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·Fachbeitrag ·Abrechnungswissen

Honorarpotenziale nutzen: Chairside-Leistungen kennen und richtig berechnen

von Anna Schmiedel, Dortmund, www.coaching-schmiedel.de

| Jede Praxis erbringt Chairside-Leistungen, doch werden sie oft nicht abgerechnet. Es handelt sich dabei um zahntechnische Leistungen, die im Eigenlabor oder am Behandlungsstuhl anfallen. Häufig kommt der Einwand: „Wir haben kein Eigenlabor, ich brauche daher keine zahntechnischen Leistungen abzurechnen!“ Das ist falsch! Zahntechnische Leistungen werden auch mitten in der Behandlung - direkt am Stuhl - erbracht. |

Was sind Chairside-Leistungen?

Alle Leistungen zahntechnischer Natur, die vom Zahnarzt bzw. der Zahnärztin oder ZFA erbracht werden und von der GOZ-Gebühr nicht erfasst sind, können zusätzlich als zahntechnische Leistung abgerechnet werden. Der Name ist aus dem Englischen (Stuhl: engl. „chair“) abgeleitet. Für die Abrechenbarkeit der Leistung ist es nicht entscheidend, ob die zahntechnischen Leistungen neben dem Patienten (am Behandlungsstuhl), im Behandlungszimmer nebenan oder im Praxislabor durchgeführt werden.

Warum ist es sinnvoll, Chairside-Leistungen zu berechnen?

Das GOZ-Honorar im durchschnittlichen Faktor deckt oft nicht den Stundensatz der Praxis. Neben den Möglichkeiten der Faktorsteigerung und der Honorarvereinbarung sollten auch die Chairside-Leistungen nicht außer Acht gelassen werden. Hier ist die Erstattungs-Situation für den Patienten aussichtsreicher als zum Beispiel bei der Honorarvereinbarung mit Faktoren über 3,5. Achten Sie darauf, dass Ihre Praxis wirtschaftlich arbeitet und dass die prothetische Arbeit verkäuflich ist! Selbstverständlich vergleicht der Patient die Preise. Mit einer guten Kalkulation werden Sie beide Kriterien im Blick behalten.

Wann Sie Chairside-Leistungen berechnen dürfen

Die Grundlage der Berechenbarkeit von Chairside-Leistungen bildet § 9 Abs. 1 der GOZ: „Neben den für die einzelnen zahnärztlichen Leistungen vorgesehenen Gebühren können als Auslagen die dem Zahnarzt tatsächlich entstandenen angemessenen Kosten für zahntechnische Leistungen berechnet werden, soweit diese Kosten nicht nach den Bestimmungen des Gebührenverzeichnisses mit den Gebühren abgegolten sind.“ Die wichtigsten Kriterien sind:

 

1. Die Leistung wurde tatsächlich erbracht

Machen Sie in der Praxis keine Standardabrechnung. Auch wenn Sie mit Leistungsketten arbeiten (die den Alltag sehr entlasten), muss immer gewährleistet sein, dass die einzelnen Leistungen erbracht wurden.

 

„Meine Chefin macht es immer so“ wird im Falle eines Rechtsstreits wenig hilfreich sein. Ihre Abrechnungsgrundlage sollte immer die Dokumentation in der Karteikarte sein. Sie ist als Urkunde ein gutes Beweismittel, falls Sie es einmal brauchen. Denken Sie daran, dass vor Gericht der Grundsatz gilt: „Nicht dokumentiert = nicht erbracht.“

 

2. Die Leistung ist angemessen

Angemessenheit bedeutet hierbei, dass die Kosten für zahntechnische Leistungen nach dem tatsächlichen betriebswirtschaftlichen Aufwand kalkuliert werden müssen. Orientieren Sie sich nicht an Kollegen vor Ort oder an Beträgen, die Sie mal auf einem Seminar gehört haben. Jede Praxis hat ihren eigenen Stundensatz und dieser kann stark von anderen abweichen.

