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·Fachbeitrag ·Dienstwagen

Neues zur Umsatzsteuer bei der Fahrzeugüberlassung an das Personal

von StB Dipl. Finw. (FH) Michael Heuser, WTS Steuerberatungsges. mbH, Köln

| Überlässt ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern einen Dienstwagen, muss er neben den lohnsteuerlichen auch die umsatzsteuerlichen Besonderheiten beachten. Einen Musterfall hat LGP Ihnen bereits vorgestellt (LGP 8/2014, Seite 132). Mittlerweile hat die OFD Niedersachen weitere Details zur Umsatzsteuer geregelt, die Arbeitgeber kennen und beachten sollten. |

Fahrzeugüberlassung immer umsatzsteuerpflichtig

Die Überlassung von Fahrzeugen an Arbeitnehmer zur Verwendung für Privatfahrten sowie für Fahrten zwischen Haupt- oder Zweitwohnung und erster Tätigkeitsstätte führt zu lohnsteuerpflichtigem Arbeitslohn (§ 2 Abs. 1 LStDV). Umsatzsteuerlich liegt grundsätzlich ein entgeltlicher Leistungsaustausch vor (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 S. 1 UStG, Abschn. 1.8 Abs. 18 und Abschn. 15.23 Abs. 8 und 9 UStAE). Neben dieser Grundregel gibt es zwei Besonderheiten zu beachten:

 

  • Die Fahrzeugüberlassung stellt beim Arbeitgeber aufgrund der Entgeltlichkeit eine Vermietungsleistung dar. Der umsatzsteuerliche Leistungsort hierfür ist der Wohnsitz des Arbeitnehmers (§ 3a Abs. 3 Nr. 2 S. 3 UStG). Aufwendig wird es für den Arbeitgeber, wenn der Arbeitnehmer im Ausland wohnt, wie es insbesondere bei Grenzgängern der Fall ist. Der deutsche Arbeitgeber muss sich dann im Ausland steuerlich registrieren lassen und Umsatzsteuererklärungen einreichen (LGP 10/2013, Seite 164).

 

  • Die Überlassungsleistung ist generell umsatzsteuerpflichtig, auch wenn der Arbeitgeber sonst nur umsatzsteuerfreie Ausgangsleistungen erbringt (OFD Niedersachsen, Verfügung vom 2.9.2015, Az. S 7100 - 220 - St 171, Abruf-Nr. 146209). Das betrifft vor allem Ärzte und Zahnärzte sowie Versicherungsunternehmen, die ihren Angestellten einen Dienstwagen überlassen. Die Steuerbefreiung für sogenannte Hilfsumsätze ist hier nicht anwendbar (§ 4 Nr. 28 UStG, Abschn. 4.28 Abs. 1 S. 3 UStAE).

 

Bemessungsgrundlage für die Umsatzbesteuerung

Bemessungsgrundlage auf die private Nutzung sind grundsätzlich die Gesamtausgaben für das Fahrzeug (§ 10 Abs. 2 S. 2 und Abs. 1 S. 1 UStG, Abschn. 15.23 Abs. 10 UStAE). Zur Vereinfachung können Arbeitgeber die lohnsteuerlichen Werte für die Umsatzsteuer verwenden. Somit können entweder die Einzelausgaben per Fahrtenbuch (Umsatzsteuer ist auf die Nettokosten aufzuschlagen) oder ein Pauschalwert nach der Ein-Prozent-Regelung (Umsatzsteuer ist herauszurechnen) angesetzt werden (Abschn. 15.23 Abs. 11 UStAE).

 

PRAXISHINWEIS | Auch bei gemieteten oder geleasten Fahrzeugen können die pauschalen Nutzungswerte aus dem Bruttolistenpreis abgeleitet werden (OFD Niedersachsen, Verfügung vom 2.9.2015)

 

Wichtig | Zwischen den lohnsteuerlichen und umsatzsteuerlichen Werten kann es zu Abweichungen kommen, insbesondere wenn der Arbeitnehmer den Dienstwagen für Fahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung nutzt oder der Dienstwagen ein Elektro- oder Hybridfahrzeug ist (Details in LGP 8/2014, Seite 132).

