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Alterseinkünftegesetz
Neue Wege in der Rentenbesteuerung
von Dipl. Finw. Robert Kracht, Bonn
Am 29.4.2004 hat der Bundestag das Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) beschlossen, welches am 26.5.2004 mit der zuvor erwarteten Änderung auch den Vermittlungsausschuss passiert hat. Damit ist nun endgültig der Hebel auf eine nachgelagerte Besteuerung umgelegt. Motto: Aufwendungen für die Altersvorsorge bleiben steuerfrei und unterliegen erst bei der späteren Auszahlung in vollem Umfang der Besteuerung. Mit der Einführung des AltEinkG zum 1.1.2005 reagiert der Gesetzgeber zum letztmöglichen Termin auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Das hatte im Urteil vom 6.3.2002 (2 BvL 17/99) entschieden, dass die heutige unterschiedliche Besteuerung der Beamtenpensionen und der gesetzlichen Renten nicht mit Art. 3 des Grundgesetzes vereinbar ist.
Aufwendungen für die gesetzliche und private Altersvorsorge werden ab 2005 schrittweise ent-, Rentenauszahlungen nach einem Übergangszeitraum bis zum Jahr 2040 voll belastet. Laut BMF sind fast 80 Prozent der heutigen Rentner steuerlich überhaupt nicht und die übrigen Ruheständler lediglich maßvoll betroffen. Dem Staat brechen infolge der Systemumstellung alleine im ersten Jahr rund 1 Mrd. EUR Steuereinnahmen weg. Das Minus erhöht sich bis zum Jahr 2010 sogar auf rund 5,8 Mrd. EUR.
Was auf den ersten Blick beruhigend und eher positiv klingt, stellt sich bei genauer Würdigung der einzelnen Maßnahmen als einschneidende Änderung in die Besteuerungspraxis sowie gravierende Auswirkung für die Altersvorsorge und damit die generelle Kapitalanlage dar. Die nachfolgenden Kapitel erläutern die Kernpunkte des Gesetzes und zeigen ihre Auswirkungen. Darüber hinaus erfolgt ein Ausblick auf neue Strategien im Hinblick auf die künftige Vorsorgeplanung.
1. Behandlung der Vorsorgeaufwendungen
Die Aufwendungen für die Altersvorsorge bleiben steuerfrei. Dieses Schlagwort im Rahmen der nachgelagerten Besteuerung beschreibt die neue Regelung nicht ganz korrekt. Denn die Beiträge zur Rentenversicherung werden weiterhin aus versteuertem Einkommen gezahlt, eine Berücksichtigung erfolgt anschließend wie bisher über den Sonderausgabenabzug. Der Arbeitgeber trägt auch künftig die Hälfte der Aufwendungen; diese bleiben unverändert steuerfrei. Der Ansatz von Vorsorgeaufwendungen erfolgt ab 2005 auf drei verschiedenen Wegen. Dabei wird eine neue Differenzierung zwischen besonders bevorzugten Vorsorgeaufwendungen und sonstigen Versicherungsleistungen vorgenommen.
1.1 Beiträge für die Altersvorsorge
Zu den ab 2005 begünstigten Vorsorgeaufwendungen zählen neben den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung auch solche an berufsständische Einrichtungen oder Versicherungen zum Aufbau einer kapitalgedeckten Altersversorgung, soweit eine lebenslange Leibrente vorgesehen ist. Der Anspruch darf nicht vererbbar sein und erst mit dem 60. Lebensjahr entstehen. Begünstigt sind auch die Absicherung von Berufsunfähigkeit, der verminderten Erwerbsfähigkeit sowie von Hinterbliebenen wie Ehegatte oder Kinder. Eine Auszahlung des kapitalisierten Betrags muss ausgeschlossen sein. Damit kommt auch ein Teil der Lebensversicherungen in den Genuss der neuen Förderung, was die Assekuranz sicherlich zu neuen und auf das Gesetz abgestimmten Angebotsoffensiven nutzen wird.
