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05.03.2010 |Abrechnung nach GOZ/GOÄ

Abrechnungsoptionen bei Keramik-Veneers

Während ursprünglich primär ästhetische Indikationen im Vordergrund standen, ist in den letzten Jahren zusätzlich die Behandlung mit Keramik-Veneers im Rahmen von restaurativen und dauerhaft funktionskorrigierenden Indikationen hinzugekommen. Keramik-Veneers können heute hauchdünn hergestellt werden und bieten optimale Eigenschaften für Lichtbrechung und farbliche Individualisierung. Die Behandlung mit Keramik-Veneers oder einer Teilkrone wird als minimalinvasiv bezeichnet, sie ist farblich brillianter und kann parodontal atraumatischer erfolgen. Dieser Beitrag zeigt die bestehenden Abrechnungsmöglichkeiten für Keramik-Veneers je nach Indikation auf. 

Veneer als medizinisch notwendige Leistung

Der Einsatzrahmen von Veneers geht inzwischen über die rein ästhetische Korrektur hinaus und erstreckt sich auf Indikationen wie zum Beispiel Schneidekantenfrakturen, kariöse Läsionen oder funktionskorrigierende, restaurative Maßnahmen.  

 

Veneers werden inzwischen in allen Untersuchungen beste Langzeitresultate und eine gute Stabilität bescheinigt. Die klinischen Bewertungen veranlasste die DGZMK, Keramik-Veneers als wissenschaftlich anerkannte Therapieform zu bezeichnen. Laut ihrer Stellungnahme umfasst die Indikation des Keramik-Veneers die Versorgung im anterioren Bereich zum Beispiel bei  

 

1. Zahnverfärbungen
2. Formanomalien (kegelförmige Zähne, Mikrodontie)
3. Struktur- und Oberflächenanomalien (z.B. Scheidekantenfrakturen)
4. Geringgradigen Zahnfehlstellungen
5. Diastemata
6. mangelnder oder fehlender Frontzahnführung

 

Nach Aussage der DGZMK kann „die labiale Verblendung anteriorer Zähne mit einem Keramik-Veneer ... heute als wissenschaftlich anerkannte definitive Restaurationsart bezeichnet werden“. Werden defektbezogen die Schneidekante und/oder die Approximalbereiche ganz oder teilweise in die Präparation einbezogen, handelt es sich nach Auffassung der DGZMK um eine Teilkrone.  

 

Folgende Urteile haben die Abrechnung als Folge einer medizinischen Notwendigkeit bestätigt: 

 

Nach einem Urteil des Amtsgerichts (AG) Frankfurt vom 6. Juni 2002 (Az: 29 C 2794/99-11) sind Veneers als medizinisch notwendige, wissenschaftlich anerkannte und erprobte Versorgung von Privatversicherungen zu erstatten. Im verhandelten Fall entschied das Gericht, dass es sich bei der Versorgung mit Veneers  

 

  • erstens um notwendige Maßnahmen und
  • zweitens um konservierende Leistungen und nicht um Zahnersatz handelt.

 

Als Konsequenz daraus waren die Veneers als konservierende Maßnahme von der Versicherung zu 100 Prozent zu erstatten. 

 

Auch das AG Westerburg erkannte mit seiner Entscheidung vom 29. September 2001 (Az: 23 C 1605/99) die medizinische Notwendigkeit von Veneers, Empress-Teilkronen und Galvanokronen an. Nach den Feststellungen des Sachverständigen wurden mit der Versorgung ein Bisshöhenausgleich, eine Bissfixierung und der Aufbau einer neuen Fronteckzahnführung vorgenommen. Die Kopf- und Gelenkbeschwerden des Patienten konnten mit der Versorgung beseitigt werden. Die Behandlung war nicht als rein ästhetisch anzusehen. 

 

Nach Auffassung des Landgerichts Saarbrücken im Urteil vom 5. Dezember 2001 (Az: 12 0 319/99) ist eine Heilbehandlung im Sinne des Versicherungsvertragsgesetzes und der Versicherungsbedingungen dann medizinisch notwendig, wenn es nach objektiv medizinischen Befunden und Erkenntnissen zum Zeitpunkt der Vornahme der ärztlichen Maßnahme vertretbar ist, sie als notwendig anzusehen. Die private Krankenversicherung hatte die Kostenübernahme verweigert und begründete dies damit, dass die geplante Behandlung medizinisch nicht notwendig und als Luxusbehandlung anzusehen sei. Das Gericht entschied jedoch, dass die Versicherung 80 Prozent der bereits angefallenen und beabsichtigten Behandlungskosten erstatten musste. 

Berechnung der Verblendschalen

Die Versorgung mit Veneers ist eine Therapieform, die nicht Bestandteil der vertragszahnärztlichen Versorgung ist. Auch in der GOZ bzw. GOÄ sind keine Gebührenpositionen für die Berechnung von Veneers enthalten. Die Berechnung von Keramik-Veneers ist jeweils abhängig von der Indikation.  

