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Privatliquidation

Prophylaxe bei Kleinkindern:
Tipps und Abrechnungshinweise

Die Einbeziehung derFrüherkennungsuntersuchungen vom 30. Lebensmonat bis zum 6.Lebensjahr in die vertragszahnärztliche Versorgung hat dieZahnärzteschaft polarisiert: Ein

Teil der Zahnärzte sieht in den dreiBEMA-Positionen FU 1 bis FU 3 einen Einstieg in eine professionellePrävention, für die anderen bedeutet die Bewertung dieserzeitintensiven Leistung mit 25 Punkten eine nicht wirtschaftlicherbringbare Leistung. Die folgende Übersicht zeigt die einzelnenPositionen mit den Leistungsbeschreibungen und Punktzahlen auf:

Prophylaktische Leistungen nach BEMA

BEMA-Nrn.
(nummerisch
)

Leistungsbeschreibungen

Punkt-
zahlen

FU 1
(1101)

Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung eines Kindes vom 30. bis 42. Lebensmonat (bei komplettem Milchgebiss)

25

FU2
(1102)

Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung eines Kindes vom 49. bis 72. Lebensmonat

25

FU 3
(1103)

Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung eines Kindes im 6. Lebensjahr mit hohem
Kariesrisiko nach Maßgabe der Früherkennungsrichtlinien

25

In der Privatliquidation hingegen sieht es mit derVergütung von Prophylaxeleistungen besser aus. Über dieBesonderheiten bei der Berechnung soll dieser Beitrag informieren.Außerdem erhalten Sie Hinweise zur Prophylaxe bei Kleinkindern.

Privatliquidation der Prophylaxe

In der GOZ stehen neben den Beratungs- undUntersuchungspositionen (GOÄ-Nrn. 1, 2, 3, 5 und 6) für dieKleinkind-Prophylaxe folgende Positionen zur Verfügung:

Prophylaktische Leistungen nach GOZ

GOZ-Nr.

Leistungsbeschreibung

DM-Betrag
1fach    

DM-Betrag
2,3fach

Hinweise

100

Erstellen eines Mundhygienestatus und eingehendeUnterweisung zur Vorbeugung gegen Karies und parodontale Erkrankungen,Dauer mindestens 25 Minuten


22,00


50,60

Maximal
1 x jährlich

101

Kontrolle des Übungserfolges einschließlich weiterer Unterweisung, Dauer mindestens 15 Minuten


11,00


25,30

Maximal
3 x jährlich

102

Lokale Fluoridierung mit Lack oder Gel als Maßnahme zur Verbesserung der Zahnhartsubstanz, je Sitzung


5,50


12,65

Maximal
3 x jährlich

§ 3

Fluoridierungsmaterial, ggf. auf Privatrezept

619

Beratendes und belehrendes Gespräch mit Anweisungen zur Beseitigung von schädlichen Gewohnheiten und Dysfunktionen


15,40


35,42

Die Zeitvorgaben von mindestens 25 bzw. 15 MinutenDauer sind sicherlich nicht kinderfreundlich. Es besteht allerdingsauch die Möglichkeit, das Prophylaxe-Gespräch auf mehrereSitzungen in kindgerechte Lernschritte zu verteilen. Wenn 25 bzw. 15Minuten erreicht sind, wird die GOZ-Nr. 100 bzw. 101 auf der Rechnungnotiert. Es empfiehlt sich, den Eltern im Gespräch einen Hinweishierauf zu geben.

Im Zusammenhang mit der Kleinkindprophylaxe ist der Zuschlag K1 wie folgt berechnungsfähig:

Nr.

