logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

·Fachbeitrag ·Praxisfall

Honorarverluste bei chirurgischen Leistungen mit vollständiger Dokumentation vermeiden

von Daniela Kohler, Rottenburg am Neckar, www.za-ds.de

| Die Abrechnung kleinerer chirurgischer Eingriffe verursacht oft Honorarverluste aufgrund unzureichender Dokumentation. Jeder chirurgische Eingriff kann unterschiedlichste Nebenleistungen auslösen. Im Rahmen von Extraktionen und Osteotomien sollte immer die Frage nach der Schwierigkeit und den besonderen Umständen dokumentiert werden. Zum einen erhält die Abrechnungskraft somit passende Begründungen für Steigerungsfaktoren, und zum anderen wird eine eventuell höhere Leistung ausgelöst. |

Extraktionen

Die Entfernung eines mehrwurzeligen Zahns (GOZ-Nr. 3010) kann durch eine einfache Zangenextraktion erfolgen. Stellt sich jedoch heraus, dass der Zahn tief zerstört (GOZ-Nr. 3020) war, erhalten Sie für Ihre erbrachte Leistung 43,20 Euro mehr Honorar, da unter anderem der OP-Zuschlag mit abgerechnet werden kann. Dazu ein Beispiel mit der Gegenüberstellung der Honorarberechnung eines mehrwurzeligen Zahns und eines tief zerstörten Zahns.

 

Zahn
Geb.-Nr.
Anzahl
Leistung
Honorar

26

0090

1

Infiltrationsanästhesie

7,76 Euro (2,3-fach)

26

3010

1

Entfernung eines mehrwurzeligen Zahnes

14,23 Euro (2,3-fach

Gesamthonorar ohne Materialkosten

21,99 Euro

 

 

Zahn
Geb.-Nr.
Anzahl
Leistung
Honorar

26

0090

1

Infiltrationsanästhesie

7,76 Euro (2,3-fach

26

3020

1

Entfernung eines tief zerstörten Zahnes

34,93 Euro (2,3-fach

26

0500

1

Zuschlag bei nicht-stationärer Durchführung

22,50 Euro (1,0-fach)

Gesamthonorar ohne Materialkosten

65,19 Euro

 

Osteotomien

Bei Osteotomien sollte der Schwerpunkt der Dokumentation auf der Lage des zu entfernenden Zahns liegen, denn der Unterschied zwischen einer Osteotomie und der Osteotomie eines extrem verlagerten und/oder extrem retinierten Zahns bei gefährdeten anatomischen Nachbarstrukturen bringt einen Honorarverlust in Höhe von 73,63 Euro beim 2,3-fachen Gebührensatz mit sich. Wichtig ist es, dass in diesem Fall die gefährdete Nachbarstruktur - wie z. B. ein Nerv oder die Wurzel eines Nachbarzahns - dokumentiert wird.

 

Dazu wird nachfolgend die Berechnung einer Osteotomie, der Osteotomie eines retinierten Zahns und der Osteotomie bei gefährdeten Nachbarstrukturen gegenübergestellt:

 

Zahn
Geb.-Nr.
Anzahl
Leistung
Honorar

28

0090

1

Infiltrationsanästhesie

7,76 Euro (2,3-fach

28

3030

1

Entfernung eines Zahnes durch Osteotomie

45,27 Euro (2,3-fach

28

0500

1

Zuschlag bei nicht-stationärer Durchführung

22,50 Euro (1,0-fach)

Gesamthonorar ohne Materialkosten

75,53 Euro

 

 

Zahn
Geb.-Nr.
Anzahl
Leistung
Honorar

28

0090

1

Infiltrationsanästhesie

7,76 Euro (2,3-fach

28

3040

1

Entfernung eines verlagerten, retinierten oder impaktierten Zahnes durch Osteotomie

69,85 Euro (2,3-fach

28

0510

1

Zuschlag bei nicht-stationärer Durchführung

42,18 Euro (1,0-fach)

Gesamthonorar ohne Materialkosten

119,79 Euro

 

 

Zahn
Geb.-Nr.
Anzahl
Leistung
Honorar

28

0090

1

Infiltrationsanästhesie

7,76 Euro (2,3-fach)

28

3045

1

Entfernung eines extrem verlagerten und/oder extrem retinierten Zahnes durch umfangreiche Osteotomie bei gefährdeten anatomischen Nachbarstrukturen

99,22 Euro (2,3-fach)

28

0510

1

Zuschlag bei nicht-stationärer Durchführung

42,18 Euro (1,0-fach)

Gesamthonorar ohne Materialkosten

149,16 Euro

 

Weitere Leistungen, die im Zusammenhang mit Extraktionen oder Osteotomien erbracht werden, sollten unbedingt dokumentiert werden, auch wenn sie vom Behandler eventuell als dazugehörige Leistung empfunden werden. Bedenken Sie, dass eine gute Dokumentation zum einen zu einem höheren Honorar führt und zum anderen Ihre Dokumentationspflicht gemäß Patientenrechtegesetz unterstützt. Weitere mögliche Zusatzleistungen können sein:

 

Geb.-Nr.
Leistung
Honorar
Hinweise

0110

Zuschlag OP Mikroskop

22,50 Euro (1,0-fach)

