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01.08.2007 | Abrechnung nach GOZ/GOÄ

Wichtiges Abrechnungswissen kompakt: Die Abrechnung von Einzelkronen

Die Überkronung einzelner Zähne ist in den meisten zahnärztlichen Praxen eine sehr häufig durchgeführte Maßnahme. Was es dabei abrechnungstechnisch zu beachten gilt, welche Einschränkungen bestehen und welche Möglichkeiten sich eröffnen, ist Gegenstand des nachfolgenden Beitrags. Dabei gehen wir auch auf die zugehörigen Provisorien ein. 

 

Für die Überkronung eines einzelnen Zahnes und die zwischenzeitliche provisorische Versorgung sieht die GOZ folgende sechs Gebührennummern vor: 

 

Übersicht Gebührennummern für Einzelkronen und Provisorien

GOZ-Nr. 220 

Versorgung eines Zahnes oder Implantats durch eine Vollkrone (Tangentialpräparation) 

GOZ-Nr. 221 

Versorgung eines Zahnes durch eine Vollkrone (Hohlkehl- oder Stufenpräparation) 

GOZ-Nr. 222 

Versorgung eines Zahnes durch eine Teilkrone mit Retentionsrillen oder –kasten oder mit Pinledges einschließlich Rekonstruktion der gesamten Kaufläche 

GOZ-Nr.226 

Schutz eines präparierten oder frakturierten Zahnes durch eine abnehmbare konfektionierte Hülse 

GOZ-Nr. 227 

Eingliederung einer provisorischen Krone zum Schutz eines präparierten oder frakturierten Zahnes und zur Sicherung der Kaufunktion, einschließlich Entfernung 

GOZ-Nr. 228 

Eingliederung einer provisorischen Krone mit Stiftverankerung zum Schutz eines präparierten oder frakturierten Zahnes und zur Sicherung der Kaufunktion, einschließlich Entfernung 

 

Das zahnärztliche Honorar für eine Krone ist eine Komplexgebühr für eine Vielzahl von Leistungen (zum Beispiel Präparation, Relationsbestimmung, Abformungen, Einprobe, definitives Einzementieren und ggf. Nachkontrollen) und wird erst mit dem festen Einfügen fällig. Dagegen rechnet man die Gebühr für die provisorische Versorgung unter dem Datum ab, zu dem das Provisorium eingegliedert wird. Das ist in der Regel in der Präparationssitzung der Fall. 

Abrechnung definitiver Kronen

Abgrenzung zwischen Kronen nach den GOZ-Nrn. 220 ff. bzw. 500 ff.

Die Gebührennummern für Einzelkronen und die zwischenzeitlich erforderlichen provisorischen Kronen finden sich in der GOZ im Abschnitt „C – konservierende Leistungen“. Sofern folgende drei Bedingungen erfüllt sind, wird eine Krone unter einer der GOZ-Nrn. 500 bis 502 abgerechnet: 

 

  • wenn sie Teil einer Brücke ist und direkt an ein Brückenglied angrenzt
  • wenn sie unmittelbar an einen Steg nach der GOZ-Nr. 507 angrenzt
  • wenn sie Träger einer Verbindungsvorrichtung nach der GOZ-Nr. 508 ist.

 

Alle anderen Kronen, also auch miteinander verblockte und solche, die zwar im Brückenverband stehen, aber nicht an eine Spanne angrenzen, zählen abrechnungstechnisch als Einzelkronen. Das ist auch insofern von Bedeutung, als Einzelkronen nach den GOZ-Nrn. 220 ff. deutlich höher bewertet sind als „Brücken- und Prothesenkronen“ nach den GOZ-Nrn. 500 ff. 

 

Abgrenzung zwischen provisorischen Kronen nach den GOZ-Nrn. 226 ff. und Kronen nach GOZ-Nrn. 512 ff.

Die gleiche Abgrenzung wie oben gilt im Grunde auch für provisorische Kronen. Ausschließlich solche Kronen, die unmittelbar an eine provisorische Brückenspanne angrenzen, verlangen zwingend eine Abrechnung nach der GOZ-Nr. 512 bzw. 513. Alle anderen – auch solche, bei denen die definitiven Kronen ein Verbindungselement nach Nr. 508 aufweisen – rechnet man unter den GOZ-Nrn. 226 ff. ab. 

 

Weist daher die distale von zwei verblockten Kronen (mit Hohlkehlpräparation) ein Geschiebe auf, rechnet man sie unter der GOZ-Nr. 501 ab, während die zweite unter die GOZ-Nr. 221 fällt. Die beiden provisorischen Kronen werden dagegen einheitlich nach der GOZ-Nr. 227 berechnet. 

