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·Fachbeitrag ·Abrechnung nach GOZ und GOÄ

„Gegenspieler“ genauer betrachtet: Wann wird nach GOZ und wann nach GOÄ berechnet?

von Julia Gabriel, Saarbrücken

| Immer wieder gibt es im Abrechnungsalltag Situationen, in denen entschieden werden muss, ob eine Leistung nach GOZ oder nach GOÄ zu berechnen ist. In diesem Beitrag gehen wir auf GOZ-Positionen ein, die einen „Gegenspieler“ in der GOÄ haben. Es wird erläutert, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um in die GOÄ ausweichen zu dürfen, und ob das Sinn macht. |

Was geht aus den Paragrafen von GOÄ und GOZ hervor?

MKG-Chirurgen sind oft der Ansicht, dass ihnen die ganze GOÄ uneingeschränkt zur Verfügung steht. Bis auf eine Ausnahme ist das auch korrekt. In § 6 Abs. 1 GOÄ heißt es: „Erbringen Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, Hals-Nasen-Ohrenärzte oder Chirurgen Leistungen, die im Gebührenverzeichnis für zahnärztliche Leistungen - Anlage zur Gebührenordnung für Zahnärzte vom 22. Oktober 1987 (BGBI. I S. 2316) - aufgeführt sind, sind die Vergütungen für diese Leistungen nach den Vorschriften der Gebührenordnung für Zahnärzte in der jeweils geltenden Fassung zu berechnen.“ Im Klartext bedeutet das, dass Leistungen, die in der GOZ enthalten sind, auch nach GOZ zu berechnen sind.

 

Zahnärzte betrifft eher § 6 Abs. 2 GOZ: „Die Vergütungen sind nach den Vorschriften der Gebührenordnung für Ärzte zu berechnen, soweit die Leistung nicht als selbstständige Leistung oder Teil einer anderen Leistung im Gebührenverzeichnis der Gebührenordnung für Zahnärzte enthalten ist und wenn die Leistungen, die der Zahnarzt erbringt, in den folgenden Abschnitten des Gebührenverzeichnisses der Gebührenordnung für Ärzte aufgeführt sind….“ Das heißt: Der Zahnarzt darf dann in die GOÄ ausweichen, wenn die entsprechende Leistung nicht in der GOZ enthalten ist und er Zugriff auf den Bereich der GOÄ hat, in dem sich die infrage kommende Leistung befindet.

Anästhesien nach Nrn. 0090/0100 bzw. Ä490, Ä491, Ä493, Ä494

Oft werden Anästhesieleistungen nach GOÄ mit den Nrn. Ä490, Ä491, Ä493, Ä494 abgerechnet. Jedoch enthält die GOZ intraorale Anästhesieleistungen nach den Nrn. 0090 und 0100. Die Berechnung nach GOZ-Nrn. 0090/0100 bringt außerdem noch weitere Vorteile: Diese Ziffern sind mit Begründung auch mehrfach oder nebeneinander abrechenbar. Da der Zahnarzt keinen Zugriff auf die Anästhesieleistungen in der GOÄ hat und die extraoralen Anästhesien nicht mehr in die GOZ 2012 aufgenommen wurden, können diese nur analog gemäß § 6 Abs. 1 GOZ abgerechnet werden.

Die Vestibulumplastik nach GOZ-Nr. 3240 bzw. Ä2675

Die GOZ-Nr. 3240 beschreibt eine Vestibulumplastik oder Mundbodenplastik kleineren Umfangs, auch Gingivaextensionsplastik, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich, für einen Bereich von bis zu zwei nebeneinander liegenden Zähnen, ggf. am zahnlosen Kieferabschnitt. Hierzu gehören auch mukogingivale Schwenk- oder Rotationslappen oder die Splitlappentechnik. Zusätzlich ist der OP-Zuschlag 0510 berechenbar. Die GOÄ-Nr. 2675 wird für eine partielle Vestibulum- oder Mundbodenplastik oder große Tuberplastik, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich, angesetzt. Hier fehlt die Beschränkung „für einen Bereich bis zu zwei nebeneinander liegenden Zähnen“. Demnach wird die GOZ-Ziffer eher für kleinere Bereiche und die GOÄ-Ziffer eher für größere Bereiche herangezogen.

