logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen
GOZ-Beschlusskatalog, Teil 13
Beschlüsse der Bundeszahnärztekammer zur Funktionsanalyse/-therapie und Implantologie
In diesem Beitrag befassen wir uns mit den Stellungnahmen der Bundeszahnärztekammer zu funktionsanalytischen, funktionstherapeutischen und implantologischen GOZ-Nummern. Wie immer gehen sie über bloße Empfehlungen hinaus und stellen bis zu einem gewissen Grad Abrechnungsbestimmungen dar, die jeder Zahnarzt bei der Rechnungsstellung im eigenen Interesse unbedingt berücksichtigen sollte.
GOZ-Nrn. 800 ff.: Befunderhebung des stomatognathen Systems, Anlegen eines Gesichtsbogens, Registrieren von Unterkieferbewegungen, Einschleifmaßnahmen
Aus gebührenrechtlicher Sicht (§ 1 Absatz 2 Satz 1 GOZ) ist der Zahnarzt berechtigt, die Geb.-Nrn. 801 GOZ ff. zu berechnen, ohne das nicht notwendige Formblatt nach Geb.-Nr. 800 GOZ zu erstellen.
Kommentar: Kostenerstatter behaupten immer wieder, dass zur Berechnung der Nrn. 801 bis 810 der vorausgehende Ansatz der Nr. 800 unabdingbar erforderlich sei, weil die entsprechenden Leistungen nur nach Erhebung eines ausführlichen Funktionsbefundes lege artis erbracht werden könnten. Dem widerspricht die Bundeszahnärztekammer mit der zitierten Stellungnahme, wobei sie auf § 1 GOZ hinweist, in dem es in Absatz 2 Satz 1 heißt: "Vergütungen darf der Zahnarzt nur für Leistungen berechnen, die nach den Regeln der zahnärztlichen Kunst für eine zahnmedizinisch notwendige zahnärztliche Versorgung erforderlich sind."
Damit wird ausdrücklich festgestellt, dass das Anlegen eines Gesichtsbogens, das Registrieren von Unterkieferbewegungen oder das systematische Einschleifen des Gebisses aus zahnmedizinischer Sicht durchaus notwendig sein und dann auch ohne vorausgehende Erhebung eines Funktionsstatus "nach den Regeln der zahnärztlichen Kunst" erbracht werden kann. Dabei ist anzumerken, dass das im Leistungstext der Nr. 800 erwähnte "vorgeschriebene Formblatt" in der GOZ bis heute nicht existiert.
GOZ-Nr. 900: Implantologische Analyse und Vermessung des Alveolarfortsatzes
Die Geb.-Nr. 900 GOZ ist nur einmal pro Kiefer berechenbar, auch bei mehreren Implantatsystemen. Wird die klinische Situation durch präimplantologische chirurgische Eingriffe verändert und ergibt sich dadurch die Notwendigkeit einer erneuten Analyse, so ist die Geb.-Nr. 900 GOZ erneut berechenbar.
Kommentar: Der komplette Leistungstext der GOZ-Nr. 900 lautet: "Im-plantatbezogene Analyse und Vermessung des Alveolarfortsatzes des Kieferkörpers und der Schleimhaut einschließlich metrischer Auswertung von Röntgenaufnahmen zur Festlegung der Implantatposition mit Hilfe einer individuellen Schablone, je Kiefer".
Die Gebührenposition ist daher - unabhängig von der Anzahl der inserierten Implantate - nur einmal je Kiefer abrechenbar. Nur wenn der Kieferknochen als Resultat dieser Vermessung vor der Implantation durch einen operativen Eingriff optimiert wird, kann eine neue Analyse erforderlich werden, die dann auch gesondert berechnungsfähig ist.
GOZ-Nr. 902: Einsetzen einer Implantatschablone zur Überprüfung der Knochenkavität
Die Leistung nach Geb.-Nr. 902 ist je nach Notwendigkeit, gegebenenfalls auch mehrmals pro Implantat, berechenbar.
Kommentar: In vielen Fällen reicht es aus, eine Implantatschablone ein einziges Mal in die Knochenkavität einzusetzen, um deren korrekte Präparation zu überprüfen. Sollten aus medizinischen Gründen weitere Messvorgänge erforderlich sein, dann ist es möglich, das dadurch notwendig gewordene mehrfache Einfügen der Schablone entsprechend oft in Rechnung zu stellen.
GOZ-Nr. 904: Freilegen eines Implantats und Einfügen von Sekundärteilen bei einem zweiphasigen Implantationssystem
Die Leistung nach Geb.-Nr. 904 GOZ ist in der Regel pro Implantatpfosten einmal berechnungsfähig.
