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·Fachbeitrag ·Schadenabwicklung

So bringen Sie langsam regulierende Versicherer in Schwung und kommen schneller an Ihr Geld!

| Was können wir tun, um endlos langsame Schadenregulierungsfälle zu beschleunigen? Ob nun organisatorische Schwächen in der Umwandlung in die versicherungsinterne Papierlosigkeit zu beklagen sind, zu dünne Personaldecken oder ob absichtliche Zermürbungsverzögerung vermutet wird, die Suche nach dem Gaspedal beschäftigt die Werkstattwelt. Nun ist das Instrumentarium, langsam regulierende Versicherungen in Schwung zu bringen, durchaus vielfältig, jedoch nicht immer kundenfreundlich. |

 

Beachten Sie | Da manche rechtlich gut funktionierende Möglichkeit nicht besonders kundenfreundlich ist, gilt es stets, Nutzen und Kundenärger abzuwägen. Aber wie das Sprichwort sagt: Einen Tod muss man sterben. Maximale Kundenschonung, also den Kunden überhaupt nicht belasten zu wollen, nimmt Ihnen jedes Druckmittel!

Zwischen Kasko- und Haftpflichtfällen unterscheiden

Druckmittel gegenüber dem Versicherer haben Sie als Werkstatt nur in den Haftpflichtfällen. In den Kaskofällen müssen Sie sich an Ihren Kunden halten und der muss dem Versicherer gegebenenfalls „Dampf machen“.

 

Bei Kaskoschäden bleibt die Werkstatt zahnlos

Kaskoverträge enthalten in aller Regel eine vertraglich vereinbarte Fälligkeitsregel. In den meisten Bedingungen ist festgehalten, dass die Kaskoentschädigung zwei Wochen nach deren „Feststellung“ fällig ist und dass, wenn vier Wochen nach deren Feststellung noch kein Geld eingegangen ist, ein Vorschuss gefordert werden kann. Meist finden Sie das in der Klausel A.2.14 der Verträge.

 

Wenn die Versicherung also noch Nachforschungen anstellt, zum Beispiel wegen grober Fahrlässigkeit, ist die Forderung mangels „Feststellung“ noch nicht fällig. Bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Versicherung missbräuchlich langsame Arbeit vorgeworfen werden kann, ist man folglich weitestgehend machtlos. Letztlich fehlt bei Kaskoschäden auch das Druckmittel erweiterter Nutzungsausfall- oder Mietwagenkosten.

 

PRAXISHINWEIS | Was bleibt, ist das Geld massiv vom Kunden zu fordern, sodass der seinem Versicherungsvertreter - wenn der nicht „Internet“ heißt - Dampf macht, den der dann an die Zentrale weiterleitet. Allerdings liegen die Probleme in der Praxis eher selten im Segment Teil- oder Vollkasko. Denn dort betrifft die Verzögerung ja im Ergebnis, wenngleich meist von der Werkstatt abgepuffert, den eigenen Kunden des Versicherers, den man dort (meistens) gerne bei der Stange halten möchte.

 

Bei Haftpflichtschäden ist der Schadenersatz sofort fällig

Bei Haftpflichtschäden gilt § 271 BGB. Danach sind Schadenersatzforderungen sofort mit Schadeneintritt fällig. Salopp gesagt: Der Airbag ist noch nicht entlüftet, der Anspruch ist schon fällig. Soweit die Theorie. In der Praxis ist aber aus praktischen Gründen eine solche Soforterledigung nicht möglich:

 

  • Erst muss ja die Schadenhöhe feststehen und dem Schädiger bzw. dessen Versicherer mitgeteilt werden.

 

  • Außerdem ist der Versicherer ja nicht „beim Unfall dabei gewesen“, so dass ihm eine „gewisse Zeit“ zugebilligt werden muss, in der er die nötigen Informationen einholt (OLG Düsseldorf, Urteil vom 22.1.2007, Az. I-1 U 151/06; Abruf-Nr. 070660). Wie lang die sein darf, hängt von den Umständen ab. Bei übersichtlichen Sachverhalten - und das sind die häufigsten Fälle! - müssen zwei Wochen sicher genügen, aber die Gerichte sind in der Frage uneinig. Von zwei Wochen bis zu zwei Monaten wird da alles vertreten.

