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01.06.2007 | Abrechnung nach GOZ/GOÄ

Wichtiges Abrechnungswissen kompakt:Parodontalchirurgische Leistungen – Teil 1

Die Behandlung parodontaler Erkrankungen nimmt in der zahnärztlichen Praxis seit Jahren einen immer breiteren Raum ein. Das ist auch durchaus berechtigt, gehen doch nach wie vor weitaus mehr Zähne durch Parodontopathien als durch Kariesfolgen verloren. Der folgende Artikel befasst sich mit der korrekten Abrechnung derartiger Leistungen, erläutert Vorschriften und Einschränkungen und enthält zusätzlich auch den einen oder anderen Abrechnungstipp. 

Neun GOZ-Nummern zur Abrechnung parodontalchirurgischer Maßnahmen einschließlich Nachbehandlung

Zur Abrechnung parodontalchirurgischer Leistungen enthält die GOZ die folgenden neun Gebührennummern. Hinzu kommen einige Ziffern aus der GOÄ sowie vom Zahnarzt frei zu wählende Analogpositionen zur Berechnung neuartiger Verfahren, die erst nach Inkrafttreten der GOZ entwickelt wurden bzw. zur Praxisreife gelangt sind.  

 

Gerade bei der Behandlung von Parodontopathien spielen derartige Verfahren eine wichtige Rolle; erinnert sei nur an die gesteuerte Geweberegeneration mittels Membranen (GTR), an die diverseren lasergestützten Therapiemethoden sowie an die Anwendung von Schmelz-Matrix-Proteinen zur Induktion neuer parodontaler Gewebe. 

 

GOZ-Nr. 407 

Subgingivale Konkremententfernung, Wurzelglättung und Gingivakürettage als parodontalchirurgische Maßnahme, je Zahn 

GOZ-Nr. 408 

Gingivektomie, Gingivoplastik, je Parodontium 

GOZ-Nr. 409 

Lappenoperation, offene Kürettage, einschließlich Osteoplastik an einem Frontzahn, je Parodontium  

GOZ-Nr. 410 

Lappenoperation, offene Kürettage, einschließlich Osteoplastik an einem Seitenzahn, je Parodontium 

GOZ-Nr. 411 

Auffüllen parodontaler Knochendefekte mit autologem oder alloplastischem Material, je Zahn 

GOZ-Nr. 412 

Verlegen eines gestielten Schleimhautlappens, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich 

GOZ-Nr. 413 

Chirurgische Maßnahmen zur Verbreiterung der unverschieblichen Gingiva und/oder zur Vertiefung des Mundvorhofs, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich 

GOZ-Nr. 414 

Entnahme eines freien Schleimhauttransplantats 

GOZ-Nr. 415 

Nachbehandlung nach parodontalchirurgischen Maßnahmen nach den Nummern 407 bis 414, je Zahn 

Geschlossene Verfahren einschließlich Gingivektomie

Zur Abrechnung geschlossener parodontalchirurgischer Ma4ßnahmen bietet die GOZ nur zwei Gebührennummern an: die Nr. 407 für die geschlossene Kürettage und die Nr. 408 für die Gingivektomie bzw. Gingivoplastik. 

 

Geschlossene Kürettage: keine Unterscheidung nach Zahnart oder -lage

Die Abrechnung einer Kürettage mit Wurzelglättung ohne Aufklappung der Gingiva erfolgt je Zahn unter der GOZ-Nr. 407. Im Gegensatz zu den entsprechenden Bema-Nrn. P 200 und P 201 ist es unerheblich, ob der behandelte Zahn zum Front- oder Seitenzahnbereich gehört bzw. ob er ein- oder mehrwurzelig ist. Voraussetzung für die Berechnung ist lediglich, dass der Leistungsinhalt – Konkremententfernung, Wurzelglättung, Gingivakürettage – vollständig erbracht wird, wobei es selbstverständlich auf eine präzise und nachvollziehbare Dokumentation der durchgeführten Maßnahmen ankommt. 

 

Bei teilweiser Erbringung ohne Anästhesie ggf. Faktor senken

Die GOZ-Nr. 407 wird häufig in Kombination mit der Nr. 405 (Entfernung harter und weicher Zahnbeläge) für die Beseitigung subgingivaler Konkremente abgerechnet, ohne dass dabei eine Weichgewebskürettage erfolgt. In diesem Zusammenhang taucht immer wieder die Frage auf, inwieweit derartige Maßnahmen ohne Anästhesie durchführbar sind. Private Kostenerstatter lehnen nämlich häufig die Übernahme der Gebühren für die Nr. 407 mit dem Argument ab, ohne Anästhesie könne die Leistung nicht lege artis erbracht werden und sei daher auch nicht berechenbar.  

