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Privatliquidation
Der Praxisfall: Die Abrechnung einer Biss-hebung bei einem 65-jährigen Privatpatienten
Im Rahmen einer kleinen Beitragsserie stellen wir Ihnen in unregelmäßigen Zeitabständen interessante Abrechnungsfälle vor. Nach der Fallschilderung zeigen wir die Abrechnung der Leistungen auf.
Der Fall
Ein 65-jähriger privatversicherter Neupatient stellt sich mit insuffizienten OK- und UK-Totalprothesen vor. Nach eingehender Untersuchung, Beratung und Erhebung des klinischen Funktionsstatus ist der erste Schritt der Behandlung, den starken Verlust der vertikalen Kieferrelation in Form einer Bisshebung zu therapieren. Die vorhandenen Totalprothesen sollen als Bissführungsplatte umgestaltet werden. Dazu wird die zentrische Bisslage bestimmt und mit einem Kontrollregistrat geprüft.
Nach arbiträrer Gesichtsbogenübertragung in den Artikulator ergibt die diagnostische Auswertung der einartikulierten Modelle eine notwendige Bisshebung im nicht unerheblichen Bereich. Dies macht es notwendig, das Erreichen des Behandlungszieles in mehrere Schritte aufzuteilen. Zudem fühlt sich der Patient durch Kopf- und Nackenschmerzen stark beeinträchtigt. Die Anamnese ergibt, dass weitere Erkrankungen in diesem Zusammenhang bereits abgeklärt waren und ausgeschlossen werden können.
Allerdings machen Schleimhautveränderungen im Zungenbereich dem Patienten schon seit längerer Zeit große Sorgen. Zur speziellen Abklärung wird ein Abstrich genommen und in ein entsprechendes Labor versandt. In der ersten Sitzung wird Kaltpolymerisat auf die vorhandene Oberkieferprothese aufgetragen, um die Tolerenz des neuromuskulären Systems zu testen. In einer weiteren Sitzung erlaubt die relativ gute Adaption des Patienten eine weitere Erhöhung der Bisslage. Der Untersuchungsbefund in der nächsten Sitzung erfordert jedoch subtraktive Maßnahmen.
Die darauf folgende Kontrollsitzung ergibt eine stabile Bisslage und einen äußerst zufriedenen Patienten. Eine bestimmte Zeit wird abgewartet, um dann in der erreichten Bisslage eine Neuanfertigung der Ober- und Unterkieferprothesen vorzunehmen.
Die Abrechnung der Leistungen
Folgende Gebührenziffern können bis dahin berechnet werden:
Die Untersuchung des Patienten und die Befunderhebung des stomatognathen Systems werden nach der GOZ-Nr. 800 ("Befunderhebung des stomatognathen Systems nach vorgeschriebenem Formblatt") berechnet. Die GOZ-Nrn. 001 und 800 dürfen nicht in einer Sitzung nebeneinander berechnet werden. Dies geht aus den Abrechnungsbestimmungen zur Nr. 001 hervor Einen Ausschluss für die GOÄ-Nr. 6 gibt es jedoch nicht. Dennoch kann die Auslegung verschiedener Erstattungsstellen anders lauten.
Der Abstrich im Rahmen der Krebsvorsorge wird nach der GOÄ-Nr. 297 ("Entnahme und Aufbereitung von Abstrichmaterial zur zytologischen Untersuchung") berechnet. Das tatsächlich entstandene Porto und die Versandkosten für das zytologische Material sind ebenfalls anzusetzen.
Die Beratung des Patienten muss entsprechend des Zeitaufwandes und der Abrechnungsbestimmungen nach den GOÄ-Nrn. 1 oder 3 berücksichtigt werden.
Die zentrische Bisslagebestimmung wird nach der GOZ-Nr. 801 ("Registrieren der gelenkbezüglichen Zentrallage des Unterkiefers ...") je Registrat, das heißt in diesem Fall zweimal, angesetzt. Die GOZ-Nr. 802 ("Modellmontage nach arbiträrer Scharnierachsenbestimmung ... einschließlich Material- und Laborkosten") fällt für das Anlegen des Gesichtsbogens, die Bisslagebestimmung und die Modellmontage an. Die Montage des Gegenkiefers wird von der GOZ-Nr. 804 ("Montage des Gegenkiefermodells mit Hilfe von Registraten oder ähnlichen Verfahren, einschließlich Fixieren und Überprüfen der gefundenen Position, einschließlich Material- und Laborkosten") erfasst.
Für die diagnostische Auswertung der Modelle im Artikulator einschließlich additiver Maßnahmen wird die GOZ-Nr. 808 ("Diagnostische Maßnahmen an Modellen im Artikulator ...") angesetzt. Die Registration von Unterkieferbewegungen finden sich in der GOZ-Nr. 805 ("Registrieren von Unterkieferbewegungen zur Einstellung halbindividueller Artikulatoren und Einstellung nach den gemessenen Werten"). Die Umarbeitung der Prothese zum Aufbissbehelf wird nach der GOZ-Nr. 702 ("Umarbeitung einer vorhandenen Prothese zum Aufbissbehelf") liquidiert.
Subtraktive bzw. additive Maßnahmen werden nach den GOZ-Nrn. 705 ("Kontrolle eines Aufbissbehelfs mit adjustierter Oberfläche: subtraktive Maßnahmen, je Sitzung") bzw. 706 ("Kontrolle eines Aufbissbehelfs mit adjustierter Oberfläche: additive Maßnahmen, je Sitzung") berechnet. Die Kontrolle dieses Aufbissbehelfs wird der GOZ-Nr. 704 ("Kontrolle eines Aufbissbehelfs") zugeordnet.
Die entsprechenden Eigenlaborleistungen für die GOZ-Nrn. 800 ff. entnehmen Sie bitte dem Beitrag "Die Berechnung von Laborkosten bei funktionsanalytischen und -therapeutischen Leistungen" von Dr. Wolf-Dieter Seeher in "Privatliquidation aktuell" Nr. 4/2004, S. 6 ff.
Hinweis der Redaktion: Schicken Sie uns "knifflige" Abrechnungsfälle zu, die Ihnen Probleme bereiten. Wir zeigen Ihnen im Rahmen dieser Beitragsserie die korrekte Abrechnung auf und geben Erläuterungen dazu.
Quelle: Privatliquidation aktuell - Ausgabe 10/2004, Seite 7
Quelle: Ausgabe 10 / 2004 | Seite 7 | ID 104981