  • einmal je Behandlungstag

3100

Plastische Deckung

34,93 Euro (2,3-fach)

  • nicht neben 3090 im gleichen OP-Gebiet
  • zusätzlich bei allen OPs
  • wenn Wundränder verändert werden
  • zzgl. eventuell ein Zuschlag Nr. 0500
  • zzgl. atraumatisches Nahtmaterial

3050

Stillung einer übermäßigen Blutung

14,23 Euro

(2,3-fach)

  • als selbstständige Leistung
  • auch mehrfach bei getrennten OP-Gebieten
  • zzgl. atraumatisches Nahtmaterial

3090

Plastischer Verschluss einer eröffneten Kieferhöhle

47,86 Euro

(2,3-fach)

  • nicht neben Nr. 3100 im gleichen OP-Gebiet
  • neben Osteotomien oder Extraktionen
  • zzgl. eventuell Zuschlag Nr. 0500
  • zzgl. Verbandplatte möglich

3190

Zystektomie mit Osteotomie oder Wurzelspitzenresektion

34,93 Euro

(2,3-fach)

  • je Zyste
  • nicht für kleinere Zysten oder das Auskratzen von Granulationsgewebe
  • zzgl. eventuell OP-Zuschlag Nr. 0500
  • zzgl. atraumatisches Nahtmaterial
 

Die Abrechnung von Lappenplastiken

Große Probleme bringen Lappenplastiken mit sich. Zum einen fehlt die Vorstellung, was während der Behandlung gemacht wurde, zum anderen ist die Dokumentation in der Karteikarte nicht eindeutig. In den allgemeinen Bestimmungen in der GOZ steht, dass die primäre Wundversorgung ohne zusätzliche Lappenbildung zu den chirurgischen Leistungen gehört. Kann man die Wunde jedoch nicht „eins zu eins“ zusammennähen und die Wundränder werden verändert, beispielsweise gedreht oder geschwenkt, so stehen der Praxis die GOÄ-Nr. 2381 für die einfache Hautlappenplastik und die GOÄ-Nr. 2382 für die schwierige Hautlappenplastik zur Verfügung. Zusätzlich zu diesen Leistungen sind die Zuschläge Ä442 bzw. Ä443 ansetzbar. Zu beachten ist dann jedoch, dass Sie bei GOÄ-Zuschlägen keine GOZ-Zuschläge berechnen dürfen.

 

Wann handelt es sich jedoch um eine einfache und wann um eine schwierige Hautlappenplastik? Allein der Behandler kann beurteilen, wie schwierig die Plastik war, und dies sollte er in seiner Dokumentation festhalten. Eine mögliche Unterscheidung wäre auch der Zeitaufwand, sofern er dokumentiert wurde. Die Dokumentation eines Schwenklappens, Spaltlappens, Rotationslappens oder eines Mukosalappens löst ebenso die GOÄ-Nr. 2382 aus. Wird jedoch im Rahmen der Wundversorgung eine plastische Deckung mit Periostschlitzung erbracht, steht Ihnen lediglich die GOZ-Nr. 3100 zur Berechnung zur Verfügung.

 

In der GOZ gibt es eine weitere Plastik in Verbindung mit Extraktionen oder Osteotomien. Es handelt sich um die Vestibulumplastik oder Mundbodenplastik kleineren Umfangs. Die GOZ-Nr. 3240 kann für den Bereich von bis zu zwei nebeneinander liegenden Zähnen in Rechnung gestellt werden. Zusätzlich ist der GOZ-Zuschlag 0510 ansetzbar. Wird eine Vestibulumplastik oder Mundbodenplastik bei mindestens drei nebeneinander liegenden Zähnen erbracht, so steht Ihnen die GOÄ-Nr. 2675 zur Verfügung.

 

Geb.-Nr.
Leistung
Honorar 2,3-fach
Hinweis

Ä2381

Einfache Hautlappenplastik

49,61 Euro

zzgl. Ä442

Ä2382

Schwierige Hautlappenplastik

99,07 Euro

zzgl. Ä443

GOZ-Nr. 3240

Vestibulumplastik oder Mundbodenplastik

71,15 Euro

  • zzgl. 0510
  • bis zu zwei nebeneinanderliegende Zähne
  • auch am zahnlosen Kiefer

Ä2675

Partielle Vestibulumplastik oder Mundbodenplastik

113,95 Euro

  • zzgl. Ä444
  • ab drei nebeneinander liegende Zähne
  • auch am zahnlosen Kiefer
 

Füllen Sie nach Extraktionen oder Osteotomien Knochendefekte mit Ersatzmaterialien oder Eigenknochen auf, ist zusätzlich GOZ-Nr. 4110 abrechenbar.

 

Sie benötigen präzise Informationen über die Extraktion oder Osteotomie. Eine OP-Checkliste kann bei der vollständigen Abrechnung der Leistungen helfen.

 

Weiterführender Hinweis

  • Auf der PA-Website im Download-Bereich können Sie unter „Praxishilfen“ die Behandlungscheckliste „Extraktion und Osteotomie“ aufrufen und in Ihrer Praxis verwenden.
Quelle: Ausgabe 10 / 2016 | Seite 5 | ID 44222863