· Fachbeitrag · Fixkosten zwischen Stabilität und Risiko
Warum die Kostenstruktur über die Finanzierung von KMU entscheidet
von Prof. Dr. Karl-Heinz Prieß, FOM Hochschule für Oekonomie & Management, Münster
Die Zahl der Insolvenzen im Mittelstand steigt: Viele mittelständische Unternehmen geraten nicht wegen schlechter Produkte oder schwacher Märkte in Finanzierungsschwierigkeiten, sondern weil eine starre Fixkostenstruktur sie bei Nachfragerückgängen erheblich in ihrer Anpassungsfähigkeit einschränkt. Dieser Beitrag analysiert die Risikowirkung von Fixkosten auf die Stabilität und Finanzierung von KMU. Am Beispiel eines Maschinenbauunternehmens wird untersucht, wie sich Operating Leverage und Kostenremanenz auf die Krisenanfälligkeit auswirken können. Zudem werden Instrumente wie Künstliche Intelligenz (KI) und wiederkehrende Erlösmodelle vorgestellt, die dabei helfen können, die Kapitaldienstfähigkeit proaktiv zu sichern.
1. Fixkosten als unterschätztes Finanzierungsrisiko
Während variable Kosten in den meisten KMU relativ gut gesteuert werden, fehlt es häufig an Transparenz und aktivem Management der Fixkosten. Personal, Mieten, IT-Infrastruktur und Abschreibungen – die in ihrer Gesamtheit oft 55 bis 75 % der Gesamtkosten ausmachen – werden in der klassischen Kostenrechnung meist nur pauschal umgelegt. Ihre Hebelwirkung auf Ergebnis, Liquidität und Kapitaldienstfähigkeit bleibt damit unterschätzt. Fixkosten sind Segen und Fluch zugleich: Historisch gewachsen durch langfristige Entscheidungen wurden sie unter völlig anderen Markt- und Finanzierungsbedingungen getroffen und prägen die Kostenstruktur oft über Jahre. Während sie bei guter Auslastung Skaleneffekte ermöglichen, entfalten sie bei Nachfragerückgängen eine massive negative Hebelwirkung auf Ergebnis, Liquidität und Finanzierung. Diese Gefahr wird in der Praxis oft erst sichtbar, wenn die Krise bereits eingetreten ist.
Aus dieser strukturellen Verwundbarkeit ergeben sich für Berater und Management zwei zentrale Handlungsfelder:
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