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·Fachbeitrag ·Zahnersatz

Die Änderungen bei der Versorgung mit einer Adhäsivbrücke: Beispiele

von Erika Reitz-Scheunemann, Training-mit-Biss.de

| Nach einem langwierigen Beratungsprozess wurden die Zahnersatz-Richtlinien für Adhäsivbrücken vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geändert. Dadurch wurde die Altersbegrenzung (14 bis 20 Jahre) aufgehoben, sodass eine Versorgung mit einer Adhäsivbrücke beim Versichertenkreis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) altersunabhängig möglich ist. In diesem Beitrag werden anhand von Beispielen die Auswirkungen dieser Änderung bei der Abrechnung aufgezeigt. |

Die Änderungen bei der Versorgung mit einer Adhäsivbrücke

Der Bewertungsausschuss hat die Nr. 93 im BEMA wie folgt geändert:

 

  • Die geänderten BEMA-Nrn. 93a und 93b im Wortlaut
Nr.
Leistung
Bew.-Zahl

93a

Adhäsivbrücke mit Metallgerüst im Frontzahnbereich mit einem Flügel einschließlich der Präparation von Retentionen an dem Pfeilerzahn, Abformung, Farbbestimmung, Bissnahme, Einprobe und adhäsive Befestigung, Kontrolle und ggf. Korrekturen der Okklusion und Artikulation

 

Zwei Adhäsivbrücken mit Metallgerüst mit jeweils einem Flügel zum Ersatz von zwei nebeneinander fehlenden Schneidezähnen können nur bei Versicherten abgerechnet werden, die das 14., aber noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet haben.

240

93b

Adhäsivbrücke mit Metallgerüst im Frontzahnbereich mit zwei Flügeln einschließlich der Präparation von Retentionen an den Pfeilerzähnen, Abformung, Farbbestimmung, Bissnahme, Einprobe und adhäsive Befestigung, Kontrolle und ggf. Korrekturen der Okklusion und Artikulation

335

 

 

Die Bewertung im BEMA wird seit dem 1. Juli 2016 unterschieden in die Ausführung mit einem (Retentions-)flügel - Nr. 93a - oder zwei (Retentions-)flügeln - Nr. 93b - zum Ersatz von einem oder zwei Schneidezähnen. Die höher bewertete Nr. 93b ist bei Ausführung mit zwei Flügeln berechnungsfähig.

Die Änderung der Zahnersatz-Richtlinien im Detail

Weitere Änderungen wurden in den Zahnersatz-Richtlinien Nrn. 22 und 24 gefasst.

 

Der Ersatz eines Schneidezahns

Die Zahnersatz-Richtlinie Nr. 22 („Brücken sind angezeigt…“) wurde um die folgenden Sätze ergänzt:

 

  • Richtlinie Nr. 22, Satz 4: Zum Ersatz eines Schneidezahns kann bei ausreichendem oralen Schmelzangebot an einem oder beiden Pfeilerzähnen eine einspannige Adhäsivbrücke mit Metallgerüst mit einem oder zwei Flügeln angezeigt sein.

 

  • Richtlinie Nr. 22, Satz 5: Bei einflügeligen Adhäsivbrücken zum Ersatz eines Schneidezahns sollte der an das Brückenglied der Adhäsivbrücke angrenzende Zahn, der nicht Träger eines Flügels ist, nicht überkronungsbedürftig und nicht mit einer erneuerungsbedürftigen Krone versorgt sein.“

 

Der Ersatz von zwei nebeneinander fehlenden Schneidezähnen

Adhäsivbrücken zum Ersatz von zwei nebeneinander fehlenden Schneidezähnen beschreibt die neu gefasste Zahnersatz-Richtlinie Nr. 24:

 

  • Neu gefasste Zahnersatz-Richtlinie Nr. 24

„Bei Versicherten, die das 14. aber noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet haben, können zum Ersatz von zwei nebeneinander fehlenden Schneidezähnen bei ausreichendem oralen Schmelzangebot der Pfeilerzähne eine einspannige Adhäsivbrücke mit Metallgerüst mit zwei Flügeln oder zwei einspannige Adhäsivbrücken mit Metallgerüst mit je einem Flügel angezeigt sein.“

 

Da die einflügelige Adhäsivbrücke eine besondere Form der Freiendbrücke ist, sind nach der Richtlinie Nr. 22 die Eckzähne nicht durch Adhäsivbrücken ersetzbar.