 

PRAXISHINWEIS | Aus den Kosten für den Dienstwagen hat der Arbeitgeber im Regelfall insgesamt einen Vorsteuerabzug, da das Fahrzeug sowohl hinsichtlich der dienstlichen als auch der privaten Fahrten als unternehmerisch verwendet gilt.

 

Nur gelegentliche Nutzung des Dienstwagens

Nutzt der Arbeitnehmer den Wagen nur gelegentlich aus besonderem Anlass an nicht mehr als fünf Tagen im Monat, entfällt der Ansatz des Monatswerts, der bei der Ein-Prozent-Regelung gilt. Statt dessen kann der Arbeitgeber

  • den Vorteil für die Privatfahrt bzw. die einzelne Fahrt zwischen Wohnung und Betrieb je Fahrtkilometer mit 0,001 Prozent des Listenpreises ansetzen (H 8.1 Abs. 9-10 Lohnsteuer-Hinweise). Die Umsatzsteuer auf diese nun unentgeltliche Fahrzeugüberlassung (§ 3 Abs. 9a Nr. 1 UStG, Abschn. 15.23 Abs. 12 UStAE) ist aus den lohnsteuerlichen Werten herauszurechnen.
  • auf die lohnsteuerliche Vereinfachung verzichten und die gefahrenen Kilometer mit den tatsächlichen anteiligen Kilometerkosten ansetzen. Diese Kosten sind dann Nettowerte, die Umsatzsteuer ist aufzuschlagen.

Nutzung von Park- oder Garagenplätzen

Die Überlassung von Pkw-Parkplätzen auf dem Firmengelände ist lohn- und umsatzsteuerlich unbeachtlich, da ein überwiegend betriebliches Interesse angenommen wird (Abschn. 1.8 Abs. 4 Nr. 5 UStAE). Das gilt auch für Stellplätze, die der Arbeitgeber auf externem Terrain anmietet. Für Dienstwagennutzer ist der Vorgang bereits deswegen ohne steuerliche Relevanz, weil ein Fahrzeug des Arbeitgebers auf einem Parkplatz des Arbeitsgebers abgestellt wird (H 8.1 Abs. 9-10 Stichwort: Garage für Dienstwagen, Lohnsteuer-Hinweise).

 

Wichtig | Soweit der Arbeitnehmer keinen Pkw, sondern etwa einen Wohnwagen oder eine Segelyacht kostenfrei unterstellen darf, liegen steuerbare Umsätze vor (OFD Niedersachsen, Verfügung vom 2.9.2015).

 

Erstattet der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer externe Parkgebühren,

  • liegt Arbeitslohn vor, der auch umsatzsteuerpflichtig ist (§ 2 Abs. 1 LStDV, § 3 Abs. 9a Nr. 2 UStG). Eine Lohnsteuerpauschalierung mit 15 Prozent scheidet aus, weil die Parkgebühren beim Arbeitnehmer nicht zusätzlich als Werbungskosten abzugsfähig sind (§§ 9 Abs. 1 Nr. 4, 40 Abs. 2 S. 2 EStG).
  • können diese als betrieblich veranlasste Reisenebenkosten lohnsteuerfrei erstattet werden, wenn die Parkgebühren im Rahmen einer dienstlichen Auswärtstätigkeit anfallen (§ 3 Nr. 16 EStG). Aufgrund der betrieblichen Verursachung ist die Erstattung auch umsatzsteuerlich ohne Bedeutung.

 

PRAXISHINWEIS | Die Grundsätze für die Parkgebühren gelten auch für ähnliche Gebühren wie zum Beispiel Maut oder Fährgebühren.

 
Quelle: Ausgabe 02 / 2016 | Seite 25 | ID 43802454