 

3. Die Kosten sind nicht mit den GOZ-Gebühren abgegolten

Dazu ein Beispiel: GOZ-Nr. 5170 (Anatomische Abformung des Kiefers mit individuellem Löffel bei ungünstigen Zahnbogen- und Kieferformen und/oder tief ansetzenden Bändern oder spezielle Abformung zur Remontage, je Kiefer). Diese Leistung enthält die Abformung. Die Herstellung des Löffels wird zusätzlich berechnet. Es kann ein laborgefertigter Löffel oder ein individualisierter Konfektionslöffel sein. Der laborgefertigte Löffel wäre hierbei eine klassische Laborleistung, wobei das Individualisieren des Konfektionslöffels eine Chairside-Leistung darstellt.

 

Beachten Sie, dass Chairside-Leistungen nur dann berechnet werden können, wenn Sie das dazugehörige Honorar nach GOZ berechnen. Die folgende Grafik verdeutlicht die korrekte Vorgehensweise:

 

Welche Leistungen sind möglich?

In der folgenden Übersicht wird zunächst die BEB-Nummer und anschließend der Leistungsinhalt aufgeführt. Die rechte Spalte enthält Erläuterungen dazu, wie die Leistung erbracht wird bzw. was bei der Abrechnung zu berücksichtigen ist.

 

BEB-Nr.

Leistungsinhalt

Erläuterungen

BEB 0732

Desinfektion

Je Desinfektionsvorgang (z. B. Desinfektion der Abformung, später Desinfektion der fertigen ZE-Arbeit, die aus dem Labor kommt)

BEB 0801

Prothetische Planung

Modellanalyse und Planung der prothetischen Versorgung am Modell

BEB 0802

Prothetische Alternativplanung

Modellanalyse und Alternativ-Planung der prothetischen Versorgung am Modell

BEB 1019

Basis für neue Abdrucknahme vorbereiten

Säubern und Nacharbeiten eines individuellen Löffels oder Funktionslöffels zur erneuten Abdrucknahme

BEB 0706

Foto- oder Video-Dokumentation

Je Fall dürfen Sie einmal die BEB-Nr. 0706 berechnen.

BEB 0723

Zahnfarben-Bestimmung I

Nach Standard-Farbring

BEB 0724

Zahnfarben-Bestimmung II

Für eine Zahnfarbe, die nicht einem Konfektionsfarbmuster entspricht. Individuelle Zahnfarbe/Mischfarbe

BEB 1131

Kunststoffaufbau zur Bissfixierung

Auf vorhandenen Restzähnen, Implantaten, Kronen/Brücken oder Zahnersatz, je Abstützung

BEB 5401

Ätzen Keramik/gegossenes Glas

Die Verbundstelle zum natürlichen Zahn wird an vollkeramischen Inlays, Teilkronen, Kronen und Brückenankern vor dem Einsetzen bearbeitet (z. B. geätzt und silanisiert). Diese Leistung ist in der GOZ-Gebühr nicht abgegolten und wird als Chairside-Leistung berechnet.

BEB 5306

Konditionieren Keramik/gegossenes Glas

BEB 6482

Remontage Prothetik

Bei erneuter Bisslagenbestimmung nach gewisser Tragezeit der Prothese und Zurücksetzen der Modelle in Artikulator. Diese Leistung kann vom Zahntechniker oder vom Zahnarzt erbracht werden.

BEB 8123

Prothese säubern und polieren

Bei Neuanfertigungen ist diese Leistung ausgeschlossen. Wenn Sie z. B. während der PZR auch die Prothese reinigen, wird dies nach dieser BEB-Position berechnet.

BEB 0803

Prächirurgische Planung

Aufbereitung von EDV-Daten (z. B. DVT) für die chirurgische Planung und als Grundlage der Umsetzung für Implantate

BEB 0814

Modellanalyse für Implantologie

Achten Sie auf eine klare Abgrenzung der Leistung zur GOZ-Nr. 9000: Nach GOZ-Nr. 9000 ist die Analyse und Vermessung beschrieben, die BEB 0814 ff. ist für die präoperative Planung nach zahntechnisch-prothetischen Gesichtspunkten gedacht.

