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·Fachbeitrag ·Prophylaxe

Der Ausbau der PZR mit Zusatzleistungen: Welche (Berechnungs-)Möglichkeiten gibt es?

von Elke Schilling, Langelsheim

| Seit 2012 gibt es mit der GOZ-Nr. 1040 einen klar definierten Rahmen für die Leistungen innerhalb der professionellen Zahnreinigung (PZR). Sie umfasst das Entfernen der supragingivalen und gingivalen Beläge auf Zahn- und Wurzeloberflächen einschließlich Reinigung der Zahnzwischenräume, das Entfernen des Biofilms, die Oberflächenpolitur und geeignete Fluoridierungsmaßnahmen, je Zahn oder Implantat oder Brückenglied. |

Die Patienten haben unterschiedlichen Behandlungsbedarf!

Allerdings läuft nicht jede Prophylaxe-Sitzung nach dem gleichen Muster ab. Die Sitzungen unterscheiden sich oft im Preis, in der Behandlungsdauer, in den einzelnen Abläufen und den verwendeten Materialien. Die Qualifikation der Behandler und deren Einstellung zur „Individualprophylaxe“ spielen dabei eine große Rolle. Unterschiedliche Patienten haben unterschiedlichen Behandlungsbedarf! Er wird durch Faktoren wie die Anamnese, den parodontalen Befund, das Kariesrisiko oder einfach nur die Befindlichkeiten - Schmerzempfindlichkeiten, Halitosis o. ä. - der Patienten ermittelt.

 

Durch die Wandlung von „herkömmlicher PZR“ hin zur Individualprophylaxe sollte jedem Patienten das Gefühl von mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Professionalität vermittelt werden. Dies führt zu einer besseren Patientenbindung und zur Abgrenzung aus dem Mitbewerberumfeld. Zusätzlich werden neue Abrechnungsmöglichkeiten neben der GOZ-Nr. 1040 geschaffen.

Welche Zusatzleistungen wären möglich?

Beginnen sollte man jede Sitzung mit einer ausgiebigen Befundung. Hierbei ergeben sich bereits Unterschiede. Häufig wird dieser Bereich völlig vergessen. Dabei entscheidet er über die notwendigen Maßnahmen. Wenn man z. B. das Kariesrisiko der Patienten genauer diagnostizieren will, gibt es einige Verfahren, die gut in eine PZR-Sitzung eingebaut werden können.

 

Einfach zu handhaben ist das Diagnodent. Es diagnostiziert mittels Laserfluoreszenztechnologie und vermittelt auch für den Patienten - gut hörbar - die Messergebnisse. Hieraus kann geschlussfolgert werden, ob eine weitere konservierende Therapie erforderlich bzw. ob zum Beispiel eine Fissurenversiegelung noch möglich ist. Weiterhin sind verschiedene Speicheltestverfahren gut in eine Prophylaxe-Sitzung einbaubar. Mittlerweile müssen diese Tests nicht mehr tagelang in Brutschränken verbleiben, um die Menge von Kariesbakterien (MS/LB) zu ermitteln. Eine gute Variante ist der „Clinpro Cario L-Pop Test“. Er bestimmt die Stoffwechselaktivität von kariogenen Bakterien, kann schnell ausgewertet werden und ist gut in der „Schwangeren-PZR“ zur Primär-Primär-Prophylaxe einsetzbar.

 

Andere Testverfahren von verschiedenen Anbietern messen die Sekretionsrate des Speichels oder prüfen die Pufferkapazität. Auch dadurch lässt sich ein Kariesrisiko bestimmen. Bedenkt man aber, dass 52 bis 75 Prozent der Erwachsenen unter Parodontitis leiden und nur 3 Prozent davon erkannt und behandelt werden, sollte man die Testverfahren für das Parodontitis-Risiko häufiger in die Behandlung einbeziehen. Hier haben sich zwei Varianten durchgesetzt:

 

  • Das herkömmliche Verfahren ist die Keimanalyse von Markerkeimen, die für das Fortschreiten der Parodontitis verantwortlich sind. Diese Testverfahren sind weit verbreitet und es gibt sie schon lange.

 

  • Neuer ist der aMMp-8 Schnelltest „Perio Marker“. Hier handelt es sich um einen Chairside-Schnelltest zur Diagnose von parodontalem Gewebeabbau. Einsatzmöglichkeiten hierfür sind die Vorbehandlungen der PAR-Therapie und auch der PAR-Recall. Um diesen regelmäßigen Recall durchzuführen, brauchen Patienten auch besondere Motivationsmöglichkeiten. Einen eindringlichen Hinweis auf den Recall-Zeitraum geben individuelle Auswertungen der Risikoanalyse nach Lang und Toretti.

