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01.12.2007 | GOZ-Novelle

Der aktuelle Stand zur neuen GOZ: Besteht jetzt schon ein Handlungsbedarf?

Informationen zur verbindlichen Ausgestaltung und Umsetzung der neuen GOZ sind im Moment heiß begehrt – aber leider Mangelware. Abgesehen von einem bestehenden Arbeitsentwurf zum Gebührenteil, den wir Ihnen bereits nach und nach vorstellen (in diesem Heft auf den Seiten 8 bis 11), kursieren viele Gerüchte über das, was im nächsten Jahr voraussichtlich auf die zahnärztlichen Praxen zukommt. Fakt ist indes: Informationen hierzu sind zurzeit das am besten gehütete Geheimnisse des Bundesministeriums für Gesundheit, der Bundeszahnärztekammer und aller weiteren Beteiligten. 

 

Dieser Beitrag soll Sie daher nicht nur auf den aktuellen Stand der Entwicklungen bringen, sondern auch vermitteln, ob bzw. welcher Handlungsbedarf derzeit aufgrund der bisherigen Erkenntnisse besteht.  

Der Verfahrensstand

Ein Entwurf zum Gebührenteil wurde wie gesagt bereits veröffentlicht, der jedoch zwischenzeitlich bereits punktuell überarbeitet worden ist. Unbekannt ist hingegen noch immer der Paragrafenteil der neuen GOZ. Und auch der Zeitpunkt des Inkrafttretens liegt noch im Nebel. Vermutet werden einstweilen die Termine 1. Mai, 1. Juni oder 1. Juli 2008.  

 

Konkret lässt sich derzeit allein sagen, welchen Weg die GOZ noch vor sich hat. Zunächst arbeitet im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eine Arbeitsgruppe an dem Entwurf zur neuen GOZ. In diesem Team sitzen Vertreter des Ministeriums, der Beihilfen, des PKV-Verbandes und der Bundeszahnärztekammer. Wenn dieses Gremium den Entwurf fertig gestellt hat, entsteht der so genannte „Referentenentwurf“. Der enthält dann den Paragrafenteil, den Gebührenteil und eine Begründung. Dieser Begründung ist zu entnehmen, welche Überlegungen zu den jeweiligen Bestimmungen in der GOZ geführt haben. 

 

Im Bundesrat wird anschließend der Referentenentwurf gelesen, diskutiert und möglicherweise noch geändert. Findet dann der Referentenentwurf im Bundesrat Zustimmung, kann er vom Bundesministerium veröffentlicht und in Kraft gesetzt werden. Da es sich bei der GOZ um eine Verordnung und nicht um ein Gesetz handelt, ist der Bundestag für das Inkraftsetzen nicht erforderlich. Veröffentlichung und Inkrafttreten werden zu unterschiedlichen Terminen stattfinden.  

Was bringt die neue GOZ (wirtschaftlich)?

Die neue GOZ liest sich – soweit bekannt – in vielen Bereichen wie der Bema. Echte Preisvergleiche mit dem Bema oder auch mit der GOZ 1988 sind jedoch noch nicht möglich, da ein ganz entscheidender Faktor bislang noch fehlt – nämlich der Punktwert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es eine erhebliche wirtschaftliche Verbesserung zur alten GOZ nicht geben wird. 

 

Aus einer Antwort des BMG vom 5. Oktober 2007 auf eine kleine Anfrage im Bundestag ergibt sich, dass bei der Honorarkalkulation von einem Praxisstundensatz (exclusive Fremdlaborkosten) von 194 Euro (= 3,23 Euro pro Minute) ausgegangen wird. Es ist wohl nicht der Wille des Verordnungsgebers (und sicher auch nicht der Kostenträger), das Honorarvolumen für privatzahnärztliche Leistungen auszudehnen. Das BMG geht davon aus, dass die Größenordnung des privatzahnärztlichen Honorarvolumens einschließlich Material- und Laborkosten bei circa 5,9 Mrd. Euro (2004) liegt. Damit verbleibt für die neue GOZ ein Honorarvolumen von etwa 4,13 Mrd. Euro.  

Kann man jetzt schon etwas tun?

Die beste Vorbereitung auf die neue GOZ – unabhängig davon, wie sie letztlich genau aussieht – ist daher einstweilen die genaue Ermittlung der eigenen Kostenstruktur. Wenn das BMG einen Stundensatz von 194 Euro bei der Kalkulation zu Grunde legt, sollte der Zahnarzt wissen, mit welchem Stundensatz er selbst zu kalkulieren hat, um ohne Verlust auf die neue Gebührenordnung umsteigen zu können. Die beste Vorbereitung beginnt daher schon heute. Hierzu stellen wir Ihnen zunächst eine einfache Kalkulation vor, mit der Sie schnell und hinreichend konkret Ihren eigenen Stundensatz berechnen können.  