 

Berechnung von Veneers als medizinisch notwendige Leistung

Sind Veneers als solche auch grundsätzlich keine nach 1988 entwickelte Behandlungsmaßnahme, so erfolgt die Berechnung dennoch als Analogleistung, da es sich heute i.d.R. um dentin-adhäsive Verfahren handelt, die erst nach Inkrafttreten der GOZ zur Praxisreife gelangten. Im Rahmen der Analogie muss für diese Leistung im vorhandenen Gebührenverzeichnis der GOZ eine nach Art, Kosten- und Zeitaufwand vergleichbare Leistung herangezogen werden, die immer praxisindividuell zu kalkulieren ist. Verschiedene Zahnärztekammern empfehlen etwa die GOZ-Nr. 222 (Versorgung eines Zahnes durch eine Teilkrone mit Retentionsrillen oder -kasten oder mit Pinledges einschließlich Rekonstruktion der gesamten Kaufläche). Natürlich ist es dem Behandler freigestellt, eine andere Analoggebühr heranzuziehen. 

 

Obwohl die Maßnahmen bei medizinischer Notwendigkeit nicht schriftlich vereinbart werden müssen, ist es gleichwohl empfehlenswert, dem Patienten vor Beginn der Behandlung einen Heil- und Kostenplan (HKP) auszuhändigen, damit er rechtzeitig die Erstattung der Leistung mit seiner Krankenversicherung abklären kann. Der HKP könnte wie folgt aussehen: 

 

Beispiel: Privat-HKP bei Analogberechnung eines vollkeramisches Veneers

Sehr geehrte Frau Muster, 

 

für die bei Ihnen geplante vollkeramische Verblendschale haben wir nachfolgend die zu erwartenden Kosten zusammengestellt: 

 

Heil- und Kostenplan 

Zahn 

Position 

Anz. 

Leistungsbeschreibung 

Einfach 

Faktor 

Gesamt 

 

Ä3 

Eingehende Beratung 

 

 

 

 

Ä5 

Symptombezogene Untersuchung 

 

 

 

 

002 

Heil- und Kostenplan 

 

 

 

 

006 

Abformung beider Kiefer 

 

 

 

11 

009 

Intraorale Infiltrationsanästhesie 

 

 

 

11 

203 

besondere Maßnahmen beim Präparieren 

 

 

 

11 

227 

Eingliederung einer provisorischen Krone 

 

 

 

11 

222 

Versorgung eines Zahnes mit einer vollkeramischen Verblendschale als minimalinvasive zahnsubstanzschonende Restauration, entsprechend (§ 6 Abs. 2 GOZ) Teilkrone 

 

 

 

Voraussichtliches zahnärztliches Honorar 

 

Geschätzte Material- und Laborkosten 

 

Voraussichtliche Gesamtkosten 

 

 

Art und Umfang der geplanten Behandlung wurden nach den vorliegenden Unterlagen erstellt. Erschwerte Umstände, ein erhöhter Zeitaufwand oder eine erhöhte Schwierigkeit sowie zusätzlich notwendige Leistungen, die sich während der Behandlung ergeben, werden gesondert in Rechnung gestellt. 

 

Das aufgeführte Honorar kann nur ein Schätzwert sein, da der jeweilige Steigerungssatz der einzelnen Leistungen erst bei der Behandlung definitiv festgesetzt werden kann. Die ergänzend notwendigen konservierenden und chirurgischen Leistungen werden gesondert berechnet. Eine Erstattung von gesetzlichen Krankenkassen, privaten Versicherungen oder Beihilfestellen kann nicht gewährleistet werden. 

 

Als weitere fakultative Leistungen können zum Beispiel anfallen bzw. berechnet werden: 

 

  • GOZ-Nr. 404: Beseitigung grober Vorkontakte der Okklusion
  • GOZ-Nr. 517: Individueller Löffel
  • GOZ-Nr. 801: Registrieren der gelenkbezüglichen Zentrallage
  • GOZ-Nr. 802: Modellmontage nach arbiträrer Scharnierachsbestimmung
  • GOZ-Nr 804: Montage des Gegenkiefermodells

 

Als zusätzliche Materialkosten sind die Abformmaterialien berechenbar. Zudem können etwa folgende zahntechnische Leistungen anfallen: 

 

Zahntechnische Leistungen nach BEB 97 (fakultativ)

Zahl 

L-Nr. 

Bezeichnung 

 

0002 

Modell aus Superhartgips 

 

0021 

Modell für Sägesegmente 

 

0104 

Stumpf aus Superhartgips 

 

0212 

Dowel-Pin setzen 

 

0216 

Stumpf vorbereiten 

 

0402 

Modellmontage in Mittelwertartikulator* 

 

 

Frontzahnteilkrone** 

 

0706 

Foto- oder Video-Dokumentation 

 

0732 

Desinfektion 

 

0832 

Diagnostisches Modellieren und Aufwachsen 

 

1401 

Provisorische Krone 

 

2689 

Farbgebung durch Bemalen 

 

2695 

Kosmetische Modellation für Einprobe (Mock up) 

 

2951 

Individuell charakterisieren, Keramik 

 

Zahntechnische Leistungen nach BEB Zahntechnik 2009

Zahl 

L-Nr. 

