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·Fachbeitrag ·Endodontie

Die „Wurzel allen Übels“ - was bei der Abrechnung endodontischer Maßnahmen im PKV-Bereich gilt

von Anja Mehling, Syndikusanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht, Health AG, Hamburg

| Die Abrechnung endodontischer Maßnahmen ist eines der Streitthemen zwischen Leistungserbringer und Kostenträger. Zum einen wird diskutiert, ob die Trepanation eines Zahns neben anderen endodontischen Leistungen berechnungsfähig ist, zum anderen welche Leistungen analog in Ansatz gebracht werden können. Kaum ein Teilkapitel der GOZ birgt so viel Raum für Diskussionen. In diesem Beitrag werden vier strittige Themen aufgegriffen und beleuchtet. |

1. GOZ-Nr. 2390 (Trepanation als selbstständige Leistung)

Die Einwände der Kostenträger sind gleichlautend. So heißt es in einem Schreiben der Postbeamtenkrankenkasse vom 27. August 2015: „Die GOZ 2390 kann am selben Zahn und in der gleichen Sitzung nicht neben der GOZ 2410, 2430 oder 2440 berücksichtigt werden.“ Die Ansicht wird aktuell durch ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 4. April 2014 (Az. 2 S 78/14) gestützt. Anders hat zuletzt das Amtsgericht Dortmund in einem Urteil vom 31. August 2015 (Az. 405 C 3277/14, Abruf-Nr. 146035) entschieden (siehe dazu den Beitrag in dieser Ausgabe auf den Seiten 1 und 2).

 

Diese Frage war bereits in der alten GOZ ein ständiges Streitthema. Der Verordnungsgeber wollte im Zuge der GOZ-Reform offensichtlich die Berechnung der GOZ-Nr. 2390 z. B. neben den GOZ-Nrn. 2410 und 2440 ausschließen. Mit der Einschränkung im Leistungstext „als selbstständige Leistung“ meinte er klarzustellen, dass eine Berechnung als Zugangsleistung ausfalle (vgl. Referentenentwurf einer Verordnung zur Änderung der GOZ, 24. März 2011, Begründung, Seite 27).

 

Zutreffend erklärt die Bundeszahnärztekammer im Positionspapier vom Juni 2014 dazu, dass der Verordnungsgeber in diesem Fall expliziter hätte formulieren müssen - z. B. „neben den Leistungen nach … ist die Leistung nach … nicht berechnungsfähige“ oder „als alleinige endodontische Leistung“. Im Sinne von § 4 Abs. 1 und 2 GOZ beschreibt jede GOZ-Ziffer grundsätzlich eine selbstständige und berechnungsfähige zahnärztliche Leistung. Die GOZ-Nr. 2390 ist nicht methodisch notwendiger Bestandteil anderer Leistungen, andere endodontische Leistungen können auch ohne Trepanation erbracht werden.

2. Spülprotokoll

Unbestritten sind Spülungen für den Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung unabdingbar. Spülprotokolle zeigen auf, in welcher Reihenfolge welche Spüllösungen in welchem Zeitrahmen angewendet werden bzw. wurden. Teilweise wird die Anwendung eines endodontischen Spülprotokolls gemäß § 6 Abs. 1 GOZ nach den GOZ-Nrn. 2410 oder 3140 analog abgerechnet, um die Komplexität und den Aufwand zu erfassen.

 

Spülungen in Form eines Spülprotokolls können jedoch nicht analog berechnet werden. Das Spülprotokoll ist als rein chemische Spülung Bestandteil der GOZ-Nr. 2410 (Aufbereitung eines Wurzelkanals). Dahingehende Einwände der Kostenträger sind berechtigt. Zeitaufwand und Intensität bei der Anwendung eines Spülprotokolls rechtfertigen aber die Erhöhung des Steigerungsfaktors. Ggf. sollte eine Honorarvereinbarung gemäß § 2 Abs. 1 GOZ getroffen werden.

3. Spülungen mittels Ultraschall

Im Zuge der Wurzelkanalspülung kann der Einsatz von ultraschallaktivierter Desinfektionslösung sinnvoll sein. Damit soll die Applikation der Spüllösung optimiert werden. Das sind Hilfsmittel, die die Wirksamkeit der Wurzelkanalspülung beeinflussen können, und führen zu keiner selbstständigen Leistung. Eine analoge Berechnung müsste schon sehr gut begründet werden. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die aktivierte Spülung mit der GOZ-Nr. 2420 („Phys“) abgegolten ist.

4. Revision (Entfernen vorhandener Wurzelfüllmaterialien)

Bei einer Revision der vorangegangenen Wurzelkanalbehandlung muss zunächst das vorhandene Wurzelfüllmaterial aus dem Wurzelkanal entfernt werden. Der PKV-Verband ist der Ansicht, dass das Entfernen von zuvor eingebrachtem definitivem Wurzelfüllmaterial zum Leistungsinhalt der Wurzelkanalaufbereitung nach der GOZ-Nr. 2410 gehört (vgl. Kommentierung praxisrelevanter Analogabrechnungen, Stand: 28. Oktober 2015, Seite 7).

 

Die Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie e. V. (DGET) weist zu Recht darauf hin, dass unter der Aufbereitung eines Wurzelkanals die Entfernung von weichem Pulpagewebe aus dem Wurzelkanal zu verstehen ist. Die schwierige und zeitaufwendige Entfernung fester Wurzelfüllmaterialien ist zwar Voraussetzung für die im Anschluss erforderliche Aufbereitung des Wurzelkanals, aber unter Berücksichtigung der vorgenannten Definition nicht unter dem Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 2410 zu subsumieren. Die selbstständige Leistung ist nicht in der GOZ enthalten und kann deshalb gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet werden.

Zusammenfassung

Die Abrechnung endodontischer Maßnahmen erfordert - wie immer - eine gute Dokumentation und Aufklärung des Patienten, um belegen zu können, welche Maßnahmen in welcher Form indiziert waren und erbracht worden sind. Nach § 6 Abs. 1 GOZ kann der Zahnarzt selbstständige Leistungen während einer Wurzelkanalbehandlung, die nicht in der GOZ oder GOÄ enthalten sind, analog abrechnen. Im Übrigen bietet es sich insbesondere bei langwierigen und zeitaufwendigen Wurzelkanalbehandlungen an, eine Honorarvereinbarung gemäß § 2 Abs. 1 GOZ abzuschließen.

Quelle: Ausgabe 01 / 2016 | Seite 3 | ID 43785192