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·Fachbeitrag ·Der Praxisfall

CAD/CAM-gefertigtes Langzeitprovisorium: Vorgehensweise und Abrechnung

von Erika Reitz-Scheunemann, Training-mit-Biss.de

| Im folgenden Beispiel stellen wir Ihnen einen Patientenfall vor, bei dem die Kronen 13 bis 23 erneuerungsbedürftig sind. Die Patientin ist mit der bisherigen Versorgung durch vollverblendete Metallkeramikkronen nicht zufrieden und wünscht sich diverse Änderungen für die notwendige Neuversorgung. |

Befund und Therapieplanung

Der Mundbefund und die Therapieplanung in der Übersicht:

 

Planung

TLV*

TLV

TLV

TLV

TLV

TLV

Befund

f

k

kw**

kw

kw

kw

kw

kw

k

f

18

17

16

15

14

13

12

11

21

22

23

24

25

26

27

28

48

47

46

45

44

43

42

41

31

32

33

34

35

36

37

38

Befund

f

k

k

f

 

* TLV = Temporäre Langzeitversorgung (praxisinternes Kürzel und Bezeichnung)**kw = erneuerungsbedürftige Kronen

 

Sitzung
Zahn/Gebiet
Leistungsbeschreibung
Behandlung
Anzahl
GOZ/GOÄ

Erste Sitzung

Eingehende Untersuchung

1

0010

OK+UK

Parodontaler Screening Index

1

4005

OK+UK

Vitalitätsprüfung

1

0070

OK+UK

Orthopantomogramm, digital

1

Ä5004

Beratung

1

Ä1

OK+UK

Intraorale digitale Fotoaufnahmen

4

§ 6 Abs. 1

Zweite Sitzung

Beratung, Besprechung der ZE-Versorgung

1

Ä1

Digitale Foto-Aufnahmen intra- und extraoral für Diagnose + Therapie

5

§ 6 Abs. 1

Administration

Aufstellung eines schriftlichen Heil- und Kostenplans

1

0030

Dritte Sitzung

13-23

Oberflächenanästhesie

1

0080

13-23

Infiltrationsanästhesie

6

0090

Anästhesiemittel

§ 4 Abs. 3

13-23

Besondere Maßnahmen beim Präparieren

1

2030

13-23

Entfernen einer Krone

9

2290

OK+UK

Digitale Abformung

4

0065

13-23

Festsitzendes laborgefertigtes Langzeitprovisorium (temporäre Langzeitversorgung)

6

7080

Beseitigung von groben Vorkontakten der Okklusion

1

4040

Material- und Laborkosten

§ 9

 

Erläuterungen zur ersten Sitzung

Bei der eingehenden extra- und intraoralen Untersuchung (GOZ-Nr. 0010) handelt es sich um einen orientierenden diagnostischen Überblick im Sinne eines Screenings, um die Behandlungsbedürftigkeit festzustellen. Sie enthält die Feststellung von Karies, ob pathologische Parodontalbefunde vorliegen, ob eine prothetische Versorgung notwendig ist sowie ob Kiefergelenk- und andere Befunde bestehen (BZÄK). Die Dokumentation des Befundes ist Bestandteil der Leistung. Aus diesem Screening kann sich die Notwendigkeit von weiteren Untersuchungen wie z. B. für den Funktionsstatus nach GOZ-Nr. 8000 oder für den Parodontalstatus nach GOZ-Nr. 4000 ergeben. Diese Leistungen sind neben der GOZ-Nr. 0010 berechenbar.

 

Im oben aufgeführten Fall war zusätzlich ein Gingivalindex notwendig. Bei dem gewählten parodontalen Screening-Index (PSI, GOZ-Nr. 4005) trat nach dem Sondieren der Gingiva keine Blutung auf (Code 0). Diese Leistung ist zweimal jährlich berechnungsfähig. Weitere Indizes innerhalb dieses Jahres sind gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog berechenbar.

 

Die Vitalitätsprüfung eines Zahns oder mehrerer Zähne einschließlich Vergleichstest wird je Sitzung mit der GOZ-Nr. 0070 berechnet. Der erhöhte Zeitaufwand bei den vorhandenen dickwandigen Metallkeramikkronen kann über den Steigerungsfaktor der GOZ-Nr. 0070 berücksichtigt werden. Die Anwendung des Steigerungsfaktors ist auch durch die höhere Anzahl der geprüften Zähne möglich. Bei der Rechnungslegung sind die Begründungen aufzuführen.

