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01.01.2007 | Kasko

Dachlawine beschädigt geparktes Auto

Ein Leser hat uns mit folgendem „Winterthema“ konfrontiert: „Ein Kundenfahrzeug wurde durch von einem Dach rutschende Schneemassen beschädigt. Es besteht kein Vollkaskoschutz. Handelt es sich um einen Elementarschaden im Sinne der Teilkaskoversicherung oder kann der Hauseigentümer haftbar gemacht werden?“ 

 

Vollkaskoversicherung?

Auf jedem Fall hätte die Vollkaskoversicherung zahlen müssen, wenn es sie gegeben hätte. Denn der Dachlawinenschaden erfüllt den Begriff eines „Unfalls“. Die Schneemassen sind ein mit plötzlicher mechanischer Gewalt unfreiwillig von außen einwirkendes Ereignis. 

 

Teilkaskoversicherung?

Die Teilkaskoversicherung ist nicht in der Pflicht. Jedenfalls nach den Standardbedingungen ist nicht jeder „Wetterschaden“ gedeckt, sondern nur die unmittelbare Einwirkung von Sturm, Hagel, Blitzschlag oder Überschwemmung.  

 

Anspruch gegen Hauseigentümer?

So bleibt nur noch ein Anspruch gegen den für das Haus im Sinne der Verkehrssicherungspflichten Verantwortlichen: Meist ist das der Hauseigentümer. Die Rechtsprechung zur Haftung ist jedoch nicht einheitlich. Vor Jahrzehnten hat der BGH entschieden, dass sich grundsätzlich jeder selbst gegen Dachlawinen schützen muss. Die Instanzgerichte haben Ausnahmen dazu herausgearbeitet. 

 

Die Haftung hängt unter anderem davon ab, ob der Schaden in schneereichem oder schneearmem Gebiet entstanden ist. Aber auch die Sicht auf dieses Kriterium ist ambivalent. Einerseits wird vertreten: In schneereichen Gebieten ist die Gefahr größer, daher muss der Hauseigentümer besser vorsorgen. Andererseits heißt es, dass Bewohner schneereicher Gebiete die Gefahren von Dachlawinen selbst gut kennen und es daher nicht gesonderter Warnhinweise bedarf. 

 

Entscheidend ist auch, ab der Hauseigentümer den Geschädigten zum Parken „einlädt“. Die Parkplätze eines Hotels oder eines Geschäfts vor dem Haus bedürfen besserer Sicherung durch Schneefanggitter oder zumindest durch Warnhinweise. Mit einem (erkennbaren!) Warnhinweis ist der Hauseigentümer in der Regel aus der Haftung. Ein halbwegs sicheres Kriterium ist die Dachneigung: Je steiler das Dach, desto größer die Pflichten. Und: Wenn Schneefanggitter durch die Bauordnung vorgeschrieben sind, führt deren Fehlen schnell zu einer Haftung wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht.  

 

Unser Tipp: Einen guten Überblick gibt das Urteil des AG Ulm vom 31.5.2006 (Az: 1 S 16/06; Abruf-Nr. 063780). 

Quelle: Ausgabe 01 / 2007 | Seite 15 | ID 98025