 

PRAXISHINWEIS | Der Klassiker „Der Schädiger hat den Schaden noch nicht gemeldet, die Ermittlungsakte konnten wir noch nicht einsehen, wir bitten um Geduld“ zieht dabei im Ergebnis nicht. Wenn der Versicherer erst die Ermittlungsakte abwarten möchte, sich dann aber aus der Akte ergibt, dass er eintrittspflichtig ist, dann war er es von Anfang an. Wenn sich daraus also Schadenerweiterungen ergeben haben (Nutzungsausfall, Mietwagen, Zinsen, siehe unten), dann muss er dafür einstehen. Keinesfalls kann er sich auf den Standpunkt stellen, dafür sei er erst ab Akteneinsicht verantwortlich. Auch das ergibt sich aus dem genannten Urteil des OLG Düsseldorf.

Die Verfahrens-Beschleuniger

Als wirksamstes Mittel der Beschleunigung hat sich erwiesen: Verzögerungen in der Regulierung müssen für die Versicherer teuer werden.

 

Das Werkunternehmerpfandrecht

Entscheidet sich die Werkstatt, das reparierte Fahrzeug erst herauszugeben, wenn die Reparaturrechnung bezahlt ist, läuft der Mietwagen- oder Nutzungsausfallanspruch des Kunden weiter. Zwei Extremfälle mit 131 bzw. 229 Tagen wurden bereits vom BGH (Urteil vom 25.1.2005, Az: VI ZR 112/04; Abruf-Nr. 050823) und vom OLG Düsseldorf (Urteil vom 22.1.2007, Az. I-1 U 151/06; Abruf-Nr. 070660) zugunsten des Geschädigten entschieden.

 

Beachten Sie | Risiken und Nebenwirkungen dieser Verfahrensweise sind jedoch mit einiger Sicherheit ein verärgerter Kunde und ein notwendiger Rechtsstreit. Außerdem hat diese Verfahrensweise zwei Voraussetzungen:

 

  • Wenn der Kunde durch einen Griff in das eigene Portemonnaie die Rechnung selbst bezahlen könnte, muss er das dann wohl zur Abwendung der hohen Ausfallkosten tun. Eine Kreditaufnahme ist dem Kunden aber nicht zumutbar (BGH, Urteil vom 6.3.2007, Az. VI ZR 36/06; Abruf-Nr. 071391).

 

  • Unbedingt muss, wenn die Werkstatt das Fahrzeug nicht herausgibt, der Versicherer nach § 254 Abs. 2 BGB im Hinblick auf den zu erwartenden erhöhten Ausfallschaden gewarnt werden. Sonst bleibt der Kunde auf dem Schaden sitzen.
  • PRAXISHINWEIS | Der Textbaustein 116 mit seinen verschiedenen Varianten eignet sich zur Information nach § 254 Abs. 2 BGB und zur Beschleunigung des Verfahrens beim Versicherer. Dabei sollten Sie jedoch Folgendes beachten: Der Textbaustein ist für die Fälle konzipiert, in denen Ihr Kunde trotz seiner finanziellen Beengtheit nicht (sofort) anwaltlich betreut werden möchte. Der Kunde sollte die Textbausteine im eigenen Namen selbst versenden. Sie können ihm eine Kopie der Textbausteine zur Hilfestellung überlassen.

Diese Rosskur eignet sich also nur in solchen Fällen, in denen der Kunde ohne Kreditaufnahme nicht zur Vorfinanzierung in der Lage ist. Außerdem sollte der Kunde dann zur Risikominimierung den Weg der Nutzungsausfallentschädigung wählen und zur Untermauerung der Beschleunigungsnotwendigkeit einen Rechtsanwalt einschalten.

 

In vielen Fällen wirkt bereits die Ankündigung dieser Verfahrensweise gegenüber dem Versicherer, verbunden mit dem Warnhinweis nach § 254 Abs. 2 BGB, der die Professionalität beweist, Wunder. Dafür können Sie ja bereits die Reparaturzeit oder die Wiederbeschaffungszeit nutzen.

 

Der Unfallkredit

Ist der Kunde zwar nicht ausreichend liquide, aber kreditwürdig, kann er - guten Willen vorausgesetzt - sein Konto überziehen und Ihre Rechnung bezahlen. Nach Eingang des dann zur Zahlung an den Kunden zu verlangenden Schadenersatzbetrags kann ihm seine Bank eine Zinsbescheinigung über die auf die notwendigen Beträge entfallenden Überziehungszinsen ausstellen. Die sind dann vom Versicherer zu ersetzen. Voraussetzung wieder: Der Warnhinweis nach § 254 Abs. 2 BGB.

