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01.01.2007 | Haftpflichtschaden

Erst fiktiv abgerechnet, dann doch repariert

Wenn der Geschädigte zunächst fiktiv abrechnet, sich aber dann doch zur Reparatur entscheidet, steht dem im Normalfall nichts entgegen. So hat es der BGH entschieden. Der Geschädigte kann bis zur Verjährung der Ansprüche (drei Jahre ab Unfalldatum oder sogar ab der letzten Zahlung) die Reparatur nachholen. Der BGH hat jetzt ein neues – positives – Urteil zu dieser Frage gefällt.  

 

Urteilsfall

Der Betroffene hatte zunächst – ohne ausdrücklich erklärten Vorbehalt – auf Totalschadenbasis abgerechnet. Später hat er eine Reparatur im Rahmen der „130-Prozent-Möglichkeiten“ vorgenommen. Der BGH hat keinen Grund gesehen, ihm das zu verwehren. Es handelt sich nach Ansicht der Richter nicht um zwei verschiedene Ansprüche, zwischen denen man abschließend wählen muss. Es bleibt der gleiche Anspruch in lediglich einer anderen Abrechnungsmodalität. 

 

Es gibt laut BGH auch keine Gründe des Rechtsfriedens und auch keine Interessen des Versicherers an einer möglichst zügigen Regulierung des Schadens, die eine abweichende Sicht rechtfertigen. Wenn der Versicherer eine Erledigung der Akten wünscht, möge er den Geschädigten zu einer entsprechenden Erklärung veranlassen (Urteil vom 17.10.2006, Az: VI ZR 249/05; Abruf-Nr. 063557).  

 

Beachten Sie: Aus Ihrer Sicht wird der Fall vermutlich schon „halb gelaufen“ sein, wenn sie damit in Kontakt kommen. Denn erst wenn sich der Geschädigte im Nachhinein zur Reparatur entschließt, kommt die Werkstatt ins Spiel. 

 

Tipps für die Praxis

Zur eigenen Sicherheit sollten Sie in einem solchen Fall nachträglicher Reparatur einmal in den bisherigen Schriftwechsel schauen. Wenn darin Hinweise auf eine abschließende Erledigungserklärung zu finden sind, ist ein Nachfassen nicht mehr möglich. 

 

Probleme kann es auch geben, wenn die erste Abrechnung lange zurückliegt. Dann könnte der Verdacht entstehen, dass die nunmehr beseitigten Schäden nicht dem alten Unfall zuzuordnen sind. 

 

Sollten Sie von Anfang an eingeschaltet sein, weil der Geschädigte in Kontakt mit Ihnen lange überlegt, ob er Ersatz beschafft oder repariert, sollte die Erstabrechnung mit dem klaren Hinweis erfolgen, dass eine spätere Reparatur vorbehalten bleibt. Einige Anwälte gehen immer so vor, dass sie die Totalschadenabrechnung unter Vorbehalt vornehmen, um bis zur Reparatur Liquidität zu schaffen. 

 

Unser Service: Einen Textbaustein dazu finden Sie nachfolgend unter „weitere Dokumente“. 

Quelle: Ausgabe 01 / 2007 | Seite 12 | ID 98023