 

Das notwendige digitale Orthopantomogramm wird entsprechend den Vorgaben des § 6 Abs. 2 GOZ nach der GOÄ berechnet. Bei Anwendung der GOÄ sind die entsprechenden Bestimmungen zu berücksichtigen. Der Steigerungsfaktor kann daher gemäß § 5 Abs. 3 GOÄ innerhalb des 1- bis 2,5-fachen Gebührenrahmens berechnet werden. Wird der 1,8-fache Gebührensatz überschritten, so ist eine Begründung erforderlich. Zu beachten ist, dass die Begründungen „geringere Strahlenbelastung“ oder „Umweltschonung durch digitale Bildgebung“ nach Auffassung des Verwaltungsgerichts Stuttgart nicht ausreichen (Urteil vom 25.10.2013, Az. K 4261/12). Eine individuelle patientenbezogene Begründung ist notwendig. Das könnte ein „weit überdurchschnittlicher Zeitaufwand für die Erläuterung des Röntgenbefundes“ sein.

 

Mit der Gebühr Ä5004 sind alle Kosten - auch für die Dokumentation und Aufbewahrung der Datenträger - abgegolten. Ebenso ist die Befundmitteilung oder der einfache Befundbericht mit Angaben zu Befunden und zur Diagnose Bestandteil der Leistungen.

 

Die vorhandenen etwa neun Jahre alten vollverblendeten Metallkeramikkronen regio 13 bis 23 sind erneuerungsbedürftig. Darüber und über den Gesamtbefund wurde die Patientin beraten (Ä1). Die mit der intraoralen Kamera gefertigten digitalen Fotoaufnahmen sind in der GOZ nicht enthalten und werden daher analog (§ 6 Abs. 1 GOZ) z. B. nach der GOZ-Nr. 0065a berechnet. Diese Leistung ist auch im „Katalog selbstständiger zahnärztlicher gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog zu berechnender Leistungen“ der BZÄK wie folgt beschrieben: „Intraorale und extraorale Fotoaufnahmen, die eine andere als eine kieferorthopädische Auswertung erfahren (betrifft alle Gebührenabschnitte).“

Erläuterungen zur zweiten Sitzung

Der Zeitaufwand für die Zahnersatz-Beratung wurde mit 18 Minuten dokumentiert. Die Leistung Ä1 ist innerhalb eines Monats und einmal je Behandlungsfall berechenbar. Als Behandlungsfall gilt nach den allgemeinen Bestimmungen (Abschnitt B. Grundleistungen und allgemeine Leistungen) der GOÄ der Zeitraum eines Monats nach der jeweils ersten Inanspruchnahme des Arztes für dieselbe Erkrankung. Der in diesem Fall erforderliche Zeitaufwand kann über den Steigerungsfaktor bis 3,5 mit der Begründung „weit überdurchschnittlicher Zeitaufwand“ berücksichtigt werden, da die GOÄ-Nr. 3 (Dauer mindestens 10 Minuten) nur als alleinige Leistung oder neben Untersuchungsleistungen nach den GOÄ-Nrn. Ä 5, Ä6 und 0010 berechnungsfähig ist.

 

Die Zahnersatz-Beratung wurde mit digitalen Fotoaufnahmen zur Diagnose und Therapie in der entsprechenden Funktion der Software (z. B. Smile Design) visualisiert. Die Korrekturen z. B. in der Mittellinie, Symmetrie, Zahnform und Inzisalebene wurden mit der Patientin erarbeitet und der Datensatz gespeichert. Auch hier ist die analoge Berechnung (§ 6 Abs. 1 GOZ) anzuwenden, da die mit der intraoralen Kamera gefertigten Fotoaufnahmen - für Diagnose und Therapie - in der GOZ nicht enthalten sind. Der zahnärztliche Aufwand ist bei der zu wählenden Analogposition zu berücksichtigen.

 

Da diese hochwertige temporäre Langzeitversorgung sehr aufwendig ist, wurde eine Vereinbarung über die Höhe der Vergütung gemäß § 2 Abs. 1 und 2 der GOZ mit der Patientin im Rahmen der Kostenaufklärung besprochen. Eine nicht zu unterschätzende Facette dieser hochwertigen Ausführung ist, dass die Patienten auf eine weitere Versorgung mit definitiven Kronen zunächst verzichten könnten. Auch die Risiken der Nichterstattung für die analog zu berechnenden Leistungen wurden deutlich thematisiert. Die zahnärztliche Aufklärung mit den digitalen Visualisierungsmöglichkeiten gaben der Patientin eine gute Entscheidungshilfe, auch wenn die Erstattungsstelle möglicherweise eine Eigenbeteiligung vorsieht.

