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·Fachbeitrag ·Abformungen

Abformungen mit individuellem Löffel: Wird die GOZ-Nr. 5170 analog oder regulär berechnet?

| Warum gibt es die Empfehlung, Abformungen mit individuellem Löffel analog abzurechnen? Mit dieser Frage befasst sich der folgende Beitrag. |

Anatomische Abformung des Kiefers mit individuellem Löffel

Um Zahnersatz ‒ der Begriff subsumiert auch Zahnkronen ‒ herzustellen, ist es notwendig, die Situation im Munde des Patienten abzuformen und im Labor zu rekonstruieren. „Tief“ ansetzende Bänder erfordern z. B. einen individuellen Löffelrand, um beim Fertigen von Zahnersatz und Kronen diese zu berücksichtigen.

 

Eine anatomische Abformung des Kiefers mit individuellem Löffel nach GOZ-Nr. 5170 führt beim 2,3-fachen Gebührensatz zu 32,34 Euro Honorar. Beim 3,5-fachen Satz sind es 49,21 Euro. Die Leistungslegende lautet: „Anatomische Abformung des Kiefers mit individuellem Löffel bei ungünstigen Zahnbogen- und Kieferformen und/oder tief ansetzenden Bändern oder spezielle Abformung zur Remontage, je Kiefer“.

 

Das verwendete Abformmaterial ist aufgrund der Allgemeinen Bestimmungen nach § 4 Abs. 3 GOZ und die Laborkosten als Auslagen für zahntechnische Leistungen nach § 9 GOZ berechnungsfähig.

Bei welcher Indikation ist ein individueller Löffel berechenbar?

Voraussetzung ist eine der drei im Leistungstext vorgeschriebenen Befunde: ungünstige Zahnbogen- und Kieferformen, tief ansetzende Bänder oder eine spezielle Abformung zur Remontage. Eine anatomische Abformung mit individuellem Löffel kann auch mehrfach oder bei Wiederherstellungen erforderlich sein. Muss ein konfektionierter Abformlöffel kieferbezogen verändert werden (verlängern, abdämmen, Stopps platzieren, biegen usw.), berechtigen diese individualisierenden Maßnahmen als Honorar die GOZ-Nr. 5170.

 

Weiterhin kann die GOZ-Nr. 5170 neben funktionellen Abformungen nach den Nrn. 5180 und 5190 wie folgt anfallen: Bei Kombinationsersatz wird z. B. eine Erstabformung für den festsitzenden Teil mit einem individuellen Löffel und in der nächsten Sitzung mit funktioneller Abformung für den herausnehmbaren Zahnersatz durchgeführt. Die jeweilige Indikation ist zu dokumentieren.

Individualisierung eines Abformlöffels ‒ was ist berechenbar?

Wird ein konfektionierter Löffel individualisiert, so ist dieser adäquat zum individuellen Löffel zu verwenden. Die Individualisierung ist nach § 9 GOZ berechenbar. In den zahnärztlichen Software-Programmen ist meist die Bundeseinheitliche Benennungsliste (BEB‘97) hinterlegt. Die BEB ist eine einheitliche Berechnungsgrundlage für Zahntechniker. Leistungsnummer, Text und Preis können auch vom Zahnarzt individuell definiert werden. Die Individualisierung eines konfektionierten Löffels kann z. B. wie folgt angelegt werden: „BEB-Nr. 1009 Umgestalten eines Konfektionslöffels zum individuellen Löffel“.

Wann ist eine analoge Berechnung erforderlich?

Eine anatomische Abformung mit individuellem Löffel wird nach § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet, wenn die im Leistungstext genannten Indikationen nicht vorliegen, eine medizinische Notwendigkeit jedoch besteht. Welche nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertige Leistung aus der GOZ ausgewählt wird, liegt allein im Ermessen des Zahnarztes.

 

Das Amtsgericht Pirmasens hat am 31.05.2016 (Az. 5 C 444/14, Abruf-Nr. 195263) entschieden, dass die Abformung mit einem individuellen Löffel analog zu berechnen ist, wenn keine der in der Leistung genannten Indikationen vorliegt. Eine private Krankenversicherung verweigerte die Erstattung der individuellen Abformung (GOZ-Nr. 5170) aufgrund ausgeprägt voluminöser Kiefermuskulatur. Die anatomische Abformung des Kiefers mit individuellem Löffel nach der GOZ-Nr. 5170 sei nicht medizinisch notwendig gewesen. Eine ausgeprägte voluminöse Kiefermuskulatur könne unproblematisch abgehalten werden.

 

Das Gericht folgte dem Gutachten eines Sachverständigen und der einschlägigen Literatur und erkannte die Notwendigkeit der Abformung mit individuellem Löffel an, da eine derartige Abformung ohne anatomische Besonderheiten bei der Reform der GOZ im Jahr 2012 nicht berücksichtigt worden ist. Die Abformmethode entspreche dabei aber genau derjenigen nach der GOZ-Nr. 5170. Wolle man eine Anwendbarkeit der GOZ-Nr. 5170 in diesen Situationen verneinen, sei auf die Möglichkeit der analogen Berechnung nach § 6 Abs.1 GOZ zurückzugreifen.

