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Leserforum

Sie fragen, wir antworten!

Im folgenden Beitrag beantworten wir wie gewohnt einige Fragen unserer Leser von allgemeinem Interesse.

Wann kann die GOZ-Nr. 407 berechnet werden?

Frage: „Inletzter Zeit haben unsere Patienten vermehrt Abrechnungsprobleme mitihrer privaten Versicherung bezüglich der Nr. 407. DieVersicherungen sehen sie als reine parodontalchirurgischeMaßnahme, die Anästhesien erforderlich macht, und bitten umVorlage von Röntgenbildern, PA-Status und Modellen. DieZahnärztekammer Nordrhein bestätigte den Ansatz der Nr. 407bei subgingivaler Konkremententfernung als korrekt, auch in Verbindungmit der Nr. 405. Wir sind der Ansicht, dass immer wenn subgingivalgearbeitet werden muss – wobei es unerheblich ist, ob es sich umKonkremententfernung, Wurzelglättung oder Gingivakürettagehandelt – die Nr. 407 in Ansatz gebracht wird. Wir berechnen beiTeilleistungen dann nicht den 2,3fachen Satz. Da es hier noch keinGerichtsurteil gibt, fänden wir es interessant, wenn Sie diesesThema ausführlich behandeln würden.“

Antwort:Maßnahmen im Sinne der GOZ-Nr. 407 (SubgingivaleKonkremententfernung, Wurzelglättung und Gingivakürettage alsparodontalchirurgische Maßnahme, je Zahn) erfolgen im Anschlussan die Initialtherapie im Rahmen der weiterführenden chirurgischenTherapie innerhalb der systematischen Behandlung von Parodontopathien,wenn auf Grund der Situation des einzelnen Parodontiums einechirurgische Säuberung notwendig ist. Die subgingivaleKonkremententfernung ist zusammen mit der Wurzelglättung und derGingivakürettage genannt. Diese Leistungen werden in der Regelzusammen erbracht, was jedoch nicht bedeutet, dass die GOZ-Nr. 407 nurdann berechnungsfähig ist, wenn alle drei Maßnahmen erbrachtworden sind.

Es handelt sich hierbei um eineparodontalchirurgische Maßnahme, mit der oberfläch-lichereFormen von belagsbedingten Zahnfleischerkrankungen durch die Verfahrender geschlossenen Taschentherapie abschließend behandelt werdenkönnen. Als weiterführende offene Therapiemaßnahmenkommen Lappenoperationen und offene Kürettageneinschließlich der Osteoplastik in Frage. Hierfür sieht dieGOZ die Berechnung der GOZ-Nrn. 409 und 410 vor. Ist die subgingivaleKonkremententfernung und Wurzelglättung bei kompliziertenErscheinungsformen nur eine vorbereitende Maßnahme zurweiterführenden offenen Therapie, so kann die GOZ-Nr. 407 nebenden Nrn. 409 bzw. 410 berechnet werden, allerdings nicht für denselben Zahn und in der selben Sitzung.

Wenn der Patient trotz der durchgeführtenTherapiemaßnahmen nach GOZ-Nr. 407 die Schmerzen bei derKonkremententfernung und Glättung ohne Anästhesie toleriertoder die angebotene Anästhesie ablehnt bzw. sie mittels einerlokal auf die Gingiva aufgebrachten Oberflächenanästhesietoleriert, ist dies kein Grund, die Erfüllung des Leistungsinhaltsder GOZ-Nr. 407 nicht anzuerkennen. Der Forderung der Versicherung aufVorlage der Röntgenbilder, des PA-Status und der Modelle zwecksÜberprüfung, ob der Leistungsinhalt einerGebührenposition erfüllt ist, sollten Sie auf keinen Fallnachkommen.

