logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen
Funktionsanalyse und -therapie
Die Berechnung von Laborkosten bei funktionsanalytischen und -therapeutischen Leistungen
von Dr. med. dent. Wolf-Dieter Seeher, München
Nachdem im Februar-Heft von "Privatliquidation aktuell" die Materialkostenberechnung bei FAL/FTL-Leistungen erläutert wurde, geht es wegen vieler Anfragen heute um die Berechnung der Laborkosten. Dieses Thema wird nach 16 Jahren unveränderter GOZ immer noch kontrovers diskutiert. Der Grund ist unter anderem, dass der finanzielle Spielraum der Praxen - auch bei der Behandlung von Privatpatienten - durch das Einfrieren der Gebühren stetig enger wird und daher verstärkt auf die Nutzung aller Abrechnungsmöglichkeiten geachtet wird. Andererseits ist eine Verschärfung der Rechnungskontrollen seitens der Versicherungen festzustellen.
Warnung vor absurden Empfehlungen in Abrechnungskursen
Leider werden bei manchen Abrechnungskursen geradezu absurde Empfehlungen gegeben, die gerade auf dem Gebiet FAL/FTL darin gipfeln, dass mit exzessiver Material- und Laborkostenberechnung durch den Zahnarzt mehr Umsatz erzielt wird als durch die eigentlichen Honorarpositionen. Hiervor kann nur gewarnt werden, selbst wenn man bei einer gewissen Anzahl von Rechnungen damit nicht "auffällt", denn: Solche Rechnungsmethoden führen auf der Gegenseite zu weiteren Restriktionen.
Im Eigen- /Fremdlabor erbrachte Zusatzleistungen berechenbar
Im Abschnitt I "Funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen" der GOZ (FAL/FTL) ist bei den Nrn. 802, 803, 804 und 807 eine Abrechnungsbestimmung aufgeführt, die in besonderem Maße zu Missverständnissen bezüglich der Berechnungsmöglichkeit verschiedener Laborleistungen Anlass gibt: Der Hinweis "einschließlich Material- und Laborkosten" bezieht sich nur auf die im Honoraransatz explizit genannten Leistungsinhalte, nicht aber auf darüber hinaus im Eigen- oder Fremdlabor erbrachte Zusatzleistungen.
Mit dieser Regelung wird betont, dass die im Leistungstext aufgezählten Tätigkeiten wegen ihrer engen Koppelung an die Patientenbehandlung und wegen ihrer elementaren Wichtigkeit für darauf basierende therapeutische Schritte als zahnärztliche Leistungen angesehen werden. Diese Einteilung als vom Zahnarzt persönlich zu erbringende Leistung ist ja fachlich durchaus sinnvoll und verbietet nicht, dass Teile hiervon - wie bei vielen anderen zahnärztlichen Tätigkeiten - unter Kontrolle des Zahnarztes an andere Personen delegiert werden. So gesehen bedeutet der Hinweis eigentlich keine Einschränkung der Berechnung, sondern verdeutlicht lediglich, dass keine Doppelberechnung derselben Tätigkeit auf Honorar- und Laborrechnung erfolgen darf.
Beispiele zu Abgrenzungsfragen bei einzelnen GOZ-Positionen
Hier einige Beispiele zur Verdeutlichung der Situation:
Zu GOZ-Nr. 802 bzw. 803
Hier ist nicht nur die arbiträre bzw. individuelle Ermittlung der Scharnierachse abgegolten, sondern auch die Übertragung der Oberkiefer-Position in einen Artikulator einschließlich der Modellmontage. Die genannten Nummern können also vom Zahnarzt erst dann berechnet werden, wenn ein Oberkiefer-Modell im Artikulator montiert ist.
Das Gleiche gilt für die Anwendung der Nr. 804, die die anschließende Unterkiefer-Montage zum Inhalt hat. Auch weitere Montagen zusätzlicher (Duplikat-)Modelle durch den Zahnarzt können mit der Nr. 804 gesondert berechnet werden. Da das Zahnarzthonorar bereits die Montage umfasst, kann diese nicht nochmals gesondert vom Zahntechniker berechnet werden. Wenn man die Modellmontage an den Zahntechniker delegiert, muss man sich daher mit ihm auf einen internen Verrechnungsbetrag einigen, den er in diesem Falle erhält. Er kann aber diese Tätigkeit nicht auf seine für den Patienten bestimmte Rechnung schreiben. Der Zusatz "einschließlich Material- und Laborkosten" bedeutet allerdings nicht, dass beispiels-weise die gesonderte labortechnische Anfertigung von Kunststoff-Registratbehelfen inklusive der vorbereiteten Maßnahmen wie die Modellherstellung in der Leistung enthalten wären.
Häufig wird neben der zahnärztlichen GOZ-Nr. 802/804 dieselbe Tätigkeit nochmals vom Labor als "Einstellen in Mittelwertartikulator" berechnet. Dies ist ebenso falsch wie die Berechnung von Positionen wie "Auswerten eines Registrates", was offenkundig der zahnärztlichen Tätigkeit zuzurechnen ist.