BEB 0815

Implantatachse und -ort festlegen

BEB 0816

Implantatachse und -ort mit Planungsprogramm festlegen

BEB 0817

Implantat-Abutment Auswahl

Auswählen des geeigneten Abutments für Implantat, je Implantat

BEB 1314

Korrektur von Bohrhülsen nach Diagnose

Bohrhülsen nach der Röntgen- oder CT-Aufnahme neu ausrichten,je Bohrhülse

BEB 0224

Modellimplantat repositionieren

Lagerichtiges Zurücksetzen des Laborimplantats in den Abdruck, je Pfeiler

 

Leistungen mit eigener BEB-Nummer

Für die folgenden Leistungen definieren Sie eine eigene BEB-

Nummer:

 

Leistung

Erläuterungen

Überarbeiten und Individualisieren des im direkten Verfahren erstellten Provisoriums

Kauflächengestaltung, Politur und Oberflächenversiegelung des Provisoriums

Umarbeitung einer vorhandenen Krone zum Langzeitprovisorium

Z. B. Trennspalt schließen, unterfüttern, gingival verlängern

Funktionswiederherstellung einer provisorischen Krone/eines Brückenpfeilers oder Inlays inklusive Reinigung und Desinfektion

Wird ein Provisorium nicht komplett neu gemacht, sondern repariert, kann dies in der GOZ nicht berechnet werden; nach BEB jedoch schon.

Mehraufwand Rohbrandeinprobe

Z. B. Entfernen von Zementresten von provisorischer Versorgung vor Wiedereingliederung nach Rohbrandeinprobe, Reinigung und Desinfektion des Provisoriums, ggf. kleine Reparaturen am Provisorium

Individualisieren eines konfektionierten Löffels

Z. B. Löffel verlängern, Stopps aus Silikon herstellen usw.

Bearbeiten des Präparationsstumpfs am Modell, je Präparationsstumpf

Bearbeitet der Behandler die Präparationsgrenze am Modell nach, ist es eine klassische Chairside-Leistung.

Umarbeiten einer vorhandenen Prothese zum individuellen Löffel/Funktionslöffel

Um z. B. den Herstellungsprozess des neuen Zahnersatzes zu verkürzen, wird für die Funktionsabformung die vorhandene Prothese verwendet, die entsprechend eingeschliffen wird, umgestaltet usw.

Ermitteln und Anzeichnen von Lippenschluss- und Lach-/Mittellinie

Fällt bei der Herstellung von totalem Zahnersatz häufig an.

Anpassen einer vorhandenen Prothese an inserierte Implantate, je Prothese

Z. B. direkt nach der Implantation wird die Prothese entsprechend im Bereich der Einheilkappen eingeschliffen.

Kamingestaltung im individuellen Löffel zur Implantatabformung

Für die geschraubte Abformung

Vorbereiten eines Inlays/einer Krone/eines Brückenankers zur Wiederbefestigung

Diese Leistung fällt bei jeder Wiederbefestigung an, z. B. für die Reinigung/Ausstrahlen, Politur usw.. Beachten Sie bei Vollkeramik-Versorgungen die BEB-Nr. 5306 (Keramik/gegossenes Glas konditionieren) und BEB-Nr. 5401 (Keramik/gegossenes Glas ätzen).

Bruch fixieren

Kommt der Patient mit einer gebrochenen Prothese in die Praxis und der Bruch muss vor der Abformung mit entsprechenden Materialien fixiert werden, ist das eine anrechnungsfähige Chairside-Leistung.

 

Prüfen Sie: Sind die Leistungen umsatzsteuerpflichtig?

Praxen, die ein Eigenlabor haben, sind in der Regel umsatzsteuerpflichtig. Diese Steuer muss dann auf die Chairside-Leistungen genauso wie auf die zahntechnischen Umsätze des Zahntechnikers aufgeschlagen werden. Für Praxen ohne Eigenlabor wird meistens die „Kleinunternehmer-Regelung“ greifen. Anspruch auf diesen Status haben Selbstständige, deren Umsatz mit umsatzsteuerpflichtigen Lieferungen und Leistungen im Vorjahr nicht über 17.500 Euro gelegen hat und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro betragen wird. Liegt Ihr Umsatz unter den angegebenen Beträgen, brauchen Sie nichts weiter zu unternehmen. Liegt er darüber, müssen Sie auch auf die Chairside-Leistungen 7 Prozent Mehrwertsteuer erheben.

 

Weiterführender Hinweis

  • Beachten Sie hierzu auch den Beitrag „Chairside gefertigte Teilkrone im Seitenzahnbereich: Vorgehensweise und Abrechnung“ in PA 10/2015, S. 5 ff.
Quelle: Ausgabe 01 / 2016 | Seite 5 | ID 43779820