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·Fachbeitrag ·GOÄ-Abrechnung

Neuer Kommentar der BZÄK zu häufigen GOÄ-Leistungen, Teil 2: Nrn. 34 bis 5377

von Sabine Schmidt, Deutsches Zahnärztliches Rechenzentrum (DZR)

| Im zweiten Teil wird erläutert, unter welchen Bedingungen die GOÄ-Nrn. 34, 56, 60, 70, 75, 80, 2009, 2010, 2381, 2382, 5370 und 5377 berechnungsfähig sind. Der erste Teil in PA 10/2017 befasste sich mit den GOÄ-Nrn. 1 bis 6. |

 

  • GOÄ-Nr. 34

Erörterung (Dauer mindestens 20 Minuten) der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Feststellung oder erheblichen Verschlimmerung einer nachhaltig lebensverändernden oder lebensbedrohenden Erkrankung ‒ gegebenenfalls einschließlich Planung eines operativen Eingriffs und Abwägung seiner Konsequenzen und Risiken ‒, einschließlich Beratung ‒ gegebenenfalls unter Einbeziehung von Bezugspersonen

 

Der Kommentar stellt klar, dass bei Berechnung der GOÄ-Nr. 34 eine sehr schwere Erkrankung vorliegen muss, die nicht nur lebensverändernd, sondern nachhaltig lebensverändernd oder lebensbedrohend sein muss. Voraussetzung ist auch die Zeitdauer. Laut BZÄK stellt eine „normale Unterkieferfraktur“ keine nachhaltige Lebensveränderung im Sinne der Ä 34 dar, weil ansonsten das Gleichgewicht zur lebensbedrohenden Erkrankung erheblich gestört wäre. Hingegen ist die Ä 34 berechenbar beim Entfernen aller oder der meisten Zähne eines bisher vollbezahnten bzw. festsitzend versorgten Patienten mit der Folge einer herausnehmbaren statt festsitzenden Versorgung.

 

  • GOÄ-Nr. 56

Verweilen, ohne Unterbrechung und ohne Erbringung anderer ärztlicher Leistungen ‒ wegen Erkrankung erforderlich ‒, je angefangene halbe Stunde

 

Der Kommentar stellt klar, dass zeitgleich mit der Ä 56 keine andere Leistung berechnet werden darf. Außerdem darf gleichzeitig kein anderer Patient behandelt werden. Die Leistung ist nur also berechenbar, wenn sie vom Zahnarzt selbst erbracht wird. Wird die Überwachung eines Patienten an eine Mitarbeiterin delegiert, ist sie nicht berechenbar. Sie ist erst nach Ablauf von 30 Minuten berechenbar. Direkt nach Überschreiten ist sie daher zweimal berechenbar.

 

  • GOÄ-Nr. 60

Konsiliarische Erörterung zwischen zwei oder mehr liquidationsberechtigten Ärzten, für jeden Arzt

 

Die Ä 60 kann immer dann berechnet werden, wenn das Konsilium von zwei Zahnärzten bzw. Ärzten durchgeführt wird, die nicht in der gleichen Einrichtung tätig sind. Auch ein telefonisches Konsilium ist möglich.

 

  • GOÄ-Nr. 70

Kurze Bescheinigung oder kurzes Zeugnis, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

 

Die Leistung kann primär für das Ausstellen einer AU-Bescheinigung berechnet werden. Des Weiteren ist sie für kurze Bescheinigungen berechenbar. Sie ist nicht für die Eintragung im Röntgennachweisheft berechenbar.

 

  • GOÄ-Nr. 75

Ausführlicher schriftlicher Krankheits- und Befundbericht (einschließlich Angaben zur Anamnese, zu dem(n) Befund(en), zur epikritischen Bewertung und gegebenenfalls zur Therapie

 

Die Kommentierung stellt zunächst klar, dass die Leistung mehrfach berechenbar ist, wenn mehrere Befundberichte an verschiedene Adressaten erfolgen. Die Leistung ist nicht berechnungsfähig für eine Befundmitteilung, den einfachen Befundbericht mit Angaben zu Befund(en) und zur Diagnose sowie für Auskünfte, die der Erstattung oder Feststellung des Versicherungsfalls dienen (sind nach BGB zu berechnen). Die Ä 75 ist auch nicht neben der Ä 60 für die schriftliche Mitteilung an denselben Konsilpartner berechenbar.

