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·Fachbeitrag ·Altersvorsorge

Bankvollmacht - Rechtzeitig vorsorgen

von Frank Frommholz, Hamburg

| Mit zunehmendem Alter wird die Gefahr körperlicher oder geistiger Einschränkungen größer. Vorausschauende Menschen formulieren daher bereits in jungen Jahren Vollmachten, mit denen die Verantwortung in den Bereichen Gesundheit und Finanzen vertrauenswürdigen Personen übertragen wird. Allerdings erreichen einige dieser Dokumente ihre Ziele erst dann hundertprozentig, wenn sie von einer Bankvollmacht begleitet werden. |

1. Vorsorgevollmacht als Grundlage der Bankvollmacht

Schwerwiegende Unfälle können jeden Tag passieren, ebenso kann die Handlungsfähigkeit jederzeit durch plötzlich ausbrechende Krankheiten gestört werden. In diesen Fällen übernimmt die in der Vorsorgevollmacht bestimmte Vertrauensperson die anstehenden Entscheidungen in vorher festgelegten Bereichen.

 

Fragen zur Wiederherstellung der Gesundheit werden durch eine Vorsorgevollmacht nur teilweise geklärt, dafür ist eine gesonderte Patientenverfügung erforderlich. Ebenso kann die Vertrauensperson nicht alle wirtschaftlich notwendigen Dinge mit der Vorsorgevollmacht erledigen, weil gegenüber den Banken nur eine separate Bankvollmacht vollständige Handlungsfreiheit erlaubt.

 

Doch ist die Vorsorgevollmacht als Willenserklärung des Kontoinhabers die Basis für die auf die Person des Vertrauens ausgestellte Bankvollmacht. Auch sollte dieses Schriftstück in direkter Folge mit der Vorsorgevollmacht ausgestellt werden. Dazu geht der Kontoinhaber in Begleitung der Vertrauensperson zu seiner Hausbank und verlangt dort ein hauseigenes Formular zur Bankvollmacht. Dieser Vorgang ist in erster Linie bei solchen Instituten wichtig, die eine Bankvollmacht nur in dem von ihnen geforderten Format akzeptieren.

 

Die bereits allgemein vorformulierte Bankvollmacht muss noch durch Angaben zum Vollmachtserteilenden und zur Vertrauensperson ergänzt werden. Nachdem die Bank den Bevollmächtigten anhand des von ihm vorgelegten Ausweispapieres identifiziert hat, muss das Dokument im Institut vom Vollmachtgebenden und der Person seines Vertrauens unterschrieben werden.

 

PRAXISHINWEIS | Der Vollmachterteilende sollte berücksichtigen, dass sein Geldinstitut die Bankvollmacht sofort nach der Erteilung als gültig betrachtet und dass diese nicht erst nach Eintreten eines Vorsorgefalls aktiv wird. Daher sind interne Vereinbarungen zwischen dem Kontoinhaber und dem Bevollmächtigten bezüglich der Voraussetzungen zur Gültigkeit unerlässlich.

 

2. Hintergründe und Alternativen

Banken sind zu jeder Zeit für die Sicherheit von Kundeneinlagen verantwortlich. Das gilt auch oder insbesondere bei gesundheitlichen Einschränkungen der Kontoinhaber. Sie sichern sich daher lieber zusätzlich durch hauseigene Vordrucke ab, auf denen die Vereinbarungen zur Konto- oder Depotvollmacht in Anwesenheit aller Beteiligten gesetzeskonform festgehalten werden.

 

Einige Institute nehmen alternativ zur Bankvollmacht auch notariell beglaubigte Vorsorgevollmachten an. Diese rechtsgültigen Dokumente erlauben dem darin vermerkten Bevollmächtigten in der Regel auch die Erledigung notwendiger finanzieller Schritte.

3. Auswahl eines Bevollmächtigten

Wenn ein Verbraucher einer Vertrauensperson eine Bankvollmacht erteilt, muss er sich über den damit überlassenen Handlungsspielraum im Klaren sein. Der Vollmachtnehmer könnte aufgrund seiner Befugnisse zumindest vorübergehend frei über die auf dem Konto befindliche Summe bestimmen und dem Vollmachtgeber finanziellen Schaden zufügen.

 

Daher sollte bei der Auswahl besonders der Vertrauenswürdigkeit erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Prinzipiell ist der Vollmachtnehmer für alle von ihm durchgeführten Transaktionen rechenschaftspflichtig. Sollten dem Kontoinhaber dadurch Verluste entstanden sein, führt dies zur Schadenersatzpflicht. Doch sinnvoller ist die sorgfältige Wahl des Bevollmächtigten, damit solche Situationen erst gar nicht entstehen. Sollte sich ein Bevollmächtigter im Laufe der Zeit als nicht mehr vertrauenswürdig erweisen, kann der Inhaber die Kontovollmacht jederzeit schriftlich widerrufen.

 

Beim Tod des Kontoinhabers erlischt die Bankvollmacht nicht zwangsläufig. Wenn zwischen dem Kreditinstitut und dem Kontoinhaber keine anderen Vereinbarungen getroffen wurden, bleibt die erteilte Kontovollmacht über den Tod des Kunden hinaus gültig. Der Bevollmächtigte handelt in diesem Fall im Auftrag eventueller Erben, die aber ihrerseits auch einzeln das Schriftstück anfechten können. Erben, die mit der vormals erteilten Vollmacht nicht einverstanden sind, können sich auf der Bank identifizieren und das Dokument widerrufen.

4. Ohne bestehende Bankvollmacht droht die Kontosperrung

Wenn ein Kontoinhaber ohne Erteilung einer Vollmacht verstirbt, ist für die Bank zunächst einzig die Ehefrau verfügungsberechtigt. War der Kontoinhaber unverheiratet, wird das Konto so lange gesperrt, bis sich die Erben mit entsprechenden Dokumenten legitimieren.

 

Zum Autor | Frank Frommholz, Finanzberatung Frommholz OHG, Beratung auf Honorarbasis, 20095 Hamburg, Fischertwiete 2, Chilehaus

Quelle: Ausgabe 06 / 2014 | Seite 140 | ID 42722280