 

  • Beispiel 1

Regelversorgung, einspannige Adhäsivbrücke, Metallgerüst mit einem Flügel und vestibulärer Verblendung in regio 12, 20-jähriger Patient

 

TP

R

A

AV

B

f

f

f

18

17

16

15

14

13

12

11

21

22

23

24

25

26

27

28

 

Erläuterungen der Kürzel: A = Adhäsivbrücke (Anker, Spanne), V = vestibuläre Verblendung

 

BEMA

Nr. 93a 1 x

Festzuschuss

1 x 2.1 und 1 x 2.7 Verblendungszuschlag

 

 

 

  • Beispiel 2

Regelversorgung, einspannige Adhäsivbrücke, Metallgerüst mit zwei Flügeln und vestibulärer Verblendung in regio 12, 20-jähriger Patient

 

TP

R

A

AV

A

B

f

f

f

18

17

16

15

14

13

12

11

21

22

23

24

25

26

27

28

 

Erläuterungen der Kürzel: A = Adhäsivbrücke (Anker, Spanne), V = vestibuläre Verblendung

 

BEMA

Nr. 93b 1 x

Festzuschuss

1 x 2.1 und 1 x 2.7 Verblendungszuschlag

 

 

 

  • Beispiel 3

Regelversorgung, zwei einspannige Adhäsivbrücken mit Metallgerüst und jeweils einem Flügel zum Ersatz von zwei nebeneinander fehlenden Schneidezähnen, vestibuläre Verblendung, 20-jähriger Patient

 

TP

R

A

AV

AV

A

B

f

f

f

f

18

17

16

15

14

13

12

11

21

22

23

24

25

26

27

28

 

Erläuterungen der Kürzel: A = Adhäsivbrücke (Anker, Spanne), V = vestibuläre Verblendung

 

BEMA

Nr. 93a 2 x

Festzuschuss

1 x 2.2 und 2 x 2.7 Verblendungszuschlag

 

 

 

  • Beispiel 4

Regelversorgung, einspannige Adhäsivbrücke mit Metallgerüst und zwei Flügeln zum Ersatz von zwei nebeneinander fehlenden Schneidezähnen, vestibuläre Verblendung, 20-jähriger Patient

 

TP

R

A

AV

AV

A

B

f

f

f

f

18

17

16

15

14

13

12

11

21

22

23

24

25

26

27

28

 

Erläuterungen der Kürzel: A = Adhäsivbrücke (Anker, Spanne), V = vestibuläre Verblendung

 

BEMA

Nr. 93b 1 x

Festzuschuss

1 x 2.2 und 2 x 2.7 Verblendungszuschlag

 

Hinweis zum Verblendungszuschlag Nr. 2.7 bei Adhäsivbrücken

 

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und der GKV-Spitzenverband der Krankenkassen haben festgelegt, dass der Festzuschuss-Befund 2.7 bei der Versorgung mit einer Adhäsivbrücke als Regelversorgung für die zu ersetzenden Schneidezähne, aber nicht für die Ankerzähne anzusetzen ist. Die Versorgung durch Adhäsivbrücken mit Keramikgerüst ist eine gleichartige Versorgung, die im folgenden Praxisfall dargestellt wird.