 

Früher wurde dabei oft so vorgegangen, dass dem Geschädigten bei seiner Bank ein zweites Konto als isoliertes „Unfallkonto“ eingerichtet wurde. Das war dann sehr übersichtlich. Seit die Banken jedoch auch verstärkt auf ihre internen Ablaufkosten achten, sind sie nur selten bereit, ein „Kurzzeitkonto“ zu eröffnen, weil der kaufmännische Aufwand dafür hoch ist.

 

Verzugszinsen

Eine Variante ohne Bankbeteiligung ist, dass Sie den Kunden wegen der offenen Rechnung in Verzug setzen und ihm (dem Kunden, nicht dem Versicherer!) Verzugszinsen berechnen. Auch diese sind dann als Verzugsschaden vom Versicherer zu ersetzen.

 

PRAXISHINWEIS | Um einen Kunden in Verzug zu setzen, ist es erforderlich, dass Sie ihm eine Mahnung schicken. Das kann bereits zwei Wochen nach Rechnungsstellung geschehen mit einer Erledigungsfrist von einer weiteren Woche.

 

Alternativ ist auch der Weg über § 286 Abs. 3 BGB möglich. Danach kommt Ihr Werkstattkunde 30 Tage nach Fälligkeit automatisch in Verzug. Verbraucher allerdings müssen darauf gesondert hingewiesen werden. Nur bei Unternehmern als Kunden tritt die Wirkung automatisch ein.

 

PRAXISHINWEIS | Viele Unternehmen haben aufgrund dieser gesetzlichen Lage seit langem einen Hinweis auf allen Rechnungen, dass Verzug ohne Mahnung automatisch nach 30 Tagen eintritt. Dann entfällt der „unfreundliche Akt“ dem Kunden gegenüber. Nachteil: Mancher Kunde meint dann in anderen Vorgängen, nun müsse er erst nach 30 Tagen zahlen. Wenn Sie das befürchten, sollten Sie nur bei Unfallschadenrechnungen nach § 286 Abs. 3 BGB vorgehen.

Voraussetzung insgesamt ist aber, dass Ihr Kunde eine Rechnung bekommt. Denn er ist derjenige, der in Verzug geraten muss. Sie müssen sich klarmachen, dass es immer um Ihre Ansprüche gegenüber dem Kunden geht, die er selbst erfüllen muss. Theoretisch zahlt er und holt sich dann das Gezahlte bei der Versicherung zurück. Dass in der Praxis direkt zwischen Werkstatt und Versicherer abgerechnet wird, ist nur eine Verkürzung des Dreiecksverhältnisses. Rechtlich bleibt das Dreieck bestehen. Sie können also den Versicherer unmittelbar nicht in Verzug setzen.

 

Entweder nach Ablauf der in der Mahnung gesetzten Frist oder aber nach Ablauf der 30 Tage fallen dann Verzugszinsen an. Nach Zahlungseingang stellen Sie die dem Kunden in Rechnung. Der Versicherer muss die Zinsen dann erstatten.

 

PRAXISHINWEIS | Auch bei den Verzugszinsen werden Sie auf das Hindernis stoßen, dass der Versicherer mit einiger Wahrscheinlichkeit behaupten wird, er müsse die Zinsen nicht übernehmen. Und dann ist da wieder das alte Dilemma: Soll man für den relativ kleinen Betrag dann klagen? Eindeutige Antwort: Ja! Das geht ja auch aus abgetretenem Recht. Die trödelnden Gesellschaften müssen lernen: Mit Ihnen kann man das nicht machen! Jedenfalls die Gesellschaften, mit denen Sie oft zu tun haben, registrieren durchaus aufmerksam, welche Werkstatt konsequent agiert.

Bis das soweit ist, haben Sie noch etwas Erziehungsarbeit vor sich. Aber siehe oben: Maximale Kundenschonung und maximale Bequemlichkeit schlagen Ihnen jede Waffe aus der Hand.

 

Anwaltseinschaltung

Zu guter Letzt: Auch die Anwaltseinschaltung verteuert den Vorgang für den Versicherer. Wenn der Vorgang nicht ohnehin von Anfang an anwaltlich betreut wird, sollte spätestens bei einer eingetretenen Beschleunigungsnotwendigkeit darüber nachgedacht werden.

 

Weiterführender Hinweis

  • Textbaustein 116: Wie bringen wir eine trödelnde Versicherung auf Trab?
Quelle: Ausgabe 06 / 2012 | Seite 6 | ID 33909260