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01.04.2006 | Werbungskosten oder Sonderausgaben

Die steuerliche Berücksichtigung von Aufwendungen für Aus- und Fortbildung

Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte Ende 2002 in einer Reihe von Urteilen Aufwendungen für fast alle Bildungsmaßnahmen als Werbungskosten anerkannt. Diese gravierende Änderung der Rechtsprechung hätte gewaltige Einnahmeausfälle für den Staat bedeutet. Der Gesetzgeber hat deshalb reagiert und die steuerliche Abzugsfähigkeit für Aus- und Fortbildungsaufwendungen neu geregelt und die günstige BFH-Rechtsprechung zumindest teilweise wieder zunichte gemacht. Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat inzwischen zu den Einzelheiten Stellung genommen (Schreiben vom 4.11.2005, Az: IV C 8 - S 2227 - 5/05; Abruf-Nr. 060052).

Aufwendungen für Bildungsmaßnahmen

Steuerlich werden Bildungsmaßnahmen in drei Gruppen eingeordnet:

Die Regelungen im Überblick
  • Ausbildung: Aufwendungen für die erstmalige Berufsausbildung und für ein Erststudium sind immer Ausbildungskosten. Sie sind als Sonderausgaben abziehbar (§ 10 Absatz 1 Nummer 7 Einkommensteuergesetz [EStG]). Der Abzug ist jedoch nur bis zu einem Höchstbetrag von jährlich 4.000 Euro möglich. Dieser Jahresbetrag wird auch dann nicht gekürzt, wenn sich die Ausbildung nicht über das ganze Jahr erstreckt.
  • Berufliche Fortbildung: Aufwendungen für berufliche Weiterbildungen, die Ihnen nach Abschluss der ersten Berufsausbildung oder eines Erststudiums entstehen, können Sie als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit bzw. als Betriebsausgaben bei den Einkünften aus selbstständiger Arbeit unbegrenzt abziehen.

    Wichtig: Voraussetzung für den Abzug ist, dass ein konkreter, objektiv feststellbarer Zusammenhang mit späteren Einnahmen besteht. Das gilt zum Beispiel bei einem Zweitstudium oder einer Umschulung, wenn Sie anschließend auch tatsächlich in dem neu erlernten Beruf arbeiten bzw. es zumindest nachweislich versuchen.

  • Private Fortbildung: Aufwendungen für Bildungsmaßnahmen, die überwiegend privat motiviert sind oder die Allgemeinbildung fördern, sind als Kosten der privaten Lebensführung nicht abzugsfähig (zum Beispiel ein Seniorenstudium oder der Fotokurs eines Zahnarztes).
    Erstmalige Berufsausbildung

    Als Berufsausbildung gilt jede berufliche Bildungsmaßnahme durch die die notwendigen fachlichen Fertigkeiten und Kenntnisse erworben werden, die zur Ausübung eines Berufes erforderlich sind. Voraussetzung ist, dass die Ausbildung im Rahmen eines geordneten Ausbildungsgangs erfolgt und mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Die Berufsausbildung ist erstmalig, wenn Sie vorher noch keine andere abgeschlossene Berufsausbildung bzw. ein abgeschlossenes Studium absolviert haben.

    Beachten Sie: Eine erstmalige Berufsausbildung liegt auch vor, wenn Sie bereits ohne entsprechende Berufsausbildung in einem Beruf arbeiten und die entsprechende Ausbildung später nachholen.

    Erststudium

    Ein Erststudium liegt vor, wenn kein anderes, durch einen berufsqualifizierenden Abschluss beendetes Studium vorangegangen ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Studium unmittelbar nach dem Abitur oder nach einer ersten anderen Berufsausbildung aufgenommen wird.

    Beispiel

    Max Müller hat nach dem Abitur eine Lehre als Bürokaufmann absolviert. Danach hat er ein BWL-Studium begonnen. Die Aufwendungen für das Studium kann er trotz bereits abgeschlossener Berufsausbildung nur als Sonderausgaben geltend machen, weil es sich um ein Erststudium handelt.

    Erstausbildung und Erststudium in einem Ausbildungsdienstverhältnis

    Aufwendungen im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses sind immer in vollem Umfang Werbungskosten, auch wenn es sich um ein Erststudium bzw. eine Erstausbildung handelt. Folge: Sie können Ihre Aufwendungen mit anderen positiven Einkünften verrechnen oder sie im Wege des Verlustabzugs Steuer mindernd geltend machen.

