logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.04.2007 |Anwendung der Tarifermäßigung

Geldwerte Vorteile aus Aktienoptionen

Mit einer Aktienoption gewährt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das Recht, nach einer bestimmten Wartezeit eine festgelegte Anzahl von Aktien des Arbeitgebers zu einem vorher festgelegten Preis zu erwerben. Streit gibt es oft darum, wann und wie der geldwerte Vorteil zu versteuern ist. Dazu hat der BFH jetzt wieder drei Entscheidungen gefällt. 

Versteuerung im Zuflusszeitpunkt

In der Regel sind die Aktionenoptionen nicht handelbar. Damit erfolgt der Zufluss des geldwerten Vorteils erst, wenn der Arbeitnehmer die Option ausübt und die Aktien erwirbt. Bei dem Zuflusszeitpunkt bleibt es auch, wenn der Arbeitnehmer aufgrund einer Verfügungs- und Verwertungsbeschränkung nicht über den aus der Aktienoption erzielten Gewinn verfügen kann (BFH, Urteil vom 1.2.2007, Az: VI R 73/04; Abruf-Nr. 071116). 

 

Steuerpflichtig ist die Differenz zwischen dem Börsenkurs der überlassenen Aktien und dem vom Arbeitnehmer gezahlten (vorher festgelegten) Preis. Dieser geldwerte Vorteil ist in voller Höhe steuerpflichtig und nicht nach dem Halbeinkünfteverfahren begünstigt (BFH, Beschluss vom 20.12.2006, Az: VI B 21/06; Abruf-Nr. 071115).  

 

Weil die Gutschrift aus der Option oft erst einige Zeit nach dem Tag der Optionsausübung erfolgt, kann der Aktienkurs in der Zwischenzeit gestiegen oder gefallen sein. Für die Versteuerung ist dann der Tag maßgebend, an dem die Aktien aus dem Depot des Arbeitgebers ausgebucht werden (BFH, Urteil vom 20.6.2001, Az: VI R 105/99; Abruf-Nr. 010945). 

Tarifbegünstigung anwendbar?

Der geldwerte Vorteil ist nach der „Fünftel-Regelung“ tarifbegünstigt zu versteuern, wenn die Laufzeit der Option mehr als zwölf Monate beträgt und der Arbeitnehmer in den zwölf Monaten bei seinem Arbeitgeber beschäftigt ist (BFH Urteil vom 19.12.2006, Az: VI R 136/01; Abruf-Nr. 070434). 

 

Begründung des BFH

„Aktienoptionen werden im Allgemeinen nicht als Vergütung für gute Leistungen in der Vergangenheit gewährt, sondern als „Anreizlohn“ für Anstrengungen in der Zukunft. Der geldwerte Vorteil stellt eine zeitraumbezogene Vergütung für die Zeit von der Gewährung bis zur Ausübung der Option dar. Da dieser Zeitraum immer mehr als zwölf Monate umfasst, handelt es sich bei dem geldwerten Vorteil um eine Vergütung für mehrjährige Tätigkeit gemäß § 34 EStG.“ 

Beachten Sie: Die Tarifbegünstigung ist nicht möglich, wenn der Arbeitnehmer im Einzelfall nachweislich nicht für die Zukunft motiviert werden sollte, sondern mit Einräumung der Option konkrete Arbeitserfolge des Arbeitnehmers in der Vergangenheit zusätzlich entlohnt werden sollten. 

 

Zeitanteilige Steuerfreiheit

Der geldwerte Vorteil entfällt gleichmäßig auf die Zeit von der Einräumung der Optionen bis zur Ausübung. War der Arbeitnehmer in dieser Zeit vo-rübergehend nicht in Deutschland steuerpflichtig, zum Beispiel weil er im Ausland gearbeitet hat, so ist der auf die Zeit im Ausland entfallende geldwerte Vorteil zeitanteilig steuerfrei. Gegebenenfalls muss er aber im Wege des Progressionsvorbehalts erfasst werden.  

 

Beispiel

Der Arbeitnehmer übt seine Optionen acht Jahre nach der Einräumung aus. In den acht Jahren hat er drei Jahre im Ausland gearbeitet und hatte in Deutschland keinen Wohnsitz, war hier also nicht unbeschränkt steuerpflichtig. Nach dem Dopppelbesteuerungsabkommen mit dem betreffenden ausländischen Staat stand dem ausländischen Staat das Besteuerungsrecht für den Arbeitslohn zu. Bei Ausübung der Option arbeitet er wieder in Deutschland und ist hier steuerpflichtig. Der geldwerte Vorteil ist entsprechend aufzuteilen. Für die Auslandszeit, also für drei der acht Jahre ist der Vorteil steuerfrei. Nur für die restlichen fünf Jahre ist er steuerpflichtig. Der Arbeitnehmer müsste dann nur 5/8 des geldwerten Vorteils in Deutschland versteuern. Für diese 5/8 kann er zusätzlich den ermäßigten Steuersatz beanspruchen. 

Weitere positive Aussagen des BFH

Der BFH entschied noch in weiteren Punkten positiv! Die Tarifermäßigung gibt es auch in folgenden Fällen: 

 

  • Die Aktienoptionen werden wiederholt eingeräumt. Voraussetzung für die Tarifermäßigung ist, dass zwischen dem Einräumen der einzelnen Option und dem Ausüben mindestens zwölf Monaten vergehen. Dann stellen die Vorteile aus jeder dieser Optionen eine Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit dar.

 

  • Die jeweils eingeräumte Option wird nicht in vollem Umfang einheitlich, sondern im Verlauf mehrerer Jahre ausgeübt. Auch hier gilt: Bis zur Ausübung der Option müssen mindestens zwölf Monate vergehen und der Arbeitnehmer muss in diesen zwölf Monaten auch tatsächlich für den Arbeitgeber gearbeitet haben.

 

Im Urteilsfall beteiligte sich eine Arbeitnehmerin im Jahr 1991 am Aktienoptionsprogramm. Sie erhielt ein Bezugsrecht für 325 Aktien. Davon nahm sie 148 im Jahr 1993 und 32 im Jahr 1994 in Anspruch. Von September 1993 an arbeitete sie nur noch Teilzeit, bis sie im September 1996 ganz aus dem Unternehmen ausschied. Im August 1997 nahm sie die verbliebenen 145 Optionen in Anspruch. Nach Abzug von Gebühren und Spesen erhielt sie dafür eine Gutschrift von 108.594 DM. Dieser Betrag ist steuerpflichtig, berechtigt aber zum ermäßigten Steuersatz für eine „mehrjährige Tätigkeit, entschied der BFH!  

 

Quelle: Ausgabe 04 / 2007 | Seite 67 | ID 87916