Der Vorwegabzug für Vorsorgebeiträge wird in fünf Schritten ermittelt:
1.Zu den eigenen Beiträgen wird der steuerfreie Arbeitgeberanteil hinzugerechnet. Dies ergibt die Beitragssumme.
2.Diese Beitragssumme wird zu 60 Prozent angesetzt. Der Satz erhöht sich in jedem Folgejahr um weitere zwei Punkte. Damit wird 2025 der Vollansatz erreicht.
3.Von diesem errechneten Betrag wird nunmehr der Arbeitgeberanteil wieder abgezogen. Die Differenz kann dann als Sonderausgabe geltend gemacht werden.
4.Abziehbar sind maximal 20.000, bei zusammenveranlagten Ehepaaren 40.000 EUR. Dieser Höchstbetrag wirkt 2005 mit 60 Prozent und erhöht sich jährlich bis 2025 um weitere zwei Punkte. Somit starten alle Steuerpflichtigen erst einmal mit max. 12.000 EUR Sonderausgaben und erreichen im Jahr 2010 bereits 14.000 EUR.
5.Der Höchstbetrag wird gekürzt um den steuerfreien Arbeitgeberanteil oder bei nicht versicherungspflichtigen Arbeitnehmern (Beamten) um einen fiktiv berechneten Anteil. Die Kürzung bei Beamten wirkt 2005 nur mit 60 Prozent und erhöht sich jährlich um zwei Prozent. Selbstständige können den Höchstbetrag ohne Kürzung in vollem Umfang beanspruchen. Damit kann ein Ehepaar im Jahr 2010 bis zu 28.000 EUR Vorsorgeaufwand steuermindernd berücksichtigen.
Die neuen Schritte ähneln der bisherigen Berechnung, nur der absetzbare Höchstbetrag ist deutlich gestiegen. Die Begrenzung auf zuerst 60 Prozent begründet der Gesetzgeber mit ansonsten jährlichen Einnahmeausfällen von 20 Mrd. EUR. Für die jüngere Generation führt die Reform erst einmal zu einer jährlich wachsenden Steuerentlastung.
1.2 Sonstige Vorsorgeaufwendungen
Die bisher mit den Rentenbeiträgen zusammengefassten übrigen Vorsorgeaufwendungen werden gesondert ermittelt und als zusätzliche Sonderausgaben angesetzt. Hierzu zählen neben der Kranken-, Haftpflicht-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung auch 88 Prozent der Lebensversicherungsbeiträge, wenn die Police vor 2005 abgeschlossen worden ist. Entspricht die Lebensversicherung allerdings den neuen Ansprüchen für die Altersvorsorge, fallen die Beiträge stets in diese Kategorie, und dies zu 100 Prozent.
Absetzbar sind pro Jahr Beträge bis zu 2.400 Euro. Für Personen mit Anspruch auf Beihilfe oder steuerfreie Beiträge zur Krankenversicherung mindert sich der Betrag auf 1.500 Euro. Bei Ehepaaren rechnet jeder Partner seine eigene Höchstgrenze aus, dies ergibt dann die gemeinsame Summe.
1.3 Vorsorgepauschale
Die Nebenrechnung für Arbeitnehmer bleibt auch im neuen System erhalten. Die Pauschale setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Zum einen gibt es 10 Prozent der Beiträge zur Rentenversicherung. Dieser Satz erhöht sich jährlich um zwei Prozent und beträgt im Jahre 2025 als Endstufe 50 Prozent. Hinzu kommen 11 Prozent des Arbeitslohns, maximal 1.500 Euro. Beamte sowie nunmehr auch beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer können maximal die gekürzte Pauschale mit 11 (vorher 20) Prozent nutzen. Mit dem Betrag sind - ohne Nachweis von höheren Aufwendungen - sowohl die Vorsorge- als auch die übrigen Versicherungsbeiträge abgegolten.
1.4 Günstigerprüfung
Eine Schlechterstellung durch das neue System wird bis 2019 durch eine Günstigerprüfung verhindert. Dabei werden alle drei Komponenten per Nebenrechnung nach dem Rechtsstand 2004 durchgespielt. Die derzeit geltenden Höchstbeträge werden für die Prüfung ab 2011 kontinuierlich abgeschmolzen. Diese Hintertür soll Klagen gegen das AltEinkG verhindern.