Was meint die Bundeszahnärztekammer?

Im GOZ-Kommentar heißt es zur Abformung mit dem individuellen Löffel:

 

  • Auszug aus dem GOZ-Kommentar der Bundeszahnärztekammer (Stand: März 2017)

„Durch eine anatomische Abformung mit individuellem Löffel ist insbesondere bei ungünstigen Zahnbogen- und Kieferformen und/oder tief ansetzenden Bändern ein hohes Maß an Genauigkeit erzielbar. Die Individualisierung eines Konfektionslöffels, z. B. durch Abdämmung, Anbringen von Stopps o. Ä. erfüllt die Anforderungen an einen individuellen Löffel. Der individualisierte Abformlöffel kann daher ebenso für eine Abformung nach der Nr. 5170 verwendet werden. Auch anatomische Abformungen mit individuellen oder individualisierten Teillöffeln erfüllen den Leistungsinhalt der Gebührennummer. Die Leistung nach der Nummer 5170 kann auch ohne das Vorliegen anatomischer Besonderheiten verwendet werden, sofern eine Abformung mit dem Ziel einer Remontage durchgeführt wird.

 

Die Leistung kann ggf. mehrfach anfallen und daher je notwendiger Abformung berechnet werden. Abformungen mit individuellem Löffel für andere als die in der Leistungsbeschreibung genannten Indikationen sind analog zu berechnen. Die Abdruckdesinfektion ist als zahntechnische Leistung nach § 9 berechnungsfähig. Das hat auch dann zu gelten, wenn die Abformung Leistungsbestandteil einer anderen Leistung und nicht gesondert berechnungsfähig ist.“

 

Analogberechnung bei Abformung von Implantaten?

Implantate werden überwiegend mit verschraubbaren Pfosten abgeformt, sodass ein individueller Löffel mit Aussparungen (Offener Löffel) benötigt wird. Diese Indikation ist im Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 5170 nicht enthalten, sodass die Bundeszahnärztekammer folgende Auffassung vertritt: „Abformungen mit individuellem Löffel für andere als die in der Leistungsbeschreibung genannten Indikationen sind analog zu berechnen.“

Was ist eine Abformung zur Remontage?

Die GOZ-Nr. 5170 kann auch ohne anatomische Besonderheiten berechnet werden, sofern eine Abformung mit dem Ziel einer Remontage erfolgt. Die Remontage ist eine Maßnahme zum Ausgleich von Zahnkontakten, die einen Zahnreihenschluss verursachen, oder zur Beseitigung von Frühkontakten und Gleithindernissen, die durch Zahnersatz entstehen. Für die Remontage wird über den provisorisch eingegliederten Zahnersatz eine Abformung genommen, das „Remontage-Modell“ hergestellt und mit dem Zahnersatz und einem Gesichtsbogen einartikuliert. Anschließend werden die Fehlkontakte eingeschliffen, bevor die definitive Eingliederung erfolgt.

Begründungen bei der Gebührenbemessung

Nach den Vorgaben von § 5 Abs. 2 GOZ erfolgt die Bemessung der Gebühren unter Berücksichtigung von erhöhter Schwierigkeit der Leistung und/oder des Krankheitsfalls. Besteht ein überdurchschnittlicher Zeitaufwand der einzelnen Leistung oder liegen besondere Umstände bei der Ausführung von Leistungen vor, so kann die Begründung lauten:

 

  • Erschwerter Mundzugang (beschränkte Mundöffnung, Mundsperre, Herpes)
  • Makroglossie, motorische Instabilität der Zunge;
  • Erschwerte Freistellung des Behandlungsfelds bei erhöhtem Muskeltonus;
  • Umfangreiche Ausblockmaßnahmen von Interdentalräumen;
  • Weit über den Durchschnitt liegender exorbitant hoher Speichelfluss;
  • Aufwendige Individualisierung eines konfektionierten oder individuellen Löffels im Vorfeld der Abformung (Hinweis: oder nach § 9 GOZ);
  • Offene Implantatabformung mit zusätzlicher Verblockung der Pfosten;
  • Maximaler Zeitaufwand bei Implantat-Divergenz und Anpassung des perforierten individuellen Löffels (Hinweis: oder nach § 9 GOZ);
  • Überdurchschnittlicher Zeitaufwand wegen ungünstiger Schleimhautresilienz;
  • Erheblicher zusätzlicher Zeitaufwand bei Patient (den Namen einfügen) aufgrund einstrahlender Schleimhautbänder, die eine zusätzliche Korrektur des individuellen Löffels an die Situation auslöst.

 

FAZIT | Um die GOZ-Nr. 5170 korrekt zu berechnen, ist es erforderlich, der Akte den Verwendungszweck entnehmen zu können. Daraus ergibt sich die Berechnungsart: regulär oder analog. Privatpatienten müssen im Vorfeld der Behandlung über eine eventuelle Nichterstattung bei Analogie durch ihre private Krankenversicherung und ggf. Beihilfestelle informiert werden.

 
Quelle: Ausgabe 10 / 2017 | Seite 13 | ID 44789214