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·Fachbeitrag ·Schadenabwicklung

Recht zur Nachbesichtigung nach § 809 BGB?

| Ein Leser fragt: Eine Versicherung verlangt eine Nachbesichtigung bei einem Haftpflichtschaden und schreibt uns dazu: „... zu Ihrem o.a. Zeichen haben wir die Firma X mit der Nachbesichtigung des beschädigten Fahrzeugs beauftragt. Diese Nachbesichtigung ist gemäß § 809 BGB notwendig, da Uneinigkeit über die Höhe des Wiederbeschaffungswerts des beschädigten Fahrzeugs besteht.“ Über das Recht auf Nachbesichtigung besteht doch erhebliche Uneinigkeit. Haben die mit § 809 BGB nun den Stein der Weisen gefunden? |

 

UNSERE ANTWORT | Nein, das ist entweder schlichtes Fehlverständnis des Paragraphen oder ein netter Versuch zu bluffen. In § 809 BGB steht zwar tatsächlich etwas über die Vorlage einer Sache zur Besichtigung. Aber es ist der umgekehrte Fall: Wenn jemand eine Sache in Augenschein nehmen muss, um beurteilen zu können, ob er einen Anspruch gegen den Besitzer der Sache hat, muss der Besitzer das ermöglichen. Als Beispiel mag ein Patentverletzungsverdacht dienen, bei dem der Berechtigte erst nach Besichtigung der Sache beim eventuellen Patentverletzer beurteilen kann, ob der Verdacht berechtigt ist. Es muss also ein Anspruch gegen den Besitzer der Sache sein. Bei den Unfallsachen hat aber der Besitzer der Sache den Anspruch gegen die Versicherung.

 

PRAXISHINWEIS | Es bleibt dabei: Ein pauschales Recht der Versicherung zur Nachbesichtigung besteht nicht. Nur wenn sie präzise vorträgt, warum sie selbst schauen möchte, obwohl ihr ein Schadengutachten vorliegt, kann das im Einzelfall zur Besichtigung berechtigen. Der lapidare Hinweis auf „Uneinigkeit über die Höhe des Wiederbeschaffungswerts“ genügt gewiss nicht. Aber wie immer stellt sich die liquiditätstaktische Frage: Ohne Nachbesichtigung zahlt der Versicherer oft gar nichts, dann muss alles eingeklagt werden, mit Nachbesichtigung wahrscheinlich nur der gekürzte Rest. Das ist eine Frage des Sportsgeistes

 
Quelle: Ausgabe 02 / 2012 | Seite 2 | ID 31374180