2. Besteuerung der Renten
2.1 Gesetzliche Renten
Die wohl wichtigste und von den Medien am meisten beachtete Änderung ist die vollständige Steuerpflicht der gesetzlichen Renten. Allerdings wirkt dies erst im Jahre 2040 ungemildert, begonnen wird erst einmal mit einem Ertragsanteil von 50 Prozent. Der Satz erhöht sich bis 2020 jährlich um zusätzliche zwei Punkte und anschließend bis 2040 um je ein Prozent.
Anders als beim kontinuierlich ansteigenden Abzug der Vorsorgebeiträge wirkt der fortlaufende Zuschlag nicht generell, sondern lediglich auf die jeweils hinzukommenden Rentnerjahrgänge. Für Bestandsrentner und solche, deren Rentenbeginn ins Jahr 2005 fällt, bleibt es beim einmal ermittelten Ertragsanteil von 50 Prozent. Dieser wird im Jahr nach dem Renteneintritt als Freibetrag festgeschrieben. Dies bewirkt, dass lediglich spätere Rentenerhöhungen stärker besteuert werden, da der einmal festgesetzte Freibetrag unverändert bleibt und auf das Einnahmeplus keine Wirkung mehr hat. Der Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 Euro bleibt bestehen.
2.2 Die neue Rentenberechnung im Detail
Ein Arbeitnehmer geht im November 2006 in Rente. Er erhält monatlich 1.000 EUR. Im Juli 2007 erfolgt eine Erhöhung um 50 und im Folgejahr um weitere 100 EUR.
Beispielfall
Berechnung 2006 
1.000 EUR x 2 Monate2.000
Steuerpflichtiger Anteil (Ertragsanteil 2006 = 52%)1.040
- Werbungskosten-Pauschbetrag- 102
Ergibt sonstige Einkünfte in Höhe von938
Der im Erstjahr des Rentenbezugs ermittelte Prozentsatz wird auf das Folgejahr übertragen.
Berechnung 2007 
6 Monate x 1.000 EUR sowie 6 Monate x 1.050 EUR12.300
Steuerpflichtiger Anteil 52 Prozent (Satz aus Erstjahr)6.396
- Werbungskosten-Pauschbetrag- 102
Sonstige Einkünfte6.294
Für die restliche Laufzeit wird ein Freibetrag von (12.300 - 6.396) 5.904 EUR festgeschrieben. Der wird allerdings zeitanteilig gekürzt, sofern die Rente nicht das ganze Jahr über gezahlt wird.
Berechnung 2008 
6 Monate x 1.050 EUR sowie 6 Monate x 1.150 EUR13.200
- festgeschriebener Freibetrag aus 2007- 5.904
- Werbungskosten-Pauschbetrag- 102
Sonstige Einkünfte7.194
Sofern der Rentner keine weiteren Einkünfte hat, bleibt er unter dem Grundfreibetrag von 7.664 Euro. Da die statistische Durchschnittsrente bei etwa 10.000 Euro im Jahr liegt, wird die Steuerfreiheit bei vielen derzeitigen Beziehern greifen. Lediglich die künftigen Jahrgänge werden durch den ansteigenden Prozentsatz in die Steuerpflicht rutschen. Dafür konnten sie allerdings auch bereits einige Jahre lang höhere Vorsorgeaufwendungen absetzen.
Der Systemwechsel erfasst allerdings Rentner ungleich stärker, die bereits heute auf Grund von weiteren Einkünften Steuern zahlen. Hier erhöht sich nicht nur das Einkommen insgesamt, sondern auch die Progression auf Zinsen oder Mieten. Eine mögliche Doppelbesteuerung von Personen mit geleisteten Beiträgen über der Bemessungsgrundlage wird verhindert, indem für diese Rentenanteile das Verfahren aus 2004 angewendet werden darf.
2.3 Beamtenpensionen
Die Auswirkungen auf Beamte und Werkspensionäre sind im Vergleich zu den Rentnern nur minimal. Ihre Einkünfte wurden ja auch bisher bereits nahezu in voller Höhe der Besteuerung unterworfen.