    Ausbildungsdienstverhältnisse liegen in folgenden Fällen vor:

  • Die Lehre in einem kaufmännischen, handwerklichen oder technischen Beruf
  • Das Studium an einer Berufsakademie in Verbindung mit einem Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen
  • Das Referendariat bei Lehramts- und Beamtenanwärtern
  • Das Referendariat bei Rechtsreferendaren
  • Die Beurlaubung zum Studium oder zur Promotion unter Fortzahlung der Bezüge

    Beachten Sie: Eine Freistellung von der Arbeit reicht nicht, um ein Ausbildungsdienstverhältnis anzunehmen. Wenn Sie die durch das Studium ausgefallenen Arbeitsstunden nacharbeiten müssen - wie dies häufig bei einem berufsintegrierten Studium der Fall ist - handelt es sich nicht um ein Ausbildungsdienstverhältnis.

    Besuch allgemeinbildender Schulen

    Aufwendungen für den Besuch einer allgemeinbildenden Schule können Sie als Sonderausgaben abziehen. Das gilt auch, wenn Sie den Abschluss (Abitur, Fachhochschulreife usw.) im Anschluss an eine abgeschlossene Berufsausbildung nachholen.

    Zweitstudium oder zweite Berufsausbildung

    Mit der zweiten Ausbildung müssen Sie nicht die in der ersten Ausbildung erworbenen Erkenntnisse vertiefen oder erweitern. Insoweit hat das BMF die positive BFH-Rechtssprechung umgesetzt und der geänderten Arbeitsmarktsituation Rechnung getragen.

    Aufwendungen für ein Zweitstudium können Sie als Werbungskosten geltend machen, wenn Sie bereits über einen berufsqualifizierenden Studienabschluss verfügen. Das erste Staatsexamen von Juristen und Lehrern gilt dabei als berufsqualifizierender Studienabschluss.

    Beispiel

    Frank Albert und Fritz Bauer studieren Lehramt. Gegen Ende des Studiums stellen beide fest, dass sie doch nicht als Lehrer arbeiten möchten. Herr Albert bricht das Studium sofort ab und schreibt sich für ein BWL-Studium ein. Herr Bauer absolviert noch das erste Staatsexamen und beginnt dann ein Elektrotechnik-Studium.

    Weil er keinen berufsqualifizierenden Studienabschluss vorweisen kann, gilt das BWL-Studium für Herrn Albert als Erststudium. Folge: Seine Aufwendungen kann er nur als Sonderausgaben geltend machen. Anders bei Herrn Bauer. Das erste Staatexamen gilt als berufsqualifizierender Studienabschluss. Er absolviert somit ein Zweitstudium und kann seine Aufwendungen als Werbungskosten geltend machen.

    Der Abschluss eines Bachelorstudiengangs stellt einen berufsqualifizierenden Studienabschluss dar. Ein Masterstudium ist somit ein Zweitstudium. Das gilt auch für den Master of Administration (MBA).

    Unser Tipp: Studieren Sie zwei Studiengänge parallel und schließen diese zu unterschiedlichen Zeiten ab, gilt nach Abschluss des ersten Studiengangs der zweite Studiengang als Zweitstudium. Folge: Ab diesem Zeitpunkt sind die Aufwendungen für das zweite Studium Werbungskosten

    Absolvieren Sie eine weitere Berufsausbildung, können Sie die Aufwendungen dafür in jedem Fall als Werbungskosten geltend machen. Aufwendungen für ein Erststudium nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung können Sie dagegen nur als Sonderausgaben geltend machen.

    Beispiel

    Lutz Groß und Helge Klein haben beide eine abgeschlossene Banklehre. Weil sie keine Arbeitstelle finden, beschließen sie, eine zweite Ausbildung zu absolvieren. Herr Groß beginnt ein VWL-Studium, während Herr Klein eine Ausbildung zum Berufspiloten beginnt. Herr Groß kann seine Aufwendungen nur als Sonderausgaben geltend machen, weil es sich um ein Erststudium handelt. Herr Klein kann Werbungskosten geltend machen.

    Eine Promotion bzw. ein Promotionsstudium wird in der Regel nach Abschluss eines Studiums absolviert. Daher können Sie die Aufwendungen dafür als Werbungskosten abziehen, wenn ein Zusammenhang zwischen Promotion und Ihrer späteren Berufstätigkeit gegeben ist.

    Beachten Sie: Es spielt keine Rolle, ob Sie die zweite Ausbildung unmittelbar an die Erstausbildung anschließen oder sie erst nach einer zwischenzeitlichen Berufstätigkeit aufnehmen.