Augmentative Maßnahmen in der Parodontalbehandlung

Frage: „Wirhaben bei einem Patienten eine umfangreiche Parodontalbehandlungvorgenommen. An den Zähnen 45 und 15 wurde eine Lappenoperationdurchgeführt und die erheblichen Knochendefekte wurden mitkörpereigenem Material sowie Fremdmaterial (gefriergetrockneterKnochen) aufgefüllt. Dafür haben wir jeweils dieGOÄ-Nrn. Ä 2254, 2255 und Ä2730 neben der GOZ-Nr. 410berechnet. Die Privatversicherung behauptet nun, diese Positionen seiennicht berechenbar, da es sich um einen parodontal-chirurgischenEingriff handelt. Es dürfe lediglich die GOZ-Nr. 411 angesetztwerden und die Ä2730 sei in diesem Zusammenhang nichtnachvollziehbar. Welche Auffassung vertreten Sie hierzu oder sind IhnenUrteile bzw. Kommentare bekannt?“

Antwort: Für dasAuffüllen mit autologem oder alloplastischem Material im Rahmender Parodontologie existiert in der privatzahnärztlichenGebührenordnung die GOZ-Nr. 411. Der Verordnungsgeber ging –entsprechend dem damaligen Stand der Wissenschaft von 1988 – beidem beschriebenen „Auffüllen“ von einem relativgeringen operativen Aufwand aus. In den vergangenen Jahren haben sichjedoch die Operationsverfahren bezüglich derHartgewebsrekonstruktion deutlich weiter entwickelt und verfeinert. Zumeinen wurden komplizierte Techniken entwickelt, wie zum Beispiel diegleichzeitige Anwendung von autologem und alloplastischem Material oderdas kombiniert rekonstruktiv-regenerative Aufbauen mit Hilfe vonautologem, homologen und/oder alloplastischem Material. Darüberhinaus dienen umfangreiche implantologische Rekonstruktionen –hier Implantation von Knochen – dem Zweck der Abstützung unddes Volumen- sowie Formerhalts bzw. dem Zweck der Volumenvermehrung undRekonstruktion des Kieferknochens bzw. dessen Alveolarfortsatzes alsdezidiert wiederherstellende Maßnahme.

In Ihrem Fall wurden augmentative Maßnahmenin Verbindung mit einer parodontal-chirurgischen Maßnahmevorgenommen. Wurde als Augmentat zum Beispiel gefriergetrockneterKnochen verwendet und für die Augmentation an einer anderen Stelleeine freie Knochenverpflanzung vorgenommen, das heißt es wurde ineiner Körperregion autologer Knochen entnommen und am Zahnimplantiert, dann sind dies selbstverständlich keineMaßnahmen, für deren Vergütung die GOZ-Nr. 411 infragekommt. Derartig umfangreiche Maßnahmen, die zur Augmentation undWiederherstellung des Alveolarfortsatzes führen, gehen weitüber den Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 411 hinaus. Wenn Sie dievorgestellten Leistungen in verschiedenen Kieferbereichen vorgenommenhatten, ist die vorgenommene Liquidation nicht zu beanstanden.

Die GOÄ-Nr. 2730 ist in Kombination mitImplantationen oder nach Augmentation für die Lagerbildung alsselbstständige Leistung berechenbar, und zwar je Kieferhälfteoder Frontzahnbereich. Eine andere adäquate Leistung ist in derGOZ nicht enthalten. Sind zur Rekonstruktion des Alveolarfortsatzesbesonders umfangreiche Modellationen des Augmentates –gegebenenfalls mit Knochenspreizungen – notwendig, dann kommtzusätzlich zu den genannten Gebührenpositionen dieGOÄ-Nr. 2730 zur Anwendung.

Abrechnung einersemipermanenten Schienung parodontal gelockerter Frontzähnemittels Säureätztechnik und Komposite?

