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01.08.2007 | Gesetzgebung

Arbeitsentwurf zur neuen GOZ liegt vor – die voraussichtlichen Änderungen im Überblick

Schon einmal – im Jahre 1994 – wurde eine Neufassung der GOZ heiß diskutiert und ein Referenten-Entwurf vorgestellt. Letztlich blieb es dabei und so ist bis heute mit der GOZ‘87 die älteste Gebührenordnung Europas in Kraft. Mittlerweile gibt es konkrete Anzeichen, dass es diesmal ernst wird. Nachdem vieles zunächst darauf hindeutete, dass die neue GOZ zum 1. Januar 2008 in Kraft treten wird, lassen neueste Informationen aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auf ein Inkrafttreten „im ersten Halbjahr 2008“ schließen. 

 

Auf Grundlage eines vom BMG bereits fertig gestellten Entwurfs zum Gebührenteil geben wir Ihnen in diesem Beitrag einen ersten Überblick darüber, was sich voraussichtlich ändert bzw. was bestehen bleibt. Der vollständige Entwurf steht Ihnen im Onlineservice für Zahnärzte unter www.iww-onlineservice.de zur Verfügung, wenn Sie dort rechts oben die Abruf-Nr. 072390 eingeben. 

Änderungen im Paragrafenteil der GOZ

Wie zu erwarten bleibt die medizinische Notwendigkeit Voraussetzung für die Leistung des Zahnarztes und seine Berechnung. Wünscht der Patient dann eine zahnärztliche Leistung, ohne dass eine medizinische Notwendigkeit besteht (zum Beispiel ein Füllungsaustausch auf Wunsch aus rein ästhetischen Gründen), dann sollte die Leistung mit dem Patienten vereinbart und in der Rechnung als Wunschleistung gekennzeichnet werden. 

 

Honorierung außerhalb des Gebührenrahmens kann vereinbart werden

Ebenfalls erhalten bleibt die Möglichkeit, mit dem Patienten eine Vereinbarung über eine abweichende Gebührenhöhe zu treffen. Damit kann auch nach dem Inkrafttreten der neuen GOZ mit dem Patienten eine Honorierung außerhalb des Gebührenrahmens vereinbart werden. Auch können weiterhin in der neuen Gebührenordnung nicht enthaltene Leistungen als Verlangensleistung (bisher § 2 Abs. 3 GOZ) angeboten oder vom Patienten gewünscht werden (zum Beispiel externes Bleichen aller Zähne). 

 

Berechnung von Materialkosten präziser geregelt

Die Berechnung von Materialkosten wird in der künftigen GOZ präziser als bisher geregelt werden. Bei vielen Leistungen wird konkret dargestellt, dass mit der Gebühr die Materialkosten abgegolten sind. So heißt es beispielsweise bei der Leistungsbeschreibung der Fissurenversiegelung: „Mit der Gebühr sind die Kosten für das Versiegelungsmaterial abgegolten.“  

 

Bisheriger Gebührenrahmen soll bestehen bleiben

Der Gebührenrahmen von 1,0 bis 3,5 bleibt bestehen. Die Einfachsätze sind noch nicht errechnet, jedoch stehen die Punktzahlen für die meisten Leistungen fest. Ähnlich wie bei der Eingliederung der GOÄ´82 in den Bema entsprechen neun GOZ-Punkte in etwa einem Bema-Punkt. Mit Spannung erwartet wird noch die Höhe des Punktwertes, der ja die Grundlage für die Gebührenkalkulation darstellt. Es wird erwartet, dass der 2,0-fache Gebührensatz dem Bema-Honorar entspricht. 

 

Zugriff auf die GOÄ wird eingeschränkt

Der Zugriff auf die GOÄ bleibt zwar grundsätzlich erhalten, wird aber sehr stark eingeschränkt. Viele Leistungen, die derzeit noch nach der GOÄ zu berechnen sind, werden in das Gebührenverzeichnis für zahnärztliche Leistungen aufgenommen.  

 

So finden sich die Röntgen-Aufnahmen im Allgemeinen Teil der neuen GOZ. Dabei entsprechen die Leistungsbeschreibungen den bereits aus dem Bema bekannten Beschreibungen (zum Beispiel „Röntgendiagnostik der Zähne, bis zwei Aufnahmen/bis fünf Aufnahmen/bis acht Aufnahmen oder Status).  

 

Auch die mikrobiologische Diagnostik – zum Beispiel im Rahmen der Parodontaltherapie – ist in die GOZ aufgenommen, ebenso die augmentativen und weichteilchirurgischen Maßnahmen sowie die Sinusbodenelevation.  