 

Diese Ansicht ist so pauschal nicht zutreffend. Unter Umständen kann eine Wurzelglättung oder Konkremententfernung an Zähnen zum Beispiel mit größeren Sondierungstiefen oder auch bei unempfindlichen Patienten ohne Lokalanästhesie erfolgen. Eine Konkremententfernung und eine damit verbundene Glättung der Wurzel ist „nur“ eine konservative PA-Behandlungsmaßnahme und keine chirurgische. Ein Musterschreiben hierzu finden Sie in „Privatliquidation aktuell“ Nr. 12/2006, S. 6. 

 

Wenn die in der GOZ-Nr. 407 aufgeführten Leistungsbestandteile vollständig erbracht wurden, kann die Gebührenposition auch in vollem Umfang berechnet werden. Wurden in der Behandlung nur Teilleistungen des Gebühreninhalts erbracht, sollte die Gebühr mit reduziertem Steigerungsfaktor berechnet werden. Hierzu die Stellungnahme der Bundeszahnärztekammer: „Subgingivale Zahnreinigungsmaßnahmen können nach GOZ-Nr. 407 berechnet werden. Werden nur einzelne der in Nr. 407 beschriebenen Leistungen durchgeführt, so ist dies bei der Bemessung des Steigerungsfaktors zu berücksichtigen.“ Der Faktor sollte dann entsprechend dem erbrachten Umfang der Leistung angepasst werden.  

 

Es empfiehlt sich, die nur teilweise Erbringung der in der Leistungsbeschreibung aufgeführten Maßnahmen in der Liquidation zu vermerken bzw. diese mit Hinweisen wie zum Beispiel „Deep Scaling“, „Root planing“ usw. zu versehen. 

 

Aufteilung in mehrere Schritte erlaubt keine Doppelberechnung

Wird die Behandlung auf einzelne, in getrennten Sitzungen durchgeführte Schritte aufgeteilt, etwa die vollständige Konkremententfernung in der ersten und die Gingivakürettage mit Wurzelglättung in der zweiten Sitzung, so kann die GOZ-Nr. 407 nach Maßgabe der Rechtsprechung des Amtsgerichts Burgwedel (Urteil vom 21. Februar 2002, Az: 73 C 45/01) je Zahn nur einmal – und zwar in der zweiten Sitzung – berechnet werden. Hierzu das Amtsgericht wie folgt: „Eine Aufteilung der in der Leistungsbeschreibung der Gebührennummer 407 enthaltenen Therapiemaßnahmen in zwei zeitlich voneinander getrennte Behandlungsschritte erlaubt nicht die zweimalige Abrechnung der Gebührennummer 407.“ Wird die GOZ -Nr. 407 allerdings im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung und nachfolgend bei einer PAR-Therapie erbracht, ist eine zweimalige Berechnung mit jeweils angepasstem Steigerungsfaktor denkbar, sofern die Maßnahmen ortsgetrennt (in unterschiedlich – tiefen – Bereichen) erbracht werden. 

 

Nicht neben Nr. 402, wohl aber neben Einschleifmaßnahmen berechenbar

Für Zähne, bei denen eine offene Kürettage durchgeführt wird, kann in derselben Sitzung nicht die GOZ-Nr. 402 (Lokalbehandlung von Mundschleimhauterkrankungen) berechnet werden. Dies gilt auch, wenn nach dem Eingriff eine Heilsalbe aufgebracht wird, da diese Maßnahme Teil der primären Wundversorgung und als solche im Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 407 eingeschlossen ist. Dagegen können Einschleifmaßnahmen nach den GOZ-Nrn. 403 und 404 ohne Weiteres zeit- und ortsgleich neben der GOZ-Nr. 407 berechnet werden. 

 

Dabei gilt, dass die Nr. 404 für gröbere Schleifkorrekturen zum Okklusionsausgleich berechnet wird, und zwar einmal je Sitzung. Dagegen umfasst die Nr. 403, die je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich und somit höchstens viermal pro Sitzung ansatzfähig ist, die Beseitigung störender Zahnkanten und anderer parodontaler Reizfaktoren. Systematische subtraktive Maßnahmen fallen schließlich unter die GOZ-Nr. 810, die je Antagonistenpaar und maximal fünfmal je Sitzung berechenbar ist. Die GOZ-Nrn. 404 und 810 schließen sich somit auch am selben Zahn nicht gegenseitig aus, wenn die jeweiligen Leistungen ortsgetrennt erbracht werden. 