Leistungsbeschreibung

Punkt
zahl  

Gebühr in DM

Hinweise

K1

Zuschlag zu Untersuchungen nach Nrn. 5, 6, 7 oder 8 bei Kindern bis zum vollendeten 4. Lebensjahr

120

13,68

Nur einfacher Gebührensatz

Dieser Zuschlag honoriert (nach dem Kommentar vonBrück, Krimmel, Kleinken, Warlo zur GOÄ) den besonderenAufwand bei der Untersuchung von Kindern bis zum vollendeten 4.Lebensjahr. Bei einer Beratung ist dieser Zuschlag nichtberechnungsfähig. Erforderlich ist die zusätzlicheDurchführung mindestens einer symptombezogenen Untersuchung(GOÄ-Nr. 5). Dieser Zuschlag ist auch kombinierbar mit denZuschlägen nach den Buchstaben A bis D der GOÄ.

Es wird häufig empfohlen, die GOÄ-Nr. 4 für die Anamnese von Kindern zu berechnen.

GOÄ-Nr.

Leistung

Punkt-
zahl

Gebühr
 in DM

Hinweise

4

Fremdanamnese, Unterweisung und Führung von Bezugsperson(en)
Die Leistung nach Nr. 4 ist im Behandlungsfall nur einmal berechnungsfähig.
Die Leistung nach Nr. 4 ist neben den Leistungen nach den Nrn. 30, 34,801, 806, 807, 816, 817 und/oder 835 nicht berechnungsfähig.

220

25,08

Nur in bestimmten Fällen berechnungsfähig

Diese Gebührennummer hat allerdings deutlicheEinschränkungen, wie Ihnen die weiteren Erläuterungen zeigen.So heißt es in der Begründung der Bundesregierung zur4. Änderungsverordnung zur GOÄ in Bezug auf Nr. 4:

„Die Anamnese und Besprechung einesKrankheitsfalles in Zusammenarbeit mit Angehörigen oder anderenBezugspersonen (zum Beispiel bei behinderten Kindern,bewusstseinsgestörten Patienten oder Unfallpatienten) kannschwierig und  aufwendig sein. Dieser Aufwand wird durch dieGebühr nach Nr. 4 entsprechend berücksichtigt.“

Der Ermessungsspielraum für diese Leistung wird durch den oben genannten Kommentar zur GOÄ weiter präzisiert:

  • Es muss eine medizinischeNotwendigkeit für die Erhebung der Fremdanamnese bzw. dieUnterweisung und Führung der Bezugspersonen vorliegen. Einelediglich der Kontrolle der Patientenangaben dienende Befragung vonAngehörigen berechtigt daher in aller Regel nicht zur Abrechnungder Nr. 4.
  • Stellt dieAnamneseerhebung über eine Bezugsperson für bestimmtePersonengruppen (insbesondere Kinder) selbst bei „normalemGesundheitszustand“ den Regelfall dar, so ist die Anamneseerhebung bereits mit der Abrechnung der  Nrn. 1 bzw. 3abgegolten und berechtigt nicht zur Abrechnung der Nr. 4.

Demnach wird diese Position im Regelfall kaum zurAbrechnung eingesetzt werden können. Viele Erstattungsstellenlehnen die Erstattung ab und berufen sich dabei auf die soebenangegebenen Gründe.

Die kindgerechte Erhebung und Dokumentation der Anamnese

Für die individuelle Dosierungsempfehlung vonFluoriden ist eine sorgfältige Anamnese erforderlich. ZurUnterstützung der Anamnese bietet es sich an, den Eltern einenFragebogen vorzulegen. Wie dieser Fragebogen gestaltet seinkönnte, zeigt unser Beispiel eines Fragebogens für diepräventionsorientierte Praxis auf der folgenden Seite. DieVorteile eines derartigen Fragebogens sind:

  1. Man erhält eine Einverständniserklärung für eine Zahnschmelzhärtung durch Fluoride.
  2. Das Interesse an Vorbeugemaßnahmen über die Kassenleistung hinaus wird gegebenenfalls geweckt.

Vorbeugende Maßnahmen

Bis etwa zum 6. Lebensjahr sollen die Eltern beider Zahnpflege des Kindes mitwirken. Das bedeutet, einmal täglich– am besten abends – nachzureinigen. In vielen Fällenstellt dies ein Problem für die Eltern dar. Deshalb ist eswichtig, dem Kind Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Aussagen wie „Du kannst das ja doch nicht richtig machen“ sind zu vermeiden.