OP-Zuschläge nach GOZ-Nrn. 0500 bis 0530 bzw. Ä 442 bis Ä445

Die OP-Zuschläge 0500 bis 0530 aus der GOZ sind nicht neben den Zuschlägen Ä442 bis Ä445 aus der GOÄ berechnungsfähig. Demnach ist darauf zu achten, dass der richtige OP-Zuschlag zur entsprechenden OP-Ziffer gewählt wird. Nicht selten berechnet man ganz automatisch den OP-Zuschlag aus der GOZ, weil die eigentliche OP-Ziffer auch aus der GOZ zum Tragen kommt. Dabei bleibt unbeachtet, dass man u. U. auch einen höheren OP-Zuschlag aus der GOÄ ansetzen dürfte, da zusätzlich z. B. eine schwierige Hautlappenplastik nach Ä2382 erbracht wurde, die den OP-Zuschlag Ä443 nach sich zieht. Es ist außerdem wichtig zu wissen, dass die Punktwerte der GOÄ höher sind als die der GOZ. Auch das sollte bei der Wahl des Zuschlags berücksichtigt werden. Die OP-Zuschläge nach GOZ-Nr. 0510 und GOÄ-Nr. 443 werden beide für Leistungen von 500 bis 799 Punkten angesetzt, jedoch ist die GOZ-Nr. 0510 mit 42,18 Euro und die GOÄ-Nr. 443 mit 43,72 Euro bewertet.

Plastische Deckung nach GOZ-Nr. 3100 bzw. GOÄ-Nr. 2381

Durch die Aufnahme der Nr. 3100 in die GOZ 2012 ist die GOÄ-Nr. 2381 für den plastischen Wundverschluss mit Periostschlitzung nicht mehr darstellbar. Maßnahmen nach GOÄ-Nr. 2381 sind - was den Aufwand angeht - denen der GOZ-Nr. 3100 vergleichbar. Repositionierte Lappen, die in ihrer ursprünglichen Position vernäht werden, entsprechen im Normalfall einem einfachen Wundverschluss und sind mit der Gebühr abgegolten. Bei koronaler Verschiebung mit Periostschlitzung oder z. B. einem Mukoperiostlappen kann die GOZ-Nr. 3100 abgerechnet werden. Die schwierigen Hautlappenplastiken wie lateraler Verschiebelappen, Rolllappen etc. sind nach wie vor mit der Ä2382 berechenbar.

Auffüllen von Defekten nach GOZ-Nr. 4110 bzw. Ä2442

Auch die GOZ-Nr. 4110 und die Ä2442 liefern Stoff für Diskussionen, wenn es um das Auffüllen von Defekten geht. Die unterschiedlichen Merkmale dieser beiden Ziffern sind jedoch relativ einfach zu erkennen. Die Nr. 4110 beschreibt das Auffüllen von parodontalen Knochendefekten mit Aufbaumaterial (Knochen- und/oder Knochenersatzmaterial) ….“ Dies kann im Rahmen der PAR-Behandlung, aber auch im Rahmen chirurgischer Leistungen erfolgen. Außerdem ist die Leistung auf einen Zahn begrenzt. Erfolgt neben der Leistung nach der Nr. 4110 eine Weichteilunterfütterung mit autologem Knochen, ist hierfür die GOZ-Nr. 9090 berechenbar. Wird hierbei Knochenersatzmaterial und/oder ein collagen patch verwendet, so entspricht diese Leistung der GOÄ-Nr. 2442.

Quelle: Ausgabe 08 / 2016 | Seite 14 | ID 44179653