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01.12.2007 | Kostenerstattung

Musterschreiben zur Analogabrechnung bei dentinadhäsiven Aufbaurekonstruktionen

Die Abrechnung von dentinadhäsiven Versorgungen bereitet leider nach wie vor Erstattungsprobleme, zu denen wir bereits verschiedene Musterschreiben angeboten haben. Ein weiterer Streitpunkt in diesem Zusammenhang sind Aufbaurekonstruktionen nach der Schmelz-Dentin-Adhäsiv-Technik (SDAT), bei denen Kostenerstatter auf Grund eines negativen Urteils des Amtsgerichts Köln vom 30. Juni 2003 (Az: 116 C 110/02) die Analogabrechnung häufig nicht anerkennen. In dem Urteil heißt es: „Im Zusammenhang mit den Mehrschichtrekonstruktionen hat die Patientin keinen Anspruch auf die Erstattung der analogen GOZ-Nrn. 216 und 217. Da es sich bei diesen Tätigkeiten nur um die Vorbehandlung zur Prothetik handelt, sind diese lediglich nach der GOZ-Nr. 218 abrechenbar.“  

 

Kostenerstatter argumentieren weiterhin, dass nach § 4 Abs. 2 der GOZ nur Leistungen in Ansatz gebracht werden können, die nicht Bestandteil oder die besondere Ausführung einer anderen Leistung (Zielleistungsprinzip) sind. Die Argumentation lautet beispielsweise wie folgt: „Da die Leistungsbeschreibung der GOZ-Nr. 218 auf das Ziel und nicht auf das anzuwendende Verfahren abstellt, sind auch Aufbaufüllungen nach der Schmelz-Dentin-Adhäsiv-Technik grundsätzlich direkt dieser Leistungsbeschreibung zuzuordnen.“ Das folgende Musterschreiben – das Ihnen wie immer auch im Online-Service zur Verfügung steht – soll Ihnen bei der Argumentation zur Analogabrechnung dentinadhäsiver Aufbaurekonstruktionen eine Hilfe sein.  

 

Musterschreiben

 

Sehr geehrte(r) Herr / Frau ................................... 

 

eine Weigerung, die Kosten für dentinadhäsive Aufbaurekonstruktion zu übernehmen, ist aus verschiedenen Gründen nicht nachvollziehbar.  

 

Zunächst einmal ist die Dentin-Adhäsiv-Technik zweifelsfrei ein selbstständiges Verfahren, das erst nach 1988, also nach Inkrafttreten der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), zur Praxisreife gelangte. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist die Leistung analog abrechenbar. 

 

Hinsichtlich dieses anerkannten gebührenrechtlichen Grundsatzes sei beispielhaft auf das Urteil des OLG München vom 7. Dezember 2004 (Az. 25 U 5029/02) verwiesen. Darin heißt es: „Selbstständige zahnärztliche Leistungen, die erst nach Inkrafttreten dieser Gebührenordnung auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt werden, können entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses für zahnärztliche Leistungen berechnet werden.“ 

 

Bei dentinadhäsiven Aufbaurekonstruktionen handelt es sich um eine selbstständige, direkte Rekonstruktion des Zahnes zur Aufnahme einer indirekten Restauration mittels Kompomeren. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der GOZ hingegen waren ausschließlich Zementaufbauten das Mittel zur Erbringung der Aufbaufüllung nach GOZ-Nr. 218.  

 

Der Unterschied zwischen Aufbauten im Sinne der GOZ-Nr. 218 und der dentinadhäsiven Rekonstruktion ist das Verfahren zur Erbringung der Leistung. Aufbauten im Sinne der GOZ-Nr. 218 mit plastischem Aufbaumaterial aus Zement werden in einem Schritt erbracht, das heisst die gesamte Kavität wird in einem Arbeitsgang mit dem gesamten plastischen Material gefüllt.  

 

Die dentinadhäsiven Aufbauten hingegen werden unter Verwendung von dentinadhäsiv befestigtem plastischen Material – zum Beispiel mittels Kompomeren – erbracht. Das Einbringen des Materials erfolgt also nicht wie bei den Zementaufbauten in einem Arbeitsgang. 

 

Die Restauration mittels Dentin-Adhäsiv-Technik stellt somit eine neuartige Präparationstechnik mittels neuartiger Verankerung durch Säure-Ätz- und einer Mehrschichttechnik dar. Die Aufbauten gehen auf Grund der Mehrschichttechnik und der besonderen Kavitätenpräparation einen Verbund mit der restlichen Zahnsubstanz ein, was zu einer enormen Stabilisierung des Zahnstumpfes führt, die mittels Zement nicht zu erzielen ist. 

 

Nach alledem sind dentinadhäsive Aufbaurekonstruktionen weder Bestandteil der GOZ-Nr. 218 noch eine besondere Ausführung dieser Leistung. Es handelt sich um selbstständige abgeschlossene Leistungen, die folglich nach Maßgabe des § 6 Abs. 2 der GOZ abzurechnen sind. Insoweit kann auch auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Niedersachsen (Urteil vom 22. Juni 2004, Az. 2 LA 282/03) verwiesen werden. Das Gericht bezieht sich in der Entscheidung auf einschlägige Fachliteratur, die im Urteil wie folgt zitiert wird: 

 

„Darin wird von der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) und den deutschen Hochschullehrern für Zahnerhaltung festgestellt, dass es sich bei der bei Behörden und Kostenträgern anzutreffenden Meinung, bei restaurativen Therapien werde lediglich ein Loch mit plastischem Material aufgefüllt, was keiner größeren Differenzierung bedürfe, um eine laienhafte Vorstellung handele. In dem genannten Aufsatz wird dezidiert die Entwicklung der Schmelz-Dentin-Adhäsiv-Schicht-Technik seit Beginn der 90-er Jahre dargestellt und auch, dass es sich nicht lediglich um die Weiterentwicklung einer bereits in den 80-er Jahren vollständig bekannten Fülltechnik handelt. Erst seit Anfang bis Mitte der 90-er Jahre liegen nämlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse – mit entsprechender aussagekräftiger Literatur und klinischer Absicherung – vor, um eine klinische Anwendung zu empfehlen. Daher kann auch nach Ansicht des beschließenden Senats erst seit diesem Zeitpunkt von einer Praxisreife gesprochen werden.“ 

 

Im Übrigen ergibt sich die Möglichkeit der eigenständigen analogen Abrechnung schon aus dem Umstand, dass sich beim Ansatz der GOZ-Nr. 218 selbst mit Faktor 2,3 nur ein Honorar von 19,41 Euro je Zahn erzielen lässt. Bei umfangreichen Aufbaurekonstruktionen wird dieser Betrag gerade einmal die angefallenen Materialkosten abdecken. Die eigentliche zahnärztliche Leistung kann damit also keinesfalls abgegolten sein.  

 

Insgesamt steht daher der Analogabrechnung weder aus zahnmedizinischer noch aus gebührenrechtlicher Sicht etwas entgegen. Ich darf daher davon ausgehen, dass die Kosten dafür in voller Höhe übernommen werden.  

 

Mit freundlichen Grüßen 

Quelle: Ausgabe 12 / 2007 | Seite 12 | ID 116099