 

Die schriftliche Aufstellung eines Heil- und Kostenplans wird nach der GOZ-Nr. 0030 berechnet. Die Nr. 0030 ist neben der GOZ-Nr. 0040 (Aufstellung eines schriftlichen Heil- und Kostenplans bei kieferorthopädischer Behandlung oder bei funktionsanalytischen und funktionstherapeutischen Maßnahmen) nicht berechnungsfähig. Die Berechnung erfolgt bei zeitgleich geplanten ZE- und FAL/FTL-Leistungen nach der Nr. 0040.

Erläuterungen zur dritten Sitzung

Die Nr. 0080 (Oberflächenanästhesie) ist je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnungsfähig. Das verwendete Medikament ist nicht berechenbar. Diese Bestimmung betrifft jedoch nicht die Anwendung von Oraquix®. Das GOZ-Beratungsforum (BZÄK, PKV und Beihilfe) hat die Berechnungsfähigkeit dieses Materials im Zusammenhang mit der GOZ-Nr. 0080 konsentiert.

 

Wird die GOZ-Nr. 0090 mehr als einmal je Zahn berechnet (z. B. bei mehrfach nötiger Erst-Injektion), so ist diese Begründung in der Rechnung aufzuführen. Die tatsächlich verbrauchten Anästhesiemittel - je Karpule - für die GOZ-Nr. 0090 sind gemäß § 4 Abs. 3 GOZ berechnungsfähig.

 

Besondere Maßnahmen beim Präparieren oder Füllen von Kavitäten (GOZ-Nr. 2030) sind auch beim Beschleifen der Zähne zur Versorgung mit Zahnkronen berechenbar. Die Leistung ist je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnungsfähig. Der Leistungsinhalt muss grundsätzlich dokumentiert werden - z. B. und nicht abschließend: Separieren, Beseitigen störenden Zahnfleischs, Stillen einer übermäßigen Papillenblutung.

 

Das Entfernen der vorhandenen verblockten vollverblendeten Metallkeramikkronen ist nach der GOZ-Nr. 2290 je Krone und zusätzlich jeweils für die Trennstellen im Verblockungsbereich berechnungsfähig. Bei der Rechnungslegung sollte auf die zusätzlichen Trennstellen durch die Verblockung hingewiesen werden, um ggf. Nachfragen der Erstattungsstellen vorzubeugen. Der individuelle Steigerungsfaktor für diese Leistung ist durch die Begründung „extrem überdurchschnittliche Schwierigkeit bei der Entfernung der vorhandenen verblockten Kronen, wegen der Schichtstärke und dem erhöhten Materialverbrauch durch das besonders harte Material“ bis 3,5-fach anwendbar.

 

Die digitale intraorale Abformung nach der Vorpräparation für die CAD/CAM- gefertigte temporäre Langzeitversorgung wird nach der GOZ-Nr. 0065 je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnet. Da für die Artikulation eine Darstellung der Seitenzähne erforderlich ist, wird die GOZ-Nr. 0065 viermal berechnet.

 

Die temporäre Langzeitversorgung wird chairside in der Schleifeinheit gefertigt. Diese labortechnische Herstellung der Provisorien ist daher gemäß § 9 GOZ (Ersatz von Auslagen für zahntechnische Leistungen) berechnungsfähig. Da die Tragezeit für mindestens drei Monate konzipiert ist, fällt GOZ-Nr. 7080 je Zahn an. Folgende Leistungen sind in der GOZ-Nr. 7080 enthalten: die Vorpräparation, die Entfernung und die ggf. notwendige Wiedereingliederung (auch mehrmals). Nicht berechenbar im Zusammenhang mit den Leistungen nach GOZ-Nrn. 7080 und 7090 (je Brückenglied) sind die Teilleistungen nach den GOZ-Nrn. 2230, 2240, 5050 oder 5060.

 

Die Beseitigung der groben Vorkontakte der Okklusion und Artikulation durch das Einschleifen des natürlichen Gebisses oder bereits vorhandenen Zahnersatzes wird je Sitzung entsprechend der GOZ-Nr. 4040 berechnet.

 

HINWEIS FüR GKV-PATIENTEN | Eine Leistung nach der GOZ-Nr. 7080 ist mit GKV-Versicherten im Rahmen von gleich- oder andersartigem Zahnersatz oder als reine Privatleistung vereinbarungsfähig (Quelle: Schnittstellen zwischen BEMA und GOZ, KZBV, Stand 6/2015).

 

 

Weiterführende Hinweise

  • Beachten Sie zu dieser Thematik auch die Beiträge „Die verschiedenen Arten festsitzender Provisorien und deren Abrechnung“ in PA 09/2015, S. 3 ff., und „Langzeitprovisorien mit kürzerer Tragedauer analog berechnen?“ in PA 09/2012, S. 15.
Quelle: Ausgabe 03 / 2016 | Seite 6 | ID 43887636