Frage: „Wieist eine semipermanente Schienung parodontal gelockerterFrontzähne mittels Säureätztechnik und Komposite (=Verblockung der Approximalräume) abrechnungsfähig? WelcheUnterschiede sind zwischen Privat- und Kassenpatienten zubeachten?“

Antwort: Die Schienung parodontal gelockerter Frontzähne mittels Säureätztechnik und Komposite ist wie folgt abrechenbar:

  1. Beim Kassenpatienten erfolgt die Abrechnung über dieBema-Nr. K4 (Semipermanente Schienung unter Anwendung derÄtztechnik, je Interdentalraum). Die Materialkosten für denverwendeten Kunststoff sind abrechenbar. Die Abnahme dieser Schienewird unter der Bema-Nr. 88 je Kiefer einmal abgerechnet.
  2. BeimPrivatpatienten ist die GOZ-Nr. 707 (Semipermanente Schiene unterAnwendung der Ätztechnik, je Interdentalraum) in Ansatz zubringen. Die Materialkosten für Kunststoff sind ebenfallszuzüglich berechenbar. Die Berechnung der Entfernung der Schienewird nach GOÄ-Nr. 2702 vorgenommen.

Abrechnung der Therapie einer akuten nekrotisierenden ulzerösen Gingivitis (ANUG) bei einem vollbezahnten Kassenpatienten?

Frage: „Die Therapie einer akuten nekrotisierenden ulzerösen Gingivitis (ANUG)ist die instrumentelle Zahnreinigung sämtlicher Zähne unterAnästhesie und chemische Plaquekontrolle mit zum Beispiel CHX. Wiekann man dies bei einem vollbezahnten Kassenpatienten abrechnen?“

Antwort: Diezahnärztliche Behandlung einer akuten nekrotisierendenulzerösen Gingivitis ist eine vertragszahnärztliche Leistung.Für die Gebührenberechnung der nicht-chirurgischenMaßnahmen beim Kassenpatienten sieht allerdings der Bemalediglich den Ansatz der Nrn. 105 (Mu) und 107 (Zst) vor. DasMedikament wird in der Regel über den Sprechstundenbedarfverordnet, gegebenenfalls aber auch auf Namen des Patienten. WeitereMaßnahmen, die in den Bereich der professionellenZahnreinigungsmaßnahmen fallen, sind keine Vertragsleistungen undmüssen mit dem Patienten privat vereinbart werden.

Sind mit den Implantationspositionen alle Nebenleistungen abgegolten?

Frage: „Seitneuestem erreichen mich seitens privater Krankenversicherungen immerwieder Honorarablehnungen bei den Positionen wie Vestibulumplastik etc.im Rahmen von Implantaten mit folgender Begründung: Mit derAbrechnung der Implantationsposition sind alle Nebenleistungen wieVestibulumplastik, Augmentat etc. abgegolten. Stimmt das?“

Antwort: Bei denBehandlungsmethoden Augmentation, Sinusbodenelevation, Bonesplittingund Nervverlagerung handelt es sich um selbstständige Leistungen.Sie sind weder Bestandteil der implantologischen Leistung noch einimmer notwendiger Behandlungsschritt zu diesen implantologischenLeistungen.

Die Gutachterkommission der BerufsverbändeBDO, MKG-Chirurgen und BDIZ hat festgestellt, dass die neuzeitlicheImplantologie ohne augmentative Verfahren nicht auskommen kann. DieKommission empfiehlt, mit Hilfe der analogen Positionengemäß § 6 Abs. 2 GOZ die Berechnung heutigeraugmentativer Maßnahmen zu realisieren. Da die GOZ selbst wenigegebührenrechtliche Leistungen beschreibt, um augmentativeVerfahren abrechnen zu können, verweist die Kommission auf dengemäß § 6 Abs. 1 GOZ möglichen Zugang zurGOÄ. Dort gebe es einige Positionen, die man heranziehenkönne.

Gegenüber den Erstattungsstellen kannargumentiert werden, dass – wie bereits eingangs erwähnt– die im Einzelfall gegebenenfalls erforderlichenzusätzlichen Leistungen der Weichteil- und Knochenchirurgie,Augmentation, Sinusbodenelevation und Bonesplitting eigenständigechirurgische Leistungen darstellen und dementsprechend gesondert inRechnung gestellt werden dürfen. Diese Maßnahmen sind nichtBestandteil der Gebühren für die implantologischen Leistungen.

Quelle: Privatliquidation aktuell - Ausgabe 06/2002, Seite 13

Quelle: Ausgabe 06 / 2002 | Seite 13 | ID 104726