  • Während der aktiven Tätigkeit ändert sich nahezu nichts, sämtliche Vorsorgeaufwendungen sind nach den neuen Berechnungsmodi absetzbar.
  • Pensionen fallen weiterhin unter die Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit.
  • Der Versorgungsfreibetrag entfällt 2040. Er wird in den Vorjahren bereits abgeschmolzen, der geminderte Wert wirkt allerdings nur für den jeweils neu hinzukommenden Jahrgang. Für vor 2006 in Pension gehende Arbeitnehmer bleibt es bei einem Freibetrag in Höhe von 40 Prozent der Bezüge, maximal 3.000 EUR.
  • Der Werbungskosten-Pauschbetrag sinkt ab 2005 von 920 auf 102 EUR und liegt damit auf der Höhe von Rentnern.
  • Als Ausgleich gibt es mit 1.000 EUR einen Zuschlag beim Versorgungsfreibetrag. Der schmilzt bis 2040 ab, maßgebend ist auch hier das Jahr des erstmaligen Versorgungsbezugs.
    Per saldo bleibt somit für derzeitige Versorgungsempfänger alles beim Alten, der geminderte Werbungskostenpauschbetrag wird durch den erhöhten Versorgungsfreibetrag ersetzt. Immerhin können auch Beamte nunmehr höhere Vorsorgebeiträge geltend machen.
    3. Private Altersvorsorge
    Die Vorschriften des Altersvermögensgesetzes werden vereinfacht, ohne nunmehr einfach zu sein.
  • Für die staatlich geförderte Riester-Rente werden ab 2006 einheitliche Tarife für Männer und Frauen vorgeschrieben (Unisex-Tarif). Das gilt allerdings nur für neu abgeschlossene Verträge.
  • Die Günstigerprüfung (Zulage oder Sonderausgaben) wird anhand der tatsächlichen Steuerlast und nicht nach dem fiktiven Ansatz der Kinderfreibeträge errechnet.
  • Mittels Dauerantrag können Anbieter Zulagen beantragen; die Kunden müssen nicht jedes Mal ein neues Formular ausfüllen.
  • Im Auszahlungsfall dürfen vom angesparten Kapital 30 Prozent entnommen werden.
  • Im Scheidungsfall ist die Übertragung eines Sparvertrags auf den ausgleichsberechtigten Ehegatten unschädlich.
  • Beträgt die spätere Rente weniger als 300 Euro jährlich, kann eine Auszahlung in voller Höhe erfolgen.
    Die Maßnahmen sind ein Schritt, um die Vorschriften zu dieser Anlageform etwas zu entwirren. Ob sie aber ausreichen, aus der bisher eher erfolglosen Vorsorgealternative ein attraktives Produkt zu machen, bleibt zweifelhaft. Hier werden eher die 2006 und 2008 erhöhten Zulagensätze ihre Wirkung zeigen.
    4. Lebensversicherung
    Die Altersvorsorge mittels einer Lebensversicherung nimmt in Deutschland einen deutlich breiteren Raum als jenseits der Grenze ein. Daher ist verständlich, dass die künftige steuerliche Behandlung dieses Produkts den größten Disput auslöste und die einzige Korrektur im Vermittlungsausschuss brachte. Bisher mindern nicht nur Beiträge für die Lebensversicherung das zu versteuernde Einkommen. Die Erträge sind darüber hinaus auch noch steuerfrei, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre läuft. Dieses Steuerprivileg bleibt für vor 2005 abgeschlossene Policen erhalten, sofern auch bereits die ersten Beiträge geflossen sind. Bei Neuverträgen hingegen findet eine völlige Umgestaltung statt. Wie bei Ausschüttungen von Kapitalgesellschaften wird das Halbeinkünfteverfahren angewendet. Dieses letztendlich erzielte Ergebnis wird zu einem geänderten Anlageverhalten führen, auch wenn die ursprünglich geplante volle Steuerpflicht nun doch nicht greift. Die Auswirkungen im Überblick:
    Behandlung der Beiträge
  • Versicherungen mit Kapitalwahlrecht und Abschluss vor 2005 fallen zu 88 Prozent unter die sonstigen Vorsorgeaufwendungen.
