logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

06.10.2008 |Leserforum

Erstattung der Abschleppkosten bei Fahrzeugauslösung durch Werkstatt?

Ein Leser fragt: „Wenn ein Kunde unterwegs verunfallt, bringt der Abschleppunternehmer das Fahrzeug auf Kundenwunsch zu uns. Die Auswahl der Abschleppfirma erfolgt dabei in der Regel durch die Polizei. Viele Abschleppunternehmer sind nur bereit, das Fahrzeug bei uns abzuladen, wenn wir für die Kosten in Vorleistung treten. Dafür haben wir durchaus Verständnis, weil dem Abschlepper durch die Herausgabe des Fahrzeugs sein Werkunternehmerpfand verlorengeht. Die Kunden sind in der Regel bei dem Vorgang nicht anwesend. Und selbst wenn sie es wären, wäre es vielen nicht möglich, die Abschlepprechnung ad hoc selbst zu bezahlen. 

 

Wir übernehmen dann die Anschleppkosten als Fremdleistung in unsere Rechnung. Wie stets bei Fremdleistungen schlagen wir eine maßvolle Marge auf. Nun hat eine Versicherung eingewandt, wir hätten nicht abgeschleppt und daher stünde uns auch nichts zu, schon gar nicht ein Aufschlag. Wie ist die Rechtslage?“ 

 

Unsere Antwort: Der von Ihnen geschilderte Ablauf wirft eine ganze Reihe von Fragen auf, auf die wir nachfolgend im Einzelnen eingehen wollen:  

 

Der Abschleppauftrag

Zunächst einmal: Auch wenn die Polizei den Abschleppunternehmer auswählt und zur Unfallstelle bestellt, kommt regelmäßig ein Abschleppvertrag zwischen dem Unternehmer und dem Geschädigten zustande. Der anwesende Geschädigte wird jedenfalls durch faktisches Verhalten Auftraggeber.  

 

Wichtig: Ist der Geschädigte zum Beispiel wegen seiner Verletzungen schon nicht mehr an der Unfallstelle, erteilt die Polizei den Auftrag in seinem Namen. Dabei ist regelmäßig von einer stillschweigenden Genehmigung durch den Geschädigten auszugehen. 

 

Ist der Geschädigte nicht selbst der Unfallbeteiligte, sondern ein Familienmitglied, ein Mitarbeiter oder welche berechtigte Dritte Person auch immer, handelt die bei der Auftragsvergabe regelmäßig als Vertreter. 

 

In seltenen Fällen mag auch eine rechtliche Hilfskonstruktion der „Geschäftsführung ohne Auftrag“ greifen.  

 

Die Abschleppkosten sind zweifellos eine Schadenposition

Aber wie auch immer: Die Abschleppkosten sind aus Sicht des Geschädigten eine erstattungspflichtige Schadenposition. 

 

Die Auftragnehmerrolle

Allerdings: Sie sind nicht der Auftragnehmer bezüglich des Abschleppvorgangs. Das unterscheidet den Vorgang von anderen Fremdleistungskonstellationen deutlich.  

 

So sind Sie zum Beispiel bei einer Unfallreparatur üblicherweise der Auftragnehmer und geben Leistungsanteile (zum Beispiel die Lackierung) an einen Dritten weiter. Dann ist der Dritte Ihr „Subunternehmer“, und Sie haften für dessen Arbeit. Reklamiert der Kunde einen Lackierungsmangel, können Sie sich nicht darauf zurückziehen, Sie hätten nicht lackiert. Dem Kunden gegenüber sind Sie der Ansprechpartner.  

 

Beachten Sie: Allein das Haftungsproblem, aber auch das Handling des Subunternehmers rechtfertigen es, dass Sie auf die Ihnen gestellte Fremdrechnung einen maßvollen Aufschlag machen. 

 

Keine echte Fremdleistungsposition

Anders ist das bei der von Ihnen beschriebenen Abschleppkonstellation. Sie haben mit dem Abschleppvorgang nichts zu tun. Sie sind nicht der Auftragnehmer, sondern allenfalls die Abladestelle.  

 

Sie haften für nichts außer für die Verwahrung des Fahrzeugs ab dessen Entgegennahme. Aber das ist bei Licht besehen nicht das Ende des Abschleppauftrags, sondern der Beginn des Reparaturauftrags, denn das Fahrzeug wurde ja auf Kundenwunsch zu Ihnen verbracht. Die Verwahrung und damit die Obhutspflicht sind daher unabhängig vom beendeten Abschleppvorgang. 

 

Eigentlich nur ein Kleinkredit

Was Sie schildern ist im Ergebnis nichts anderes, als ein „Kleinkredit“ an Ihren Kunden, damit der Abschlepper das Auto herausrückt. Schadenrechtlich muss Ihr Kunde – gegebenenfalls durch Sie – die Fremdrechnung einreichen mit der Maßgabe, das Geld dafür solle an Sie erstattet werden, weil Sie in Vorleistung getreten sind. Die Abschleppleistung in einer von Ihnen gestellten Rechnung als eigene Leistung auszuweisen, entspricht nicht den Tatsachen. 

 

Anders wäre das, wenn 

  • der Kunde von der Unfallstelle aus bei Ihnen anruft und sie den Abschleppunternehmer losschicken. Dann ist das ein von Ihnen durch den Fremdunternehmer ausgeführter Auftrag.
  • der Abschlepper das Fahrzeug erst auf seinen Hof bringt und es dann zur Reparatur zu Ihnen transportiert wird. Dann kann das ein zweiter schadenrechtlich „erforderlicher“ Vorgang sein (Einzelheiten dazu finden Sie in Ausgabe 2/2007, Seite 13).

 

Fazit: Entwickelt der Versicherer Widerstand, werden Sie sich mit der Erstattung der verauslagten Kosten begnügen müssen. 

 

Quelle: Ausgabe 10 / 2008 | Seite 13 | ID 121996