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·Fachbeitrag ·Endodontie

Die Abrechnung der endodontischen Behandlung von Milchzähnen nach BEMA und GOZ

von Erika Reitz-Scheunemann, www.training-mit-biss.de 

| Die Milchfrontzähne und Milchmolaren sichern eine normale Gebissentwicklung, die Kaufunktion, die Phonetik und ein ästhetisch ansprechendes Erscheinungsbild des Kindes, sodass ihr Erhalt bis zur physiologischen Exfoliation als Therapieziel anzustreben ist (laut DGK und DGZ). Allerdings belegen die Statistiken eine Zunahme der frühkindlichen Karies bis zum dritten Lebensjahr mit ihren Folgen. Für diese Altersgruppe sind daher besondere Behandlungskonzepte erforderlich. Wir erläutern die Abrechnung einer Vitalamputation und geben Hinweise zum Wirtschaftlichkeitsgebot. |

Abrechnung einer Vitalamputation mit konfektionierter Krone

Die erbrachten Leistungen werden nach BEMA und GOZ wie folgt abgerechnet:

 

Zahn
Behandlung/Leistung
BEMA-Nr.
GOZ-Nr.

84

Beratung (Schmerzen), symptombezogene Untersuchung, tiefe Karies

Ä1

Ä1/Ä5

Röntgenaufnahme (digital); Diagnose: keine periradikale Entzündung und path. Resorption

Ä925a

Ä5000

Oberflächenanästhesie

-

0080

Infiltrationsanästhesie

40/J

0090

Anästhesiemittel

-

xxx Euro

Separieren

12/bMF

2030

Kofferdam

-

2040

Kariesexkavation und Trepanation

-

2390

Pulpotomie

27/Pulp

2350

Restpulpa mit Kalziumhydroxid-Suspension versorgt

-

-

Unterfüllung

-

-

Konfektionierte metallische Krone

14

2250

Materialkosten für die konfektionierte Krone

-

xxx Euro

 

 

Erläuterungen

Die Beratungsgebühr (Ä1) kann als alleinige Leistung oder neben der ersten zahnärztlichen Leistung abgerechnet werden. Im Rahmen der Schmerzbehandlung dieses Praxisfalles (Schmerzfall) ist sie der „klassische Ausnahmefall“ und neben der ersten zahnärztlichen Leistung berechenbar. In der privatzahnärztlichen Behandlung fällt zusätzlich zur Beratungsgebühr die symptombezogene Untersuchung (Ä5) an. Für den jeweiligen Behandlungsfall (dieselbe Erkrankung) der Ä1 oder Ä5 gilt die 30-Tage-Frist. Bei Kindern bis zum vollendeten 4. Lebensjahr ist der Zuschlag K1 aus der GOÄ mit dem Einfachsatz (6,99 Euro) auch neben der symptombezogenen Untersuchung (Ä5) möglich.

 

Die Dokumentation des Leistungsinhalts ist verpflichtend. Der Ausschluss von periradikalen Entzündungsprozessen und pathologischen Resorptionen erfordert eine Röntgenaufnahme. In der GOÄ gilt für die Ä5000 der sogenannte kleine Gebührenrahmen; das bedeutet, dass der Steigerungsfaktor von 1 bis 1,8 ohne Begründung und von 1,9 bis 2,5 mit Begründung modifiziert werden kann.

 

Die Oberflächenanästhesie (Nr. 0080) ist in diesem Fall im Rahmen der GOZ berechnungsfähig. Die Schmerzausschaltung ist im BEMA mit der Nr. 40 und in der GOZ mit der Nr. 0090 berücksichtigt. Die Anästhesiemittel werden zusätzlich zur Nr. 0090 gemäß § 4 Abs. 3 GOZ nach tatsächlichem Verbrauch (je Carpule) berechnet. Im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung sind Anästhesiemittel nicht gesondert berechenbar.

 

Das Separieren des Zahnes und das Anlegen von Kofferdam ist im BEMA unter der Nr. 12 (Besondere Maßnahmen beim Präparieren oder Füllen, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich) subsumiert. In der GOZ kann die Nr. 2030 (bMF) jeweils beim Präparieren und Füllen des Zahnes anfallen, für das Anlegen von Spanngummi die Nr. 2040.

 

Die Kariesentfernung, die Schaffung der Zugangskavität zum endodontischen System sowie die Entfernung der koronalen Milchzahnpulpa ist im BEMA mit der Nr. 27 (Pulpotomie) abgegolten.

 

In der GOZ ist die Trepanation (Nr. 2390) auch neben der Nr. 2350 berechnungsfähig, da es sich um eine selbstständige Maßnahme handelt (siehe dazu auch den Beitrag zum Urteil des VG Stuttgart in dieser Ausgabe auf Seite 3). Die Versorgung der Amputationswunde zum Beispiel durch Blutstillung mit Eisen(III)sulfat ist ebenso wie die Unterfüllung ein Bestandteil der Leistung Pulpotomie. Die weitere Versorgung erfolgt mit einer konfektionierten Krone.