Praxisfall: Vollkeramische Adhäsivbrücke, CAD/CAM-gefertigt

Im folgenden Praxisfall stellen wir Ihnen die Versorgung mit einer CAD/CAM- gefertigten vollkeramischen Adhäsivbrücke bei einer 26-jährigen Patientin mit einem Flügel als gleichartige Versorgung dar. Der Fokus unserer Ausführungen liegt auf den in diesem Beispiel erbrachten Kernleistungen.

 

  • Befund des gesamten Gebisses und der Behandlungsplan

TP

AM

A

R

AV

A

B

f

f

f

18

17

16

15

14

13

12

11

21

22

23

24

25

26

27

28

48

47

46

45

44

43

42

41

31

32

33

34

35

36

37

38

B

f

f

 

Erläuterungen der Kürzel: A = Adhäsivbrücke (Anker, Spanne); V = vestibuläre Verblendung; M = vollkeramische oder keramisch vollverblendete Restauration

 

Festzuschuss

2.1 und 1 x 2.7 Verblendungszuschlag

 

Die Berechnung der Adhäsivbrücke erfolgt nach der GOZ-Nr. 5150, die in der Bewertung seit 1988 unverändert ist:

 

GOZ-Nr.
Leistung
Gebühr in Euro

5150

Versorgung eines Lückengebisses mithilfe einer durch Adhäsivtechnik befestigten Brücke, für die erste zu überbrückende Spanne

41,06/1,0-fach

94,43/2,3-fach

143,70/3,5-fach

 

Auszüge aus dem Kommentar zur GOZ der BZÄK (Stand Juni 2016): „Die Adhäsivbrücke (Marylandbrücke) stellt eine Form der Versorgung von Schaltlücken dar. Hier handelt es sich in der Regel um eine minimalinvasive Überbrückung einer Einzelzahnlücke. Die Adhäsivbrücke wird mittels Säureätztechnik befestigt. Die Befestigung kann an einem oder mehreren Nachbarzähnen erfolgen. Dabei stellen Retentionsflügel die Verbindung zwischen dem Brückenkörper und den nicht beschliffenen, konditionierten Ankerzähnen her. Die Versorgung einer Schaltlücke kann auch mit einem Freiendbrückenglied mittels Verankerung an nur einem Pfeilerzahn erfolgen.“

 

  • Gegenüberstellung des zahnärztlichen Honorars nach GOZ und BEMA

BEMA-Nr. 93a

240 Punkte x Zahnersatz-Punktwert 0,8605 Euro = 206,52 Euro

GOZ-Nr. 5150

 

41,06 Euro/1.0-fach

94,43 Euro/2,3-fach

143,70 Euro/3,5-fach

BEMA-Nr. 93b

335 Punkte x Zahnersatz-Punktwert 0,8605 Euro = 288,27 Euro

 

 

Im Vergleich mit der BEMA-Nr. 93a müsste für die GOZ-Nr. 5150 der Steigerungsfaktor ≈ 5,1 und bei der Nr. 93b der Steigerungsfaktor ≈ 7,1 angewandt werden. Das bedeutet, dass eine Vereinbarung über die Höhe der Vergütung gemäß § 2 Abs. 1 und 2 vor Beginn der Behandlung zwischen dem Zahlungspflichtigen und dem Zahnarzt getroffen werden müsste (siehe „Vergütungsvereinbarung gemäß § 2 Abs. 1, 2 GOZ“ in pa.iww.de, Rubrik „Musterschreiben“.

 

Weiter heißt es im BZÄK-Kommentar: „Sofern jedoch ein Beschleifen kaufuntionstragender Zahnflächen zur Herstellung der Retention am Pfeilerzahn/-zähnen erforderlich wird, ist anstelle der Nr. 5150 die Nr. 5020 (Teilkrone) oder die Nr. 5010 (Inlay als Brückenanker) in Verbindung mit Nr. 5070 anzusetzen.“ Die digitale intraorale Abformung für die CAD/CAM-gefertigte Adhäsivbrücke wird nach Nr. 0065 je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnet.

Quelle: Ausgabe 08 / 2016 | Seite 2 | ID 44185247