 

Maßgeblich ist die Präparationsform

Im Gegensatz zur Kassenabrechnung nach Bema, wo Kronen nach ihrer Ausführungsform eingeteilt werden, ist in der Privatabrechnung nach GOZ die Präparationsform maßgeblich. Erfolgt diese lediglich tangential, so fällt die Krone unter die GOZ-Nr. 220. Wird dagegen eine definierte Hohlkehle oder Stufe angelegt, berechnet man sie unter der GOZ-Nr. 221. Da die Tangentialpräparation nur in seltenen Ausnahmefällen angezeigt ist, ist für die meisten Einzelkronen die Nr. 221 zutreffend. Ob eine Hohlkehl- oder Stufenpräparation supra- oder supgingival verläuft, spielt dagegen keine Rolle. 

 

Verblendung rechtfertigt höheren Steigerungssatz

In der Leistungsbeschreibung der GOZ-Nrn. 220 und 221 ist lediglich von einer Vollkrone – also einer Krone, die den präparierten Zahnstumpf alleitig umfasst – die Rede. Insofern sind auch alle Arten von Verblendkronen eingeschlossen. Nun ist aber unstrittig, dass die Versorgung eines Zahnes mit einer vestibulär oder voll verblendeten Krone einen erheblich höheren behandlerischen Aufwand erfordert. Dieser kann nur durch Ansatz eines erhöhten Gebührensatzes geltend gemacht werden.  

 

Die Rechtmäßigkeit einer solchen Berechnungsweise hat höchstinstanzlich das Bundesverwaltungsgericht bestätigt. In dessen Urteil vom 17. Februar 1994 (Az: 2 C 12.93) heißt es: „Die Ausführung von Verblendkronen stellt gegenüber den von der Regelspanne bis zum 2,3-fachen Gebührensatz erfassten Fällen, die auch nicht verblendete Kronen umfassen, im Hinblick auf Schwierigkeit und Zeitaufwand einen besonderen Fall dar, der jedenfalls eine Überschreitung des Schwellenwertes von 2,3 rechtfertigt und im Einzelfall sogar den Höchstsatz von 3,5 rechtfertigen kann.“ 

 

Implantatgetragene Kronen: Präparationsart ist ebenfalls entscheidend

Wird nicht ein natürlicher Zahn, sondern ein Implantat mit einer Krone versehen, so ist diese (als Einzelkrone) grundsätzlich unter der GOZ- Nr. 220 abzurechnen, da allein deren Leistungsbeschreibung das Wort „Implantat“ enthält. Das gilt allerdings nur, wenn die Krone auf den konfektionierten – ggf. individualisierten – Implantatkopf aufgesetzt wird. Wird dieser jedoch wie ein natürlicher Zahn mit einer Hohlkehl- oder Stufenpräparation versehen, so fällt die Krone unter die GOZ-Nr. 221. 

 

Hierzu folgende Stellungnahme der Bundeszahnärztekammer: „Die Frage, ob die GOZ-Nrn. 220 bzw. 500 oder die GOZ-Nrn. 221 und 501 zugrunde gelegt werden können, ist danach zu beantworten, welche Eingliederung vorgenommen wird. Bei konfektionierten Systemen kommen die GOZ-Nrn. 220 und 500 in Frage. Wenn am Implantatpfeiler eine Präparation in Form einer Hohlkehle oder Stufe erfolgt, kann nach dem Leistungsinhalt der GOZ-Nrn. 221 und 501 berechnet werden.“ 

 

Auch Verschraubung einer Krone rechtfertigt höheren Steigerungsfaktor

Immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen ist die Frage, ob für die Verschraubung einer implantatgetragenen Krone die GOZ-Nr. 508 (Verbindungselement) angesetzt werden kann. Auch hierzu existiert eine Stellungnahme der Bundeszahnärztekammer: „Bei verschraubten Kronen ist die GOZ-Nr. 508 in Verbindung mit der GOZ-Nr. 220/500 nicht berechnungsfähig, da die Befestigung einer Krone im Zusammenhang mit deren Eingliederung mit der Gebühr für die Krone abgegolten ist (§ 4 Abs. 2 GOZ). Diese Leistung kann nur über einen erhöhten Steigerungssatz/Vergütungsvereinbarung berücksichtigt werden.“ 

 

Dagegen vertreten implantologische Fachverbände mehrheitlich die Auffassung, der Ansatz der GOZ-Nr. 508 sei in derartigen Fällen ohne Einschränkung möglich.  

