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·Fachbeitrag ·Praxisfälle

Kosmetische Leistungen abrechnen: Fünf Fälle

von ZMV Susen Bause, Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen

| Immer häufiger kommt es in den Praxen vor, dass Patienten kosmetische Leistungen wünschen. Gerade wenn es um den sichtbaren Bereich im Frontzahngebiet geht, sind kosmetische Korrekturen wegen Verfärbungen und Zahnstellungen nicht selten. Generell gilt: Kosmetische Versorgungen sind keine vertragszahnärztlichen Leistungen. Aber auch die Formalitäten der kosmetischen Privatbehandlung müssen stimmen, da ansonsten die Rechnung vom Patienten nicht bezahlt werden muss. |

Keramikveneer aus kosmetischen Gründen

  • Praxisfall 1: Keramikveneer mittels Schmelz-Dentin-Adhäsivtechnik eingesetzt
Datum
Behandlung
BEMA
GOZ/GOÄ

04.01.

Patient erscheint zur Routineuntersuchung in der Praxis. Sehr gepflegtes, karies- und füllungsfreies Gebiss, Zahn 11 steht nicht in regelrechter Zahnreihe

01

Ä6

Beratung über die Fluoridierungsmittel (ca. 4 Minuten), Patient wünscht kosmetische Anpassung des Zahns 11 in die Zahnreihe

Ä1

Erläuterung der Versorgung mit einem Keramikveneer aus kosmetischen Gründen. Vereinbarungen werden erstellt, erläutert und ein Termin zur Versorgung des Veneers wird vereinbart.

11.01.

11 Infiltrationsanästhesie

0090*

+ Mat.

11 Kleine vestibuläre Präparation

OK Präparationsabformung, UK Gegenkieferabformung und einfache Bissnahme

0050*

21.01.

13-23 Kofferdam gelegt

2040*

11 Keramikveneer mittels Schmelz-Dentin-Adhäsivtechnik eingesetzt

2200*

2197*

 

*Die mit * gekennzeichneten GOZ/GOÄ Positionen sind GKV- Patienten auf rein privater Basis in Rechnung zu stellen.

 

Erläuterungen

4. Januar: Die eingehende Untersuchung ist Inhalt der BEMA-Nr. 01, die zweimal je Kalenderhalbjahr abgerechnet werden kann. Der Abstand zwischen den beiden eingehenden Untersuchungen muss vier Monate betragen. Eine Beratung kann zusätzlich nicht berechnet werden, da diese in der 01 bereits enthalten ist. Die eingehende (vollständige) Untersuchung eines Privatpatienten wird unter der GOÄ-Nr. 6 berechnet. Diese hat keine zeitliche Begrenzung und ist somit immer je Sitzung abrechenbar, wenn die Leistung medizinisch erforderlich ist. Beim stomagnathen System erfordert der Inhalt der GOÄ-Nr. 6 die Inspektion der Mundhöhle, Inspektion und Palpation der Zunge und beider Kiefergelenke sowie die Erhebung des vollständigen Zahnstatus.

 

In der Privatliquidation kann neben der vollständigen Untersuchung bzw. neben einer Sonderleistung einmal je Behandlungsfall eine Beratungsgebühr berechnet werden. Diese ist dann die GOÄ-Nr. 1 oder Nr. 3, wenn die Beratung mindestens zehn Minuten dauert und keine weiteren Leistungen folgen.

 

11. Januar: Steht bei der geplanten Versorgung die Ästhetik im Vordergrund, so muss vor Beginn der Behandlung mit dem Patienten für diese nicht notwendige Leistung (§ 1 Abs. 2 S. 2 GOZ) eine Vereinbarung gemäß § 2 Abs. 3 GOZ als Verlangensleistung getroffen werden. Das Honorar wird auf betriebswirtschaftlicher Grundlage der Praxis kalkuliert. Diese Leistungen sind in der Regel nicht erstattungsfähig. Hierüber ist der Patient aufzuklären (siehe auch den Beitrag „Die Berechnungswege für das Keramik-Veneer“ in PA 07/2013, Seite 14 ff.).

 

Für die Begleitleistungen zum Veneer trifft ebenfalls § 1 Abs. 2 S. 2 GOZ zu. Die Abrechnungsbestimmungen zu den jeweiligen GOZ-Nummern bleiben jedoch bestehen. Somit kann die Infiltrationsanästhesie einmal je Zahn nach der GOZ-Nr. 0090 berechnet werden. Bei mehrmaliger Berechnung muss dies in der Liquidation begründet werden. Ebenso dürfen die Materialkosten für das Anästhetikum nicht vergessen werden. Die Abformung des Gegenkiefers wird nach GOZ-Nr. 0050 abgerechnet, wenn die Abformung des Kiefers für ein Situationsmodell - auch Teilabformung - mit einer Auswertung zur Diagnose oder Planung verbunden ist. Die Material- und Laborkosten kommen hinzu.