Zu GOZ-Nr. 806
Der Zusatz nach der Nr. 806 "Wird bei unterbrochener Zahnreihe oder Freiendsattel zur Bestimmung der Vertikaldimension eine Bissschablone im Labor angefertigt, so sind die Kosten für die Bissschablone neben den Gebühren nach den Nummern 802 bis 806 gesondert berechnungsfähig" ist eine Selbstverständlichkeit, denn vom Zahntechniker berechnete Laborkosten für selbstständige Leistungen können prinzipiell nicht im zahnärztlichen Honorar enthalten sein.
Zu GOZ-Nr. 805/806
Die Artikulator-Einstellung mit protrusiven und laterotrusiven Registraten, auch Checkbisse genannt, kann ebenfalls nicht nochmals zusätzlich durch den Zahntechniker berechnet werden. Dasselbe gilt bei der Vermessung der Unterkiefer-Bewegungsbahnen mit mechanischen oder elektronischen Registriersystemen (zum Beispiel AXIOGRAPH®), auch hier ist die Artikulatoreinstellung vom Zahnarzt bereits berechnet. Die Vorbereitung spezieller Registrierbehelfe, zum Beispiel paraokklusaler Registrier-löffel, kann dagegen selbstverständlich vom Labor berechnet werden, wenngleich dies von Kostenerstattern meistens bestritten wird.
Zu GOZ-Nr. 807
Der bei Berechnung dieser Position vom Zahnarzt durchzuführende Aufbau der Frontzahnführung in Form eines individuell ausgeformten Frontzahnführungstisches kann nicht nochmals vom Labor berechnet werden. Dagegen kann die Übernahme dieser vorgegebenen Führungseigenschaften mit Hilfe von Aufwachstechnik bei der Kronenanfertigung vom Techniker in Rechnung gestellt werden.
Aufwachstechnik kann gesondert berechnet werden
Seit Jahren wird von manchen Erstattungsstellen unter Hinweis auf die expliziten Ausschlüsse behauptet, dass beispielsweise Aufwachstechnik nicht gesondert berechnet werden könne. Dies ist nicht nur inhaltlich falsch, sondern würde eine hochqualitative Kauflächengestaltung unmöglich machen.
Zu GOZ-Nr. 808
Die hier aufgeführten zahnärztlichen Maßnahmen der Modelldiagnostik umfassen die Analyse der okklusalen Gegebenheiten und die daraus folgende Ableitung therapeutischer Konsequenzen als im Wesentlichen intellektuelle Leistungen. Wenn hierbei subtraktive oder additive Veränderungen der Okklusalflächen erforderlich sind, ist dies mit abgegolten. Dies dürfte sich in der Regel in engen Grenzen halten. Ergibt sich aus der Modellanalyse aber, dass ein umfangreiches diagnostisches Aufwachsen erforderlich ist, kann dies der Zahntechniker machen und berechnen.
Zu GOZ-Nr. 809
Mit dem Gebührentext ist die unmittelbare zahnärztliche Tätigkeit des direkten Modellierens der Führungsflächen im Mund gemeint. Wenn zur gezielten Veränderung der Funktionsflächen - zum Beispiel Eckzahnführung - im Labor nach zahnärztlicher Anweisung allerdings Klebeteile (palatinale Veneers) hergestellt werden, die der Zahnarzt dann anschließend am Patienten einklebt, handelt es sich hier wieder um eine berech-nungsfähige Laborleistung.
Fazit
Zusammenfassend kann nur angeraten werden, alle Rechnungen mit Augenmaß zu stellen und stets zu beachten, dass man im Streitfall seine Forderung höchstwahrscheinlich durchsetzen kann. Wenig empfehlenswert ist es hingegen, ohne gute Argumente die Empfehlungen der Zahn-ärztekammer zu ignorieren, weil man im Streitfall von dort keine Unterstützung erhält. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass man sich strikt an die Kammerempfehlungen halten muss, denn es gibt in einigen Punkten durchaus Interpretationsunterschiede, sogar zwischen den Bundesländern.
Es soll an dieser Stelle nochmals deutlich darauf hingewiesen werden, dass eine angemessene Bewertung der GOZ-Positionen oft nur durch Überschreiten des Gebührenrahmens - also durch höhere Faktoren als 3,5 - möglich ist. Dabei ist auch zu berücksichtigen, wie aufwendig implizite Maßnahmen wie die hier besprochenen Labortätigkeiten sind. Funktionsanalyse und -therapie
implizite Maßnahmen wie die hier besprochenen Labortätigkeiten sind.
Quelle: Privatliquidation aktuell - Ausgabe 04/2004, Seite 6
Quelle: Ausgabe 04 / 2004 | Seite 6 | ID 104900