 

Aus gebührentechnischer Sicht ist anzumerken, dass die Nr. 508 eine ergänzende Gebührenposition zu den Nrn. 500 ff. darstellt, so dass eine verschraubte Krone bei Ansatz der Nr. 508 eigentlich nicht unter einer der Nrn. 220 oder 221 berechnet werden kann. 

 

Zu dieser Streitfrage existiert ein Urteil des Amtsgerichts Bergisch-Gladbach vom 27. Mai 1999 (Az: 24 C 140/97), in dessen Begründung es heißt: „Die Gebührennummer 508 ist nicht berechenbar für die intrakoronale Verschraubung von Implantaten. Das Befestigen der Ankerkrone auf den Implantatkörper ist nach Auffassung des Gerichtes gemäß § 4 Abs. 2 Bestandteil der GOZ-Nr. 500. Auch wenn das Verschrauben im Vergleich mit dem Zementieren einer Krone die höherwertige und zeitaufwendigere Methode darstellt, so berechtigt dies jedoch nicht zum Abrechnen einer separaten Leistung.“ Das Gericht bestätigt damit die Auffassung der Bundeszahnärztekammer. 

 

GOZ-Nr. 222: Teilkronen

Eine Krone, die den beschliffenen Zahn nicht vollständig umfasst und nur dessen Oral- sowie die Kaufläche bedeckt, gilt als Teilkrone und wird unter der GOZ-Nr. 222 abgerechnet. Hierbei kommt es in Bezug auf die Begriffsdefinition immer wieder zu Überschneidungen mit ausgedehnten Inlays oder Onlays. Maßgeblich ist der Leistungstext, wonach durch eine Teilkrone die „gesamte Kaufläche“ rekonstruiert werden muss.  

Abrechnung provisorischer Kronen

Herstellung einer provisorischen Krone ist zahntechnische Leistung

Bei den provisorischen Kronen unterscheidet die GOZ konfektionierte Hülsen (Nr. 226), individuell angefertigte Provisorien (Nr. 227) und solche, die mit einem Stift im Wurzelkanal verankert werden (Nr. 228). Die Kosten für die konfektionierte Hülse (Nr. 226) sind gesondert berechnungsfähig. 

 

Im Leistungstext der GOZ-Nrn. 227 und 228 ist allerdings nur von der Eingliederung, nicht jedoch von der Herstellung einer provisorischen Krone die Rede. Es ist daher möglich, für deren Anfertigung eine zahntechnische Gebühr zu berechnen. Zutreffend ist hier die BEB-Nr. 1401 („Provisorische Krone, Brückenglied, Stiftzahn, Onlay, Inlay aus Kunststoff“). Dies bestätigt auch die Bundeszahnärztekammer: „Die Herstellung von provisorischen Kronen aus Kunststoff kann als zahntechnische Leistung (§ 9 GOZ) zusätzlich zum Zahnarzthonorar berechnet werden.“ 

 

Abnahme und Wiederbefestigung ist nur im Notdienst berechenbar

Wird ein Provisorium im Zuge der Behandlung abgenommen und wiederbefestigt, so ist diese Maßnahme im Leistungsumfang enthalten und nicht gesondert berechenbar (bei wiederholtem Wiederbefestigen ist allenfalls eine Erhöhung des Gebührensatzes möglich). Eine Ausnahme von dieser Regel besteht nur, wenn die Wiederbefestigung im Not- oder Bereitschaftsdienst erfolgt. Auch hierzu hat sich die BZÄK geäußert: „Die zahnärztliche Leistung für die Wiedereingliederung einer provisorischen Krone durch einen anderen Behandler im Notdienst/Vertretung löst nach entsprechender Aufklärung eine Gebühr nach den GOZ-Nrn. 227/228/512/514 aus, ansonsten wäre sie kostenfrei vom behandelnden Zahnarzt zu erbringen.“ 

 

Erneutes Wiedereingliedern einer provisorischen Hülse: GOZ-Nr. 226

Da man einen Zahn nach Abnahme der Hülse durch Wiedereinsetzen derselben erneut schützt, kann man dafür ein zweites Mal die Nr. 226 berechnen. Hierzu wiederum die BZÄK: „Das Wiedereingliedern einer provisorischen Hülse löst erneut die GOZ-Nr. 226 aus, allerdings ohne Materialkosten.“ 

 

Quelle: Ausgabe 08 / 2007 | Seite 11 | ID 110126