Viel besser ist es zum Beispiel, durchgegenseitige Kontrollen in der Familie den„Zahnputzmeister“ der Woche im Badezimmer auszuhängen.Die Kinder können ihre Eltern und Geschwister mit Hilfe von nichterythrosinhaltigen Plaquefärbemitteln kontrollieren und sich damitgegenseitig motivieren.

Fragebogen für die präventionsorientierte Praxis

Praxistipp „Professionelle weiche Belagsentfernung“

Eine große Hilfe für viele Familien ist das Angebot der Zahnarztpraxis, die professionelle weicheBelagsentfernung in der Praxis durchzuführen. DieseBelagsentfernung ist schmerzlos, angenehm und bietet Hilfe. DieAbstände der Belagsentfernung sind zu Beginn des Konzeptes relativkurz (etwa vier Wochen). In dieser Zeit wird das Kind sensibilisiertund es kann auch in kleinen Lernschritten ein Pflegetrainingdurchgeführt werden. Die Abrechnung dieser Leistung erfolgt immerauf der Basis der GOZ, also privat. Hier bieten sich folgendeGebührennummern an:

GOZ-Nr.

Leistungsbeschreibung

DM-Betrag
1fach

DM-Betrag
2,3fach

405

Entfernung harter und weicher Zahnbeläge einschließlich Polieren, je Zahn

1,20

2,76

406

Kontrolle nach Entfernung harter und weicher Zahnbeläge mit Nachreinigung einschließlich Polieren, je Zahn

0,70

1,61

Praxistipp „Anti-Karies-Kur“

Die Behandlung der Zähne – auchMilchzähne – mit chlorhexidinhaltigen Lacken im Rahmen einesminimalinvasiven Therapiekonzeptes wird analog wie folgt berechnet:

GOZ-Nr.

Leistungsbeschreibung

DM-Betrag
1fach

Hinweise

200

Lokale antimikrobielle Therapie gem. § 6 Abs.2 entsprechend Versiegelung von kariesfreien Zahnfissuren mitaushärtenden Kunststoffen, je Zahn

9,90

zusätzlich gem. § 3 CHX-Lack

Tipps für eine kinderfreundliche Zahnarztpraxis

Machen sie mit Kinderaugen eine Reise durch IhrePraxis. Für die Kinder ist fast alles groß und laut(Bohrgeräusche etc.). Es gibt jedoch einige Möglichkeiten,die Praxis auf die Kinder vorzubereiten:

  • Der Praxiseingang kann mit Bildern im Blickfeld der Kinder – also in Augenhöhe – geschmückt werden.
  • Die Wartezonesollte die Möglichkeit für die Gestaltung einer Mal- undSpielecke bieten. Wenige ausgewählte Spielsachen wie zum BeispielDuplo-Steine, Wachsmalkreiden, Farbstifte und Papier sind bessergeeignet als ein ganzer Berg Spielsachen. Es empfiehlt sich, dieSpielsachen von Zeit zu Zeit zu wechseln. Ein ausrangierterfunktionstüchtiger Computer mit Spielen bietet ebenfallsAblenkungsmöglichkeiten.
  • Das Behandlungszimmerkönnen Sie an den Wänden mit Bildern der Kinder und Postern(auch im Jahreszeitenrhythmus) dekorieren. Bestimmte Motive in denBehandlungszimmern – wie zum Beispiel eine Sammlung vonBären oder Hasen in einer Glasvitrine – schaffen eine ganzbesondere Atmosphäre. Ein Mobile an der Decke oder Suchbilderbieten Ihren kleinen Patienten auch während der Behandlung etwasfür das Auge.
  • Die Praxiskleidung sollte kinderfreundlich sein, also etwas bunt und mit Blumen oder anderen Motiven versehen sein.

Quelle: Privatliquidation aktuell - Ausgabe 08/2000, Seite 1

Quelle: Ausgabe 08 / 2000 | Seite 1 | ID 104586