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·Fachbeitrag ·Konservierend-chirurgische Leistungen

Intrakanalärer Kernaufbau: So rechnen Sie ab!

von I. Baumann, PraxisKonzept Baumann, www.praxiskonzept-baumann.de

| Im Anschluss an eine endodontische Therapie stellt sich die Frage nach der weiteren Versorgung. Mitunter ist aufgrund größerer Substanzverluste ein Stiftaufbau nicht das Mittel der Wahl. Eine Alternative ist der intrakanaläre Kernaufbau. Wie ist das zu berechnen und was sollte man beachten? |

Der intrakanaläre Kernaufbau

Selten benötigen naturgesunde Zähne eine endodontische Behandlung. Oft ist bereits viel Zahnhartsubstanz verloren gegangen und durch diverse Wiederholungen der Restaurationen steht nur noch wenig gesunde Zahnhartsubstanz zur Verfügung. Intrakanaläre Kernaufbauten dienen der Stabilisierung eines endodontisch behandelten Zahns, bei dem aufgrund eines großen Substanzverlusts die Gefahr einer Fraktur durch die Stiftinsertion besteht. Dabei werden schichtweise kleinste Mengen Komposit unter dem Operations-Mikroskop intrakanalär appliziert und durch die Polymerisationslampe gehärtet. Diese Variante der postendodontischen Behandlung ist substanzschonender, da auf das Vorbohren zur Aufnahme eines Stifts verzichtet werden kann. Der ohnehin geschwächte Zahn wird nicht zusätzlich strapaziert.

 

Diese Behandlung sollte im direkten Anschluss an eine Wurzelkanalfüllung erfolgen. Durch die koronale Abdichtung der einzelnen Wurzelkanaleingänge kann eine Reinfektion des Wurzelkanalsystems zuverlässig vermieden werden.

Aufklärung und Beratung

Das Patientenrechtegesetz (PRG) regelt die Aufklärung und Beratung über zahnärztliche Behandlungsmaßnahmen und -alternativen. Aufgrund dieser Verpflichtung muss der Patient über den intrakanalären Kernaufbau als mögliche Behandlungsalternative aufgeklärt werden, sofern diese zahnmedizinisch durchführbar und sinnvoll ist. Für GKV-Patienten ist dies eine reine Privatleistung. Sie wird auf Wunsch des Patienten angewandt. Hierfür muss mit ihm eine schriftliche Vereinbarung gemäß § 4 Abs. 5 BMV-Z bzw. § 7 Abs. 7 EKV-Z getroffen werden.

Die Abrechnung eines intrakanalären Kernaufbaus

Der intrakanaläre Aufbau eines Zahnkerns ist eine selbstständige, zahnmedizinisch notwendige Leistung und nicht Bestandteil einer anderen Leistung. Weder die GOZ noch der BEMA enthalten eine Gebühr für die Berechnung eines intrakanalären Kernaufbaus. Somit darf dies analog nach § 6 Abs. 1 GOZ kalkuliert und abgerechnet werden. Es empfiehlt sich, privat versicherte Patienten auf mögliche Erstattungsprobleme bei der Abrechnung analoger Leistungen hinzuweisen und vor Behandlungsbeginn einen schriftlichen Kostenplan zu erstellen.

 

Die Kalkulation einer analogen Leistung sollte nach praxisindividuellen Gesichtspunkten erfolgen. Das verwendete Verbrauchsmaterial sollte in die Kalkulation mit einbezogen werden. Für die Analogberechnung ist es ratsam, eine Ziffer zu wählen, die beim Faktor von 2,3 die kalkulierten Kosten deckt. Es ist davon abzuraten, eine Analogposition zu steigern.

 

Wenn mit einem OP-Mikroskop gearbeitet wird, so ist dies nur bei Leistungen nach den GOZ-Nrn. 2195, 2330, 2340, 2360, 2410, 2440, 3020, 3030, 3040, 3045, 3060, 3110, 3120, 3190, 3200, 4090, 4100, 4130, 4133, 9100, 9110, 9120, 9130 und 9170 mit dem Zuschlag nach GOZ-Nr. 0110 berechenbar. Für eine Analogleistung, auch wenn sie sich auf eine dieser Gebührennummern bezieht, gilt dies nicht. Deshalb sollte die Verwendung eines OP-Mikroskops in der Kalkulation der Analogberechnung berücksichtigt werden. Wird allerdings in derselben Sitzung eine der oben genannten Leistungen mithilfe des OP-Mikroskops erbracht (z. B. Wurzelkanalfüllung nach GOZ-Nr. 2440), dann darf selbstverständlich dafür der Zuschlag nach GOZ-Nr. 0110 angesetzt werden.

 

  • Mögliche Leistungen beim intrakanalären Kernaufbau
Leistungsbezeichnung
GOZ-/GOÄ-Nr.

Symptombezogene Untersuchung

Ä5

Beratung über mögliche Behandlungsalternativen

Ä1

Aufstellen eines schriftlichen Heil- und Kostenplans nach Befundaufnahme

0030

Anästhesieleistungen

0800 ff.

Wurzelkanalbehandlung und Wurzelkanalfüllung

2390 - 2440

Zuschlag OP-Mikroskop

0110

Entfernung harter und weicher Zahnbeläge

4050, 4055

Exzision einer Schleimhautwucherung oder Granulationsgewebe

3070

Besondere Maßnahmen beim Präparieren

2030

Anlegen von Spanngummi

2040

Intrakanalärer Kernaufbau eines Zahns im Mehrschichtverfahren

§ 6 Abs. 1

Besondere Maßnahmen beim Füllen

2030

Röntgen-Aufnahme

Ä5000

Weitere Leistungen entsprechend der Behandlung.

Dies könnte eine definitive dentinadhäsive Rekonstruktion oder auch eine Kronenversorgung sein

...

 

Erläuterungen

Anders als im BEMA ist es in der GOZ möglich, die Ä1 neben Untersuchungen nach den Nrn. Ä5, Ä6 oder 0010 zu berechnen. Die GOZ-Nr. 2030 ist definiert als „Besondere Maßnahme beim Präparieren oder Füllen“. Demzufolge kann die Nr. 2030 einmal für Maßnahmen bei der Präparation (z. B. Separieren des Zahnfleischs) und zusätzlich für Maßnahmen beim Legen von Füllungen (z. B. Stillung einer Blutung) berechnet werden. Dies geht jedoch höchstens zweimal. Auch hier wird oft Honorar verschenkt!

Quelle: Ausgabe 03 / 2016 | Seite 14 | ID 43868497