    Beispiel

    Anke Schneider und Britta Müller haben beide ein abgeschlossenes Medizinstudium. Anke Schneider beschließt unmittelbar nach Abschluss des Studiums, doch lieber Lehrerin zu werden und beginnt ein Lehramtstudium. Britta Müller arbeitete einige Zeit als angestellte Ärztin bevor sie sich entschließt, noch Zahnmedizin zu studieren. Beide können ihre Aufwendungen für das zweite Studium (Lehramt bzw. Zahnmedizin) als Werbungskosten geltend machen.

    Welche Aufwendungen können geltend gemacht werden?

    Sämtliche durch die Fort- oder Ausbildung entstandenen Kosten können Sie steuerlich geltend machen. Bei der Ermittlung bestehen keine Unterschiede hinsichtlich des Abzugs als Werbungskosten oder Sonderausgaben. Der Sonderausgabenabzug ist lediglich auf 4.000 Euro beschränkt.

    In Frage kommen Aufwendungen für:

  • Fahrten zur regelmäßigen Ausbildungsstätte (Entfernungspauschale)
  • Lern- und Arbeitsmittel, Computer, Fachliteratur usw.
  • Typische Berufskleidung
  • Teilnahme- und Prüfungsgebühren
  • Studienreisen und Exkursionen
  • Ein häusliches Arbeitszimmer (bis zu 1.250 Euro)
  • Verpflegungsmehraufwand
  • Auswärtige Unterbringung

    Unser Tipp:Beim Sonderausgabenabzug können Sie die Aufwendungen für eine auswärtige Unterbringung auch dann abziehen, wenn Sie nicht die Voraussetzungen für eine doppelte Haushaltsführung erfüllen.

    Beispiel

    Knut Runde hat unmittelbar nach seinem Abitur ein Studium begonnen. Er wohnt noch bei seinen Eltern, hat aber am Studienort eine kleine Studentenbude. Weil er am Wohnort keinen eigenen Hausstand unterhält, erfüllt er nicht die Voraussetzungen für eine doppelte Haushaltsführung. Trotzdem kann er die Aufwendungen für die Studentenbude im Rahmen des Sonderausgabenabzugs berücksichtigen.

    Abwandlung: Herr Runde absolviert bereits ein Zweitstudium. Seine Aufwendungen dafür kann er als Werbungskosten geltend machen. Das gilt aber nicht für die Aufwendungen für die Studentenbude. Denn Herr Runde erfüllt nicht die Voraussetzung für eine doppelte Haushaltsführung.

    Steuerliche Auswirkungen

    Der Höchstbetrag für den Sonderausgabenabzug wurde mit 4.000 Euro im Vergleich zur Vorgängerregelung (920 Euro bzw. 1.227 Euro) deutlich erhöht. Davon können Sie aber nur profitieren, wenn Sie entsprechende Einkünfte erzielen. Ansonsten verpuffen die Kosten, weil Sonderausgaben nicht jahresübergreifend berücksichtigt werden. Aber auch beim Werbungskostenabzug müssen Sie zuerst den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 920 Euro überwinden, damit sich die Aufwendungen steuerlich auswirken. Beim Sonderausgabenabzug liegt diese Hürde nur bei 36 Euro.

    Unser Tipp: Lukrativ ist der erhöhte Sonderausgabenabzug für Ehepaare, wenn nur ein Ehepartner Einkünfte erzielt. Dann mindert das Studium des anderen Ehepartners das Gesamteinkommen um 4.000 Euro, wenn entsprechende Aufwendungen getätigt wurden.

    Abflussprinzip richtig nutzen

    Weil sich die Kosten steuerlich im Jahr der Zahlung auswirken, sollten Sie besonders beim Sonderausgabenabzug auf den Zeitpunkt der Zahlung achten und ihn gegebenenfalls verschieben.

    Beispiel 1

    Student Hans Fischer kann die Aufwendungen für sein Studium auf Grund eines lukrativen Nebenjobs als Sonderausgaben geltend machen. Ende 2005 erhält er eine Rechnung in Höhe von 800 Euro für sein letztes Repetitorium. Weil er 2005 bereits Aufwendungen in Höhe von 3.600 Euro hat, zahlt er 2005 nur einen Teilbetrag von 400 Euro. Die restlichen 400 Euro überweist er 2006.

    Beispiel 2

    Katrin Krüger wird im Frühjahr 2006 ihr (Erst-)Studium beenden. Zum 1. Juni 2006 hat sie bereits einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Mangels ausreichender Einkünfte konnte sie ihre Aufwendungen für das Studium bislang nicht als Sonderausgaben geltend machen. Alle Kosten im Zusammenhang mit dem Studium, die Frau Krüger erst im Jahr 2006 bezahlt, können sich 2006 im Rahmen des Sonderausgabenabzugs auswirken.

    Quelle: Seite 10 | ID 96513