 

  • GOÄ-Nr. 80

Schriftliche gutachterliche Äußerung

 

Die Leistung ist berechenbar für das einfache schriftliche Gutachten z. B. zu Erkrankungen oder Verletzungen. Die Ä 80 ist auch berechenbar, wenn der Umfang einer schriftlichen Stellungnahme über das Ausmaß eines Befund- und Krankheitsberichts nach Ä 75 hinausgeht. Dies kann auch bei umfangreicheren Stellungnahmen oder schriftlichen gutachterlichen Äußerungen auf Wunsch des Patienten der Fall sein. Voraussetzung ist ein ausgiebiges Befassen mit den Erkrankungen, der diagnostischen Daten und dem Krankheitsverlauf.

 

  • GOÄ-Nr. 2009

Entfernung eines unter der Oberfläche der Haut oder der Schleimhaut gelegenen fühlbaren Fremdkörpers

 

Gemäß der Kommentierung ist die Leistung nur berechenbar für die Entfernung von echten Fremdkörpern (Füllungsreste, Abdruckmaterial etc.). Sie ist je Fremdkörper berechenbar, sofern ein weiterer Zugang geschaffen werden muss oder kein direkter räumlicher Zusammenhang besteht. Sie ist nicht berechenbar für die Entfernung von Materialien, die zu therapeutischen Zwecken unter die Körperoberfläche eingebracht wurden (z. B. Membranen).

 

  • GOÄ-Nr. 2010

Entfernung eines tiefsitzenden Fremdkörpers auf operativem Wege aus Weichteilen und/oder Knochen

 

Die Leistung ist für die Entfernung von echten tiefliegenden Fremdkörpern auf operativem Weg berechenbar. Für den zahnärztlichen Bereich werden hier Füllungsreste, Abdruckmaterialpartikel und alio loco frakturierte Instrumente oder Wurzelfüllmaterial im Knochen genannt. Sofern im Zusammenhang mit der Entfernung eines Zahns die Entfernung von Wurzelfüllmaterial aus dem umliegenden Knochen erfolgt, ist sie nur berechenbar, wenn ein zusätzlicher abgrenzbarer operativer Aufwand erforderlich ist. Das Auskratzen der Alveolen z. B. mit dem scharfen Löffel ist nicht nach Ä 2010 berechenbar.

 

  • GOÄ-Nr. 2381

Einfache Hautlappenplastik

 

Bei der Mundschleimhaut handelt es sich um Körperoberfläche. Somit hat auch der einfach approbierte Zahnarzt Zugriff auf die Ä 2381. Es wird klar dargelegt, dass die Leistung nicht für den Wundverschluss mit vollständiger Schleimhautabdeckung im Rahmen der GOZ-Nr. 9100 berechenbar ist.

 

  • GOÄ-Nr. 2382

Schwierige Hautlappenplastik oder Spalthauttransplantation

 

Auch hier wird darauf verwiesen, dass es sich bei der Mundschleimhaut um Körperoberfläche handelt. Der einfach approbierte Zahnarzt hat somit Zugriff. Die weichteilchirurgische Abdeckung des aufgebauten Kieferkamms in Verbindung mit GOZ-Nr. 9100 ist nicht nach Ä 2382 berechnungsfähig.

 

  • GOÄ-Nr. 5370

Computergesteuerte Tomographie im Kopfbereich ‒ gegebenenfalls einschließlich des kranio-zervikalen Übergangs

 

Laut BZÄK ist die DVT im Kopfbereich originär nach GOÄ-Nr. 5370 berechenbar. Die Bundesärztekammer empfiehlt hingegen die analoge Berechnung. Dem Kommentar ist auch klar zu entnehmen, dass der Zahnarzt ohne DVT-Fachkunde-Nachweis weder eine rechtfertigende Indikation zur DVT-Aufnahme stellen noch eine solche Aufnahme befunden darf. Der Zahnarzt mit DVT-Fachkunde-Nachweis, aber ohne DVT-Gerät, kann für eine andernorts angefertigte DVT-Aufnahme keine Gebühr berechnen, weil die Befundung zwingender Bestandteil der Röntgenuntersuchung ist. Eine Trennung zwischen technischer Anfertigung einer DVT-Aufnahme und ihrer Befundung ist nicht gestattet. Die Ä 5377 für die Analyse ist somit nur in Verbindung mit der Ä 5370 berechenbar.

 

  • GOÄ-Nr. 5377

Zuschlag für computergesteuerte Analyse ‒ einschließlich speziell nachfolgender 3D-Rekonstruktion

 

Der Zuschlag ist nur vom die DVT erstellenden Behandler berechenbar. Für die Analyse einer Fremdaufnahme ist er trotz DVT-Fachkunde nicht berechenbar.

Quelle: Ausgabe 11 / 2017 | Seite 7 | ID 44955778