  • Rentenversicherungen mit Auszahlung frühestens ab dem 60. Lebensjahr gelten als begünstigte Vorsorgeaufwendungen und können den Höchstbetrag von 20.000 EUR nutzen.
  • Die übrigen Policen ohne Kapitalwahlrecht werden wie Krankenversicherungsbeiträge als Sonderausgaben abgezogen.
  • Ab 2005 abgeschlossene Verträge mit Kapitalwahlrecht sind nicht mehr begünstigt.
    Behandlung der Auszahlungen
  • Bei Verträgen bis 2004, auf die auch schon Beiträge geflossen sind, bleibt es beim derzeitigen Rechtsstand.
  • Die Versicherungssumme ist unter den gleichen Voraussetzungen wie bisher steuerfrei.
  • Leibrenten werden weiterhin nach den Ertragsanteilen besteuert. Der Satz ab 2005 ist allerdings geringer als der bisher gültige Ertragsanteil, da ein niedrigerer Diskontierungsfaktor unterstellt wird.
  • Verträge ab 2005 sind unabhängig von Laufzeiten nach dem Halbeinkünfteverfahren steuerpflichtig.
  • Bei Kapitalwahlrecht stellen die Erträge aus der Lebensversicherung unabhängig von der Laufzeit Einnahmen aus Kapitalvermögen dar. Diese ermitteln sich aus der Differenz zwischen dem Auszahlungsbetrag und der Summe der eingezahlten Beträg
  • Beträgt die Laufzeit mindestens zwölf Jahre, und ist die Fälligkeit erst ab dem 60. Lebensjahr terminiert, greift das Halbeinkünfteverfahren. 50 Prozent der errechneten Einnahmen bleiben damit steuerfrei und unterliegen nicht dem Progressionsvorbehalt. Damit wurde ein Kompromiss zwischen kompletter Steuerfreiheit und -pflicht genau in der Mitte erreicht.
  • Fondsgebundene Versicherungen werden nach der gleichen Berechnung besteuert.
  • Rentenauszahlungen aus begünstigten Lebensversicherungen werden wie Leibrenten besteuert. Maßgebend für den steuerpflichtigen Anteil ist das Jahr der Erstauszahlung.
    Der Neuabschluss von Kapitallebensversicherungen wird durch die neuen Regeln bis Ende dieses Jahres anschwellen und anschließend versiegen. Die Branche hat bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Vermittlungsergebnisses verlauten lassen, dass sie nunmehr mit geballter Vertriebskraft Policen nach altem Muster bis Silvester 2004 an die Bürger bringen will. Das wird auch - ähnlich wie Ende 1999 - Erfolg haben. Aber anschließend werden andere Anlageformen in den Vordergrund treten. Die bieten zwar nicht immer bessere steuerliche Verhältnisse, aber zumindest eine höhere Transparenz. Aktien und vergleichbare Produkte wie Fonds und Zertifikate werden stärker in die Altersvorsorge einbezogen. Hier sind nur Dividenden zur Hälfte steuerpflichtig, und zwar unabhängig von Laufzeiten; sämtliche Kurserträge fallen aber ziemlich schnell aus dem Zugriff des Finanzamts heraus. Und da Aktien auf längere Sicht hin die Anlage mit der besseren Rendite sind, kann die Generation bis Anfang 50 mit Sachwerten steuerschonend fürs Alter vorsorgen. Dann werden die Deutschen im Vergleich zu ausländischen Sparern im Bezug auf die Aktienanlage deutlich aufholen: Lebensversicherungen rücken in den Hintergrund.
    5. Betriebliche Altersversorgung
    Vereinfachung, Vereinheitlichung und Anpassung an die nachgelagerte Besteuerung heißt das Motto bei der betrieblichen Altersvorsorge. Besonders zu erwähnen ist die Steuerfreiheit bei Direktversicherungen. Beiträge bleiben bei Versorgungszusagen ab 2005 bis zur Höhe von vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zuzüglich eines Festbetrages von 1.800 EUR unbelastet. Dafür greift die Besteuerung auf die ausgezahlten Beträge. Die Pauschalversteuerung entfällt, bei Versorgungszusagen vor 2005 können die Beiträge allerdings weiterhin pauschal versteuert werden.
