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04.04.2008 | Leserforum

Sturmschaden mit Anschlussunfall

Ein Leser fragt: „Ein Kunde befuhr bei Sturm mit seinem Auto eine Straße, an der große Bäume stehen. Ein Ast fiel vom Baum auf die Motorhaube. Danach kam er von der Fahrbahn ab und fuhr auf den Randstreifen. Ein großer Stein, der dort lag, beschädigte den Schweller. Ist dieser Schaden ebenfalls dem Sturmschaden zuzuordnen? Ist das nicht ähnlich wie beim Ausweichen vor Wild?“ 

 

Unsere Antwort: Nein, der Schaden am Schweller ist nicht gedeckt. 

 

Die Sturmschadenklausel

Sturm im Sinne der Teilkaskoversicherung beginnt bei einer Windstärke von 8 Beaufort, was einer Windgeschwindigkeit von 17,2 bis 20,7 m/sek entspricht. Unter dieser Voraussetzung ist der vom Baum abgerissene Ast auf der Motorhaube ein eindeutiger Sturmschaden. Sowohl die Klausel der bisherigen AKB als auch die Klausel aus den AKB 2008 setzen ein unmittelbares Einwirken des Sturms voraus: 

 

  • Vom Sturm auf das Fahrzeug geworfene Gegenstände sind ausdrücklich eingeschlossen.
  • Schäden, die auf das Verhalten des Fahrers aufgrund der Naturgewalten zurückzuführen sind, sind ausdrücklich ausgeschlossen.

 

Die Zäsur nach dem Astaufprall

Zwischen dem Aufprall des Asts auf dem Auto und dem Schwellerschaden liegt das (Fehl-)Verhalten des Fahrers. Auch wenn es schreckbedingt war: es ist nicht vom Schutz vor Sturmschäden umfasst! 

 

Die Rettungskostenüberlegung

Sie fragen nach einer Analogie zum Ausweichen vor dem Wild. Das ist die Frage nach den so genannten Rettungskosten. Wer ausweicht, um einen Schaden zu vermeiden, kann einen dabei entstehenden anderen Schaden unter Umständen aus § 63 VVG alt oder § 83 VVG neu ersetzt verlangen.  

 

Das wäre der Fall, wenn der Fahrer dem herabstürzenden oder so-eben herabgestürzten Ast ausweicht und dabei auf den Randstreifen kommt. Dann greift die Klausel, wonach eine Handlung des Fahrers, die zum Schaden führt, ausgeschlossen ist, nicht. Denn Anspruchsgrundlage ist dabei nicht die Klausel, sondern das VVG. 

 

In Ihrem Fall war der Sturmschaden bereits geschehen. Erst danach hat der Fahrer falsch reagiert. Das ist ein anderer Sachverhalt.  

 

Beachten Sie: Keinesfalls darf die Sachverhaltdarstellung „angepasst“ werden. Davor können wir nur warnen. Das wäre Betrug! 

Quelle: Ausgabe 04 / 2008 | Seite 13 | ID 118585