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·Fachbeitrag ·Abrechnung nach GOÄ

Kurze Bescheinigung oder ausführlicher Krankheitsbericht: Das gilt bei der Abrechnung!

von Isabel Baumann, Mülsen, www.praxiskonzept-baumann.de

| Kurze Bescheinigungen und ausführliche Krankheitsberichte werden im Praxisalltag häufig geschrieben, doch nicht immer ist die Abrechnung korrekt. Dieser Beitrag gibt Hinweise zur Abrechnung der GOÄ-Nrn. 70 und 75. |

Wie ist eine „kurze Bescheinigung“ definiert?

Die Leistungsbeschreibung und Bewertung dieser Ziffer lauten:

 

  • Kurze Bescheinigung
GOÄ-Nr.
Leistungsbeschreibung
Punkte
Gebühr in Euro

Ä70

Kurze Bescheinigung oder kurzes Zeugnis, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

40

2,33 (1,0-fach)

5,36 (2,3-fach)

8,16 (3,5-fach)

 

Die GOÄ-Nr. 70 darf für das Ausstellen einer kurzen Bescheinigung, eines kurzen Zeugnisses oder einer AU-Bescheinigung abgerechnet werden. Dabei ist zu beachten, dass eine reine Befundmitteilung oder der einfache Befundbericht mit der Gebühr für die zugrunde liegende Leistung abgegolten ist. Somit ist für die Übermittlung eines Röntgenbefunds die Ä70 nicht ansatzfähig.

 

Für das Ausstellen einer AU-Bescheinigung darf die Ä70 berechnet werden, auch wenn eine Erstattung durch die Kostenträger - private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen - möglicherweise ausgeschlossen ist. Hier gibt es je nach Bundesland Unterschiede in der Beihilfeverordnung. Die Berechnungsmöglichkeit gegenüber dem Patienten ist aber unabhängig davon.

 

Die Berechenbarkeit der Ä70 setzt voraus, dass die kurze Bescheinigung in schriftlicher Form ausgestellt wird. Mündliche Äußerungen oder telefonische Auskünfte des Arztes sind nicht über die Ä70 berechenbar. Neben der Ä70 darf eine Beratung nach der Ä3 berechnet werden, wenn das kurze Zeugnis zu einem Zeitpunkt ausgestellt wird, der nicht mehr im unmittelbaren Zusammenhang mit der Leistung steht. Zeitangaben sind hier zwar nicht erforderlich, aber zu empfehlen, um Probleme mit Kostenträgern vorzubeugen.

 

Gelegentlich wird die GOÄ fälschlicherweise für das Ausstellen eines Rezepts zum Ansatz gebracht. Dies ist nicht korrekt. Das Ausstellen eines Rezepts ist mit der Behandlung abgegolten. Für das Ausstellen eines Wiederholungsrezepts ist die Ä2 berechenbar. Überweist der Zahnarzt zu einem anderen Arzt, so ist die Ä70 nur berechenbar, wenn dieser eine kurze Bescheinigung - z. B. Angaben zum bisherigen Behandlungsverlauf - beigefügt wird. Ein kleines Attest oder eine Kurzbescheinigungen kann eine Anwesenheitsbescheinigung, ein Schulunfähigkeitsattest oder auch eine Prüfungsfähigkeit sein. Anders als für die Ä75 gibt es hier keine genauen Inhaltsangaben.

Wie ist ein „ausführlicher Befundbericht“ definiert?

Die Leistungsbeschreibung und Bewertung dieser Ziffer lauten:

 

  • Ausführlicher Befundbericht
GOÄ-Nr.
Leistungsbeschreibung
Punkte
Gebühr in Euro

Ä75

Ausführlicher schriftlicher Krankheits- und Befundbericht (einschließlich Angaben zur Anamnese, zu dem Befund/den Befunden, zur epikritischen Bewertung und ggf. zur Therapie)

130

7,58 (1,0-fach)

17,43 (2,3-fach)

26,53 (3,5-fach)

 

Diese Gebühr darf für einen längeren, über eine kurze Bescheinigung hinausgehenden Bericht berechnet werden. Was bedeutet in diesem Kontext „ausführlich“? Ein ausführlicher Arztbericht enthält neben der zusammenfassenden Krankheit oder Diagnose eine Stellungnahme zum bisherigen Krankheitsverlauf (ausführliche Anamnese), zu Vor- und Begleiterkrankungen sowie zur Ausprägung der Symptomatik der Erkrankung und eventuell aufgetretenen Komplikationen. Dabei sollten sich die Anamnese- und Befundangaben nicht nur auf die derzeitige Situation beziehen, sondern ggf. auch prognostische Angaben enthalten. Angaben zur Therapie sind nicht zwingend notwendig, aber empfehlenswert.

 

Umfasst also ein Arztbericht nur Angaben zur Krankheit (Diagnose, Epikrise) und einen Befund, so sind nicht alle Merkmale der Ausführlichkeit enthalten und die Ä75 kann nicht berechnet werden. Für das Berechnen eines ausführlichen Berichts kommt es weniger auf dessen Länge als vielmehr auf die Vollständigkeit der Inhaltsangaben an. Eine Epikrise ist definiert als ein „zusammenfassender kritischer Bericht über den Ablauf einer Krankheit nach Abschluss des Falls oder nach endgültiger Diagnosestellung“ (siehe GOÄ-Ratgeber der Bundesärztekammer). Ein solcher Bericht sollte nicht nur stichpunktartig erstellt werden, denn das wird im Falle eines Gerichtsverfahrens häufig nicht anerkannt.

 

Der Arztbrief muss schriftlich ausgestellt werden. Für die mündliche bzw. telefonische Übermittlung ist die Ä75 nicht berechenbar. Werden im Rahmen einer konsiliarischen Erörterung (Ä60) Befunde schriftlich übermittelt, so ist dies in jedem Fall Bestandteil der Ä60 und kann deshalb nicht eigenständig mit der Ä70 oder Ä75 neben dem Konsil berechnet werden. Jedoch hat der Arzt dabei ein Wahlrecht, ob er in Fällen, in denen der ausgefüllte Konsilschein die Voraussetzungen der Ä75 in allen Inhalten erfüllt, diese Ziffer oder die Ä 60 berechnet (siehe Beschluss des Ausschusses „Gebührenordnung“ der Bundeszahnärztekammer).

 

Für das Erstellen eines röntgenologischen Befunds - auch wenn er sehr ausführlich ist - kann die Ä75 nicht berechnet werden. Gleiches gilt für praxisinterne Berichte. Die medizinische Notwendigkeit eines Arztberichts bestimmt der Arzt und nicht der Kostenträger. Eine Schreibgebühr ist neben der Ä75 nicht berechenbar. Anfragen privater Krankenversicherungen sind nach § 612 BGB abzurechnen.

Quelle: Ausgabe 08 / 2016 | Seite 9 | ID 44173647