    Abfindungen können steuerfrei für den Aufbau einer Altersvorsorge genutzt werden. Dabei gelten als Höchstbetrag 1.800 EUR multipliziert mit der Anzahl der Dienstjahre. Abgezogen werden lediglich ab 2005 steuerfrei gezahlte Beiträge zur Direktversicherung. Ein Weg, den Arbeitnehmer bei Beendigung eines Dienstverhältnisses durchaus ins Auge fassen werden.
    6. Weitere Auswirkungen
    6.1 Ertragsanteil
    Wird aus versteuertem Einkommen gebildetes Kapital verrentet, bleibt es bei der bisherigen Besteuerung nach dem Ertraganteil. Das gilt etwa für Veräußerungsrenten sowie Leibrenten gegen Einmalbetrag. Der Ertragsanteil sinkt ab 2005, da ein geringerer Diskontierungsfaktor unterstellt wird. So beträgt der Satz beim 65. Lebensjahr nur noch 18 anstatt bisher 27 Prozent. Dies hat auch Einfluss auf den verminderten Ansatz bei den Sonderausgaben, der bei privaten Veräußerungsrenten möglich ist.
    6.2 Kontrollen
    Um den Geldfluss der Rentner zu überwachen, wird bei der BfA eine zentrale Stelle eingerichtet. Hier müssen Rentenkassen und private Versicherer jährlich die Überweisungen an Ruheständler melden. Die Daten werden den Landesrechenzentren überstellt und dann nach Vorauswahl an die zuständigen Finanzämter übermittelt. Damit werden ab 2005 auf einen Schlag alle Renteneinkünfte und Erträge aus Versicherungen transparent.
    Durch dieses Kontrollverfahren fallen Rentner auf, die in den Vorjahren keine Steuererklärung eingereicht haben. Auf Grund der Meldung für 2005 können die Bearbeiter in den Finanzämtern die Einnahmen der Vorjahre zurückverfolgen. Dann wird es reihenweise Aufforderungen geben, für 2004 und früher noch eine Steuererklärung einzureichen.
    Flankiert werden diese Kontrollen durch die neue ab 2005 greifende EU-Zinsrichtlinie mit grenzüberschreitenden Meldungen sowie die Ende 2004 erstmals aufzustellenden Jahresbescheinigungen der Banken. Diese Maßnahmen machen die Einkünfte von Rentnern auf einen Schlag sehr transparent.
    6.3 Amnestie
    Bis zu 400.000 Rentner haben ihre Einkünfte bislang bewusst oder unbewusst nicht korrekt oder überhaupt nicht erklärt, schätzt die Deutsche Steuergewerkschaft. Das neu eingeführte Kontrollverfahren macht zumindest die Steuerpflichtigen transparent, die alleine mit ihrer Rente über dem Grundfreibetrag liegen. Nachfragen sind vorprogrammiert, die übrigen Einkünfte kommen ans Tageslicht.
    Da kann es sinnvoll sein, die bis Ende März 2005 geltende Steueramnestie zu nutzen. Das gilt zumindest für die Rentner, die bewusst Einnahmen unterschlagen haben. Eine strafbefreiende Meldung sowie die pauschale Nacherhebung von 25 Prozent bis Ende 2004 schafft reinen Tisch vor dem großen Systemwechsel am kommenden Neujahrstag.
    7. Zukunftsaussicht und Wertung
    7.1 Anlagestrategie
    Die nachgelagerte Besteuerung führt in den kommenden Jahren bei der jüngeren Generation zu einer steuerlichen Entlastung, im Jahr 2005 bereits um knapp zwei Mrd. EUR. Und dies, ohne dass sich die Aufwendungen für die Altersvorsorge verändern. Das Mehr auf dem Konto kann zum Konsum, aber auch für zusätzliche kurz- oder langfristige Sparmaßnahmen verwendet werden. In Anbetracht der viel zitierten Rentenlücke und der schwachen Binnenkonjunktur wäre ein Ausgabenmix der optimale Ansatz.