Die konfektionierte Krone in der pädiatrischen Zahnheilkunde

Die Gegenüberstellung der Bewertung der Leistung „Konfektionierte Krone in der pädiatrischen Zahnheilkunde“ in der folgenden Tabelle macht deutlich, dass die Honorierung in der GOZ nur über die Anwendung eines adäquaten Steigerungsfaktors stimmig werden kann, auch wenn die Materialkosten für diese Krone in der GOZ zusätzlich berechnet werden können.

 

BEMA-Nr.
Leistungsinhalt
Punktzahl

14

Konfektionierte Krone (im Seitenzahngebiet in der Regel aus Metall) einschließlich Material- und Laboratoriums-kosten in der pädiatrischen Zahnheilkunde

50

Die Punktzahl multipliziert mit einem beispielhaften Punktwert von 0,9410 Euro ergibt ein BEMA-Honorar von 47,05 Euro.

 
GOZ-Nr.
Leistung
Gebühr in Euro/Faktor

2250

Eingliederung einer konfektionierten Krone in der pädiatrischen Zahnheilkunde

Die Kosten für konfektionierte Kronen sind gesondert berechnungsfähig.

11,81/1,0-fach

27,16/2,3-fach

41,34/3,5-fach

 

Welche Abrechnungsbestimmungen sind im BEMA zu beachten?

Die Abrechnungsbestimmungen zur BEMA-Nr. 27 (Pulpotomie) legen fest, dass folgende Leistungen enthalten sind: Amputation und Versorgung der vitalen Pulpa am Milchzahn und am symptomlosen bleibenden Zahn mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum einschließlich Abtragen des Pulpendaches, Amputation der koronalen Pulpa, Spülung und Blutstillung, Aufbringen eines Überkappungspräparats. Die Leistung ist je Zahn berechenbar. Eine Leistung nach Nr. 27 ist bei Milchzähnen nur abrechnungsfähig, wenn in derselben Sitzung eine der Nrn. 13 a bis g (Füllungstherapie) oder 14 (Pädiatrische Krone) erbracht wird.

Welche Richtlinien zum Wirtschaftlichkeitsgebot gelten?

Das Wirtschaftlichkeitsgebot (§ 12 Sozialgesetzbuch V) in der vertragszahnärztlichen Versorgung erfordert grundsätzlich die Beachtung der folgenden Richtlinien für die Milchzahnbehandlung:

 

  • Auszug aus den relevanten Richtlinien zur Milchzahnwurzelbehandlung
  • B. Vertragszahnärztliche Behandlung 
  • III. Konservierende Behandlung

 

  • 2. Die konservierende Behandlung sollte ursachengerecht, zahnsubstanzschonend und präventionsorientiert erfolgen. Jeder Zahn, der erhaltungsfähig und erhaltungswürdig ist, soll erhalten werden. Jeder kariöse Defekt an einem solchen Zahn soll behandelt werden. Dabei soll die gesunde natürliche Zahnhartsubstanz soweit wie möglich erhalten bleiben. Die Regelungen zur endodontischen Behandlung in Nummer 9 dieser Richtlinien sind zu beachten.

 

  • 8. In der konservierenden Behandlung hat die Erhaltung der vitalen Pulpa Vorrang.
  • Bei Erhaltung der Zähne durch Methoden der Pulpenüberkappung und Wurzelkanalbehandlung soll in angemessenen Zeitabständen eine klinische und ggf. eine Sensibilitätsprüfung- bzw. röntgenologische Kontrolle des Heilerfolgs durchgeführt werden.

 

  • 9.2 Eine Vitalamputation (Pulpotomie) ist nur bei Kindern und Jugendlichen angezeigt. Bei Milchzähnen mit Pulpitis oder Nekrose des Pulpengewebes kann eine Pulpektomie und Wurzelkanalbehandlung angezeigt sein.

 

  • 11. Die Milchzähne sollen durch eine konservierende Behandlung erhalten werden, damit die Kaufähigkeit des kindlichen Gebisses bewahrt und eine Fehlentwicklung des bleibenden Gebisses verhütet wird.
 

PRAXISTIPP | Die Bedeutung der Milchzähne für das bleibende Gebiss, die Phonetik und die Kaufunktion ist vielen Eltern häufig nicht bewusst. Hier empfiehlt sich für die Aufklärung prägnantes Bildmaterial, um die Folgen, die eine vorzeitige Extraktion für den Durchbruch der bleibenden Zähne hat, zu visualisieren. Durch das Erkennen der Platzhalterfunktion wird neben den anderen Aspekten in der Regel die Mitarbeit und das Verständnis auch für Mehrleistungen verbessert.

Quelle: Ausgabe 02 / 2014 | Seite 8 | ID 42492363