 

21. Januar: Das Anlegen des Kofferdams ist Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 2040 und einmal je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich abrechenbar. Auch die GOZ-Nr. 2040 stellt als Begleitleistung zum Veneer eine nicht medizinisch notwendige Leistung dar und ist somit gesondert - als Leistung im Sinne des § 1 Abs. 2 S. 2 GOZ - zu kennzeichnen. Für die adhäsive Befestigung ist die GOZ-Nr. 2197 berechenbar, und zwar ebenfalls mit der besagten Kennzeichnung. Diese Leistungen müssen vor Behandlungsbeginn mit dem Patienten bzw. Zahlungspflichtigen schriftlich und individuell vereinbart werden.

Kosmetische Bleaching-Behandlung

  • Praxisfall 2: Bleaching der Zähne 13-23, 33-43
Datum
Behandlung
BEMA
GOZ / GOÄ

04.01.

16-26, 36-46 Professionelle Zahnreinigung (PZR)

24 x 1040

11.01.

Symptombezogene Untersuchung (11 keine Karies)

Ä5

Kurze Beratung, 11 keine Behandlungsnotwendigkeit

Ä1

Ä1

21.01.

13-23, 33-43 Bleaching

12 x 2060a

 

Erläuterungen

4. Januar: Die PZR ist eine reine Privatleistung und einmal je Zahn oder Implantat oder Brückenglied mit der GOZ-Nr. 1040 abzurechnen. Entsprechend den Abrechnungsbestimmungen enthält die PZR das Entfernen der supragingivalen/gingivalen Beläge auf Zahn- und Wurzeloberflächen einschließlich Reinigen der Zahnzwischenräume, das Entfernen des Biofilms, die Oberflächenpolitur und geeignete Fluoridierungsmaßnahmen.

 

11. Januar: Die symptombezogene Untersuchung kann bei einem gesetzlich versicherten Patienten nicht als Vertragsleistung abgerechnet werden. Hier steht für Untersuchungen nur die BEMA-Nr. 01 (Vollständige Untersuchung) zur Verfügung, die hier aber nicht erbracht wurde. In der Privatliquidation ist sie Inhalt der GOÄ-Nr. 5 und einmal je Behandlungsfall abrechenbar. Als Behandlungsfall gilt dabei der Zeitraum eines Monats. Die BEMA-Nr. Ä 1 kann bei einer vertragszahnärztlichen Behandlung für die Beratung eines Kranken berechnet werden. In der Privatliquidation ist die GOÄ-Nr. 1 auch immer als alleinige Leistung und einmal je Behandlungsfall neben Sonderleistungen abrechenbar, wenn die Beratung eine Dauer von zehn Minuten unterschreitet.

 

21. Januar: Beim Bleaching handelt es sich um eine Leistung, die in der Regel medizinisch nicht notwendig und weder in der GOZ noch in der GOÄ beschrieben ist. Somit kommt zunächst die Abrechnung mittels Analoggebühr im Sinne des § 6 Abs. 1 GOZ in Betracht. Für Bleaching-Leistungen gilt generell, dass diese im Vorfeld schriftlich zwischen Behandler und Patient bzw. Zahlungspflichtigem vereinbart werden müssen.

 

Die Maßnahme ist außerdem als Verlangensleistung abrechenbar. Dies muss vor der Behandlung schriftlich vereinbart werden (§ 2 Abs. 3 GOZ). Wird die Leistung beim GKV-Patienten erbracht, so muss dieser noch die Vereinbarung nach § 4 Abs. 5 BMV-Z bzw. § 7 Abs. 7 EKV-Z unterschreiben. Für die Liquidation ist § 10 Abs. 3 S. 7 GOZ zu beachten: „Leistungen, die auf Verlangen erbracht worden sind (§ 1 Abs. 2 S. 2 und § 2 Abs. 3), sind als solche zu bezeichnen.“

Direkte Zahnumformungen und indirekte Zahnumformungen

Eine Zahnverbreiterung mittels Dentin-Adhäsiv-Technik ist ebenfalls eine zahnärztliche Leistung, die weder in der GOZ noch in der GOÄ enthalten ist. Wird diese Maßnahme aus rein ästhetischen Gründen auf Verlangen durchgeführt, ist sie gleichwohl nach § 6 Abs. 1 GOZ analog abzurechnen. Auf der Liquidation muss auch hier vermerkt sein, dass die Leistungen auf Verlangen des Zahlungspflichtigem gemäß § 1 Abs. 2 GOZ erbracht worden sind.