 

GOZ-Nr. 408 für Gingivektomie oder Gingivoplastik

Unter der GOZ-Nr. 408 werden zwei unterschiedliche Leistungen zusammengefasst, die beide im Abtragen überschüssiger Gingiva bestehen. Während bei der Gingivektomie jedoch die eine Zahnfleischtasche begrenzende, nicht angewachsene Gingiva exzidiert wird, stellt die Gingivoplastik einen modellierenden Eingriff zur Optimierung des Zahnfleischverlaufs dar, der hauptsächlich bei hyperplastischen Veränderungen zum Einsatz kommt. Die Abrechnung erfolgt in jedem Fall pro Parodontium. Eine Anästhesie ist normalerweise unentbehrlich. 

 

GOZ-Nr. 408 auch neben konservierenden oder prothetischen Leistungen berechenbar

Da die Bezeichnung „Gingivektomie“ wörtlich übersetzt lediglich „Zahnfleischentfernung“ bedeutet, kann die Nr. 408 auch dann berechnet werden, wenn Gingiva im Rahmen einer konservierenden oder prothetischen Behandlung – beispielsweise im Zusammenhang mit einer Kronenpräparation – beseitigt wird. Diese Abrechnungsweise wird von der Bundeszahnärztekammer in einer Stellungnahme ausdrücklich bestätigt: „Der Einsatz elektrochirurgischer Maßnahmen am Parodontium in Verbindung mit prothetischen oder konservierenden Maßnahmen ist nach GOZ-Nr. 408 GOZ berechnungsfähig.“ Hierbei ist zwar ausdrücklich von „elektrochirurgischen Maßnahmen“ die Rede, eine Abrechnung unter der Nr. 408 kommt jedoch auch bei Verwendung eines herkömmlichen Skalpells in Betracht. Entscheidend ist lediglich, dass tatsächlich eine Gingivektomie erfolgt.  

 

Eine andere Möglichkeit, das Entfernen überschüssiger Schleimhaut zu berechnen, besteht in der Heranziehung der GOZ-Nr. 307 (Exzision von Schleimhaut oder Granulationsgewebe), die im Vergleich mit der Nr. 408 exakt gleich hoch bewertet ist. Während die Nr. 307 jedoch nur einmal je zusammenhängendes Operationsgebiet ansatzfähig ist, kann die Nr. 408 ausdrücklich je Parodontium abgerechnet werden. Dabei bedeutet „je Parodontium“ nicht zwangsläufig „je Zahn“, denn die Entfernung zweier gewucherter Papillen mesial und distal eines Zahnes betrifft eindeutig zwei Parodontien und rechtfertigt mithin den zweimaligen Ansatz der Nr. 408. 

 

GOZ-Nrn. 407 und 408 nicht neben offenen Verfahren abrechenbar

Wird an einem Zahn ein offener parodontalchirurgischer Eingriff durchgeführt, so berechnet man diesen unter der GOZ-Nr. 409 bzw. Nr. 410 (Näheres hierzu in der nächsten Ausgabe). In diesem Fall scheidet der gleichzeitige Ansatz der GOZ-Nrn. 407 oder 408 aus. Erstaunlicherweise ist dem eigentlich selbstverständlichen Verbot der Nebeneinanderberechnung in der GOZ eine eigene Abrechnungsbestimmung gewidmet: „Neben den Leistungen nach den Nummern 409 und 410 sind Leistungen nach den Nummern 405 bis 408 in der gleichen Sitzung nicht berechnungsfähig.“  

 

In Einzelfällen ist es aber durchaus möglich, an einem Zahn, an dem eine geschlossene Parodontalbehandlung erfolgt ist, in einer späteren Sitzung einen offenen Eingriff vorzunehmen und diesen dann nach der Nr. 409 bzw. Nr. 410 abzurechnen. 

 

Temporäre Schienung zusätzlich berechenbar

Werden die Zähne im Anschluss an einen geschlossenen parodontalchirurgischen Eingriff temporär geschient, so kann dies zusätzlich berechnet werden. Je nach Art der Schienung kommen hierfür die GOZ-Nr. 707 (Semipermanente Schienung unter Anwendung der Ätztechnik) oder die GOÄ-Nr. 2697 (Anlegen von Drahtligaturen, Drahthäkchen oder dergleichen) in Betracht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die GOZ-Nr. 707 je Interdentalraum, die GOÄ-Nr. 2697 jedoch nur je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich und damit höchstens zweimal je Kiefer ansatzfähig ist. 

 

In der nächsten Ausgabe von „Privatliquidation aktuell“ setzen wir den Beitrag mit der Besprechung offener parodontalchirurgischer Eingriffe fort. 

Quelle: Ausgabe 06 / 2007 | Seite 11 | ID 109914