Bezeichnung 

 

1.10.12.0 

Desinfektion, je Vorgang 

 

1.01.07.0 

Modell GKRP (Gegenbiss) 

 

1.01.07.0 

Modell GKRP (Planungsmodelle) 

 

1.01.07.0 

Modell ETK (Sägemodell) 

 

1.02.01.0 

Pin setzen, je Segment 

 

1.02.02.0 

Segment herstellen und bearbeiten 

 

1.02.03.0 

Stumpfsegment bearbeiten (z.B. Präp-Grenze darstellen) 

 

1.05.05.0 

Modellzahn diagnostisch bearbeiten (Mock up) 

 

1.09.02.0 

Modellpaar im Artikulator montieren* 

 

1.10.01.0 

1.10.02.0 

Zahnfarbenbestimmung im Labor oder 

Zahnfarbenbestimmung in der Praxis 

 

1.10.04.0 

Bilddokumentation, je Ausdruck 

 

2.04.02.0 

Teilverblendkrone Presskeramik 

 

2.04.05.0 

Teilverblendung durch Presskeramik 

 

2.04.08.0 

Farbanpassung Schichttechnik 

 

 

Provisorische Krone** 

*Die Modellmontage im Mittelwertartikulator kann neben den GOZ-Nrn. 802/804 nicht berechnet werden. 

**Die Frontzahnteilkrone ist in der BEB nicht enthalten. Hier ist eine neue Leistungs-Nummer anzulegen.  

 

Berechnung von Frontzahnteilkronen bei gesetzlich versicherten Patienten

Die Präparation einer Teilkrone nach den Abrechnungsbestimmungen zur Bema-Nr. 20c erfordert die vollständige Einbeziehung der Kaufläche. Zwar wird mit der Frontzahnteilkrone die Schneidekante mit einbezogen, jedoch kann die metallische Teilkrone im Frontzahnbereich nicht Leistungsinhalt des Bema sein, denn die deutlich sichtbare Überdeckung der Schneidekante mit Metall im Frontzahnbereich ist ästhetisch inakzeptabel. Damit ist für das Festzuschusssystem zwingend, dass die Angabe des Befundes „pw“ (erhaltungswürdiger Zahn mit partiellen Substanzdefekten) im Frontzahnbereich nicht angesetzt werden kann. Anstelle des Befundsymbols „pw“ ist das Befundsymbol „ww“ (erhaltungswürdiger Zahn mit weitgehender Zerstörung) anzugeben. Werden im Frontzahnbereich Teilkronen aus Keramik oder ähnlichen Materialien verwendet, handelt es sich dabei um eine gleichartige Versorgung. 

 

Beispiel

TP 

 

 

 

 

 

 

 

PKM 

 

PKM 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KV 

 

KV 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ww 

 

ww 

 

 

 

 

 

 

 

 

18 

17 

16 

15 

14 

13 

12 

11 

 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

28 

 

48 

47 

46 

45 

44 

43 

42 

41 

 

31 

32 

33 

34 

35 

36 

37 

38 

Für die Zähne/das Gebiet 11,21 fallen folgende Festzuschüsse an: 2 x 1.1 und 2 x 1.3. 

 

Berechnung

Zahn/Gebiet 

Anzahl 

Gebühren-Nr. 

Leistung 

11,21 

19 

Prov. Krone 

11,21 

222 (GOZ analog) 

Frontzahnteilkrone 

 

Teilkronen aus Keramik im Frontzahnbereich stellen eine gleichartige Versorgung dar. Die Berechnung der zahntechnischen Leistungen ist entsprechend anzupassen. 

Berechnung als ästhetische Leistung

Soll die geplante Versorgung allein aus ästhetischen Gründen erfolgen (zum Beispiel bei Verfärbungen infolge Hypoplasien, Zahnfehlstellungen, Verschluss des Diastemas etc.), ist es notwendig, vor Beginn der Behandlung mit dem Patienten eine Vereinbarung gemäß § 2 Abs. 3 GOZ zu schließen (siehe hierzu den Beitrag in „Privatliquidation aktuell“ Nr. 1/2010, S.4). In der Vereinbarung kann die Leistung dann wie folgt fixiert werden: 

 

Zahn 

Anzahl 

Leistungsbeschreibung 

Einzelpreis 

Gesamtpreis 

11 

Keramische Verblendschale 

xx,yy Euro 

xx,yy Euro 

Zahnärztliches Honorar 

 

Material- und Laborkosten (geschätzt) 

xx,yy Euro 

Gesamtkosten 

xx,yy Euro 

 

Quelle: Ausgabe 03 / 2010 | Seite 8 | ID 134114