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·Fachbeitrag ·Wertminderung

Gibt es eine Wertminderung auch bei einem zweiten Unfallschaden?

| Eines der seltenen Urteile zur Frage der Wertminderung bei einem zweiten Unfallschaden an einem recht jungen Fahrzeug kommt vom AG Dippoldiswalde. Der noch nicht vier Jahre alte Mercedes hatte bereits einen reparierten Unfallschaden vorne links. Ein weiterer Unfall schlug nun mit einem Heckschaden von 7.226,13 Euro zu Buche. Das AG gewährte dem Geschädigten auch dafür eine Wertminderung, allerdings nicht in der Höhe, die sich der Geschädigte ausgemalt hatte. |

 

Mit dem selbst eingeholten Gutachten nicht zufrieden

Unter Berücksichtigung des Vorschadens hat der vom Geschädigten selbst beauftragte Sachverständige eine Wertminderung in Höhe von 500 Euro angenommen. Die hat der eintrittspflichtige Versicherer auch ausgeglichen. Damit war der Geschädigte aber nicht zufrieden. Er rechnete selbst nach dem sogenannten „Hamburger Modell“ nach und sah eine Wertminderung in Höhe von 1.445,27 Euro als richtig an. Neben restlichen Mietwagenkosten klagte er die Differenz zwischen diesem Betrag und den gezahlten 500 Euro ein, und zwar bis auf den Betrag hinter dem Komma.

 

Gutachter angehört, Argumente abgewogen und Schätzung akzeptiert

Das AG Dippoldiswalde hat den für den Geschädigten tätigen Sachverständigen als sachverständigen Zeugen angehört. Der hat erläutert, dass der erste Unfall hinsichtlich des Werts des Fahrzeugs die größte Zäsur sei. Denn ab diesem Zeitpunkt ist es nicht mehr unfallfrei.

 

Zum weiteren Unfallschaden und dessen Einfluss auf die Wertminderung enthält das Urteil keine weiteren Ausführungen. Daraufhin hat es das AG bei den 500 Euro belassen und den Mehrbetrag von 945,27 Euro nicht zugesprochen (AG Dippoldiswalde, Urteil vom 31.5.2013, Az. 3 C 432/12; Abruf-Nr. 132349).

 

Vom Einzelfall abgesehen zeigt diese Entscheidung, dass

  • die meisten Gerichte die Schätzung bevorzugen, und
  • es keinen Grundsatz gibt, dass ein zweiter Unfall keine weitere Wertminderung auslösen könnte.

 

PRAXISHINWEIS | Nach unserer bereits vielfach geäußerten Auffassung ist es von vornherein verfehlt, eine Wertminderung berechnen zu wollen. Immerhin geht es um einen zu schätzenden Betrag, den ein typischer gedachter Gebrauchtwagenkäufer wegen der Unfallwageneigenschaft weniger zahlen würde. Dass der nun genau 1.445,27 Euro weniger bieten würde, erscheint absurd. Eine solche Herangehensweise wird der Schadenposition nicht gerecht. Dabei übersehen wir nicht, dass die Hamburger Justiz ein solches Modell bevorzugt und auch das LG München kürzlich einer Berechnung den Vorzug gab vor einer Schätzung, weil diese nicht objektivierbar sei.

Quelle: Ausgabe 08 / 2013 | Seite 13 | ID 42233134