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01.04.2006 | Kasko

Stundenverrechnungssatz bei Glasschäden

Frage: Dürfen Kaskoversicherungen bei einer erneuerten Windschutzscheibe eine Kürzung des Stundenverrechnungssatzes vornehmen? Gibt es dazu aktuelle Gerichtsurteile? Muss man diese Abzüge dulden, oder wie kann man dagegen vorgehen? 

 

Antwort: Im Kaskosegment kommt es immer wieder auf den konkreten Versicherungsvertrag an. Denn Kaskorecht ist Vertragsrecht. Seit dem Jahr 1995 haben die Gesellschaften große Spielräume bei der Gestaltung ihrer Versicherungsbedingungen. Schauen Sie also im konkreten Vertrag nach, ob darin eine Obergrenze für den Stundenverrechnungssatz gezogen ist. 

 

Für fiktive Abrechnungen wäre das durchaus üblich. Oft ist festgeschrieben, dass bei nicht durchgeführter Instandsetzung nur ein durchschnittlicher Verrechnungssatz Anwendung findet. Das ist dann auch zulässig. Die so genannte Porsche-Entscheidung, wonach auch bei fiktiver Abrechnung der Stundensatz der jeweiligen Marke in dem jeweiligen Wirtschaftsraum anzurechnen ist, entstammt dem Haftpflichtschadenrecht. 

 

Ihre Frage richtet sich jedoch auf eine tatsächlich durchgeführte Reparatur. Jedenfalls bisher wäre es eine seltene Ausnahme, wenn der Versicherungsvertrag dazu eine Stundensatz-Höchstgrenze enthielte. Vermutlich steht dazu gar nichts in den Bedingungen. Es wird wohl nur notiert sein, dass die Versicherung die „erforderlichen Kosten“ erstatten muss. 

 

Wenn jedoch nichts Konkretes vereinbart ist gilt das Haftpflichtschadenrecht als Auslegungshilfe für den Versicherungsvertrag. Dann gilt die „Porsche-Entscheidung“ mittelbar auch für das Kaskorecht: Sie können Ihren Satz durchsetzen. 

 

Bei einer Kürzung sollte Ihr Kunde nach einer tragfähigen Begründung fragen. Aller Erfahrung nach wirkt das schon Wunder. Zahlt die Assekuranz dennoch nicht den vollen Betrag (abzüglich Selbstbeteiligung), ist die Gegenwehr kein Fall des Sachverständigenverfahrens nach § 14 AKB. Weil es nicht um Tatsachenfragen rund um die Reparatur geht, sondern um eine reine Rechtsfrage, kann die Klärung vor Gericht gesucht werden.  

 

Es besteht dabei die Möglichkeit zur Klage an dem Gericht, in dessen Bezirk der Versicherungsvertrag abgeschlossen wurde. Das wird oft auch das Gericht Ihres Geschäftssitzes sein. Eine Klage Ihres Kunden gegen die Versicherung wäre für Sie quasi ein Musterverfahren, dessen hoffentlich positives Ergebnis Sie dann jeder späteren Kürzung in anderen Fällen entgegenhalten können. Der Aufwand lohnt. 

 

Quelle: Ausgabe 04 / 2006 | Seite 14 | ID 97842