Kommentar: Normalerweise lässt man den Pfosten eines Implantatsystems nach der Insertion einige Wochen einheilen und versieht ihn dann mit dem dazugehörigen Kopf. Dazu ist in der Regel eine Freilegung des Implantatkopfes erforderlich. Diese Maßnahme erfüllt den Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 904. Da ein derartiger Eingriff grundsätzlich nur ein einziges Mal erforderlich ist, kann man die entsprechende Nr. 904 in der Regel auch nur einmal je Implantat abrechnen.
Der Zusatz "in der Regel" zeigt jedoch, dass Ausnahmefälle denkbar sind, bei denen die Berechnung der Nr. 904 mehrfach möglich ist. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die Behandlung wegen einer längeren Erkrankung des Patienten unterbrochen werden muss und aus diesem Grund die Implantatköpfe wieder entfernt werden. Dann ist es denkbar, dass die Leistung nach Überwuchern der bereits einmal freigelegten Pfosten mit Schleimhaut erneut erbracht werden muss.
GOZ-Nr. 905: Auswechseln eines Sekundärteils bei einem zusammengesetzten Implantat
Die Leistung nach der Geb.-Nr. 905 GOZ ist pro Implantatpfeiler und je Sitzung bei einem Wechselvorgang oder Austausch einmal berechenbar. Die Geb.-Nr. 905 GOZ ist eine Implantatposition, nicht Hilfsposition bei Suprakonstruktionen.
Kommentar: Die Berechnung der Nr. 905 ist nicht auf das Auswechseln von Verschleißteilen beschränkt, wie das Kostenerstatter gern darstellen, sondern für jedes Auswechseln eines Sekundärteils möglich, wobei als Primärteil der im Knochen eingeheilte Pfosten zu verstehen ist. Sekundärteil kann demzufolge eine Verschlussschraube ebenso sein wie eine Heilkappe, ein intramobiles Element oder ein Pfostenaufbau, sofern dieses Teil über längere Zeit mit dem Pfosten verbunden bleibt. Demzufolge sind lediglich zum Zweck der Abdrucknahme eingeschraubte Übertragungskappen nicht als Sekundärteil im Sinne der Nr. 905 aufzufassen. Vielmehr stellen derartige Kappen Hilfsmittel zur Herstellung der Suprakonstruktion dar, deren Ein- und Ausschrauben laut Beschluss der Bundeszahnärztekammer nicht unter den Leistungsinhalt der Nr. 905 fällt.
Materialkosten im Zuge der Implantatversorgung
Nach den Allgemeinen Bestimmungen Nr. 2 zu implantologischen Leistungen ("Die bei den Leistungen nach Abschnitt K verwendeten Implantate und Implantatteile sind gesondert berechnungsfähig") sind Implantate und Implantatteile gesondert berechnungsfähig. Daneben sind die zugehörigen Beschaffungskosten für Implantate und Implantatteile sowie die dazugehörigen chirurgischen Normfräsen gesondert berechnungsfähig.
Kommentar: Dass die Materialkosten für Implantate und zugehörige Teile neben den Gebühren für die zahnärztlichen Leistungen gesondert in Rechnung gestellt werden können, ist selbstverständlich und allgemein anerkannt. Problematischer sah es da bisher schon mit Einmalfräsen aus, wie sie für einige Implantatsysteme erforderlich sind. Deren Berechnung stieß bei privaten Krankenversicherungen nicht selten auf Widerstand, den sie mit Zweifeln daran begründeten, ob die Fräsen tatsächlich mit der Verwendung bei einem einzigen Patienten verbraucht seien. Hier stellte die zitierte Stellungnahme der Bundeszahnärztekammer eine willkommene und schwer wiegende Argumentationshilfe dar.
Zu dieser Frage liegt jetzt aber ein aktuelles BGH-Urteil vor (siehe "Privatliquidation aktuell" Nr. 7/2004, S. 1 ff., und der Beitrag in diesem Heft auf den Seiten 1 bis 3), das die zahnärztliche Auffassung voll und ganz unterstützt. Demnach sind die Kosten für Aufbereitungshilfen im Zuge einer Implantatbehandlung generell berechnungsfähig. Leider hat das Gericht jedoch den Ansatz von Gestehungs- und Lagerhaltungskosten - auch bei Implantaten und zugehörigen Instrumenten - für unzulässig erklärt.
Quelle: Privatliquidation aktuell - Ausgabe 08/2004, Seite 12
Quelle: Ausgabe 08 / 2004 | Seite 12 | ID 104954