 

Beispiel zur Berechnung des Stundensatzes

Betriebsausgaben 

196.000 Euro 

Kalkulatorischer Unternehmerlohn 

115.000 Euro 

Gesamtaufwand pro Jahr 

311.000 Euro 

Arbeitszeit pro Jahr 

1.430 Std. 

Notwendiger Umsatz pro Stunde 

217,48 Euro 

Notwendiger Umsatz pro Minute 

3,62 Euro 

Anhand dieser Kalkulation können Sie feststellen, welcher Steigerungsfaktor notwendig ist, um eine Leistung kostendeckend erbringen zu können.  

 

Hinweis: Ein Kalkulationsprogramm steht Ihnen auf der Internetseite der Bundeszahnärztekammer unter www.bzaek.de zur Verfügung. Klicken Sie auf der Startseite auf „Angebot durchsuchen“, geben Sie dann „Kalkulationsraster“ ein und klicken Sie auf „Suche beginnen“. 

 

Im folgenden Beispiel haben wir Gebührenansätze der aktuell noch geltenden GOZ 1988 zugrunde gelegt, da mit den Werten der neuen GOZ nur spekulativ, das heißt nicht verlässlich gerechnet werden kann. 

 

Beispiel 1

GOZ-Nr.  

Leistungsbeschreibung 

Faktor 

Gebühr 

(Euro) 

Zur Verfügung stehende Zeit 

001 

Eingehende Untersuchung 

1,0 

5,62 

1,6 Minuten 

2,3 

11,63 

3,2 Minuten 

3,5 

17,70 

4,9 Minuten 

Beispiel 2

GOZ-Nr.  

Leistungsbeschreibung 

Faktor 

Gebühr 

(Euro) 

Zur Verfügung stehende Zeit 

241 

Aufbereitung eines Wurzelkanals 

1,0 

15,75 

4,4 Minuten 

2,3 

32,60 

9,0 Minuten 

3,5 

49,61 

13,7 Minuten 

Beispiel 3

GOZ-Nr.  

Leistungsbeschreibung 

Faktor 

Gebühr 

(Euro) 

Zur Verfügung stehende Zeit 

221 

Versorgung eines Zahnes durch eine Vollkrone (Hohlkehl- oder Stufenpräparation) 

1,0 

73,11 

20,2 Minuten 

2,3 

151,34 

41,8 Minuten 

3,5 

230,29 

63,6 Minuten 

Wollen Sie nun den Steigerungsfaktor für eine wirtschaftlich tragfähige Gebührenbemessung ermitteln, können Sie dieses anhand der vorliegenden Kalkulation leicht tun. Sie ist im Übrigen auch hilfreich, wenn Sie den Preis für Leistungen ermitteln wollen, die Sie auf der Grundlage einer Vereinbarung gemäß § 2 Abs. 3 GOZ (Verlangensleistung) in Rechnung stellen, zum Beispiel für das Bleichen von Zähnen. Bei dem oben genannten Stundensatz und einem zeitlichen Aufwand von etwa 1,5 Stunden (einschließlich der Farbauswahl und den Beratungen) ist der Betrag von 325,80 Euro als angemessen anzusehen. 

 

Voraussichtlich werden in der neuen GOZ einige bekannte Leistungen nicht mehr enthalten sein, wie zum Beispiel die GOZ-Nr. (alt) 242 „Anwendung elektrophysikalisch-chemischer Methoden“. Werden sie dennoch erbracht, sind sie dem Patienten als so genannte Verlangensleistungen in Rechnung zu stellen. Mit einem für Ihre Praxis kalkulierten Stundensatz kann der Preis für diese Leistung dann schnell ermittelt werden. 

Fazit

Die Informationen zur neuen GOZ sind noch so spärlich, dass eine verlässliche Auskunft über die Auswirkungen auf die zahnärztliche Vergütung nicht möglich ist. Wer sich vorbereiten will, kann die verbleibende Zeit bis zum Inkrafttreten einer neuen Gebührenordnung am besten nutzen, indem man sich Klarheit über seine eigene Kostenstruktur verschafft. Bei Bekanntwerden der neuen GOZ kann die einzelne Praxis dann für sich schnell die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen ermitteln.  

Quelle: Ausgabe 12 / 2007 | Seite 3 | ID 116096