 

  • Praxisfall 3: Direkte Zahnumformung mittels SDAT-Technik
Datum
Zahn
Geb.-Nr.
Leistungsbeschreibung
Anzahl
Faktor
Euro

16.05.

11

2170a

Direkte Zahnumformung mittels SDAT-Technik, entsprechend § 6 Abs. 1 GOZ; Einlagefüllung, mehr als zweiflächig, in Verbindung mit Leistungen auf Verlangen nach § 1 Abs. 2 S. 2 GOZ

1

2,3

221,07

11

2197

Adhäsive Befestigung (plastischer Aufbau, Stift, Inlay, Krone, Teilkrone, Veneer etc.) in Verbindung mit Leistungen auf Verlangen nach § 1 Abs. 2 Satz 2 GOZ

1

2,3

16,82

11

2030

Besondere Maßnahmen beim Präparieren oder Füllen, Leistungen auf Verlangen nach § 1 Abs. 2 S. 2 GOZ

1

2,3

8,41

11

0090 + Material

Intraorale InfiltrationsanästhesieLeistung auf Verlangen nach § 1 Abs. 2 Satz 2 GOZ

1

2,3

7,76

 

 

  • Praxisfall 4: Indirekte Zahnumformung mittels SDAT-Technik
Datum
Zahn
Geb.-Nr.
Leistungsbeschreibung
Anzahl
Faktor
Euro

16.05.

21

2170a

Indirekte Zahnumformung mittels SDAT-Technik, entsprechend § 6 Abs. 2 GOZ; Einlagefüllung, mehr als zweiflächig, Leistungen auf Verlangen nach § 1 Abs. 2 S. 2 GOZ

1

3,5

336,41

21

2197

Adhäsive Befestigung (plastischer Aufbau, Stift, Inlay, Krone, Teilkrone, Veneer etc.) in Verbindung mit Leistungen auf Verlangen nach § 1 Abs. 2 S. 2 GOZ

1

2,3

16,82

21

0090 + Material

Intraorale InfiltrationsanästhesieLeistung auf Verlangen nach § 1 Abs. 2 Satz 2 GOZ

1

2,3

7,76

plus Material- und Laborkosten

653,23

 

Zahnstellungsregulierungen

Leistungen im Sinne des § 1 Abs. 2 S. 2 GOZ fallen bei kieferorthopädischen Zahnregulierungs-Maßnahmen nicht bzw. sehr selten an, denn: Wenn Zähne nicht in regelrechter Reihe stehen, hat dies meistens einen negativen Einfluss auf das gesamte Kauorgan. Dennoch hier ein Beispiel zur Verdeutlichung:

 

  • Praxisfall 5: Eingliederung eines Klebebrackets zur Aufnahme orthodontischer Hilfsmittel
Datum
Zahn
Geb.-Nr.
Leistungsbeschreibung
Anzahl
Faktor
Euro

24.05.

13-23

6100

Eingliederung eines Klebebrackets zur Aufnahme orthodontischer Hilfsmittel, Leistungen auf Verlangen nach § 1 Abs. 2 S. 2 GOZ

6

2,3

128,04

13-23

6140

Eingliederung eines Teilbogens

1

2,3

27,16

 

 

Die Abrechnung von Verlangensleistungen kann nach folgendem Prüfungsschema erfolgen:

 

  • Erstens: Im Gebührenverzeichnis der GOZ beschriebene Leistungen und Leistungen der GOÄ, für die gemäß § 6 Abs. 2 GOZ der Zugriff eröffnet ist, sind mit den entsprechenden Gebührennummern zu berechnen und als Verlangensleistung zu kennzeichnen.

 

  • Zweitens: In den Gebührenverzeichnissen nicht beschriebene Leistungen sind im Wege der Analogie vorzugsweise gemäß § 6 Abs. 1 GOZ mit Gebührennummern der GOZ oder auch nach der GOÄ in dem für Zahnärzte geöffneten Bereich zu berechnen. Die Analoggebühr muss dann mit einem „a“ und mit dem zusätzlichen Hinweis auf die Verlangensleistung nach § 1 Abs. 2 S. 2 gekennzeichnet werden.

 

  • Drittens: Leistungen auf Verlangen sind in der Rechnung aufgrund § 10 Abs. 3 GOZ bzw. § 12 Abs. 3 GOÄ als solche zu bezeichnen.

 

Die Kombination der gebührenrechtlichen Bestimmungen über Leistungen auf Verlangen, abweichende Gebührenhöhen und analoge Bewertungen in Bezug auf die GOÄ hat der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 23. März 2006 (Az. III ZR 223/05, Abruf-Nr. 060914 unter pa.iww.de) bestätigt.

Quelle: Ausgabe 01 / 2016 | Seite 11 | ID 43779487