logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

07.10.2008 |Leserforum

Wird für Kronen aus Zirkonoxid ein höherer Faktor angesetzt?

Frage: „In unserer Praxis werden demnächst Kronen auch aus Zirkonoxid angeboten. Kann ich für diese Kronen einen höheren Steigerungsfaktor ansetzen? Wie kann ich das begründen?“ 

 

Antwort: Diese Frage wurde am 21.09.2006 vor dem Amtsgericht Witten (Az: 2 C 1811/05) verhandelt. Der Fall: Der Patient wurde mit Zirkonoxidkronen versorgt, die Abrechnung erfolgte nach GOZ-Nr. 221mit dem Faktor 2,8. Das Gericht entschied nach den umfangreichen Ausführungen des Gutachters, dass die Höhe der Gebühr nicht zu beanstanden sei. Die Argumentation aus dem Gutachten lautete auszugsweise wie folgt: 

 

Für einen Fall von mittlerer Schwierigkeit und durchschnittlichem Zeitaufwand und normalen Umständen bei der Ausführung ist der sogenannte Mittelwert (2,3-facher Multiplikator) anzusetzen. Bei der Bemessung der Gebühr kommt es nicht darauf an, ob sich der erhöhte Zeitaufwand oder die erhöhte Schwierigkeit aus dem durch den Zahnarzt angewandten Verfahren ableiten (verfahrensbezogene Schwierigkeit) oder ob sie sich durch die Besonderheiten ergibt, die der Patient mitbringt (patienten bezogene Begründung). 

 

Zum Leistungsinhalt der GOZ-Nr.221 gehören folgende Maßnahmen: 

 

  • Präparation des Kronenstumpfs 
  • eine Relationsbestimmung (Bissnahme)
  • Abformungen
  • Einprobe(n)
  • provisorisches Eingliedern (Zementieren) der Krone
  • festes Einfügen (Zementieren) der Krone
  • Nachkontrolle
  • Korrekturen

 

Dabei unterscheidet die GOZ im Rahmen der Gebührenhöhe des Einsatzes lediglich nach der Präparationsart, nicht jedoch nach der Ausführung der jeweiligen Krone. Nach der Gebührennummer 221 GOZ werden damit alle Einzelkronen berechnet, für die eine Hohlkehl- oder Stufenpräparation notwendig ist. Dabei ist es nach der Leistungsbeschreibung unerheblich, ob es sich um eine Vollgusskrone, eine Metallkeramikverblendkrone oder wie im vorliegenden Fall um eine Zirkonvollkeramikkrone handelt. Den Unterschieden im Zeitaufwand oder der Schwierigkeit kann damit nur über die Bemessung der Gebührenhöhe Rechnung getragen werden.  

 

Für die Restauration mit Zirkonvollkeramikkronen ist ein Substanzabtrag von mindestens 1,0 mm, besser jedoch von 1,5 bis 2,0 mm erforderlich, während für Vollgusskronen nur ein Substanzabtrag von circa 0,5 mm erforderlich ist. Die Präparation des Kronenstumpfes dauert damit allein wegen des erhöhten Substanzabtrags länger als die Präparation für eine Vollgusskrone. Zudem erfolgt die Präparation näher an der Kronenpulpa. Es kann nur noch mit reduzierter Tourenzahl der Präparationsinstrumente gearbeitet werden, um die Kronenpulpa nicht zu schädigen.  

 

Zur Abformung werden üblicherweise die Präparationsgrenzen des Zahnstumpfes freigelegt, damit die Präparationsstufe im Modell deutlich darstellbar ist. Bei Vollguss- oder Metallkeramikverblendkronen wird hierzu ein einzelner Faden, getränkt mit einer blutstillenden Flüssigkeit, in den Sulcus eingebracht, um das Zahnfleisch zu verdrängen. Für Zirkonvollkeramikkronen ist eine Doppelfadentechnik erforderlich. Hierzu wird zunächst ein dünner Faden in den Sulcus eingebracht. Dieser verbleibt auch während der Abformung im Sulcus. Ein zweiter dickerer Faden wird über den ersten gelegt und unmittelbar vor der Abformung entfernt. Damit erweist sich auch die Abformung – als Leistungsbestandteil der GOZ-Nr. 221 – als zeitaufwendiger und schwieriger.  

 

In der Leistungsbeschreibung nicht vorgesehen ist die Auswahl der Zahnfarbe. Auch wenn sich im Seitenzahngebiet eine individuelle Farbgestaltung weniger aufwändig gestaltet als im Frontzahnbereich, ist aber ein Angleichen an die natürliche Zahnfarbe erforderlich. Auch dieser Arbeitsschritt entfällt bei der Vollgusskrone.  

Quelle: Ausgabe 10 / 2008 | Seite 17 | ID 122007