 

Auch die Beratungsleistungen und die Zuschläge sind in die GOZ aufgenommen, so dass ein Zugriff auf die GOÄ für diesen Leistungskomplex nicht mehr erfolgen dürfte. Die Analogberechnung für Leistungen, die erst nach dem Inkrafttreten dieser GOZ zur Praxisreife gelangen, wird es ebenfalls weiterhin geben.  

 

Bislang ist nicht klar, welche Entscheidung das BMG bezüglich der Berechnung zahntechnischer Leistungen treffen wird. Die Kostenerstatter bevorzugen – wie nicht anders zu erwarten – eine Bindung an das BEL II. 

Änderungen im Gebührenteil der neuen GOZ: Orientierung am Bema bei vielen Leistungen und Bestimmungen

Der Gebührenteil selbst macht deutlich, dass sich das BMG bei der Gestaltung des Gebührenteils sehr stark am Bema orientiert hat. So finden sich hier Leistungsbeschreibungen und Abrechnungsbestimmungen, die aus dem Bema-Bereich hinlänglich bekannt sind. Einige Beispiele: 

 

  • „Gewinnung von Zellmaterial aus der Mundhöhle und Aufbereitung zur zytologischen Untersuchung“ entsprechend der Bema-Nr. 5.

 

  • Bei den Einzelkronen und Brückenankern wird – wie im Bema – nicht mehr nach der Präparationsart unterschieden, sondern nach der Art der Ausführung.

 

  • Die direkte Überkappung kann nur noch je Zahn und nicht wie bisher je Kavität berechnet werden.

 

  • In der Parodontologie wird ebenfalls wie im Bema verfahren. Es wird zwischen offenem und geschlossenem Verfahren unterschieden. Die Leistungsbeschreibung beim geschlossenen Verfahren ist mit der im Bema identisch: „Systematische Behandlung von Parodontopathien (Supra- und subgingivales Debridement), geschlossenes Vorgehen je behandeltem einwurzeligem/mehrwurzeligem Zahn“. Und wie im Bema lautet die Leistungsbeschreibung für Einschleifmaßnahmen in der Parodontologie: „Einschleifen des natürlichen Gebisses oder des bereits vorhandenen Zahnersatzes zum Kauebenenausgleich und zur Entlastung, je Sitzung.“

 

  • Die Individualprophylaxe besteht aus dem Mundhygienestatus (IP 1), der Mundgesundheitsaufklärung (IP 2), der Kontrolle des Übungserfolges und der Fluoridierung (IP 3). Aufgenommen wurde die zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung vom 30. bis zum 72. Lebensmonat (FU).

 

Füllungstherapie: Zuschlag für dentin- oder schmelz-adhäsive Verfahren

Selbstverständlich werden neue Leistungen in die GOZ aufgenommen. So erfahren die aufwändigen dentin-adhäsiven Verfahren eine gesonderte Bewertung. Beispielsweise ist bei der Füllungstherapie ein Zuschlag für dentin-adhäsive oder schmelz-adhäsive Verfahren vorgesehen. 

 

Parodontaler Screening-Index in den Leistungskatalog aufgenommen

Der parodontale Screening-Index (PSI) wurde in den Leistungskatalog aufgenommen. Im Bereich der Chirurgie findet sich jetzt auch die Leistung „Chirurgische Maßnahmen zur Kronenverlängerung“, darüber hinaus die partielle, submuköse und totale Vestibulumplastik. 

 

FAL/FTL

Die funktionsdiagnostischen Leistungen wurden um die elektronische Registrierung erweitert. Im Abschnitt „FAL/FTL“ finden wir auch die „Anleitung zu myofunktionellen Übungen“.  

 

Interner und externer Sinuslift mit eigener Leistungsbeschreibung

Im Abschnitt „Implantologische Leistungen“ sind nunmehr auch der interne und der externe Sinuslift mit einer eigenen Leistungsbeschreibung vertreten. 

Fazit

Insgesamt bringt die neue GOZ einiges an Veränderungen mit sich. Wenn auch bekannte Leistungen aufgeführt sind, so ändern sich oft die Abrechnungsbestimmungen und die Leistungsbeschreibungen sind meistens sehr viel konkreter gefasst. Es bleibt noch abzuwarten, mit welchem Betrag der Punktwert angesetzt werden wird, um feststellen zu können, inwieweit eine Verbesserung der Situation im privatzahnärztlichen Gebührenrecht eintreten wird. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.  

Quelle: Ausgabe 08 / 2007 | Seite 2 | ID 110124