuchte die Branche 2025 real (preisbereinigt) das sechste Jahr in Folge Umsatzverluste. Gleichzeitig belasten die massiv gestiegenen Kosten die Betriebe, sodass auch die inflationsbedingten nominalen Umsatzsteigerungen i. d. R. nicht zu Gewinnsteigerungen führen. Die Kosten für Waren, Personal und Energie sind laut DEHOGA seit 2022 teilweise um bis zu 40 % gestiegen (DEHOGA-Zahlenspiegel IV/2025: iww.de/s15724). Die Folge ist, dass die Zahl der Unternehmensschließungen und Insolvenzen weiter steigt.
Allein 2024 und 2025 gaben bundesweit rund 24.500 Gaststätten, Restaurants und Lokale auf. Auch die Zahl der Insolvenzen legte zu – 2025 um fast 30 % und damit deutlich stärker als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung (iww.de/s15564) der Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Bereits vor zwei Jahren haben Creditreform und ZEW in einer Sonderauswertung die Folgen der Pandemie für die Gastronomie untersucht. Damals machten vor allem „exogene Faktoren” den Lokalen das Leben schwer: Pandemie, Energiekrise, Rohstoffkosten und Inflation. Das hat die Gastronomie hart getroffen. Zwar hatte man das Gefühl, dass sich die Gaststätten seitdem wieder mit Gästen gefüllt haben, doch offenbar nicht in gleichem Maße wie vor 2020, denn viele Betriebe haben die Abfolge von Krisen nicht überlebt. Die Zahl der Schließungen und Insolvenzen hat seit der Untersuchung von 2024 wieder zugenommen. Anders als zuvor sind dafür jedoch weniger akute Krisen verantwortlich als vielmehr strukturelle Probleme der Branche.
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