 

Zu den genannten diagnostischen Möglichkeiten können auch einige therapeutische Verfahren in eine PZR-Sitzung eingebaut werden. Leicht anzuwenden zur Behandlung von Zahnfleischtaschen ist die Photodynamische Desinfektion. Hier hat auch die Ozontherapie ihr Anwendungsgebiet, wobei das Ozon-Gerät zusätzlich bei oberflächlichen Mundbehandlungen wie Aphten oder Herpes eingesetzt werden kann. Patienten mit parodontalen Problemen sollten auch neben der herkömmlichen Fluoridierung individuell mit CHX- Präparaten versorgt werden. Auch probiotische Therapeutika können hier angewandt und für die tägliche Anwendung empfohlen werden.

 

Viele Patienten sind dankbar für eine „symptombezogene Prophylaxe-Sitzung“. Häufig steht hier die Behandlung von Schmerzempfindlichkeiten im Vordergrund. Um eine PZR dabei angenehm zu gestalten, können Polierpasten mit entsprechenden Wirkstoffen eingesetzt werden. Ähnlich verhält es sich bei Patienten mit Halitosis; sie brauchen zusätzlich eine Zungenreinigung. Diese sollte eigentlich zur PZR dazugehören. Auch hier gibt es Materialien, die gut eingesetzt werden können und für die häusliche Pflege empfohlen werden.

 

Die Zeit für solche Empfehlungen wird meistens in einer Sitzung nicht eingeplant. Aber wie sollen sich die Patienten bei der Anzahl an Pflegeartikeln zurechtfinden, wenn sie nicht von gut geschultem Prophylaxe-Personal konkrete Anweisungen und Empfehlungen bekommen?

Die Abrechnung der erbrachten Leistungen

Die Übersicht auf der nächsten Seite enthält eine Auflistung der möglichen, im Rahmen einer PZR erbrachten Leistungen und ihre Honorierung. Alle Analogleistungen sind selbstverständlich lediglich Vorschläge. Die Entscheidung trifft der Zahnarzt je nach Zeitaufwand und Kostenstruktur seiner Praxis.

 

  • Mögliche Begleit- bzw. Zusatzleistungen der PZR und ihre Honorierung
Ausgiebige Befundung

GOZ

GOÄ

Leistungsinhalt

Faktor

Honorar

Anwendung und Beschreibung

1000

Mundhygienestatus

1,0

11,25 Euro

MH Status nach Anfärben

4005

Erhebung eines Parodontal- bzw. Gingivalindex

2,3

10,35 Euro

BOP/PSI

4000

Parodontalstatus

2,3

20,70 Euro

PA Status

Diagnodent

2400a

Elektrometrische Längenbestimmung, je Kanal

1,0

3,94 Euro

Diagnodent/Bestimmung der Fissurenkariesintensität mittels Laser, pro Defekt

Speicheltests/Keimanalysen

3712

Viskosität

1,0

14,47 Euro

Speichelfließrate

3714

pH-Wert-Bestimmung

2,3

5,35 Euro

3715

Pufferkapazitätsbestimmung (Bikarbonat)

2,3

8,05 Euro

297

Entnahme und Aufbereitung von Abstrichmaterial zur zytologischen Untersuchung

2,3

6,03 Euro

+ Materialkosten

Bestimmung LB, MS und stoffwechselaktive Bakterien

298

Entnahme und gegebenenfalls Aufbereitung von Abstrichmaterial zur mikrobiolog. Untersuchung

2,3

5,36 Euro je Entnahme

+ Laborkosten

Poolprobe Markerkeime

297

Entnahme und Aufbereitung von Abstrichmaterial zur zytologischen Untersuchung

2,3

6,03 Euro

+ Materialkosten

aMMP-8 Schnelltest

Therapeutische Verfahren

4025

Subgingivale medikamentöse antibakterielle Lokalapplikation, je Zahn

2,3

1,94 Euro

Photodynamische Therapie

oder Ozontherapie

oder Probiotische Therapie

4020a

Analog Lokalbehandlung von Mundschleimhauterkrankungen

2,3

5,82 Euro

Ozontherapie

Begleitleistungen

2010

Behandlung überempfindlicher Zähne

2,3

6,47 Euroje Kiefer

Politur mit Desensibilisierungs-pasten

4020

Lokale Schleimhautbehandlung

2,3

5,82 Euroje Sitzung

Zungenreinigung

2130

Finieren/Polieren einer Restauration in separater Sitzung

2,3

13,45 Euroje Restauration

Füllungspolitur

6190

Beratendes Gespräch mit Anweisung zur Beseitigung schädlicher Gewohnheiten

2,3

18,11 Euro

je Sitzung

Ausführliche Mundhygiene-beratung

 

 

WICHTIG | Eine PZR sollte mehr als nur das Reinigen, Polieren und Fluoridieren sein. Patienten von heute sind aufgeklärter und erwarten individuelle Behandlungen. Die moderne Zahnmedizin hat viele Möglichkeiten, Karies und Parodontitis vorzubeugen, sie früh zu erkennen und gezielt zu therapieren. Der Einsatz dieser Zusatzleistungen sind Beispiele dafür. Nutzen wir sie!

Quelle: Ausgabe 08 / 2016 | Seite 11 | ID 43044864