    Neben der Riester-Rente und den neuen Angeboten der Versicherungskonzerne ist nunmehr private Initiative gefordert. Sparpläne mit laufender Einzahlung in Fonds oder Zertifikate bringen auf Dauer gesehen hohe Endsummen, die je nach Anlageform weitestgehend steuerfrei bleiben. Die Sparquote kann sich dabei an der Steuerersparnis ausrichten, würde also jährlich ansteigen.
    Gingen Anleger mit Blick auf die Altersvorsorge bisher immer von hoher Progression vor und geringer Steuerlast nach dem Renteneintritt aus, so ändert sich die Situation grundlegend. Und dies umso mehr, je weiter der Ruhestand noch entfernt ist. Zwar wird das steuerpflichtige Einkommen selbst bei Vollansatz der Rente meist unter dem im Erwerbsleben liegen. Doch das kalkulierte Zusatzeinkommen etwa aus Zinsanlagen vermindert sich durch verstärkte steuerliche Belastungen. Steuerpflichtige müssen daher zweigleisig fahren. Sie sparen unter Inanspruchnahme des höchstmöglichen Sonderausgabenabzugs und nehmen hierfür die nachgelagerte Besteuerung in Kauf. In einem zweiten Schritt werden Anlageprodukte gewählt, die möglichst geringe steuerpflichtige Erträge abwerfen.
    Für die heutige Rentnergeneration wächst in jedem Fall das steuerpflichtige Einkommen, und dies sofort. Spielte es beispielsweise bei einem Ehepaar bislang kaum eine Rolle, aus welchen Quellen Kapitaleinnahmen von etwa 5.000 EUR flossen, so ändert sich dies ab 2005. Das Nettoeinkommen sinkt infolge der höheren Progression. Statt der Bundesanleihe oder dem Sparbrief werden nun auch Kapitalprodukte interessant, die steuerschonende Renditen bringen. Für Rentner mit hohem Einkommen kommt die Vermögensverlagerung auf den Nachwuchs in Betracht, eine hieraus erzielbare Veräußerungsrente bleibt steuerlich attraktiv.
    7.2 Fazit
    Die Prozentsätze beim Sonderausgabenabzug steigen schneller als beim Ertragsanteil, die Steuerlast vermindert sich für einen Großteil der Bevölkerung. Die Renditen der Lebensversicherungen werden kaum noch durch steuerliche Anreize gefördert, alle Kapitalanlagen haben vergleichbare Chancen. Die schrittweise Einführung der nachgelagerten Besteuerung ist begrüßenswert, auch wenn einige Rentner ab 2005 schlechter gestellt werden.
    Auf der anderen Seite führt die Systemumstellung bei einer Reihe von Bürgern erst einmal zu Rechtsunsicherheit. Komplizierte und lange Übergangsfristen machen das Steuerrecht noch unübersichtlicher, jedes Jahr gelten andere Beträge - und dies an verschiedenen Stellen des Einkommensteuergesetzes. Eine Reihe von Einführungserlassen werden die Grundlage für neue Diskussionen geben. Und über allem schwebt als weiterer Systemwechsel eine Änderung bei der Erbschaftsteuer. Für zusätzliche Verwirrung und im ersten Schritt Zurückhaltung werden die nunmehr einsetzenden Angebotsoffensiven von Kreditinstituten sorgen. Das Motto sollte daher sein: Ruhe bewahren. Bis zur Systemumstellung verbleibt noch ein halbes Jahr und auch anschließend muss nicht sofort das gesamte Sparverhalten umgestellt werden. Handeln, und dies bis zum Jahresende, sollten hingegen Rentner, die es bislang mit ihren steuerlichen Pflichten nicht so genau genommen haben.
    Quelle: Betriebswirtschaftliche Mandantenbetreuung - Ausgabe 06/2004, Seite 154
    Quelle: Ausgabe 06 / 2004 | Seite 154 | ID 109531