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04.05.2009 |Leserforum

Scheiben aus Kunststoff und Glasschaden

Ein Leser fragt: „Die Kunststoff-Heckscheibe im Cabrioverdeck ist gebrochen. Kann das als Glasschaden über die Teilkaskoversicherung abgerechnet werden?“ 

 

Unsere Antwort: Die Frage hat zwei Facetten: Ist „Glas“ in der Teilkaskoversicherung chemisch-physikalisch oder funktional zu sehen und ist der „Glasbruch“ bei einem Cabrio möglicherweise auf Verschleiß zurückzuführen? 

 

Chemisch-physikalisch oder funktional?

Ob Kunststoff „Glas“ im Sinne der Teilkaskoversicherung ist, ist umstritten. Wie stets bei Kaskoverträgen ist ein Blick in das konkrete Bedingungswerk erforderlich. Manche Versicherer haben ausdrückliche Regelungen getroffen. Wenn Sie dort aber nichts finden, stellt sich die Frage, ob „Glas“ in der Teilkaskoversicherung chemisch-physikalisch oder funktional (Durchsichtigkeit) gemeint ist. Die Meinungen gehen auseinander. Der Wortlaut ist insoweit nicht eindeutig, als man auch von Plexiglas oder Acrylglas spricht. Chemisch-physikalisch ist beides kein Glas, wird aber zum Beispiel im Möbelbau in gleicher Funktion bei extrem höherer Bruchfestigkeit eingesetzt. 

 

Gegen den chemisch-physikalischen Glasbegriff spricht vor allem, dass der Fortschritt im Autobau sonst nach und nach den Versicherungsschutz aushöhlt. Scheinwerfer-„Glas“ ist häufig keines mehr. 

 

Unser Tipp: Am Ende bleibt Ihnen nur zu probieren, was Ihr Gericht dazu sagt. Es handelt sich um eine reine Rechtsfrage, so dass der Versicherer nicht einwenden kann, es sei erst ein Sachverständigenverfahren durchzuführen (siehe Ausgabe 4/2009, Seite 12 bis 13).  

 

Besonderheit beim Cabrio: Verschleiß oder Bruch?

Die zweite Frage ist, ob der Schaden ein Glasbruch im Sinne der Bedingungen ist. Eine Scheibe im Cabrioverdeck stirbt häufig daran, dass sie immer an derselben Stelle geknickt wird, wenn das Dach zusammengefaltet wird. Verliert sie mit den Jahren an Elastizität, bricht sie in der Knickstelle. Das ist ein Verschleißschaden. Der Begriff des Glasbruchs meint jedoch Schäden, die durch Schlag entstehen. 

 

Beachten Sie: Insofern wäre es nicht ohne Gefahr, den Fall vor Gericht zu treiben. Der zweiten Frage könnte das Gericht ausweichen, wenn es den Begriff „Glas“ chemisch-physikalisch interpretiert. Das ist leichter zu begründen als die Frage des Bruchs. Damit wäre für Ihren Gerichtsbezirk der Weg für steinschlaggeschädigte Scheinwerferscheiben aus Kunststoff verschlossen. Ein solcher Fall wäre besser geeignet, um den Glasbegriff zu klären. 

 

Quelle: Ausgabe 05 / 2009 | Seite 16 | ID 126426